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Taiwans Chemieindustrie zwischen Boom und Kostendruck

Die taiwanische Chemieindustrie dürfte sich in den kommenden Jahren insgesamt positiv, aber deutlich langsamer als die Gesamtwirtschaft entwickeln. 

Jürgen Maurer

Von Jürgen Maurer | Taipei

Bei einem moderaten Wachstum des Chemiesektors in Taiwan steht vor allem die traditionelle petrochemische Industrie vor strukturellen Herausforderungen. Spezialisierte und technologieintensive Chemiebereiche weisen hohes Wachstumspotenzial auf. Deutsche Branchenanbieter richten ihre Strategien entsprechend aus. 

Ausblick der chemischen Industrie in Taiwan 

Bewertung:

  • Steigende Nachfrage nach Spezialchemie für die Herstellung von Halbleitern und KI-Elektronik.
  • Petrochemie leidet unter geopolitischen Krisen und Überkapazitäten.
  • Transformation bei Konsolidierung in einem reifen Marktumfeld. 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: August 2026

  • Die Anbieter von Chemikalien profitieren von umfangreichen Investitionen in die Halbleiterproduktion. In anderen Segmenten sind die Signale eher gemischt.

    Taiwans wirtschaftliche Rahmenbedingungen bleiben für die Chemieindustrie günstig. Nach Einschätzung mehrerer Prognoseinstitute dürfte die Wirtschaft 2026 mit satten 10 Prozent sehr dynamisch wachsen. Auch in den Folgejahren bleiben die Aussichten positiv. Hauptgrund ist die starke internationale Nachfrage nach Technologien rund um künstliche Intelligenz. Sie sorgt für hohe Investitionen und steigende Exporte. 

    Von diesem Boom profitieren chemische Zulieferindustrien, insbesondere bei Spezialchemikalien, Elektronikchemikalien sowie Materialien für die Halbleiter- und Elektronikfertigung. Zudem deuten Investitionen in die Batterie- und Energiespeicherproduktion auf einen steigenden Bedarf an den dafür erforderlichen Materialien hin. 

    Demgegenüber stehen traditionelle Industriezweige unter wachsendem Anpassungsdruck. Dazu zählen auch große Teile der Chemieindustrie. So leidet Taiwans Petrochemie unter Überkapazitäten bei Basischemikalien in China. Daraus folgen sinkende Preise und zunehmender Margendruck in Taiwan und auf dem Weltmarkt.

    Stark schwankende Rohstoffpreise bereiten Kopfzerbrechen 

    Gleichzeitig ist Taiwans energieintensive Chemieindustrie stark von importierten Energieträgern abhängig. Deren Preise steigen vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen. Dies erhöht die Kosten für die Herstellung petrochemischer und chemischer Vorprodukte sowie von Spezialchemikalien. Dies wiederum bremst die Nachfrage.

    In Taiwan stagnieren Produktion und Absatz von Bauchemikalien, Farben und Lacken, Haushaltschemikalien, Düngemitteln und Pestiziden. Zu den Gründen gehören ein weitgehend gesättigter Markt mit intensivem Wettbewerb, geringere Anreize für den Wohnungsbau sowie die demografische Entwicklung. Die Bevölkerung Taiwans schrumpft und altert zugleich rasch. Dies drückt den Verbrauch.

    Perspektive für deutsche Anbieter grundsätzlich gut

    Für deutsche Unternehmen ergeben sich geteilte Marktaussichten. Während Spezialchemikalien sehr gefragt sind, stehen Petrochemie und Basischemikalien unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Dies erhöht wiederum die Nachfrage nach effizienter Anlagen- und Verfahrenstechnik sowie nach Technologien zur Senkung des Energieverbrauchs und der Emissionen. Auch die Umstellung auf eine kohlenstoffarme Fertigung spielt eine Rolle. Deutschen Unternehmen kommt dabei zugute, dass sie Erfahrungsvorteile in der "grünen Chemie" haben.

