Branche kompakt | Thailand | Chemische Industrie

Thailands Chemiebranche setzt auf Spezialchemie und Bioplastik

Das Königreich hat eine gut integrierte Chemiebranche. Doch günstige Importe aus China zwingen zur Neuausrichtung. Der schwache Pharmasektor sucht Investoren.

Von Frank Malerius | Bangkok

Ausblick der chemischen Industrie in Thailand 

Bewertung:

  • Weltweite Überkapazitäten setzen heimische Unternehmen unter Druck.
  • Trend zu einer spezialisierteren Produktpalette.
  • Petrochemie leidet unter geopolitischen Krisen.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: April 2026

  • Günstige Importe, insbesondere aus China, verschärfen in Thailand den Wettbewerb. Deshalb muss die Chemiebranche auf wertschöpfungsstärkere Spezialprodukte ausweichen.

    Thailands Chemieindustrie wurde nach den Ölpreisschocks in den 1970er Jahren mit staatlichen Hilfen aufgebaut. Seitdem hat sie sich zu einem der führenden Branchenstandorte in Südostasien entwickelt. Doch seit mehreren Jahren leidet der Sektor unter den weltweiten Überkapazitäten und den günstigen Importen aus China. 

    Auch 2026 wird ein schwieriges Jahr für die Petrochemie erwartet. Die geopolitischen Krisen wie der Ukraine- und der Iran-Krieg belasten die Branche. So nimmt die Abhängigkeit Thailands von Importöl und -gas mangels Investitionen in die eigene Förderung zu. Hinzu kommt die unsichere Versorgung mit Vorprodukten durch die Störung der Lieferketten.

    37 Millionen

    Tonnen pro Jahr beträgt die Kapazität der Petrochemie in Thailand.

    Starke Petrochemie

    Herzstück der thailändischen Chemiebranche ist die Petrochemie, die zu den 20 größten der Welt zählt. Sie ist im Cluster Map Ta Phut in der Provinz Rayong angesiedelt. Die Branche ist im Vergleich zu anderen Industriezweigen des Königreiches wertschöpfungsstark. Die Petrochemie deckt die gesamte Produktionskette ab. Sie verarbeitet Öl und Gas zu zahlreichen Zwischenprodukten, aus denen später Kunststoffe, Farben, Düngemittel, Kosmetika oder Medikamente hergestellt werden.

    In Map Ta Phut sind etwa 60 petrochemische Großbetriebe angesiedelt. Der Industriepark verfügt neben Raffinerien auch über Kraft- und Stahlwerke sowie einen Chemiehafen. Der Tiefseehafen Map Ta Phut wird derzeit in einer dritten Stufe ausgebaut und erhält zusätzliche Terminals und Lager für Gas und Flüssigstoffe.

    Die thailändischen Raffinerien erzeugen unter anderem Naphta (Rohbenzin), das in der Upstream-Industrie 70 Prozent des eingesetzten Rohstoffs ausmacht. Die Upstream-Hersteller erzeugen daraus Grundchemikalien, die wiederum zu 80 Prozent an lokale Hersteller von Zwischen- und Downstream-Produkten geliefert werden.

    Deren Erzeugnisse gehen anschließend zu mehr als 50 Prozent ins Ausland. Hauptabnehmer sind China und südostasiatische Länder. Die wichtigsten inländischen Endabnehmer von petrochemischen Erzeugnissen sind Firmen aus dem Verpackungssektor sowie aus der Textilbranche, der Automobilindustrie und der Elektronik

    Ausweichen in die Spezialchemie

    Doch die Petrochemie befindet sich seit den Corona-Jahren in der Krise. Weltweite Überkapazitäten belasten die Branche. Hinzu kommt der Zollkonflikt der USA mit China, der dazu geführt hat, dass chinesische Chemieunternehmen ihre Produktionsüberschüsse noch stärker nach Südostasien umleiten und dort die Preise verderben. Inländische Anbieter sind dadurch gezwungen, in Marktnischen auszuweichen. Beobachter erwarten erst 2027 eine Markterholung.

