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In Südkoreas Halbeiterindustrie zählt Geschwindigkeit
Samsung und SK Hynix dominieren den Weltmarkt für Speicherchips. Südkorea baut seine Rolle als Halbleiterstandort weiter aus. Deutsche Firmen liefern Vorprodukte und Ausrüstung.
22.06.2026
Von Katharina Viklenko | Seoul
Südkorea festigt seine zentrale Stellung in der globalen Halbleiterproduktion. Die lokalen Champions der Speicherchipfertigung Samsung und SK Hynix haben große Investitionspläne angekündigt. Die Regierung unterstützt diese durch gezielte Anreize, zum Beispiel steuerliche Fördermaßnahmen für Erweiterungsinvestitionen, Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Ausrüstung, erläutert Matthew M. Wilson, Leiter des Geschäftsbereichs Halbleiter bei ZEISS Korea. "Das geplante Megacluster in Yongin ist eine Maßnahme, mit der die Regierung die Halbleiterproduktion in Südkorea fördert," so Wilson. Dies erhöhe den Bedarf an deutschen Präzisionstechnologien.
Fertigung wächst rasant
Die Halbleiterproduktion Südkoreas legte 2025 um 21 Prozent auf rund 140 Milliarden US-Dollar (US$) zu. Über 76 Prozent entfielen auf Speicherchips. Während diese vom KI-Boom profitieren, ging die Produktion von Systemhalbleitern und optischen Chips zurück.
Speicherhalbleiter kurz erklärt
- DRAM (Dynamic Random Access Memory) ist ein Arbeitsspeicher, der Daten temporär speichert und einen schnellen Zugriff ermöglicht.
- HBM (High Bandwidth Memory) ist die anspruchsvollste Variante des DRAM-Chips. Mit HBM lassen sich mehrere DRAM stapeln, um platzsparend viel Speicher unterzubringen.
- SSD (Solid State Drives) sind Speichermedien, die Daten schneller speichern und abrufen als klassische Festplatten.
- NAND‑Flashspeicher werden als primäre Massenspeicher genutzt. Als SSD werden sie in Rechenzentren oder KI-Servern eingesetzt.
Laut Trendforce erreichten Samsung Electronics und SK Hynix Ende 2025 zusammen knapp 77 Prozent Marktanteil der weltweiten DRAM-Erzeugung. Neben der US-amerikanischen Micron Technology (21 Prozent) gibt es kaum relevante Wettbewerber. Auch bei NAND-Flash (rund 55 Prozent) und SSD (64 Prozent) halten südkoreanische Anbieter hohe Marktanteile. Zudem stehen südkoreanische Firmen bei High Bandwidth Memory (HBM)-Chips an der Spitze. Sie spielen im KI-Boom eine zentrale Rolle.
In der Auftragsfertigung (Foundry) liegt die taiwanische TSMC mit fast 70 Prozent Marktanteil am weltweiten Umsatz deutlich vor Samsung (7,2 Prozent). Bei Systemhalbleitern und im Fabless-Segment, also in der reinen Entwicklung und im Design von Chips, ist Südkorea vergleichsweise schwach.
Neben Speicherchips produziert das Land LED und OLED, Display-Treiber, Bildsensoren, Display-Treiber sowie in geringem Umfang auch Halbleiter-Wafer. Die Branche wird von Samsung Electronics und SK Hynix dominiert. Als integrierte Hersteller (IDM) decken sie sowohl Design als auch Fertigung ab.
| Unternehmen | Segment | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Samsung Electronics 1) | Speicherchips, Foundry, Prozessoren für Anwendungen in mobilen Geräten, Bildsensoren etc. | 50,9 | 81,2 | 91,4 |
| SK Hynix | Speicherchips, Foundry, Bildsensoren etc. | 25,1 | 48,4 | 68,2 |
| Amkor Technology Korea 3) | Packaging- und Testdienstleister | 3,8 | 3,9 | 3,7 |
| Samsung Electro-Mechanics 2) | Kondensatoren, Widerstände | 3,0 | 3,3 | 3,7 |
| LX Semicon 4) | Fabless | 1,4 | 1,4 | 1,2 |
| DB Hitech | Foundry | 0,8 | 0,8 | 0,9 |
| Seoul Semiconductor | LED-Hersteller | 0,8 | 0,8 | 0,7 |
| SFA Semicon | Packaging- und Testdienstleister | 0,3 | 0,3 | 0,2 |
| Magnachip | Display-Treiber als integrierte Schaltungen (DDI), Leistungshalbleiter | 0,2 | 0,2 | 0,2 |
Exportfokus auf Asien
Südkorea exportiert den Großteil seiner Halbleiter. Wichtige Absatzmärkte sind China (30,2 Prozent), Taiwan (23,8 Prozent), Vietnam (15,8 Prozent) und Hongkong (13,7 Prozent). 2025 beliefen sich die Ausfuhren auf rund 146 Milliarden US$. Speicherchips machten rund 65 Prozent aus. Anfang 2026 stieg ihr Anteil auf nahezu 80 Prozent. Im Gesamtjahr 2026 sollen sich die Halbleiterexporte laut Prognosen insgesamt verdoppeln.