    Deutsche Chemie- und Technologieunternehmen haben ihre physische Präsenz in Taiwan ausgebaut. Im Zuge des Halbleiterbooms investieren sie mehr. Ziel sind die Absicherung von Lieferketten sowie die Produktion kritischer Elektronikchemikalien direkt vor Ort in den taiwanischen Wissenschaftsparks. Besonders hervorzuheben ist Merck. Auch BASF hat die Bedeutung Taiwans erkannt und das weltweite Geschäft mit elektronischen Materialien strategisch nach Taipei verlagert, um näher an den Kunden der Halbleiterindustrie zu sein.

    Deutschland verzeichnet bei Chemikalien einen Handelsüberschuss gegenüber Taiwan. Dieser dürfte jedoch zurückgehen, da Merck die Produktion von Spezialchemikalien für die Elektronikindustrie in Taiwan ausbaut. Darüber hinaus liefert Deutschland Feinchemikalien, Düngemittel und technische Kunststoffe für die Automobil- und Elektronikindustrie. Einen wichtigen Lieferblock bilden zudem pharmazeutische Erzeugnisse. Deutschland ist in diesem Bereich Taiwans größter Lieferant.

     

    Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in Taiwan 2026
    Akteur/ProjektInvestitionssumme (in Mio. US$)Projekt-LaufzeitAnmerkungen

    CPC

    3.407

    2024  bis 2030

    Modernisierung petrochemischer Anlagen

    CPC

    3.098

    2016 bis 2029Bau eines 3. LNG-Terminals mit Kapazitäten von 3 Millionen Tonnen in Taoyuan zur Versorgung Nordtaiwans

    CPC

    3.046

    2023 bis 2031

    Südtaiwan: Bau von 720-Millionen-Liter-LNG-Lagertanks in Kaohsiung

    CPC

    1.650

    2021 bis 2028

    Nord- und Zentraltaiwan: Phase-IV-Erweiterung für 720-Millionen-Liter-LNG-Lagertanks in Taichung

    PentaPro Materials

    95

    Fertigstellung 2028Bau einer Produktionsanlage für metallorganische Verbindungen zur Halbleitererzeugung, Standort Southern Taiwan Science Park

    Advanced Echem Materials

    85

    2025 bis 2028

    Ausbau der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie der Produktionskapazitäten für zukünftige Halbleitermaterialien

    Shiny Chemical Industrial

    74

    2024 bis 2026

    Erweiterung der Produktionskapazität für Isopropylalkohol (IPA) in Elektronikqualität

    Quelle: Presse- und Unternehmensmeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest

    Importe von Chemieerzeugnissen auf stabilem Niveau

    Taiwan weist bei Basischemikalien ein konstantes Handelsdefizit auf. Der Grund liegt darin, dass der Inselstaat nahezu alle fossilen Rohstoffe und chemischen Basiskomponenten importieren muss. Ein wachsender Anteil der Importe entfällt auf hochreine Vorprodukte. Diese werden im Land zu hochwertigen Elektronikchemikalien weiterverarbeitet und fließen direkt in die heimische Halbleiterproduktion ein.

    Werden Kunststoffe, Kautschuk und daraus hergestellte Waren der Zoll-Warenkapitel (HS) 39 bis 40 einbezogen, fällt Taiwans Chemie-Handelsbilanz deutlich ausgeglichener aus; sie kann sogar positiv sein. Der Grund sind umfangreiche Exporte verarbeiteter Chemieerzeugnisse. Das traditionelle Upstream- und Midstream-Geschäft mit Monomeren und Basiskunststoffen wie Polyvinylchlorid (PVC), Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) steht dagegen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.

    China bleibt Taiwans größter ChemielieferantChemikalien-Importe nach Lieferland/-region (in Milliarden US-Dollar) *)

     

    2024 

    2025 

    Lieferfokus 

    1. China (inkl. Hongkong) 

    8,2 

    8,6 

    Basiskunststoffe, organische Grundchemikalien, petrochemische Zwischenprodukte 

    2. Japan 

    6,5 

    7,0 

    Ultrareine Elektronikchemikalien (Halbleiter), Photolacke, High-End-Polymere 

    3. USA 

    4,9 

    5,2 

    Schiefergas-Derivate, Katalysatoren, Additive, Spezialvorprodukte 

    4. EU 

    4,3 

    4,5 

    Feinchemikalien, Pharma-Wirkstoffe, hochentwickelte technische Kunststoffe 

    5. Südkorea 

    3,9 

    4,1 

    Petrochemische Vorstufenmaterialien, (PX/PTA), Massenkunststoffe (PE, PP) 