    Angesichts der Stagnation will die Branche auf eine höherwertige und innovative Produktion umstellen. Dies führt zu verstärkten Investitionen, zum Beispiel in Spezialchemikalien oder Bioplastik. Auch die Analysten des Bankhauses Krungsri erwarten, dass sich immer mehr Chemiebetriebe auf die Produktion von höherwertiger Spezialchemie konzentrieren werden.

    Für biobasierte Kunststoffe sind in Thailand pflanzliche Rohstoffe wie Zuckerrohr, Maniok, Mais oder Holz in großen Mengen verfügbar. Es gibt bereits mehrere Initiativen: Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen TotalEnergies Corbion stellt unter anderem Bioplastik (Polylactide; PLA) aus Zuckerrohr in Rayong her. Das österreichische Unternehmen Lenzing betreibt seit 2022 ein Lyocell-Werk mit einer Jahreskapazität von 100.000 Tonnen in Prachinburi. Die Holzfasern gehen hauptsächlich in die Textilbranche und in Hygieneartikel.

    Ausgewählte Projekte der chemischen Industrie in ThailandInvestitionssumme in Millionen US-Dollar
    Akteur

    Investitionssumme

    StandAnmerkungen
    Braskem Siam 

    588

    In PlanungBau einer Anlage zur Produktion von Bioethanol hauptsächlich aus Zuckerrohr in Rayong; Kapazität: 200.000 t/Jahr
    PTTGC Olefins

    518

    In PlanungStaatliche Initiative zur Steigerung der Ethanproduktion 
    NatureWorks

    384

    Im BauAnlage zur Verarbeitung von Zuckerrohr zu Bioplastik in Nakhon Sawan; Kapazität: 75.000 t/Jahr 
    Birla Carbon

    222

    Im BauAnlage zur Produktion von Rußzusätzen in Rayong; Phase 1: 120.000 t/Jahr; geplante Erweiterung auf 240.000 t/Jahr
    Denka SCGC Advanced Materials

    146

    Im BauAnlage zur Produktion von Acetylenruß in Rayong; Kapazität: 11.000 t/Jahr; Joint Venture aus Denka (Japan) und SCG Chemicals (Thailand)
    Yuzhou Fine Chemical 

    48

    In PlanungBau einer Anlage zur Produktion von Vorprodukten für Leiterplatten (Printed Circuit Boards, PCBs) in Prachinburi
    Kemira Oyj 

    k. A.

    In PlanungBau einer Anlage zur Produktion von Festigkeitsmitteln für Papier und Karton in Samut Prakan
    Quelle: Medienberichte; Unternehmensangaben 2025, 2026

    Investitionen in die Pharmaproduktion gesucht

    Ein Schwachpunkt der thailändischen Chemiebranche ist die Pharmaproduktion, die überwiegend einfache Generika erzeugt. Anspruchsvollere Medikamente müssen jährlich im Wert von 3 Milliarden bis 4 Milliarden US-Dollar (US$) importiert werden. Wichtigste Lieferanten sind Deutschland, die USA und China. Den Importen stehen Medikamentenexporte im Wert von nur 600 Millionen bis 700 Millionen US$ gegenüber. Etwa 90 Prozent der thailändischen Produktion sind für den heimischen Markt bestimmt. Um diese Schwäche zu überwinden, sollen sich neue Hersteller von Medikamenten ansiedeln. 

    Der staatliche Board of Investment (BOI) genehmigte 2025 insgesamt 320 ausländische Investitionsprojekte in der chemischen und petrochemischen Industrie. Sie summieren sich auf 1,5 Milliarden US$. Der BOI bietet Investoren der chemischen Industrie Körperschaftsteuerbefreiungen für drei bis acht Jahre, die Befreiung von Einfuhrzöllen auf Maschinen, Rohstoffe und wichtige Vorprodukte sowie nichtsteuerliche Anreize wie das Recht auf Landerwerb, einen zentralen Service für Visa und Arbeitsgenehmigungen sowie kostenlose Beschaffungsdienstleistungen.

