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Südkorea beschleunigt Aufstieg zur Raumfahrtnation

Das Land entwickelt eigene Trägerraketen und baut seine Satellitenflotte aus. Gefragt sind ausländische Technologielösungen für Avionik, Kommunikation sowie Test- und Prüftechnik.

Katharina Viklenko

Von Katharina Viklenko | Seoul

Südkorea zählt zu den kleineren Raumfahrtnationen. Beeindruckend ist das Tempo, mit dem der Newcomer technologisch voranschreitet. Die Trägerrakete Nuri wurde in rund elf Jahren nahezu eigenständig entwickelt. Seit 2022 gehört das Land zu jenen sieben Raumfahrtnationen, die Satelliten selbstständig in hohe Umlaufbahnen befördern können. Dazu zählt auch die European Space Agency. Zudem verfügt Südkorea über eine wachsende Flotte kommerzieller und wissenschaftlicher Satelliten im Orbit, darunter die KOMPSAT-Serie. Je nach Quelle liegt die Zahl der Satelliten zwischen 45 und 51.

Südkorea ist ein dynamischer Markt mit Fokus auf Satelliten

Der Markt ist im Vergleich zu führenden Raumfahrtnationen klein, wächst aber dynamisch. Die Marktaktivitäten des Sektors beliefen sich 2024 laut der Korea AeroSpace Administration (KASA) auf rund 3,2 Milliarden US-Dollar (US$). Der Umsatz lag bei 2,5 Milliarden US$. Schwerpunkte sind Satellitendienstleistungen und -ausrüstungen, der Satellitenbau, die Fertigung von Trägerraketen sowie die Bodenausrüstung.

Südkorea exportierte 2025 Satelliten, Trägerraketen sowie Raum- und Suborbitalfahrzeuge für rund 318 Millionen US$. Zugleich importierte es entsprechende Produkte für 1,5 Millionen US$. Der geringe Importwert ist ein Indiz dafür, dass der Großteil der Produktion und der Zusammenarbeit mit ausländischen Zulieferern im Land selbst stattfindet.

Große Ambitionen in der Raumfahrt

Neben einer breiten industriellen Basis profitiert Südkorea von einer klaren nationalen Strategie und staatlicher Förderung. Das Land will bis 2045 zu den fünf weltweit führenden Raumfahrtnationen aufsteigen. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung eigener Trägerraketen, eine Mondlandung bis 2032, eine Marsmission bis 2045, weitere KOMPSAT-Satelliten sowie der Ausbau einer wettbewerbsfähigen New-Space-Industrie. 

Die 2024 gegründete Raumfahrtbehörde KASA setzt dabei auf stärkere Kommerzialisierung und den Ausbau der Startinfrastruktur. Regionale Schwerpunkte bilden das Cluster in Daejeon als F&E-Zentrum, Sacheon für Satelliten und Luftfahrt sowie Goheung mit Startinfrastruktur und dem Naro Space Center.

Strukturelle Beschränkungen ergeben sich durch das im internationalen Vergleich geringe staatliche Budget. Es beläuft sich für 2026 auf rund 816 Millionen US$. Das entspricht einer Steigerung von 16 Prozent gegenüber 2025. Hinzu kommt die kurze Launch-Historie: Mit dem Naro Space Center in Goheung verfügt Südkorea über eine Startanlage für Trägerraketen und Satelliten. Laut der Online-Datenbank Space Stats gab es in Südkorea zwischen 2010 und 2025 neun Orbitalstarts.

Kommerzialisierung stärkt Rolle privater Firmen

Lange Zeit war die Entwicklung stark staatlich gesteuert. Mit Technologietransfers an Privatfirmen will die Regierung die Kommerzialisierung des Sektors vorantreiben. So hat das staatliche Korea Aerospace Research Institute (KARI) technisches Know-how für Design, Fertigung und Starttechnologien der Nuri-Trägerrakete 2025 an Hanwha Aerospace übertragen. Konzerne und große Rüstungsfirmen spielen zunehmend eine zentrale Rolle. Das unterscheidet Südkorea von stärker Start-up-orientierten Ökosystemen wie den USA.

Die Hanwha-Gruppe will die Raumfahrt in der Provinz Süd-Gyeongsang deutlich ausbauen. Im Juli 2026 kündigte sie Investitionen von fast 28 Milliarden US$ bis 2040 an. Dabei plant Hanwha Aerospace 14,9 Milliarden US$ für Trägerraketen, Startdienstleistungen und Raumfahrttechnologien auszugeben. Hanwha Systems investiert weitere 13 Milliarden US$ in ein satellitengestütztes Kommunikations- und Datenökosystem. Dazu zählen SAR-Satelliten, weltraumgestützte Rechenzentren und ein eigenes LEO-Kommunikationsnetzwerk. Auch die Hyundai Motor Group will ihre Kompetenzen im Bereich Kfz, Robotik und künstlicher Intelligenz (KI) künftig unter anderem für autonome Mondrover nutzen.

