Wirtschaftsumfeld | Ukraine | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten
Löhne und Gehälter
Die Löhne steigen deutlich. Der Kostenvorteil gegenüber der EU bleibt bestehen, wird aber kleiner.
22.06.2026
Von Waldemar Lichter | Warschau
Der staatliche Statistikdienst Derzhstat meldete für Dezember 2025 einen Durchschnittslohn von 30.926 UAH (Ukrainische Hrywnja). Das entspricht etwa dem Doppelten des Niveaus vor der Vollinvasion 2022. Die Hrywnja wertete gegenüber dem Euro von rund 39 UAH/EUR Ende 2022 auf etwa 50 UAH/EUR Ende 2025 ab. In Euro gerechnet stieg der Durchschnittslohn von rund 380 Euro im Jahresdurchschnitt 2022 auf etwa 620 Euro im Dezember 2025. Das entspricht einem Anstieg von rund 60 Prozent. Einschließlich des Arbeitgeberbeitrags zur Sozialversicherung von 22 Prozent liegen die Gesamtpersonalkosten beim Durchschnittslohn bei rund 740 Euro pro Monat. Der Kostenvorteil gegenüber Deutschland bleibt erheblich. Er schrumpft jedoch, und Unternehmen sollten mit weiter steigenden Löhnen rechnen.
Mindestlohn in der Ukraine erfüllt vor allem Referenzfunktion
Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 8.647 UAH pro Monat (rund 170 Euro) beziehungsweise 52 UAH pro Stunde. Für qualifizierte Positionen liegen die tatsächlichen Gehälter deutlich darüber. Der Mindestlohn hat vor allem indirekte praktische Bedeutung. Er dient als Bezugsgröße im Sozialversicherungsrecht und für Schwellenwerte im Zusammenhang mit Mobilisierungsschutz.
Gehaltsgefälle zwischen Branchen nimmt zu
Die höchsten Gehälter werden im IT-Sektor gezahlt. Mittlere Entwicklerstellen liegen typischerweise zwischen 2.400 und 3.400 US-Dollar pro Monat. Erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten erzielen 4.000 bis 5.600 US-Dollar. In Spitzenpositionen mit internationalen Kunden sind vereinzelt höhere Vergütungen möglich. Auch technische Spezialprofile, Produktionsleitungen und bestimmte Mangelberufe in Industrie, Logistik und Bau verzeichnen deutliche Gehaltsaufschläge. In einzelnen Fällen übertreffen handwerkliche und gewerblich-technische Berufe inzwischen klassische Büropositionen im mittleren Management.
Lwiw gewinnt als Standort an Bedeutung
Kyjiw ist bei Löhnen und Gehältern das teuerste Zentrum des Landes. Dort lagen die Durchschnittslöhne im Dezember 2025 bei 48.449 UAH (etwa 950 Euro). Das entspricht rund 57 Prozent über dem Landesdurchschnitt von 30.926 UAH (etwa 607 Euro).
Lwiw gehört zu den wichtigsten Alternativstandorten. Die Stadt profitiert von Binnenmigration, guter Infrastruktur und relativer Sicherheit. Charkiw ist kostengünstiger, weist jedoch erhebliche Sicherheitsrisiken auf.
| Branche | Bruttomonatslohn |
|---|---|
| IT / Telekommunikation | 1.425 |
| Finanz- und Versicherungswesen | 1.187 |
| Technisch-wissenschaftliche Dienstleistungen | 722 |
| Öffentliche Verwaltung / Verteidigung | 719 |
| Einzel- und Großhandel | 667 |
| Produktion / Fertigung / Industrie | 616 |
| Transport / Logistik | 565 |
| Land- und Forstwirtschaft | 514 |
| Bauwesen | 483 |
| Bildungswesen | 340 |
| Durchschnitt (alle Branchen) | 610 |
| Position | Bruttomonatslohn |
|---|---|
| Führungskraft | 1.260 |
| Personal mit akademischer Ausbildung | 815 |
| Techniker:in | 149 bis 432 |
| Unterstützende Dienstleistungs- und Verkaufskräfte | 502 |
| Fachkraft in der Land- und Forstwirtschaft | 688 |
| Handwerker:in | 603 |
| Anlagen- und Maschinenbediener:in | 625 |
| Hilfskraft | 580 |
Übliche Zusatzleistungen
In angespannten regionalen Arbeitsmärkten gewinnen freiwillige Zusatzleistungen erheblich an Bedeutung. Dazu zählen:
- Prämien für Zielerreichung, Anwesenheits- oder Produktionsboni
- Zuschüsse zu Transport oder Unterkunft, Schichtzulagen, Verpflegung am Standort
- Gefahrenzulagen in exponierten Regionen
- Medizinische Zusatzversicherungen und betriebliche Gesundheitsleistungen
- Werksbusse, Mietzuschüsse oder Wohnheimlösungen bei Standorten außerhalb großer Städte
Einheitliche Abgaben bei den Lohnzusatzkosten schaffen klare Planungsbasis
Die Lohnnebenkosten sind klar strukturiert. Statt mehrerer getrennter Sozialversicherungszweige gilt ein einheitlicher Sozialbeitrag von 22 Prozent. Diesen zahlt der Arbeitgeber auf das Bruttogehalt. Für Arbeitgeber dient folgende Formel als Planungsgröße: der Bruttolohn multipliziert mit dem Faktor 1,22. Für Arbeitnehmer fallen Einkommensteuer in Höhe von 18 Prozent sowie Militärsteuer an. Diese beträgt derzeit 1,5 Prozent und ist kriegsbedingt.