Wirtschaftsausblick | Kenia

Irankrieg und Wahlkampf prägen Kenias Wirtschaft 2026

Die Regierung treibt Milliardenprojekte voran, doch der Irankrieg bremst die Konjunktur und behindert Lieferketten. Deutsche Exporte wachsen dennoch weiter.

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Top Thema: Regierung treibt Projekte voran

Mit Blick auf die Wahlen im August 2027 steigt der Druck auf Staatspräsident William Ruto, Wachstumsimpulse zu setzen. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist hoch. Der Staat verfügt jedoch wegen der hohen Verschuldung seit Jahren nur über begrenzte Investitionsmittel.

Größere Infrastrukturprojekte blieben lange liegen. Nun treiben Regierung und Unternehmen mehrere Vorhaben voran oder diskutieren sie intensiver. Das Gesamtvolumen liegt bei mehreren Milliarden US-Dollar. Die meisten Projekte stehen seit Jahren auf der politischen Agenda.

  • Hafen Mombasa: Die staatliche Kenya Ports Authority (KPA) will die Kapazität von rund 2,3 auf über 3 Millionen TEU ausbauen. Dafür sind knapp 1 Milliarde US-Dollar (US$) vorgesehen. Ein Teil kommt aus staatlichen Mitteln, ein Teil über Konzessionen für private Betreiber. Von 2023 bis 2025 hat sich der Containerumschlag nahezu verdoppelt.
  • Jomo Kenyatta International Airport (Nairobi): Im März 2026 schrieb die Regierung den Ausbau des Jomo Kenyatta International Airport in Nairobi aus. Die bestehende Kapazität von 7,5 Millionen Passagieren pro Jahr ist bereits überschritten.
  • Expressway Rironi (bei Nairobi) – Nakuru – Mau Summit: Die China Road & Bridge Corporation (CRBC) baut die Straße zu einer 175 Kilometer langen Mautautobahn aus. Das Projekt erfolgt im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP). Die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Die Kosten liegen bei rund 1,4 Milliarden US$.
  • Standard Gauge Railway (SGR) Naivasha – Malaba (Grenze zu Uganda): Die Bahnstrecke wird seit März 2026 um 475 Kilometer bis zur Grenze zu Uganda verlängert. Die Finanzierung des Projekts mit einem Volumen von etwa 5 Milliarden US$ ist teilweise ungeklärt. Uganda baut die Strecke von Malaba bis Kampala weiter.
  • Energiesektor - Aufhebung des Moratoriums für StromabnahmeverträgeSeit November 2025 können private Investoren wieder Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPA) mit dem staatlichen Energieversorger Kenya Power and Lighting Company (KPLC) schließen. Das ermöglicht neue Projekte im Energiesektor.

Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur leidet unter Irankrieg

Die Wachstumsprognosen für Kenias Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2026 wurden gesenkt. Die Weltbank erwartet nun ein reales Wachstum von 4,4 Prozent statt 5,0 Prozent. Der Informationsdienstleister Economist Intelligence Unit (EIU) rechnet mit 5,0 statt 5,4 Prozent. 

Die Auswirkungen hängen von der weiteren Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten ab. Höhere Weltmarktpreise für Treibstoff und Dünger treiben die Inflation. Die Nachwirkungen des eingeschränkten Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus verteuern den Handel.

Lieferketten unter Druck

Der Konflikt beeinträchtigt auch Logistik und Lieferketten massiv. Viele Unternehmen nutzen Lager in der Freihandelszone Jebel Ali in Dubai, um Kenia zu versorgen. Diese Lieferwege stehen derzeit nicht zur Verfügung. Für deutsche Anbieter verschlechtert sich damit kurzfristig das Geschäftsumfeld. Ein Abkommen zwischen Iran und des USA dürfte zu einer Entspannung der Lage führen, jedoch ist eine Normalisierung der Lieferketten erst mit einer zeitlichen Verzögerung von mehreren Monaten zu erwarten.

Der Leitzins liegt derzeit bei 8,75 Prozent, nach 13,0 Prozent Mitte 2024. Die Geldpolitik bleibt damit vergleichsweise locker. Die Inflation lag im April 2026 bei rund 5,6 Prozent. Steigende Preise könnten Zinserhöhungen auslösen. 

Der kenianische Shilling blieb nach früheren Abwertungen gegenüber dem Euro stabil. Davon profitieren auch deutsche Exporteure.

Hohe Staatsverschuldung engt finanziellen Spielraum ein 

Die hohe Staatsverschuldung begrenzt die Investitionsfähigkeit des Staates. Zudem erhöhte die Regierung Abgaben für Unternehmen und Bevölkerung. Das belastet Investitionen und Konsum.

Steigende Lebenshaltungskosten bei stagnierenden Löhnen verschärfen die Lage vieler Haushalte. Diese strukturellen Faktoren wirken sich auch auf deutsche Liefergeschäfte aus.

Deutsche Perspektive: Exporte wachsen weiter

Die deutschen Exporte nach Kenia erreichten im 1. Quartal 2026 rund 75,7 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 44,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 

Für das Gesamtjahr 2025 lag das Exportplus bei über 9 Prozent – ein bemerkenswerter Wert angesichts der jahrelangen Exportflaute zuvor. Ob sich die aktuellen Wachstumsraten halten lassen, ist angesichts des schwächeren Geschäftsumfelds offen.

In Kenia sind rund 120 deutsche Unternehmen aktiv. Eine höhere Unternehmensdichte gibt es in Subsahara-Afrika nur in Südafrika. Viele Firmen halten trotz des anspruchsvollen Umfelds am Standort fest. Sie setzen auf eine Erholung der Wirtschaft und nutzen Nairobi häufig auch als regionalen Hub für Märkte wie Tansania und Uganda.

Deutsche Anbieter fokussieren sich vor allem auf zahlungskräftige Kundengruppen. Dazu zählen multinationale Lebensmittelproduzenten, große Blumenexporteure und Privatkliniken. Zudem beteiligen sich deutsche Ingenieurbüros sowie Hersteller von Baumaschinen regelmäßig an Infrastrukturprojekten, die westliche Geber finanzieren.

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