Auch die Halbleiterimporte nahmen 2025 leicht um 1,3 Prozent auf 66,5 Milliarden US$ zu. Im 1. Quartal 2026 wuchsen sie im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als 20 Prozent. Insbesondere Vorprodukte wie Maschinen für die Chipfertigung waren gefragt. Sie beliefen sich 2025 auf 21,6 Milliarden US$ (+19 Prozent) und wuchsen im 1. Quartal 2026 um 32 Prozent. Deutschland lieferte 2025 Halbleiter im Wert von 722 Millionen US$ nach Südkorea, die bisher größten Bezüge gab es 2022 für rund 1 Milliarde US$. Die Nachfrage nach deutschen Ausrüstungen stieg im 1. Quartal 2026 rasant.
Chip-Megacluster entsteht in Yongin
Im internationalen Subventionswettlauf setzt Südkorea auf umfangreiche Investitionen. Herzstück ist das weltweit größte Megacluster für Mikrochips in Yongin nahe Seoul. Samsung plant dort bis 2047 sechs Fabriken, SK Hynix vier. Neben dem Großraum Seoul will die Regierung weitere Halbleiterzentren im Süden des Landes aufbauen, etwa in Gwangju, Busan und Gumi. Mit der "K Semiconductor Strategy" hat sie langfristige Investitionen von bis zu 500 Milliarden US$ angekündigt. Nach Einschätzung von ZEISS Korea ergeben sich auch für deutsche Firmen neue Marktchancen bei Präzisionstechnologien (siehe Kurzinterview am Ende des Textes).
| Projekt | Investition (in US$) | Zeitraum | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Halbleiter-Cluster in Yongin | 473 Mrd. | Bau ab 2026; Investitionen bis 2047 | Strategie vom März 2023, Anfang 2024 konkretisiert, u.a. mehrere Halbleiter-Fabs |
| SK Hynix | 12,8 Mrd. | 2026-2028 | HBM-Halbleiterwerk (P&T7) in Cheongju, Provinz Nord-Chungcheong, Baubeginn: April 2026 |
| LG Innotek | 408 Mio. | 2025-2026 | Anlage für Advanced Packaging (Flip Chip Ball Grid Array; FCBGA) in Gumi, Provinz Nord-Gyeongsang; Absichtserklärung mit Stadt und Provinz im März 2025 |
| Amkor Technology | 177 Mio. | 2025-2027 | Halbleiter-Testzentrum in Songdo, Provinz Gyeonggi; Baubeginn: November 2025 |
| LG Innotek | 68 Mio. | Ende 2026 | Fabrikerweiterung für AP-Module für Kfz-Halbleiter in Gwanju, Provinz Süd-Jeolla; Absichtserklärung mit Gwangju im Januar 2026 |
Parallel kündigte SK Hynix im Juni 2026 an, seine Chipproduktion innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln und bis 2034 sogar zu verdreifachen. Allein in das Megacluster in Yongin wolle das Unternehmen nun mehr als 400 Milliarden US$ investieren. Laut Pressemeldungen könnte dann auch eine Fertigung im Ausland entstehen, etwa in Japan.
Regierung fördert Branche umfangreich
Die Regierung unterstützt die Branche vor allem über Steueranreize, Finanzierungsoptionen und beschleunigte Genehmigungen. Im Rahmen des "K-Chips Act" sind Steuergutschriften von bis zu 30 Prozent für Ausrüstungsinvestitionen vorgesehen. Für Forschung sind bis zu 50 Prozent möglich. Die Regelung wurde bis 2031 verlängert. Zusätzlich fördert der Staat den Ausbau von Infrastruktur, die Fachkräftezuwanderung und die gesamte Lieferkette. Die Regierung will auch den Ausbau des Foundry-Geschäfts unterstützen.
Chancen für deutsche Firmen
Deutsche Unternehmen sind wichtige Zulieferer. Merck produziert und forscht in Pyeongtaek zum chemisch-mechanischen Polieren (CMP) von Halbleitern. Schon 2021 kündigte das Unternehmen Investitionen von über 600 Millionen Euro für Halbleiterchemikalien im Land an. Noch 2026 will Merck in seinem Werk in Eumseong Molybdän-Präkursoren produzieren. Sie sollen traditionelle Materialien zur Fertigung von nanometerdünnen Metall- und Barriereschichten in Chips ersetzen.
BASF betreibt ein F&E-Zentrum für elektronische Materialien in Ansan, das es im April 2025 von Suwon verlagert und erweitert hat. Henkel liefert Spezialmaterialien und Klebstoffe für das Advanced Packaging, also die Gehäusetechnologie. Seinen Asien-Pazifik-Hub zur Produktion von Elektronikmaterialien hat es schon 2022 in Songdo eröffnet.
