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Südkorea verstärkt militärisches Engagement mit und in Europa
In der Beschaffung dominieren US-Firmen. Offset-Vorgaben erschweren den Marktzugang. Lokale Partnerschaften und Südkoreas Exportambitionen bieten Chancen für deutsche Firmen.
11.02.2026
Von Katharina Viklenko | Seoul
Die unmittelbare Bedrohung durch Nordkorea treibt die Verteidigungsindustrie in Südkorea an. Angesichts des sicherheitspolitisch schwierigen Umfelds gibt das Land große Summen für Verteidigung aus. Die Militärausgaben beliefen sich laut dem Verteidigungsministerium 2025 auf 43 Milliarden US-Dollar (US$). Das stetig wachsende Budget soll 2026 um 8,2 Prozent zulegen.
Anteil der Rüstungsaufwendungen an Südkoreas BIP 2024.
Quelle: Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) 2025
Eine besondere militärstrategische Rolle kommt den USA zu. Mit rund 28.500 stationierten Soldaten im Land garantieren die Vereinigten Staaten militärischen Schutz. Als Antwort auf die angespannte Sicherheitslage im Indopazifik und Chinas offensiveres Auftreten fordert die US-Regierung eine zunehmend aktivere Rolle Südkoreas in der Region. Auch beim Wiederaufbau des US-Schiffsektors sollen südkoreanische Anbieter unterstützen.
Staat lenkt Investitionen und Entwicklung
Die Rüstungsindustrie ist staatlich gelenkt. Nach dem Koreakrieg wurde sie strategisch aufgebaut, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Kerntechnologien im Land zu entwickeln. Die Regierung investiert als Hauptabnehmer umfangreich und folgt einer klaren Aufgabenteilung: Die Agency for Defense Development (ADD) übernimmt die Grundlagenforschung und koordiniert die System- und Technologieentwicklung. Private Großkonzerne sind für die Fertigung von Prototypen, anschließende Serienproduktion und Kommerzialisierung, den Export sowie Wartung zuständig. Obwohl heimische Firmen immer öfters auch eigene Systeme entwickeln, prägt die traditionelle Rollenverteilung weiterhin die Branche. Die Defense Acquisition Program Administration (DAPA) steuert den Beschaffungsprozess zentral.
"K-Defense 4" dominieren Branche
Während Südkorea bei Verteidigungsgütern historisch stark auf US‑Lieferungen angewiesen war, hat es eine enorme Aufholjagd hingelegt. Das staatliche Onlineportal Defense Korea listet mehr als 150 Firmen mit über 1.000 Produkten im Rüstungsbereich auf. Zur Korea Defense Industry Association (KDIA) zählen rund 810 Mitgliedsunternehmen.
Unter den Top-100-Firmen nach Umsatz listet das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) vier große Branchenplayer – die sogenannten "K-Defense 4": Hanwha Aerospace (Artillerie, Raketen, Panzerhaubitzen), LIG Nex1 (Lenkwaffen, Raketen, Radare), KAI (Militärflugzeuge, Luftfahrt) und Hyundai Rotem (Kampfpanzer). Wichtige Anbieter sind daneben Hyundai Heavy Industries (Fregatten, Marine), Hanwha Ocean (Marine, U-Boote), Hanwha Systems (Radare, Sensorik) und Poongsan Corporation (Munition, Artillerie).
USA ist wichtiger Technologielieferant
Trotz technischer Fortschritte und eigener Fertigung ist Südkorea auf die Einfuhr von Rüstungsgütern angewiesen. Neben den USA gehören europäische Firmen zu bedeutenden Lieferanten. Außerhalb der NATO ist Südkorea ein wichtiger Abnehmer deutscher Rüstungsgüter, besonders bei U‑Boot‑Technologie und Großwaffensystemen.
Laut Firmenvertretern legt Südkorea Wert auf Hochtechnologieprodukte. Bei der Beschaffung sei dabei der Preis weniger entscheidend als etwa in südostasiatischen Ländern. Absatzchancen gibt es für Anbieter hochwertiger Komponenten, etwa bei Sensorik, Optik, Elektronik, Messtechnik und Optronik. Mit dem Blick auf ein ähnliches Angebot bei Rüstungsgütern beobachten Brancheninsider einen zunehmenden Wettbewerb zwischen Südkorea und Deutschland.
Seit September 2023 gilt Südkorea im deutschen Rüstungsexportrecht als NATO‑gleichgestelltes Land. Damit müssen Unternehmen für bestimmte nicht‑sensitive Rüstungsgüter und Dual-Use-Güter keine vorherige Einzelfallprüfung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einholen. Stattdessen reicht eine Meldung.
Zum GTAI-Zollbericht: Was muss bei Verteidigungsexporten beachtet werden?
