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Branche kompakt | USA | Medizintechnik

Digital Health

KI revolutioniert den US-Gesundheitssektor und dringt in immer mehr Bereiche vor. Auch Telemedizin und häusliche Versorgung bleiben wichtige Themen.

Von Heiko Stumpf | San Francisco

Die USA sind Vorreiter bei digitalen Gesundheitslösungen. Laut dem Marktforschungsinstitut Precedence Research könnte der US-Markt für digitale Gesundheit im Jahr 2025 ein Volumen von rund 92 Milliarden US-Dollar (US$) erreichen und bis 2030 um durchschnittlich rund 12 Prozent pro Jahr wachsen. Dazu trägt die innovative Start-up-Szene bei. Nach Angaben des Portals HealthTech Alpha sind rund 3.800 Digital Health Start-ups im US-Markt aktiv. 

Der Markt für Risikokapital vollzieht im Jahr 2025 die lange erwartete Trendwende. Nachdem während der Coronapandemie im Jahr 2021 eine Rekordsumme von 29,2 Milliarden US$ eingesammelt wurde, folgte ein dreijähriger Absturz. Nun geht es wieder bergauf - mit 9,9 Milliarden US$ haben junge Unternehmen im Bereich Digital Health bis zum 3. Quartal 2025 schon fast das gesamte Finanzierungsvolumen des Vorjahres erreicht. Getrieben wird der Trend vor allem durch den KI-Investmentboom, der auch für vielversprechende Aussichten im Jahr 2026 sorgt.

KI hört mit und erstellt die Dokumentation

Insbesondere KI‑Lösungen für klinische und administrative Prozesse rücken in den Fokus. Am schnellsten wächst der Bereich der KI-Assistenten - etwa Ambient Listening und AI Scripts. Diese Systeme hören bei Patientengesprächen im Hintergrund mit und erstellen automatisch die zugehörige Dokumentation. Laut dem 2025 Healthcare IT Survey von Bain & Company haben bereits 62 Prozent der befragten US-Gesundheitsdienstleister und -versicherer solche Systeme eingeführt oder befinden sich in der Pilot- oder Proof-of-Concept-Phase.

Nachdem zunächst Arztpraxen und ambulante Einrichtungen zu den frühen Anwendern zählten, halten die KI-gestützten Systeme verstärkt auch in großen Krankenhäusern Einzug. Beim renommierten Betreiber Mass General Brigham in Massachusetts nutzen bereits rund 2.500 Ärzte die Technologie. Das bisherige Resümee in der Branche ist positiv. Die für Dokumentationszwecke aufgewendete Zeit kann sich durch KI-Assistenten um bis zu zwei Drittel reduzieren, weshalb mehr Zeit für Patienten bleibt - und auch das Burn-out-Empfinden sinkt. Zudem wird auch von Effizienzgewinnen bei der medizinischen Kodierung zur Kostenerstattung berichtet.

Neben dem Marktführer Microsoft mit Dragon Copilot sind auch zahlreiche Start-ups wie Ambience Healthcare, Abridge, Onpoint Healthcare Partners oder Nabla in dem Feld aktiv. Auch führende Anbieter von elektronischen Patientenakten wie Epic, Oracle Health oder Meditech integrieren KI-Anwendungen in ihre Plattformen. Die Adoption wird dadurch erleichtert, dass für KI-Assistenzsysteme wie Ambient Listening in der Regel keine Zulassung erforderlich ist.

Auch Medizinprodukte setzen auf KI

Verstärkt kommt KI auch in medizintechnischen Geräten zur Anwendung. Bis Mitte 2025 hatte die Regulierungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) bereits rund 1.250 KI-basierte Produkte zugelassen. Mit rund 77 Prozent fällt der Großteil in den Bereich der bildgebenden Diagnostik. Die Kardiologie steht mit 9 Prozent an zweiter Stelle. Bei den Anbietern ist GE Healthcare mit 84 Zulassungen führend, gefolgt von Siemens Healthineers und Philips mit 76 beziehungsweise 32 Anwendungen.

Die zugelassenen KI-Systeme beruhen nahezu ausschließlich auf klassischen Machine-Learning- oder Deep-Learning-Algorithmen. Grundmodelle oder generative KI sind bislang in den FDA-Zulassungen nicht vertreten. Aidoc hat jedoch als erstes Unternehmen eine FDA-Zulassung für Bildanalysemodelle erhalten, die auf einem Grundmodell aufbauen - und auch GE Healthcare sowie Philips entwickeln bereits Grundmodelle für die MRT-Bildgebung.

Erleichterungen für Telemedizin hängen in der Schwebe

Langfristig gute Geschäftschancen bietet auch die Telemedizin. Laut dem 2025 Impact of Change Report von Sg2 könnten virtuelle Arztbesuche im Jahr 2035 einen Anteil von 19 Prozent erreichen. Die zukünftige Marktentwicklung hängt auch davon ab, ob im Zuge der Coronamaßnahmen erlassene Erleichterungen für Telemedizin verlängert werden. 

Innerhalb von Medicare wurden unter anderem geografische Beschränkungen für Telemedizinanbieter aufgehoben. Diese Ausnahmeregelungen gelten derzeit bis zum 30. Januar 2026. Im US-Kongress gibt es parteienübergreifende Bemühungen, die telemedizinischen Ausnahmeregelungen über das Jahr 2026 hinaus zu verlängern.

Seitens der Drug Enforcement Agency gibt es zudem Überlegungen, dauerhaft die telemedizinische Verschreibung von rezeptpflichtigen Medikamenten zu erlauben. Eine entsprechende Ausnahmeregelung gilt derzeit bis 31. Dezember 2025. Ohne die Ausnahme wäre immer eine persönliche Erstuntersuchung bei der verschreibenden Stelle erforderlich. Die Ausnahmeregelung gilt landesweit für alle Anbieter, nicht nur für Medicare.

Häusliche Gesundheitsversorgung gewinnt an Bedeutung

Bei Gesundheitsanbietern stoßen auch Konzepte für häusliche Behandlungen auf großes Interesse. Laut Sg2 wird die häusliche Gesundheitsversorgung bis 2035 um insgesamt 35 Prozent wachsen - und damit ein jährliches Volumen von 702 Millionen Behandlungen erreichen.

Ein Beispiel ist das Konzept Hospital-at-Home. Statt in der Klinik können Patienten bei chronischen Erkrankungen oder zur Nachsorge nach chirurgischen Eingriffen in den eigenen vier Wänden behandelt werden. Dafür kommen telemedizinische Geräte zur Patientenfernüberwachung wie Herzfrequenz- und Blutdruckmesser zum Einsatz. 

Durch das Acute Hospital Care at Home Program erlaubt die US-Regierung, Hospital-at-Home Behandlungen im Rahmen von Medicare wie stationäre Aufenthalte abzurechnen. Mit Stand September 2025 nahmen bereits 419 Krankenhäuser an dem Programm teil. Teilnehmende Einrichtungen berichten von spürbaren Effizienzgewinnen, insbesondere da sich die Wartezeiten auf freie Betten verkürzen. 

Allerdings tickt auch hier die Uhr, denn die Regelung ist bis zum 30. Januar 2026 befristet. Das Repräsentantenhaus hat bereits eine fünfjährige Verlängerung verabschiedet ,sodass als nächster Schritt noch der Senat zustimmen muss.

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