    Sonstige Länder 

    12,2 

    12,8 

    Rohölderivate, Naturkautschuk, diverse Spezialimporte 

    Gesamt 

    40,0 

    42,2 

    Summe aus Chemikalien, Kunststoffen und Kautschuk 

    * Warengruppen (HS) 28–40.Quelle: Customs Statistics, Ministry of Finance 2026

    Chemieindustrie investiert in Wandel

    Taiwans Chemiebranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Insbesondere die Herausforderung durch die chinesische Konkurrenz zwingt zu einem Umlenken. Branchenanalysen gehen davon aus, dass die Produktionsschwemme aus China anhält, wodurch das rein volumengetriebene Basischemikaliengeschäft in Taiwan nicht mehr profitabel ist. 

    Kapazitätsbereinigungen und eine verstärkte Hinwendung zu margenstärkeren Spezialerzeugnissen sollen die geschäftliche Grundlage stärken. Für die Transformation spielen zum Teil auch internationale Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) sowie CO2-Zölle wie der EU-CBAM eine Rolle. So hat die Taiwan Chemical Industry Association (TCIA) die Leitlinie ausgegeben, den Sektor hin zu umweltfreundlichen Materialien und dekarbonisierten Prozessen umzubauen.

     

    Jürgen Maurer

    Von Jürgen Maurer | Taipei

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  • Für Spezialchemie gibt es in Taiwan einen wachsenden Bedarf. Deutsche Hersteller weiten ihre Aktivitäten auf der Insel aus.

    Taiwans chemische Industrie ist ein hochentwickelter und eng in globale Lieferketten eingebundener Wirtschaftszweig. Die Branche gliedert sich in mehrere spezialisierte Segmente.

    • Spezial- und Elektronikchemikalien: Die starke Halbleiter- und Displayindustrie auf der Insel treibt die Nachfrage nach hochreinen Prozesschemikalien. Einige Unternehmen konzentrieren sich daher auf Spezialchemikalien wie Fluorwasserstoffsäure (HF) und Isopropanol (IPA). Zu den führenden Anbietern zählen Shiny Chemical Industrial und MGC Pure Chemicals Taiwan.
    • Petrochemie und Basischemikalien; Taiwan verfügt über eine stark integrierte petrochemische Wertschöpfungskette und gehört laut Verbandsaussage weltweit zu den wichtigsten Produzenten von Polyvinylchlorid (PVC), Vinylchlorid-Monomer (VCM) und Natronlauge. Bedeutende Akteure sind die Formosa Plastics Corporation, die Chang Chun Group sowie die CPC Corporation und LCY Chemical.
    • Grüne Chemie: Als Reaktion auf internationale Nachhaltigkeitsanforderungen investiert die Branche in umweltfreundliche Technologien. Dazu gehören Biopolymere, fluorfreie Materialien sowie wasserbasierte Beschichtungen. Auch die Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung.

    Die meisten petrochemischen und chemischen Anlagen liegen entlang der Westküste Taiwans, häufig in unmittelbarer Nähe von Industrie- und Wissenschaftsparks. Trotz begrenzter eigener Rohstoffvorkommen verfügt die Insel über eine umfangreiche Upstream-Basis aus Ölraffinerien und Naphtha-Crackern. Fünf Anlagen mit einer jährlichen Produktionskapazität von insgesamt 4 Millionen Tonnen Ethylen beliefern zahlreiche nachgelagerte Unternehmen im In- und Ausland.

    Die Kapazitäten sind jedoch nur begrenzt ausgelastet. Die schwache Nachfrage belastet die Branche insgesamt. Nach Branchenangaben liegt die Auslastung bei den meisten Standardkunststoffen mit Ausnahme von PVC bei 70 bis 80 Prozent. Taiwan steht damit nicht allein. Weltweit belasten Überkapazitäten die Branche. Viele Marktbeobachtende erwarten erst gegen Ende des Jahrzehnts eine nachhaltige Entspannung.

