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Thailand schreibt erneuerbare Energieprojekte aus

Die Anlagen sollen bis 2030 mehr als 5 Gigawatt an elektrischer Leistung aus erneuerbaren Energien erzeugen. Der Großteil der Ausschreibung entfällt auf Solaranlagen.

Von Thomas Hundt | Bangkok

Die thailändische Energiemarktbehörde Energy Regulatory Commission (ERC) schreibt Projekte im Bereich erneuerbare Energien mit festen Einspeisevergütungen aus. Potenzielle Betreiber können sich bis Ende 2022 für die Vergabe qualifizieren und Projekte einreichen. Die Firmen müssen in Thailand registriert sein und Ausländer dürfen nicht mehr als 49 Prozent der Gesellschaft besitzen.

Die ERC will im Januar 2023 die Teilnehmer benennen, welche sich für das Programm qualifizieren, und anschließend deren Projekte evaluieren. Ab Mai 2023 möchte die Behörde dann die Projekte nach bestimmten Kriterien vergeben. Die ausgewählten Stromerzeuger erhalten Abnahmeverträge mit festen Vergütungen und Laufzeiten von 20 oder 25 Jahren. Die Inbetriebnahmen sollen von 2024 bis 2030 erfolgen.

Thailands Projektplanung für erneuerbare Energien

Geplante Leistung von 2024 bis 2030 in Megawatt

Einspeisevergütungen in Baht*) pro Kilowattstunde

Vertragslaufzeit in Jahren

Solarfreiflächenanlagen

2.368

2,17

25

Solarfreiflächenanlagen mit Batteriespeichern

1.000

2,83

25

Windkraftanlagen

1.500

3,10

25

Biogasanlagen (Substrate: Abwasser oder Abfälle)

335

2,07

20

*) 1 Baht = 0,03 US$ (Stand 18.10.2022)Quelle: Energy Regulatory Commission 2022

Spätestens im Mai 2023 stehen in Thailand Parlamentswahlen an, daher könnte eine neue Regierung das Vergabeprogramm noch modifizieren. Bislang liegen die festen Vergütungen zwischen 3,1 Baht (circa 8,4 US-Cent) für Windkraft und 2,1 Baht (etwa 5,4 US-Cent) für Biogasanlagen. Die Vergütung wird während der Vertragslaufzeit nicht an Preissteigerungen angepasst. Die vertraglich festgelegte Leistung wird bei Lieferung aber auf jeden Fall vergütet.

Bis auf eine Ausnahme müssen die Vertragspartner Betreiber die vereinbarte Leistung aber nicht garantieren (non-firm purchase). Nur Solaranlagen mit Batteriespeichern müssen die vertraglich festgeschriebene Leistung zumindest tagsüber hundertprozentig liefern (partial-firm purchase).

Langfristig mehr regenerative Energien geplant

Gemäß dem Power Development Plan (PDP) aus dem Jahr 2018 sollen bis 2037 noch insgesamt 17 Gigawatt an erneuerbaren Energien installiert werden. Die nun ausgeschriebenen 5,2 Gigawatt reichen daher bei weitem nicht aus.

Installierte Leistung an erneuerbaren Energien in Thailand (in Megawatt)

2021

Juni 2022

Ziele 2037 1)

Insgesamt

12.379

12.463

29.411

  Biomasse

3.774

3.676

5.790

  Solar

2.982

3.034

14.864

  Windenergie

1.546

1.546

2.989

  Biogas

573

654

1.565

  Müllheizkraftwerke

348

397

975

  Kleinwasserkraftwerke 2)

190

192

308

  Großwasserkraftwerke

2.919

2.918

2.920

1) Nach Power Development Plan; 2) mit weniger als 12 Megawatt LeistungQuelle: Department of Alternative Energy Development and Efficiency 2022

Große Potenziale werden beispielsweise noch bei Solaranlagen gesehen, die auf Stauseen schwimmen. Unter anderem hat der nationale Stromkonzern Electricity Generating Authority of Thailand Investitionen in diese schwimmenden Fotovoltaikfarmen angekündigt.

Industriebetriebe, die Fotovoltaikanlagen auf ihren Dächern installieren, verbrauchen den Solarstrom in den meisten Fällen selbst. Einspeisungen ins Netz oder Handel mit anderen Abnehmern sind oft nicht möglich oder sehr umständlich.

Private Haushalte haben aus diesen Gründen ebenfalls nur wenige Fotovoltaikanlagen installieren lassen. Falls sie trotz der bürokratischen Hindernisse Überschüsse ins Netz speisen, erhalten sie 2,2 Baht je Kilowattstunde (circa 6 US-Cent). Bauträger und Installationsfirmen berichten immerhin, dass wegen steigender Strompreise und sinkender Installationskosten die Nachfrage nach Solaranlagen zunehme.

Strom aus Wind, Biogas und -masse hat viel Potenzial

Eine Abteilung des Energieministeriums, das Department of Alternative Energy Development and Efficiency, identifizierte insbesondere im Nordosten und Süden des Landes mögliche Standorte für potenzielle Windkraftanlagen. Gemäß dem aktuellen PDP sollen bis 2037 ungefähr 1,5 Gigawatt an Windkraftanlagen gebaut werden. Diese Vorgabe wird mit der aktuellen Ausschreibung im Jahr 2030 bereits erreicht.

Die Zielvorgaben für Biogas und -masse bis 2037 liegen weit über den aktuellen Ausschreibungen der ERC. Betriebe investieren auch ohne staatliche Förderungen in Anlagen, die Bioenergie oder Abfälle nutzen. Energieunternehmen und Baustoffhersteller stellen beispielsweise ihre Kraftwerke auf Ersatzbrennstoffe (Refuse Derived Fuel) um. Die Umstellung lohnt sich, weil die Preise für Kohle und Gas zulegen.

Wirtschaft fordert mehr sauberen Strom

Der Industriedachverband Federation of Thai Industries (FTI) forderte im September 2022 nochmals, dass die Regierung für mehr erneuerbare Energien sorgen solle. Erneuerbare Energien hatten 2021 einen Anteil von ungefähr 16 Prozent am Strommix. Kohle kam auf 20 Prozent und Gas machte 64 Prozent aus. Ausländische Investoren und inländische Unternehmen würden immer häufiger nach einer klimaneutralen Energieversorgung fragen. Sie wollen ihre Treibhausgase senken und benötigen dafür sauberen Strom. 

Falls die Versorger nicht genügend erneuerbare Energien zur Verfügung stellen, würden sich Investoren von Thailand abwenden. Der FTI möchte daher, dass der Staat die verkrustete Versorgung aufbricht und den Strommarkt liberalisiert. Das Übertragungsnetz des Monopolisten Electricity Generating Authority of Thailand solle grundsätzlich für die Durchleitung von erneuerbaren Energien geöffnet werden.

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