Wirtschaftsumfeld | Thailand | Außenhandel

Deutscher Anteil an Thailands Einfuhren schrumpft

Die Importe des Königreichs schießen in die Höhe, doch die deutschen Lieferungen nach Thailand stagnieren. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Von Frank Malerius | Bangkok

Thailand ist nach Singapur und Malaysia der drittwichtigste deutsche Absatzmarkt unter den Ländern des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Im Jahr 2025 exportierte Deutschland Waren im Wert von 5,5 Milliarden US-Dollar (US$) in das Königreich, meldet das Statistische Bundesamt. Dies entsprach einem Anstieg von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Die gesamten Importe Thailands wuchsen 2025 allerdings um 13 Prozent. Die Stagnation der deutschen Exporte steht damit im Kontrast zur immer stärkeren Einbindung des Schwellenlandes in den Welthandel. Alleine in den vergangenen zehn Jahren stiegen die Einfuhren des Landes um drei Viertel. Die deutschen Lieferungen hingegen legten seit 2015 nur um etwa ein Viertel zu. Der deutsche Importanteil sank laut thailändischer Statistik 2025 auf ein Rekordtief von 1,7 Prozent.

Die vermeintliche deutsche Exportschwäche hat allerdings Unschärfen. Viele deutsche Unternehmen fertigen in China und exportieren von dort nach Thailand. Diese Warenexporte fließen in die chinesische Exportstatistik ein. Wie hoch der entsprechende Wert ist, ist unklar. 

Maschinen und Chemie "made in Germany" bleiben gefragt

Die deutschen Exporte nach Thailand legten 2025 immerhin in wichtigen Industriebranchen deutlich zu, insbesondere bei Maschinen und chemischen Erzeugnissen. Und das, obwohl die thailändische Konjunktur mit einem Wachstum von 2,4 Prozent weitaus schwächer war als die der fünf anderen großen ASEAN-Volkswirtschaften.

Die Aussichten für 2026 sind verhalten. Die thailändische Industrie schwächelt, insbesondere in Segmenten, die an der Automobilindustrie hängen. Auch die Chemieindustrie entwickelt sich wenig dynamisch. Für Standarderzeugnisse gibt es weltweit Überkapazitäten, insbesondere chinesische Anbieter drängen in die thailändischen Absatzmärkte. Die Produzenten in Thailand müssen daher stärker in Spezialchemie investieren und Märkte dafür erschließen.

Schwere Krise der Automobilindustrie

Die deutschen Lieferungen von Kfz und -Teilen nach Thailand brachen 2024 und 2025 jeweils um mehr als ein Drittel ein. Grund ist die Krise der thailändischen Automobilindustrie. Die inländische Nachfrage ist schwach, und diese Schwäche erreicht inzwischen auch das Luxussegment, in dem deutsche Marken stark vertreten sind. BMW und Mercedes importieren einen Großteil ihrer Pkw als CKD-Bausätze ("Completely Knocked Down") und ihre Verkäufe gingen 2025 zurück.

Es ist keine Besserung in Sicht, denn thailändische Banken vergeben aufgrund der hohen Verschuldung der privaten Haushalte kaum noch Kredite an Autokäufer. Hinzu kommt der Strukturwandel zu E-Autos, von dem vor allem chinesische Anbieter profitieren. Sie bauen in Thailand große Produktionskapazitäten auf, um von dort den lokalen, regionalen sowie überregionale Märkte zu beliefern. Der chinesische Marktführer BYD exportiert bereits in Thailand gefertigte E-Autos in die EU.

