Südafrikas Abfallwirtschaft wächst dynamisch – doch Kommunen bleiben chronisch unterfinanziert. Private Anbieter und der informelle Sektor füllen die Versorgungslücken.
Die Entsorgungslandschaft ist fragmentiert: Kommunale Dienstleister, private Unternehmen und ein großer informeller Sektor (60.000 bis 90.000 Abfallsammler) prägen das Bild. Kommunale Akteure verantworten die Haushaltsabfallsammlung, die Straßenreinigung sowie den Betrieb der meisten Deponien, kämpfen jedoch häufig mit begrenzten finanziellen und technischen Kapazitäten.
Milliardenmarkt zwischen Potenzial und Engpässen
Südafrikas Abfallwirtschaft entwickelt sich dynamisch. Das Marktforschungsinstitut IMARC beziffert den südafrikanischen Abfallwirtschaftsmarkt auf rund 9,5 Milliarden US‑Dollar (US$) im Jahr 2024 und berücksichtigt dabei sämtliche Aktivitäten der Sammlung, Behandlung, des Recyclings und der Entsorgung. IMARC Group erwartet, dass der Markt bis 2033 auf 14,97 Milliarden US$ wächst, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 4,6 Prozent im Zeitraum 2025 bis 2033.
Struktur der Abfallbehandlung im Überblick
- Sammlung: überwiegend kommunal organisiert; Abdeckung in Städten 70–90 Prozent, in ländlichen Gebieten deutlich geringer.
- Deponierung: weiterhin dominierende Entsorgungsform; über 1.200 Deponien landesweit, davon mehr als 60 Prozent nicht regelkonform.
- Recycling/Wiederverwertung: Schwerpunkt auf Papier, Metallen, Glas und PET; rund 300 formelle Anlagen, vor allem in Gauteng und KwaZulu‑Natal.
- Thermische Behandlung: kaum verbreitet; bisher nur Pilotanlagen.
- Müllverbrennung: keine großtechnischen Anlagen im Betrieb.
- Kompostierung: unterentwickelt, obwohl großes Potenzial bei organischen Abfällen (größte Einzelfraktion).
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Private Anbieter gewinnen an Gewicht
Parallel dazu gewinnt der private Sektor an Bedeutung. Unternehmen wie Averda, Interwaste, WastePlan und WasteMart zählen zu den führenden Marktakteuren und dominieren das gewerbliche Recycling, das Management gefährlicher Abfälle sowie Investitionen in neue Technologien und moderne Sortier‑ und Behandlungsanlagen. In großen Metropolen wie Johannesburg betreibt der städtische Dienstleister Pikitup ein breites Netz an Sammelstellen, Depots und Deponien, bleibt aber ebenfalls durch Überlastung und knappe Kapazitäten unter Druck.
Auf dem Markt tummeln sich sowohl internationale als auch lokale Akteure. Zu den führenden internationalen Anbietern zählen Veolia, SUEZ und Hitachi Zosen Inova, die im Bereich Waste-to-Energy tätig sind. Deutsche Unternehmen wie ThyssenKrupp Uhde und Bilfinger Steinmüller Africa sind mit Tochtergesellschaften in Südafrika vertreten und im Bereich Anlagenbau und Recycling gut aufgestellt. Lokale Produzenten konzentrieren sich auf einfachere Maschinen und Containerlösungen, während komplexe Technologien fast ausschließlich importiert werden.
Große regionale Unterschiede
Der Ausstattungsgrad mit modernen Anlagen ist regional unterschiedlich: Während in Metropolen wie Johannesburg und Kapstadt neue innovative Anlagen entstehen, fehlt es in vielen Kommunen an Infrastruktur, Fahrzeugen und IT-Systemen. Die mangelhafte Versorgung begünstigt illegale Ablagerungen und offene Verbrennung. Zwischen 60 und 80 Prozent der kommunalen Deponien sind nicht konform mit gesetzlichen Vorgaben, viele sind überfüllt oder schlecht gewartet. Spezialisierte Anlagen, etwa für die Wiederaufbereitung der hohen Aufkommen von Bau- und Abbruchabfällen, gibt es nur wenige im Land.
Recyclingquote steigt
Die Recyclingquote bei Metallen (über 75 Prozent) und PET-Flaschen (über 60 Prozent) ist im internationalen Vergleich beachtlich, bei Glas (32 bis 42 Prozent) und Kunststoffen (18 bis 28 Prozent) noch ausbaufähig. Im Jahr 2023 wurden laut dem Branchenverband Plastics SA immerhin 431.800 Tonnen Kunststoffe recycelt – ein deutlicher Anstieg gegenüber 368.800 Tonnen im Vorjahr. Zu den Vorreitern im Recycling von Getränkekartons zählt Tetra Pak. Durch Investitionen und Kooperationen mit Mpact und Gayatri Paper Mills baut Tetra Pak die Infrastruktur weiter aus und strebt bis 2030 eine Recyclingquote von 40 Prozent an.