    Handelsdefizit wächst

    Thailand führte laut UN Comtrade 2024 (letztverfügbare Angaben) in einer breiten Auslegung der Branche chemische Erzeugnisse im Wert von 30,2 Milliarden US$ ein. Größte Posten waren Erzeugnisse aus Kunststoffen sowie Industriechemikalien. Seit 2014 fährt die thailändische Chemiebranche ein Außenhandelsdefizit ein, das zudem wächst. Im Jahr 2024 betrug es 4,4 Milliarden US$, den zweithöchsten Wert nach 2022. Etwa die Hälfte des Defizits entfällt auf Importe von Pharmazeutika. Ein großes Defizit besteht auch bei Düngemitteln. Hier sind China und Saudi-Arabien die wichtigsten Lieferanten. Der Iran-Krieg zeigt die industrielle Importabhängigkeit besonders bei Vorprodukten für Kunststoffe und Düngemittel. 

    Deutschland bei Arzneimitteln gut im GeschäftEinfuhren chemischer Erzeugnisse nach Thailand; in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent
    Bezeichnung (HS-ZTPos.)

    2025

    Veränderung 2025/2024

    2025 aus Deutschland

    Industriechemikalien (28, 29)

    7.219

    -2,3

    207

    Arzneimittel (30)

    3.358

    9,7

    494

    Düngemittel (31)

    2.881

    12,5

    30

    Farben und Lacke (32)

    1.610

    4,0

    71

    Kosmetika (33)

    2.077

    2,0

    16

    Reinigungsmittel (34)

    957

    5,0

    59

    Verschiedene chemische Erzeugnisse (38)

    4.643

    -7,4

    203

    Kunststoffe und Waren daraus (39)

    11.586

    9,6

    284

    Sonstige (35, 36, 37)

    673

    9,4

    25

    Chemie insgesamt (28 bis 39)

    35.003

    3,8

    1.390

    Quelle: Ministry of Commerce 2026

    Bei einfachen Kunststoffen in Primärform erwirtschaftet Thailand allerdings einen deutlichen Überschuss. Sie werden vor allem nach China, Indien, Japan und in die ASEAN-Länder geliefert. Einen Überschuss gibt es ebenfalls bei Waschmitteln und Kosmetika.

    Von Frank Malerius | Bangkok

  • Die Petrochemie ist überwiegend in staatlicher Hand. Deutsche Chemieunternehmen stellen in Thailand ein breites Spektrum an Erzeugnissen her.

    Thailand hat eine große und gut ausgebaute Chemiebranche. Sie bietet von der Verarbeitung von Öl und Gas über die Herstellung von Zwischenprodukten bis hin zu Endprodukten einen gut integrierten Industriesektor. Laut eines Rankings des deutschen Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) erzielte die thailändische Chemiebranche 2024 einen Umsatz von 30,1 Milliarden Euro (inklusive der pharmazeutischen Industrie: 32,5 Milliarden Euro) und ist damit die viertgrößte der ASEAN, hinter der in Indonesien, Singapur und Malaysia.

    Nach Angaben des Department of Industrial Works, das zum Industrieministerium gehört, gibt es in Thailand 3.000 Chemieanlagen mit 125.000 Beschäftigten. Hinzu kommen 1.200 Anlagen der vorgelagerten Öl- und Gasindustrie mit weiteren 18.000 Mitarbeitern. Die Chemie ist nach der Nahrungsmittel- und der Elektronikbranche der drittgrößte Industriezweig des Landes, noch vor der Automobilindustrie.

    Chemische Industrie in Thailand verzeichnet sinkende AuslastungKapazität und Produktion 2025 in Millionen Tonnen; Wert in Millionen US-Dollar; Veränderung in Prozent
    Sparte

    Kapazität

    Produktionsmenge

    Wert

    Veränderung 2025/24

    Polyethylen

    5,1

    4,1

    4.648

    -3,0

    Polypropylen

    3,1

    2,2

    2.394

    5,1

    Ethylen-Harz

    5,3

    4,6

    1.928

    -10,5

    Chemiefasern

    1,6

    0,9

    1.390

    -8,2

    PET-Harz

    1,6

    1,3

    1.215

    -13,6

    Körperpflegemittel

    0,7

    0,4

    1.097

    7,1

    Propylen

    2,5

    2,1

    1.095

    -8,8

    Benzol

    1,5

    1,3

    525

    -32,6

    Farben und Lacke 

    0,2

    0,2

    519

    -33,6

    Durchschnittskurs 2025: 1 US$ = 32,84 Baht; 2024: 1 US$ = 35,26 BahtQuelle: Office of Industrial Economics 2026

    Öl- und Gasverarbeitung in staatlicher Hand

    Die Basis der thailändischen Chemiebranche ist die Öl- und Gasverarbeitung. Sie befindet sich weitgehend in staatlicher Hand. Größter Marktteilnehmer ist PTT Global Chemical mit seinen Tochterunternehmen ThaiOil und IRPC. Die Subunternehmen der PTT Group decken ein breites Produktspektrum bis hin zur Spezialchemie ab.

    Auch der börsennotierte Mischkonzern Siam Cement Group (SCG) ist in der Petrochemie aktiv. Er erweitert derzeit seine Kapazitäten und errichtet in Vietnam einen 5,4 Milliarden US-Dollar (US$) teuren Petrochemiekomplex. SCG wollte seine Chemiesparte 2023 an die Börse bringen. Wegen schwacher Resonanz wurden diese Pläne jedoch abgesagt.

    Wichtige Chemieunternehmen in Thailand Umsatz 2025 in Milliarden US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz

    PTT Global ChemicalPetrochemie

    15,0

    ThaiOil (PTT-Gruppe)Petrochemie

    12,2

    IRPC (PTT-Gruppe)Petrochemie

    8,5

    SCG Chemicals Petrochemie

    6,0 *)

    TOA PaintFarben, Lacke, Beschichtungen

    0,7

    Global Green Chemicals (PTT-Gruppe)Pflanzliche Stoffe wie Methylester, Fettalkohol, raffiniertes Glyzerin 

    0,6

    Birla Carbon (Thailand)Industrieruß (carbon black) 

    0,4

    * Unternehmensangaben für 2024; Durchschnittskurs 2025: 1 US$ = 32,84 Baht.Quelle: The Stock Exchange of Thailand 2026

    Thailands Petrochemie verarbeitet heimisches Öl und Gas aus dem Golf von Thailand. Aber die eigene Förderung steht nur noch für etwa zehn Prozent der Versorgung. Angesichts der sinkenden Fördermengen schreibt die Regierung die Entwicklung von mehreren Ölfeldern aus. Doch bis auf Weiteres muss Thailand einen immer größeren Anteil der benötigten Mengen importieren. Im Jahr 2025 kauften thailändische Raffinerien Rohöl im Wert von 27,5 Milliarden US$ im Ausland ein, etwa zur Hälfte auch aus dem Nahen Osten. Wichtigste Lieferanten sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien.  

    Darüber hinaus wurde für fast 8,3 Milliarden US$ Erdgas importiert, das überwiegend über Pipelines aus Myanmar sowie Tankschiffen aus Katar und Australien stammt und vor allem für die Stromerzeugung genutzt wird. Diese Ausgaben dürften 2026 angesichts des Iran-Krieges mit der Schließung der Straße von Hormus ansteigen.

    Engagement und Investitionen im Ausland

    Die thailändischen Chemiefirmen investieren wegen der weltweiten Überkapazitäten, des steigenden Wettbewerbs, der schwächelnden Nachfrage sowie sinkender Preise derzeit weniger in neue Kapazitäten. Vielmehr müssen sie stärker in Hochleistungsprodukte und innovative Erzeugnisse am Ende der Wertschöpfungskette expandieren. Dazu bedarf es auch mehr Auslandsengagement.

    So erwarb die staatliche PTT Global Chemical (PTTGC) im Januar 2022 das in Frankfurt am Main ansässige Spezialchemieunternehmen Allnex, das Beschichtungsharze und Additive produziert. Die Gruppe kommt damit der steigenden Nachfrage nach hochleistungsfähigen und umweltfreundlichen Beschichtungslösungen nach. Der Kaufpreis lag nach Presseangaben bei 4 Milliarden Euro. Es war die größte Auslandsakquisition eines thailändischen Unternehmens seit 2012. PTTGC stellt Medienberichten zufolge von 2026 bis 2030 umgerechnet 388 Millionen US$ für die weitere Expansion von Allnex bereit, mit Fokus auf das Spezialchemikaliengeschäft. 

    Mehrere andere thailändische Chemieunternehmen sind international aktiv. Zum Beispiel Indorama Ventures, das nach eigenen Angaben mit 148 Fabriken in 35 Ländern (davon mehreren in Deutschland) der weltgrößte Hersteller von Polyethylenterephthalat (PET) ist. Der größte Produzent von Anstrichmitteln, TOA Paint, expandiert hauptsächlich in die südostasiatischen Nachbarmärkte. Denn die Nachfrage nach Anstrichmitteln im Bausektor und in anderen Industriezweigen nimmt zu.

    Deutsche Chemieunternehmen in Thailand

    Thailand ist der größte Standort des US-amerikanischen Chemieriesen Dow in Asien-Pazifik. Die Dow Thailand Group betreibt gemeinsam 13 petrochemische Werke mit einer Gesamtkapazität von 2,1 Millionen Tonnen. Beide Unternehmen engagieren sich auch im Kunststoffrecycling.

    Deutsche Firmen der chemischen Industrie stellen in Thailand ein breites Spektrum an Produkten her: BASF erzeugt Polyurethan, Beschichtungen, Care Chemicals und Bauchemie. Covestro produziert Polycarbonat, technische Kunststoffe und Spezialfolien vor allem für den Export. Evonik fertigt Kieselsäure sowie Wasserstoffperoxid für den lokalen Markt und internationale Kunden. Beiersdorf produziert in Bangkok in seiner weltweit zweitgrößten Produktionsstätte Körperpflegemittel, Henkel Klebstoffe und Kosmetika. Linde stellt Industriegase her und Bayer produziert Pflanzenschutzmittel.

    Nach Angaben der Deutschen Bundesbank und des VCI waren 2024 insgesamt 20 deutsche Chemieunternehmen mit Tochterfirmen in Thailand aktiv. Sie beschäftigten dort etwa 3.000 Mitarbeiter und erzielten einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht 1,5 Prozent der Auslandsumsätze der Branche. Diesen Informationen zufolge investierten deutsche Chemieunternehmen in den Jahren 2022 und 2023 jeweils etwa 1 Milliarde Euro im Königreich. Laut einer VCI-Mitgliederumfrage vom November 2024 nennen deutsche Chemieunternehmen Thailand als einen möglichen Standort für eine Diversifizierung außerhalb der USA.

    Von Frank Malerius | Bangkok

  • Thailands Vorschriften für den Umgang mit und die Kennzeichnung von Chemikalien sind Teil internationaler Regelungen. Mehrere Behörden sind für Gefahrstoffe zuständig.

    In Thailand zählt das Gesetz über den Umgang mit gefährlichen Stoffen (Hazardous Substances Act 1992) zu den maßgeblichen Vorschriften für die Chemieindustrie. Es regelt die Einfuhr, Herstellung, Vermarktung und den Besitz von gefährlichen Chemikalien wie Industriechemikalien, Pestiziden und Bioziden. Das Gesetz enthält sechs Anhänge, die verschiedene Gefahrstoffe und die zuständigen Behörden benennen.

    Zuständige Behörden für den Chemiesektor

    1. Gefahrstoffe in der Industrie: Department of Industrial Works
    2. Gefahrstoffe in der Landwirtschaft (Pestizide etc.): Department of Agriculture
    3. Gefahrstoffe in der Fischerei und Aquakulturen: Department of Fisheries
    4. Gefahrstoffe in der Tierproduktion: Department of Livestock Development
    5. Gefahrstoffe im Haushalt und Gesundheitswesen: Food and Drug Administration
    6. Gefahrstoffe in Mineralölprodukten: Department of Energy Business

    Umgang mit gefährlichen Stoffen genau geregelt

    Die Listen und die Umgangsregelungen mit gefährlichen Substanzen werden regelmäßig aktualisiert. Das Department of Industrial Works (DIW) passt die Liste und Verfahren auf Anforderung an, zum Beispiel um Vorgaben des Internationalen Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe zu erfüllen.

    Je nach Produkt bestehen Kennzeichnungspflichten, die dem Internationalen System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals; GHS) entsprechen. Thailand hat 2012 das GHS für chemische Substanzen und im Jahr 2017 das GHS für Gemische umgesetzt.

    Das Thai Industrial Standards Institute informiert über die erforderlichen Standards für chemische Erzeugnisse. Dienstleister wie TÜV Rheinland, TÜV Nord und des TÜV Süd unterstützen Unternehmen vor Ort bei der Einhaltung und Umsetzung der Normen.

    Tipps für den Markteinstieg

    • Anbieter von Maschinen und Ingenieurdienstleistungen für die Chemieindustrie benötigen Nähe zum Kunden.
    • Auftraggeber vertrauen etablierten Anbietern von Ausrüstungen und Anlagenbau.
    • Die Deutsch-Thailändische Handelskammer unterstützt beim Markteintritt. 

    Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU 

    Die Einfuhr von hochgiftigen Chemikalien ist genehmigungspflichtig. Genehmigungen erteilt das DIW, auch online. Über die aktuellen Einfuhrabgaben informieren die thailändischen Zollbehörden. 

    Thailand hat insgesamt 14 Freihandelsabkommen bei der Welthandelsorganisation WTO notifiziert. Das Königreich gehört unter anderem zu den Gründungsmitgliedern des asiatisch-pazifischen Freihandelsabkommens (Regional Comprehensive Economic Partnership Agreement; RCEP) von 2020.

    Europäische Lieferanten von chemischen Erzeugnissen hoffen auf den baldigen Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Thailand. Beide Seiten haben im September 2023 die Verhandlungen wieder aufgenommen, die aus politischen Gründen 2014 abgebrochen worden waren. Im Februar 2026 fand in Chiang Mai die achte Runde statt. Beobachter erwarten noch keinen Abschluss im Jahr 2026.

    Die GTAI ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Frank Malerius | Bangkok

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Thailand

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Thailand Board of Investment

    Investitionsförderstelle
    Department of Industrial WorksAufsichtsbehörde für Industriebetriebe und für die Zulassung von Chemikalien
    Petroleum Institute of ThailandInformationsplattform und Interessenvertretung der Petroleum- und Petrochemie-Industrie

    Petrochemical Industry Club

    Fachverband Petrochemie
    Chemical Industry ClubFachverband Chemie
    Thai Fertilizer Producer & Trade AssociationVerband der Hersteller von Düngemitteln 
    Thai Plastic Industry AssociationVerband der Hersteller von Kunststoffen
    The Thai Cosmetic Manufacturers AssociationVerband der Hersteller von Körperpflegmitteln und Kosmetika
    InterPlas ThailandFachmesse der Kunststoffindustrie: 17. bis 20. Juni 2026 in Bangkok
    Surface & CoatingsFachmesse für Beschichtungen, Farben, Lacke: 17. bis 20. Juni 2026 in Bangkok
    Thailand Oil & Gas RoadshowFachmesse und Seminare zu Öl, Gas & Petrochemie: 16. bis 17. Juli 2026 in Rayong