Deutsche Kerntechnologien bleiben gefragtExporte von Deutschland nach Thailand nach Produktgruppen *)
Produktgruppe

2025 in Mio. US$

Veränderung 2025/24 in %

Anteil am Gesamtexport in %

Maschinen

1.255

11,4

22,6

Chemische Erzeugnisse

1.079

3,5

19,5

Elektronik

591

5,7

10,7

Elektrotechnik

419

-6,5

7,5

Mess-/Prüftechnik

361

0,2

6,5

Kfz und -Teile

311

-34,8

5,6

Luftfahrzeuge

281

-1,4

5,3

* SITC-Gruppen 71-74 (Maschinen); 5 (chem. Erzeugnisse); 75+76+776 (Elektronik); 77 minus 776 (Elektrotechnik); 87 (Mess-/Prüftechnik); 78 (Kfz und -Teile); 792 (Luftfahrzeuge).Quelle: Destatis 2026

Die Elektronikbranche boomt

Am dynamischsten entwickelt sich die thailändische Elektronikindustrie. Hier legten auch die deutschen Lieferungen zu. Die Branche wird getrieben von chinesischen Herstellern, die Produktionen ins Königreich verlagert haben, um von dort aus bestehende oder drohende US-Zölle auf Waren aus China zu umgehen. Auch deshalb stehen die Zeichen 2026 auf Expansion. 

Der Bedarf an Vorprodukten und Verarbeitungsmaschinen bleibt also hoch. Bisher werden in Thailand vor allem Produkte mit geringer Wertschöpfung produziert, wie Computerfestplatten, Haushaltsgeräte oder Leiterplatten. Zukünftig soll die lokale Halbleiterindustrie weiterentwickelt werden, die bisher nur auf wertschöpfungsschwache Produktionsschritte (assembly, testing and packaging) ausgerichtet ist.

Wichtiger Lieferant für Deutschland

Bei Elektronik gehört Thailand mittlerweile zu den fünf wichtigsten deutschen Sourcing-Standorten. Im Jahr 2025 importierte Deutschland Branchenprodukte im Wert von 4,3 Milliarden US$ aus dem Königreich. Nur China, Taiwan, Vietnam und Malaysia lieferten noch mehr Elektronik nach Deutschland.

Im Zuge der starken Elektronikimporte ist das deutsche Handelsdefizit mit Thailand 2025 auf einen neuen Höchststand von 5,1 Milliarden US$ angestiegen. Es ist damit das neuntgrößte deutsche Außenhandelsdefizit mit einem Staat weltweit. Auch der Fehlbetrag im Handel mit dem Staatenbund ASEAN stieg 2025 auf einen neuen Rekordwert: 35 Milliarden US$. Aus Südostasien bezieht Deutschland vor allem Elektronik sowie Bekleidung und Schuhe. Nur das Defizit mit China ist noch höher als das mit ASEAN.

China verdrängt alle anderen Lieferanten

Der alles überlagernde Trend im thailändischen Außenhandel ist der immer größere Importanteil Chinas. Im Jahr 2025 kam wertmäßig nahezu ein Drittel aller Lieferungen aus dem Reich der Mitte. Alleine in den vergangenen zwei Jahren schossen die Bezüge aus China um 50 Prozent auf 108 Milliarden US$ in die Höhe. Das thailändische Defizit mit China liegt mittlerweile bei 68 Milliarden US$. Die Volksrepublik lieferte so viele Waren nach Thailand wie die fünf wichtigsten nachfolgenden Lieferanten zusammen. In fast allen Industriebereichen dominieren Produkte "made in China". Von dort werden wertmäßig etwa zehnmal so viele Maschinen nach Thailand geliefert wie aus Deutschland. 

Wichtigster Exportmarkt Thailands sind die USA. Trotz der US-Zusatzzölle ("reciprocal tariffs") stiegen die Lieferungen dorthin 2025 um rund ein Drittel. Bei den Exporten handelt es sich vor allem um Elektronikprodukte. Dagegen legten die US-amerikanischen Ausfuhren nach Thailand trotz weitgehender Zollfreiheit lediglich um 9 Prozent zu. Damit kletterte das Handelsdefizit der USA mit Thailand auf einen Rekordwert von 51 Milliarden US$. Laut US-amerikanischer Statistik hatten die USA mit Thailand 2025 ihr siebthöchstes bilaterales Handelsdefizit. Thailand befürchtet, dass die USA zusätzliche Zöllen erheben werden.

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