Informelle Abfallsammler leisten großen Beitrag
Eine besondere Rolle in der Entsorgungslandschaft spielt der informelle Sektor. Sogenannte Waste-Picker sichern einen großen Teil der nationalen Recyclingmengen, besonders bei Kunststoffen, Metallen, Papier und Glas. Sie agieren überwiegend außerhalb formaler Strukturen, leisten jedoch einen wesentlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und werden durch die Regelungen zur Herstellerverantwortung zunehmend in offizielle Wertschöpfungsketten eingebunden.
Wichtigste Branchenunternehmen in Südafrikain Millionen US-Dollar | Unternehmen | Sparte | Umsatz |
|---|
| Mpact Recycling (Recycling Consolidated Holdings) | Recycling & Zero Waste Solutions. Größter Recycler für Papier, Karton und Kunststoffe in Südafrika. | 684 |
| EnviroServ Waste Management | Marktführer für gefährliche Abfälle, Deponien, industrielle Entsorgung und Behandlung. | 592 |
| Waste Carriers (Pty) Ltd | Hazardous & Industrial Waste. Sammlung und Transport von kommunalem und kommerziellem Abfall, regional stark in Kapstadt. | 149 |
| Inter-Waste (Pty) Ltd | General Waste Collection & Transport. Breites Spektrum: kommunal, industriell, Recycling, Hazardous Waste; stark im B2B-Sektor. | k.A. (Teil von Séché Environnement) |
| Pikitup Johannesburg | Integrated Waste Management. Städtische Abfallentsorgung für Johannesburg, inkl. Sammlung, Straßenreinigung, Deponien. | k.A. |
| Veolia Southern Africa | Municipal Solid Waste. Teil des globalen Veolia-Konzerns; spezialisiert auf Wasseraufbereitung, Energie und Recycling. | Teil von Veolia Group (13,7 Mrd. global) |
| Averda South Africa | Industrial Services & Recycling. Internationaler Anbieter; Fokus auf gefährliche Abfälle, medizinische Abfälle und Recycling. | Teil von Averda Group (1,3 Mrd. global) |
| Wasteplan (Pty) | Hazardous & Medical Waste. Spezialist für Recycling, Kreislaufwirtschaft und "Zero Waste to Landfill“-Programme. | k.A. |
| Don’t Waste Group | Paper & Plastic Recycling, Bietet Abfallmanagement für Unternehmen, Schwerpunkt auf Audits, Optimierung und Recycling. | 111 |
Chrysler Waste Management Services (CWM) | Corporate Waste Auditing & Recycling. Mittelgroßer Anbieter für industrielle Abfallentsorgung und Recycling, v. a. in KwaZulu‑Natal. | 40 - 50 |
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Finanzierungslücke führt zu Modernisierungsstau
Nur ein kleiner Teil der erforderlichen Mittel wird über kommunale Abfallgebühren gedeckt. Die chronische Unterfinanzierung der Kommunen ist ein strukturelles Problem – nicht nur in der Abfallwirtschaft. Gebühren werden vielerorts gar nicht erhoben oder liegen deutlich unter den tatsächlichen Kosten. Zudem zahlt ein erheblicher Anteil der Haushalte die fälligen Beträge nicht oder nur unregelmäßig, wodurch hohe Außenstände entstehen und den Kommunen dringend benötigte Einnahmen für Betrieb, Wartung und Modernisierung fehlen.
Um diese Finanzierungslücken zu schließen, stützt sich der Sektor zunehmend auf staatliche Zuschüsse, internationale Entwicklungsfinanzierungen (darunter von Weltbank, EU und regionalen Entwicklungsbanken) sowie auf projektbezogene private Investitionen. Diese Mittel sind entscheidend, um Wartungsrückstände abzubauen, Anlagen zu modernisieren und größere Infrastrukturprojekte überhaupt realisieren zu können. Beispielhaft ist das Johannesburg Alternative Waste Treatment Technology Projekt (AWTT), das mit rund 27 Millionen Euro aus den Niederlanden kofinanziert wird.
Informationen über Projekte und Ausschreibungen
Bei der Umsetzung von geberfinanzierten Vorhaben schreiben die Staaten die benötigten Bau-, Liefer- und Beratungsleistungen oft international aus.
GTAI informiert tagesaktuell mit Projektfrühinformationen und Hinweisen auf Ausschreibungen über die vielfältigen Geschäftschancen in der internationalen Zusammenarbeit. Die kostenfreie Datenbank ist nach Land, Branche und Geber filterbar.
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Deutschland ist wichtiger Partner
Deutschland unterstützt Südafrika im Rahmen der Just Energy Transition Partnership des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der bilateralen Energiepartnerschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) bei der sozial gerechten Dekarbonisierung. Damit rücken auch abfallbasierte Lösungen wie Waste‑to‑Energy stärker in den Fokus.
Ergänzend dazu fördert das Verbundprojekt Kreislaufwirtschaft Südafrika des Markterschließungsprogramms des BMWE den gezielten Markteintritt deutscher Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Sammlung und Sortierung über Recyclingtechnologien bis hin zu zirkulären Geschäftsmodellen. Das Programm richtet sich insbesondere an deutsche kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ihre Technologien in Recycling, Abfallbehandlung und Kreislaufwirtschaft im südafrikanischen Markt positionieren möchten und dabei von strukturierten Modulen, Netzwerkaufbau und praxisnahen Marktformaten profitieren.
Von Jenny Tala
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Johannesburg