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US-Wirtschaft bleibt trotz Irankriegs auf Wachstumskurs

Die Durchschnittsamerikaner stöhnen unter den Kraftstoffpreisen und Jobsorgen. Doch die konsumfreudige Oberschicht und riesige KI-Investitionen halten die Wirtschaft am Laufen.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in Nahost sind in den USA mit den Händen zu greifen. Bei der Ankunft am Dulles-Flughafen in Washington fehlen im Frühjahr 2026 vor der Passkontrolle die üblichen langen Warteschlangen. Fliegen ist teurer geworden. Die Preise für ein Uber-Taxi in die Innenstadt sind dagegen wegen der gesunkenen Nachfrage deutlich gefallen.

Eine Unterhaltung mit dem Fahrer fördert die Misere der Branche zu Tage: Die Preise für Kraftstoffe sind seit dem Beginn des Irankriegs spürbar gestiegen. Sinkende Einnahmen bei zugleich steigenden Kosten sind Gift fürs Geschäft. Auch nach einem Waffenstillstand dürfte es eine ganze Weile dauern, bis die Preise an den Zapfsäulen wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

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OECD erwartet 2026 Inflation von gut 4 Prozent

In der Zwischenzeit wirken sich die gestiegenen Transportkosten auf nahezu alle Güterpreise aus. Davon kann sich im Frühjahr 2026 jeder Supermarktbesucher ein Bild machen. Die OECD erwartet für 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von 4,2 Prozent. Ein Jahr zuvor lag die Quote noch bei etwas unter 3 Prozent.

Vom Arbeitsmarkt gibt es keine Entlastung. Die Erwerbslosenquote lag im März 2026 zwar nur bei 4,3 Prozent. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein stark verändertes Verhalten der Marktteilnehmer: Die Firmen halten sich mit Neueinstellungen zurück. Beschäftigte wechseln seltener den Arbeitsplatz, was in den USA untypisch ist. Schul- und Universitätsabgänger finden indes kaum Arbeit.

Und doch wächst die US-Wirtschaft auch 2026: Die OECD erwartet für das laufende Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von real 2 Prozent. Damit liegt sie am unteren Ende der Prognosen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa traut den Vereinigten Staaten ein Wachstum von 2,4 Prozent zu.

Konsum erweist sich als krisenresistent

Ein Grund ist der Konsum, der auch in Krisenzeiten stabil bleibt und als wichtigste Konjunkturstütze gilt. Zwar halten sich untere Einkommensgruppen und die Mittelschicht mit Ausgaben zurück. Umso konsumfreudiger erweist sich die Oberschicht, die von Rekorderlösen an den Aktienmärkten vor dem Irankrieg profitiert.

Hinzu kommen riesige Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) und Datencenter. Sie sind laut Berechnung von Ökonomen für circa die Hälfte der BIP-Zunahme verantwortlich. Im Hochbau, der Landwirtschaft und der Kraftfahrzeugbranche stehen die Zeichen indes auf Abschwung.

Donald Trumps Zustimmungswerte – insbesondere in Sachen Wirtschaftskompetenz – sind zum Frühjahr 2026 in den Keller gerauscht.

Der Nahostkrieg dürfte unterm Strich vor allem politische Auswirkungen haben. Die meisten US-Haushalte bewerten die ökonomische Lage als schlecht. Donald Trumps Zustimmungswerte – insbesondere in Sachen Wirtschaftskompetenz – sind zum Frühjahr 2026 in den Keller gerauscht. Bei den im November 2026 anstehenden Wahlen für den US-Kongress droht Trumps Republikanern der Verlust der bisherigen Mehrheit. Ein demokratisch geführter Kongress dürfte dem Präsidenten das Regieren schwerer machen.