| Unternehmen | Art der Zusammenarbeit |
|---|---|
| Airbus Korea | Strategische Zusammenarbeit mit KAI und LIG Nex1; Memorandum of Understanding (MoU)-Unterzeichnung mit LIG Nex1 auf Seoul ADEX 2025 zur erweiterten Kooperation, etwa bei integrierten Luftverteidigungssystemen und Raumfahrt; Eröffnung Airbus Tech Hub in Daejeon im November 2025 |
| Taurus Systems Korea | Lokales Büro seit 2014; MoU mit LIG Nex1 auf Seoul ADEX 2023 zur gemeinsamen Entwicklung von Raketen für Kampfflugzeuge |
| Diehl Defence | MoU-Abschluss mit Hanwha Systems auf Seoul ADEX 2025 zur Integration südkoreanischer Systeme in Luftverteidigungssysteme von Diehl Defence |
| Hensoldt | Lokale Präsenz mit Hensoldt Sensors Korea seit 2017; Joint Venture von Hensoldt Optronics und LIG Nex1 (50:50) seit 2012 namens LNZ Optronics; Lizenz- und Fertigungsvereinbarung mit Young Poong Electronics zur Produktion von Flugdatenschreibern in Südkorea (Juli 2025); Südkorea ist Fokusland für Internationalisierung |
| Heckler & Koch | MoU-Abschluss mit SNT Motiv auf Seoul ADEX 2025 für strategische Partnerschaft zu Marktbearbeitung bei modernen Sturmgewehren |
Lokale Partner ebnen Markteintritt
Dabei engagieren sich auch europäische Firmen in Südkorea. Im Aerospace & Defence Committee der EU-Handelskammer in Südkorea (ECCK) sind sechs europäische Firmen mit Südkorea-Aktivitäten vertreten. Den Komiteevorsitz hält der Geschäftsführer von Thales Korea. Im White Book der ECCK beschreiben Mitgliedsfirmen die Kommunikation bei Offset-Regularien mit den zuständigen Institutionen als eingeschränkt und einseitig. Offset-Regularien sind staatliche Vorgaben, die ausländische Rüstungsanbieter verpflichten, ab einem bestimmten Beschaffungswert einen gewissen Ausgleich zu erbringen – etwa Technologietransfers, lokale Fertigung oder den Einsatz koreanischer Komponenten. Ein deutscher Firmenvertreter konstatiert:
"Der Beschaffungsprozess ist komplex und langwierig, die Offset-Verpflichtungen hoch angesetzt. Lokale Partner sind entscheidend."
Seit November 2024 besteht zwischen der EU und Südkorea eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft. Im März 2025 trat Südkorea der NATO Science & Technology Partnership bei. Damit ist das Land technologisch in westliche Verteidigungsstrukturen eingebunden.
Zwischen Chancen und Wettbewerb
Zugleich ist Südkorea ein globaler Rüstungsexporteur: SIPRI führt Südkorea bei Verteidigungsexporten 2020 bis 2024 weltweit auf Rang 10. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine beschleunigte ab 2022 Rüstungsexporte an Länder der NATO-Ostflanke wie Polen, Estland und Rumänien, aber auch an Norwegen und Finnland. Die Ausfuhren beinhalten Panzer, Haubitzen, Artilleriesysteme und Mehrfachraketenwerfer. Die südkoreanischen Hersteller punkten mit kurzen Lieferzeiten und kostengünstigen Systemen. In Polen hat Hanwha Aerospace ein Joint Venture mit der einheimischen WB Group gegründet. Hyundai Rotem liefert an Polen K2-Panzer.
Bis 2030 will Südkorea zum viertgrößten Rüstungsexporteur aufsteigen. Im Fokus: der Nahe Osten und die EU. LIG Nex1 eröffnete im September 2025 eine Repräsentanz in München. Neben Standorten in Polen und Rumänien plant Hanwha Aerospace die Produktion von Raketen und Munition in Deutschland. Daneben interessiert sich Südkorea für den Beitritt zum 150 Milliarden Euro schweren Kreditpaket "Security Action for Europe (SAFE)", um Zugang zu EU‑Beschaffungsprojekten zu erhalten.
Deutsche Firmen können von den Exportambitionen Südkoreas profitieren und als Technologiepartner eine Brücke zu europäischen Anforderungen schlagen. Auch deutsche Branchenvertreter in Südkorea berichten vom Interesse an Partnerschaften auf dem EU-Markt. Zugleich konkurrieren südkoreanische Branchenfirmen mit deutschen Anbietern: Anfang 2026 setzte sich Hanwha Aerospace gegen EU- und US-Systeme durch und gewann für fast 1 Milliarde US$ die größte norwegische Ausschreibung für Mehrfachraketenwerfer. Neben Panzern und Artillerie zeigt sich dies auch im Wettrennen um den Milliardenauftrag für U-Boote in Kanada.
Bezeichnung | Anmerkungen |
|---|---|
| Defense Acquisition Program Administration (DAPA) | Zuständig für Beschaffung und Rüstungsprogramme |
| Agency for Defense Development (ADD) | Zentrale F&E‑Institution für Verteidigungstechnologie |
| Ministry of National Defense (MND) | Verteidigungsministerium der Republik Korea |
| Korea Institute for Defense Analyses (KIDA) | Forschungsinstitut zu Verteidigungsökonomie, Strategie, Industriepolitik |
| Korea Defense Industry Association (KDIA) | Branchenverband mit rund 800 Mitgliedsfirmen |
| Defense Korea | Staatliche Online‑Plattform der südkoreanischen Rüstungsindustrie, betrieben von DAPA und KDIA; enthält u.a. Produktübersicht und Firmenverzeichnis mit Kontaktdaten |
| Seoul International Aerospace & Defense Exhibition (Seoul ADEX) | Größte Rüstungsmesse in Südkorea; Turnus: alle 2 Jahre, nächster Termin: 2027; KINTEX, Goyang |
| Defense & Security Expo Korea (DX Korea) | Führende Messe für Landstreitkräfte, Turnus: alle 2 Jahre, nächster Termin: 16.-19.9.2026; KINTEX, Goyang |
| International Maritime Defense Industry Exhibition (MADEX) | Zentrale Marine‑Messe, eng verbunden mit Busan International Maritime Defense Week; Turnus: alle 2 Jahre, nächster Termin: 2.-5.6.2027; BEXCO Exhibition Center, Busan |