Bedeutende Akteure in Südkoreas RaumfahrtbrancheAuswahl
UnternehmenBereich / Produkte
Korea Aerospace Industries (KAI)Satelliten für Erdbeobachtung und NTN-Anwendungen, SAR-Satelliten für militärische und zivile Anwendungen, Komponenten von Trägerraketen
Hanwha AerospaceTrägerraketen (Launch Vehicles) und Startdienstleistungen, Antriebssysteme für Satelliten, Raketentriebwerke und Kernkomponenten, Systemintegration
Hanwha SystemsSatellitenkommunikation und -netzwerke, Radare, Sensorik (etwa für Erdbeobachtungssatelliten), Avionik (elektronische Systeme für Navigation, Kommunikation, Steuerung und Überwachung von Luft- und Raumfahrzeugen), KI-gestützte Datenanalyse und -auswertung
LIG Defense & Aerospace (LIG D&A) *Satellitenprogramme, Avionik, elektronische Kampfführung, Radar- und Kommunikationssysteme
Korean Air (Aerospace Division)Komponenten, Teile und Verbundwerkstoffe für Satelliten und Trägersysteme
HD Hyundai Heavy IndustriesEntwicklung und Wartung von Startplattformen (etwa am 2026 neu eröffneten Launch Vehicle Technology Cooperation Center von KARI)
* ehemals LIG Nex1, Umbenennung im März 2026 reflektiert Ausbau der Geschäftsbereiche Luft- und Raumfahrt sowie WeltraumtechnologienQuelle: Unternehmensangaben 2026; Recherchen von Germany Trade & Invest

In der Branche sind zuletzt vermehrt New-Space-Akteure aktiv. Dazu zählen Intellian Technologies (Kommunikation, Antennen), Innospace (Startdienstleistungen, Triebwerkstechnologien), Nara Space (Plattformen), Hancom InSpace (kommerzielle Erdbeobachtungssatelliten, Auswertung von Geodaten), AP Satellite (Kommunikation, Komponenten), Satrec Initiative (Entwicklung und Produktion von Satelliten) sowie CONTEC (Satellitenkommunikation und Datenauswertung). Weitere Zulieferer sind Kencoa Aerospace (Komponenten für Trägerraketen, Metall- und Verbundwerkstoffe), Huneed Technologies (Kommunikation, Avionik) sowie HVM (Spezialmetalle und Legierungen).

Diese Chancen bietet Südkorea für deutsche Firmen

Die wachsende Raumfahrtindustrie bietet Anknüpfungspunkte für deutsche Unternehmen, vor allem in den Bereichen Satellitentechnik, Avionik, Kommunikationssysteme sowie Test- und Prüftechnik. Das Deutsche Zentrum für Luft‑ und Raumfahrt (DLR) kooperiert mit Forschungseinrichtungen in Asien. Südkorea habe neben Japan eine strategische Bedeutung, sagt Aylin Kilic, DLR-Teamleiterin für Internationale Kooperationen. "Engagierte Forschungspartner, leistungsfähige Industrieakteure mit hoher Expertise und neue Kooperationsmöglichkeiten über Programme wie Horizon Europe ermöglichen Kooperationen auf Augenhöhe."

Aktivitäten deutscher und europäischer Firmen

  • Airbus Korea arbeitet mit lokalen Playern wie Korea Aerospace Industries (KAI) und LIG D&A bei verschiedenen Luft- und Raumfahrtprogrammen sowie Technologieprojekten zusammen. Mit dem neuen Tech Hub in Daejeon stärkt es Forschung und Entwicklung vor Ort.
  • Die Airbus-Tochter Composite Technology Centre (CTC) eröffnete Ende 2025 in Busan das erste Forschungszentrum für Verbundwerkstoffe außerhalb Deutschlands. Mit lokalen Industrie- und Forschungspartnern entwickelt das Zentrum neue Materialien und Fertigungsverfahren.
  • Rohde & Schwarz liefert Mess- und Prüftechnik für Radar- und Mobilfunk sowie Satellitenkommunikation (NTN) und Verteidigungselektronik. Es erhielt 2025 einen Auftrag zur Ausstattung des KAI-Raumfahrtzentrums mit elektromagnetischen Prüfgeräten.
  • Exolaunch vereinbarte 2025 eine strategische Partnerschaft mit dem südkoreanischen Start-up Innospace zur Zusammenarbeit bei kommerziellen Startdienstleistungen, Missionsmanagement und Separationssystemen für Kleinsatelliten.
  • Die deutsch-französische ArianeGroup liefert über die Tochter Arianespace Satelliten-Komponenten und führt Auftragsstarts für südkoreanische Erdbeobachtungs- und Umweltsatelliten durch, darunter KOMPSAT-7.
  • Als europäischer Akteur liefert Thales Korea seit vielen Jahren Telekommunikations- und Militärsatelliten.
  • Die European Space Agency (ESA) kooperiert schon seit 2011 bei Infrastruktur und Satellitennavigation, Erdbeobachtung sowie bei Exploration und Forschung.