Optik von ZEISS und Laser von Trumpf haben die EUV-Technik von ASML ermöglicht. ZEISS Korea stellt zudem Maschinen zur Reparatur von Fotomasken bereit und wird in Kürze ein neues Technologiezentrum in Yongin eröffnen. Siltronic liefert hingegen Wafer. Außerdem stellen Siemens Industriesoftware, Physik Instrumente (PI) Geräte für die Nano-Positionierung und Süss MicroTec Anlagen und Prozesslösungen für die Branche zur Verfügung. Im Bereich Sensorik wirken daneben Bosch und Continental mit.
"Neue Chiptechnologien erhöhen Bedarf an Präzision drastisch"
Matthew M. Wilson ist Leiter des Geschäftsbereichs Halbleiter bei ZEISS Korea. Das Unternehmen ist seit etwa 40 Jahren mit aktuell rund 420 Beschäftigten an acht Standorten in Südkorea präsent.
Die Halbleitersparte des Technologieunternehmens ZEISS entwickelt und produziert Ausrüstung für die Herstellung von Mikrochips. Im Gespräch mit GTAI erläutert Matthew Wilson, worauf sich deutsche Firmen bei der Marktbearbeitung im Land einstellen sollten.
Herr Wilson, welche Rolle spielen staatliche Rahmenbedingungen für die Halbleiterindustrie?
Die Regierung setzt gezielt Anreize, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Umfangreiche steuerliche Fördermaßnahmen für Erweiterungsinvestitionen, Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Ausrüstung spielen dabei eine zentrale Rolle. Das geplante Megacluster in Yongin ist eine Maßnahme, mit der die Regierung die Halbleiterproduktion in Südkorea fördert.
Gleichzeitig stärkt das Land strategisch die lokale Wertschöpfung und reduziert Abhängigkeiten, insbesondere bei Rohstoffen und Ausrüstung. Dies soll die technologische Unabhängigkeit erhöhen und die Innovationskraft stärken. Dahinter steht die Erkenntnis, dass technologische Führung die einzige Möglichkeit ist, sich im globalen Wettbewerb und gegen die erstarkende chinesische Konkurrenz zu behaupten.
Welche Trends prägen die Nachfrage im Markt?
Aktuell sehen wir mehrere zentrale Entwicklungen. Zum einen investieren südkoreanische Firmen nicht zuletzt bei Ausrüstung verstärkt in Nachhaltigkeit, etwa durch strengere Anforderungen an Energieverbrauch und Materialien. Zum anderen gewinnt die enge Zusammenarbeit zwischen Ausrüstern und Kunden an Bedeutung, etwa in neuen Technologiezentren. So nutzen wir unseren neuen Reinraum in Yongin für die Prototypenentwicklung und den "Proof of Concept".
Darüber hinaus stehen zwei technologische Trends im Fokus: die nächste Generation der EUV‑Lithografie mit höherer numerischer Apertur sowie Fortschritte im Advanced Packaging. Beide Entwicklungen erhöhen die Anforderungen an Präzision, Materialien und Prozesskontrolle deutlich. Gerade in diesen Bereichen liegen die Kompetenz und somit auch die Chancen für deutsche Anbieter.
Bestehen vor Ort auch Herausforderungen? Welche Empfehlungen haben Sie für deutsche Firmen?
Die lokale Industrie ist durch ein äußerst hohes Entwicklungstempo geprägt. Hinzu kommen spezifische Anforderungen wie lokale Zertifizierungen sowie komplexe regulatorische Rahmenbedingungen, die sich häufig ändern können. Gleichzeitig treibt Südkorea die Automatisierung stark voran. Für deutsche Unternehmen ist es daher entscheidend, eng mit lokalen Partnern zusammenzuarbeiten und frühzeitig mit innovativen Lösungen im Markt präsent zu sein. Gerade in spezialisierten Nischen können First‑Mover‑Vorteile entstehen. Zugleich dürften Kostenaspekte künftig an Bedeutung gewinnen.
Sorge um Abhängigkeit von Chipsektor
Grundsätzlich unterliegt die Halbleiterindustrie starken zyklischen Schwankungen. Aktuell schiebt der globale KI-Boom die Nachfrage nach Memory-Chips und IKT-Ausrüstung kräftig an. Das Wirtschaftswachstum wird 2026 in Südkorea weitgehend von der Chipindustrie getragen. Experten warnen daher vor einer "K-förmigen Divergenz", andere Branchen könnten zurückbleiben. Zudem führt der KI-Boom nicht automatisch zu breitem Wohlstand. Der jüngste Samsung‑Streik um riesige Bonuszahlungen fachte die Debatte um eine mögliche Umverteilung der KI-Profite an.
Bezeichnung | Anmerkungen |
|---|---|
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Verband der Halbleiterindustrie | |
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Forschungsinstitut | |
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jährliche Fachmesse in Seoul; nächster Termin: 14.-16. Oktober 2026 |