    Überkapazitäten beschleunigen den Strukturwandel

    Chemische Grundstoffe wie Ethylen, Propylen, Butadien und Aromaten bilden weiterhin die größte Produktionskategorie der taiwanischen Chemieindustrie. Auf Basis der Landeswährung sank die Produktion der Chemieindustrie 2025 gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent auf rund 103,7 Milliarden US-Dollar (US$). Auch 2026 dürfte das Marktumfeld herausfordernd bleiben.

    Produktion ausgewählter chemischer Erzeugnisse in Taiwan In Millionen US$; Veränderung und Marktanteil in Prozent

    Sparte

    2025

    Veränderung 2025/2024 *)

    Marktanteil

    Öl- und Kohleerzeugnisse

    30.189

    -7,6

    29,1

    Chemische Rohstoffe

    27.440

    -12,7

    26,5

    Kunststofferzeugnisse

    12.506

    -2,1

    12,1

    Kunststoff-Vormaterialien

    12.238

    -19,3

    11,8

    Pharmazeutika

    3.940

    0,8

    3,8

    Gummiprodukte

    3.030

    -3,2

    2,9

    Farben, Lacke, Pigmente

    1.701

    -3,1

    1,6

    Kunstfasern

    1.296

    -21,0

    1,2

    Synthetischer Kautschuk

    1.240

    -9,9

    1,2

    Kosmetika

    950

    -4,7

    0,9

    * Veränderung auf Basis lokaler Währung.Quelle: Ministry of Economic Affairs 2026

    Vor diesem Hintergrund treiben die großen Petrochemiekonzerne umfangreiche Modernisierungs- und Transformationsprogramme voran. Ziel ist es, die Abhängigkeit von margenschwachen Standardkunststoffen zu verringern und den Anteil hochwertiger Spezialprodukte zu erhöhen. 

    Die Formosa Plastics Corporation investiert beispielsweise in den Ausbau von Kapazitäten für elektronikreines flüssiges Kohlendioxid, Spezialpolymere und Hochleistungskunststoffe für medizinische Anwendungen. Insgesamt richten taiwanische Chemieunternehmen ihr Portfolio zunehmend auf technologisch anspruchsvolle und margenstärkere Produkte aus.

    Deutsches Engagement nimmt zu

    Vom Ausbau der Halbleiterindustrie profitiert auch die Chemiebranche. Der steigende Bedarf an Spezialchemikalien und Werkstoffen schafft Geschäftsmöglichkeiten für internationale Anbieter.

    Der deutsche Konzern Merck hat im Southern Taiwan Science Park in Kaohsiung einen Semiconductor Solutions Campus aufgebaut. Bereits seit vielen Jahren ist Covestro Teil des taiwanischen Chemie-Ökosystems und betreibt auf der Insel mehrere Produktionsanlagen für Hightech-Polymere. Auch BASF, Bayer und Evonik sind seit langem im taiwanischen Markt aktiv. 

    Japanische Firmen größte Wettbewerber

    Dort treffen sie vor allem auf Wettbewerber aus Japan und den USA. Insbesondere japanische Unternehmen investieren verstärkt in lokale Produktionskapazitäten für Prozesschemikalien der Halbleiter- und Elektronikindustrie. Mit JSR will nun auch der dritte der weltweit größten Hersteller von Photoresists in Taiwan produzieren - die Firma schloss hierfür im April 2026 ein Gemeinschaftsunternehmen.

    Die Liste japanischer Chemieunternehmen vor Ort ist lang. Zu den wichtigsten Akteuren zählen Mitsubishi Chemical, Daiwa Fine Chemicals und Kao. Aus den USA sind unter anderem Dow Chemical und DuPont mit Produktionsstandorten auf der Insel vertreten.

    Wichtige Branchenunternehmen in Taiwan Umsatz in Millionen US$

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2025

    CPC, TaiwanPetrochemie

    34.483

    Formosa PetrochemicalPetrochemie

    20.089

    Formosa Chemicals & FibrePetrochemie

    9.209

    Nan Ya PlasticsKunststoffe

    8.339

    Formosa PlasticsPetrochemie

    5.628

    Chi MeiPetrochemie

    3.647

    Chang Chun PlasticsChemische Materialien

    3.469

    Chang Chun Petrochemical Chemische Materialien

    3.420

    UPC Technology Petrochemie

    1.885

    China Man-Made Fiber

    Chemische Materialien

    1.452

    Quelle: Taiwan Stock Exchange; CommonWealth Magazine; Recherchen von Germany Trade & Invest

     

    Jürgen Maurer

    Von Jürgen Maurer | Taipei

  • Taiwan ist als Produktionsstandort auf viel Input chemischer Erzeugnisse angewiesen. Importe spielen dabei eine wichtige Rolle. 