Lokale Partner erleichtern Marktzugang

"Der Raumfahrtsektor ist auf große Akteure konzentriert", sagt Taehoon Kim, Geschäftsführer bei Rohde & Schwarz Korea. "Öffentliche Ausschreibungen werden häufig von einheimischen Firmen ausgeführt, während ausländische Anbieter oft als spezialisierte Technologiezulieferer beitragen. Daher sind eine lokale Präsenz und verlässliche Partnerschaften unverzichtbar."

Südkorea baut seine eigenen Kapazitäten in der Raumfahrt aus, um Technologien zu lokalisieren und die Wertschöpfung im Land zu stärken. Für internationale Firmen hängt der Erfolg im Markt davon ab, die richtige Balance zwischen lokaler Zusammenarbeit, Technologietransfer und dem Beitrag eigener Kerntechnologien zu finden.

Paul Lee Country Representative bei Airbus Korea

Bei der Skalierung ist die Branche auf ausländisches Know-how angewiesen. "Vielversprechend sind Bereiche, in denen ausländische Partner einen klaren technologischen Mehrwert bieten", berichtet Lee. "Deutsche Zulieferer sind gut positioniert bei anspruchsvollen Komponenten wie Antennenmodulen, Satellitensystemen und Nutzlasten." Rohde & Schwarz sieht zudem im zivilen Bereich interessante Anknüpfungspunkte bei satellitengestützter Kommunikation und Non-Terrestrial Networks (NTN), die künftig terrestrische Mobilfunknetze ergänzen.

Wichtige Hinweise

  • Das GTAI-Webinar "From Orbit to Market – East Asia" vom Juni 2026 beleuchtet Marktchancen, zentrale Akteure und rechtliche Rahmenbedingungen der Raumfahrtindustrie in China, Japan und Südkorea. Die Präsentation und Aufzeichnung stehen online zur Verfügung.
  • Im Rahmen des Markterschließungsprogramms (MEP) für KMU findet vom 28. September bis 2. Oktober 2026 eine Markterkundungsreise zur Luft- und Raumfahrt nach Südkorea statt. Die Reise bietet Marktinformationen, Networking-Möglichkeiten sowie Gespräche mit potenziellen Geschäftspartnern vor Ort.

Weiterführende Informationen

Bezeichnung

Anmerkungen

Auslandshandelskammer (AHK) Korea

Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

Ministry of Science and ICT (MSIT)

Ministerium für Wissenschaft und IKT

Ministry of Land, Infrastructure and Transport (MOLIT)Ministerium für Land, Infrastruktur und Verkehr, beteiligt am Aufbau des Satellitennavigationssystems KPS
Korea AeroSpace Administration (KASA)

Nationale Raumfahrtbehörde, Gründung 2024

Korea Aerospace Research Institute (KARI)Forschungsinstitut für Luft- und Raumfahrt
Electronics and Telecommunications Research Institute (ETRI)Forschungsinstitut für Informations- und Kommunikationstechnologien mit Sitz in Daejeon
Defense Acquisition Program Administration (DAPA)Zuständig für Rüstungsbeschaffung und militärische Raumfahrtprogramme
Korea Aerospace Industries Association (KAIA)Größter Branchenverband für Luft- und Raumfahrt
Korea Association for Space Technology Promotion (KASP)

Branchenverband 

International Aerospace Technology Exhibition (AEROTEC)

Fachmesse; Turnus: alle 2 Jahre; nächster Termin: 30.9.-2.10.2026, Changwon

International Space Summit (ISS Korea)

Fachmesse und Dialogveranstaltung; Turnus: jährlich; nächster Termin: 6.-8.7.2027, Daejeon

Seoul International Aerospace & Defense Exhibition (Seoul ADEX)Fachmesse für Verteidigung und Raumfahrt; Turnus: alle 2 Jahre, nächster Termin: 2027, KINTEX-Messegelände, Goyang
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest