Wirtschaftsumfeld | Thailand | Personal

Personalsuche und Personalmanagement

Qualifizierte Mitarbeiter in Thailand zu finden, ist anspruchsvoll. Viele Agenturen bieten ihre Dienstleistungen an. Sie raten, Leistungsträger fest an sich zu binden. 

Von Frank Malerius | Bangkok

Viele Hochschulabsolventen und andere gut qualifizierte Nachwuchskräfte in Thailand streben eher sichere Jobs bei renommierten nationalen und internationalen Konzernen an. Kleine und mittelständische Unternehmen sowie Start-ups haben es bei der Suche nach Personal schwerer.   

Firmen werben Talente oft direkt an Universitäten und Berufsschulen an. Viele Bildungseinrichtungen veranstalten Jobbörsen, auf denen sich potenzielle Arbeitgeber vorstellen. Thailand verfügt über 172 Hochschulen, an denen aktuell mehr als 1,9 Millionen Personen studieren. Als beste Hochschule gilt die Chulalongkorn University in Bangkok, die aber im weltweiten "QS World University Ranking" nur auf dem 212. Platz rangiert. 

In Thailand machen deutlich mehr Frauen akademische Bildungsabschlüsse als Männer. Wohlhabende Thais schicken ihre Kinder auch häufig auf ausländische Universitäten. Wenn sie als englischsprachige und gut ausgebildete Absolventen zurückkehren, sind sie auf dem Arbeitsmarkt begehrt, insbesondere für internationale Umfelder. Sie können hohe Gehälter verlangen und sich den Arbeitgeber aussuchen.

Ein großer Pool an erfahrenen Expats

Deutsche Unternehmen entsenden insbesondere in der Aufbauphase Führungskräfte nach Thailand. Entsandtkräfte (Expats) arbeiten gerne in Thailand, weil das "Land des Lächelns" eine hohe Lebensqualität und vergleichsweise günstige Lebenshaltungskosten bietet. Manche Expats bleiben auch nach Auslaufen ihres Entsendevertrags vor Ort. Sie bilden einen Pool an Fachkräften, aus dem ausländische Unternehmen in Thailand schöpfen können. 

Die Erlangung einer Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung hängt unter anderem vom rechtlichen Status der Niederlassung in Thailand ab. Unternehmen, die Ausländer einstellen wollen, müssen den Mindestlohn zahlen und eine bestimmte Anzahl thailändischer Mitarbeiter pro ausländischem Mitarbeiter beschäftigen. Vorab sollten sie eine erfahrene Anwaltskanzlei konsultieren, die die Gründung der Niederlassung und Entsendungen organisiert.

Einige Visakategorien bieten internationalen Fachleuten besondere Privilegien, zum Beispiel bei der Besteuerung. Zudem bieten sie Ausnahmen von Aufenthaltsvorschriften. Für Ausländer gibt es ein spezielles Smart Visa Programm für hochqualifizierte Arbeitskräfte, Investoren und Manager sowie ein Long-Term Resident VisaDiese Visa und Arbeitsgenehmigungen unterliegen bestimmten Voraussetzungen. Zahlreiche Dokumente sind vorzulegen. Die Rechtslage ändert sich zudem häufig.

Agenturen helfen bei der Personalsuche

Personalagenturen spielen in Thailand eine große Rolle bei der Rekrutierung von Führungskräften. Unternehmen beauftragen sie insbesondere bei der dauerhaften Besetzung von Schlüsselpositionen. Die Auswahl ist groß: Sowohl renommierte internationale als auch kleinere, lokale Agenturen bieten ihre Dienste an. Die Vermittlungsgebühren liegen zwischen 18 und 20 Prozent des Bruttojahresgehalts des Kandidaten.

Beim Arbeitsministerium sind 358 Personalvermittler registriert. Sie haben sich auf verschiedene Bereiche des Arbeitsmarktes spezialisiert. Ein Vergleich ihrer Leistungen lohnt sich. Referenzen und Vorgehensweisen sollten geprüft werden, damit der Suchauftrag adäquate Kandidaten identifiziert. Die Personaldienstleister Adecco Consulting, Grant Thornton Services, Jackson Grant Recruitment und Tom Sorensen Recruitment sind Mitglieder der Deutsch-Thailändischen Handelskammer in Bangkok.

Personalabteilungen gehen auch selbst auf die Suche und schalten Stellenanzeigen in Onlineportalen wie JobsDB Thailand, JobThai, JobBKK oder Jobtopgun. Eine Anzeige in den Portalen kann allerdings eine Flut an Bewerbungen auslösen. Nach dem ersten Aussortieren erfolgt ein telefonisches Interview, auch um angegebene Englischkenntnisse zu testen. Danach folgen persönliche Interviews. Auch Gespräche mit vorherigen Arbeitgebern sind durchaus üblich. 

Es kann vorkommen, dass die ausgewählte Person, selbst wenn sie den Vertrag unterzeichnet hat, die Stelle nicht antritt. Daher sollten Unterlagen von alternativen Kandidaten aufgehoben werden.

Mitarbeiterbindung ist wichtig

Weil die Suche nach neuen Arbeitskräften aufwendig ist, versuchen Betriebe, gutes Personal an sich zu binden. Wichtig ist ein harmonisches Betriebsklima. Dazu gehören gemeinsame Feiern und ein jährlicher Betriebsausflug mit Übernachtung in einem guten Hotel. Respektvoller Umgang spielt eine wichtige Rolle in der thailändischen Kultur. Das gilt auch für den Arbeitsalltag. Öffentlicher Streit oder offene Kritik in größerer Runde sind verpönt.

Betriebe sollten insbesondere mit Angestellten, die Karrierewünsche anmelden, passende Fortbildungen und die berufliche Perspektive im Unternehmen besprechen. Aber die Work-Life-Balance gewinnt an Bedeutung. Beschäftigte mit Familie schätzen geregelte Arbeitszeiten und Vereinbarungen zum Homeoffice. 

Personalmanagement auslagern

Einige deutsche Unternehmen legen die Verwaltung ihres Personals in professionelle Hände. Insbesondere, weil die einschlägigen Vorschriften für Lohn- und Gehaltsabrechnungen, Steuern und Abgaben, die Ansprüche infolge von Krankheit, die Anmeldeprozesse bei der Sozialversicherung und bei anderen Ämtern kompliziert sind. Die Auswahl an sogenannten Professional Employer Organizations ist groß. Interessenten sollten sich im Vorfeld nach deren Referenzen erkundigen.

Dieser Inhalt gehört zu