    Taiwan verfügt nach wie vor über eine breite Basis lokaler Chemiefirmen wie auch von Abnehmerindustrien. Denn Taiwan spielt in internationalen Lieferketten eine bedeutende Rolle – nicht nur für Halbleiter und Elektronik, sondern auch für Textilien, Kfz-Teile, medizinische Erzeugnisse und einige Kunststoffe. Daher sind auch viele namhafte internationale Chemiefirmen und Nischenanbieter auf der Insel vertreten, entweder mit Verkaufsbüros, Produktion oder auch Forschung und Entwicklung.

    Das geschäftliche Umfeld für internationale und deutsche Firmen wird von Branchenvertretern als "level playing field" (gleiche Wettbewerbsbedingungen) beschrieben. Eine relevante Bevorzugung lokaler Firmen sei nicht festzustellen. Das Regierungsgeschäft (B2G, Business-to-Government) spielt für die meisten deutschen Firmen in der Chemiebranche keine große Rolle.

    Von Firmenseite wird die Bedeutung einer stabilen und verlässlichen Energieversorgung für die Branche unterstrichen, zumal die Konkurrenz um Strom und Wasser durch die Halbleiterindustrie deutlich zugenommen hat. Bezüglich Umweltstandards seien die Anforderungen in Taiwan in der Regel nicht höher als in Deutschland. Deshalb seien bei einem Markteintritt oder bei Investitionen nur in seltenen Fällen Probleme zu erwarten.

    Hohe Qualifikation ein Plus, viel Bürokratie ein Minus

    In Taiwan finden Unternehmen grundsätzlich gut ausgebildetes Personal. Jedoch gilt die chemische Industrie bei den jungen Nachwuchskräften nicht zwingend als erste Wahl. Andere Sektoren wie etwa die boomende Halbleiter- und Elektronikindustrie üben eine größere Anziehungskraft aus, so Stimmen aus der Branche.

    Als Problempunkt werden komplizierte bürokratische Verfahren mit unübersichtlichen Zuständigkeiten über mehrere Ministerien und Behörden hinweg genannt. Auch spezifische lokale Marktregulierungsbedingungen stellen demzufolge eine Herausforderung dar. Im Regelfall sind diese nach Aussage deutscher Firmenvertreter allerdings beherrschbar.

    Für die Ausarbeitung industriepolitischer Richtlinien und die Regulierung der chemischen Industrie in Taiwan sind vor allem zwei Ministerien zuständig:

    • Ministry of Economic Affairs (MOEA): Das Wirtschaftsministerium ist die übergeordnete Behörde für die strategische Ausrichtung. Innerhalb des MOEA steuert die Administration of Industrial Development (IDA) spezifische Förderprogramme für Chemieunternehmen und schreibt Nachhaltigkeitsziele aus.

    • Ministry of Environment (MOENV): Das Umweltministerium ist zuständig für die Überwachung von Umweltauflagen, Emissionszertifikaten und das Management giftiger und besorgniserregender chemischer Substanzen. 

    Das Zulassungsverfahren für chemische Stoffe in Taiwan ist strikt reguliert. Es basiert im Wesentlichen auf dem "Toxic and Concerned Chemical Substances Act", überwacht vom Umweltministerium. Unternehmen müssen chemische Stoffe registrieren und genehmigen lassen, bevor sie im Land hergestellt oder dorthin importiert werden dürfen. Bevor ein Stoff eingeführt wird, muss geprüft werden, ob er im Taiwan Chemical Substance Inventory gelistet ist.

    Über Einfuhrverfahren und Zollsätze informiert die Customs Administration. Für technische Normen und Standards ist das Bureau of Standards, Metrology and Inspection (BSMI) zuständig. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Jürgen Maurer

    Von Jürgen Maurer | Taipei