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Deutsche Möbelausfuhren in die USA bleiben stabil

"Made in Germany" bleibt auch in Zeiten des Handelskonflikts gefragt. Qualität alleine genügt im Wettbewerb nicht. Schnelligkeit im Service und Marktpräsenz sind ebenfalls wichtig.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Trotz Handelskonflikt und Irankrieg entwickeln sich Konsum und Einzelhandelsumsatz in den USA lebhaft. Beim Kauf langlebiger Konsumgüter zeigen sich die Verbraucher jedoch zurückhaltender. Für die Möbelbranche kommt ein weiterer Bremsfaktor hinzu: Der private Wohnungsbau und Teile des gewerblichen Hochbaus befinden sich in einer Schwächephase – zumindest im laufenden Jahr 2026.

Der stationäre und onlinebasierte Einzelhandelsumsatz an Möbeln soll 2026 nur um knapp 1 Prozent auf zusammengerechnet 247 Milliarden US-Dollar (US$) ansteigen, erwartet der Marktbeobachter IBIS World. Bis 2031 rechnen die Analysten mit einem Wert von 276 Milliarden US$. Damit läge die jährliche Wachstumsrate sehr wahrscheinlich unterhalb der Inflationsrate. Die Konkurrenz von Grand View Research beziffert den amerikanischen Möbelmarkt für 2026 auf 190 Milliarden US$. Sie geht langfristig von deutlich höheren Wachstumsraten als IBIS World aus. So soll 2033 knapp die 300-Milliarden-Dollarmarke erreicht werden.

Dass Marktstudien verschiedener Institute zu unterschiedlichen Ergebnissen für die USA kommen, ist die Regel. Die Wahrheit liegt meist in der Mitte – und so ist beim Branchenumsatz auf absehbare Sicht von einem leichten Realwachstum auszugehen.

Deutsche Wertarbeit gefragt

Möbel aus China, Mexiko, der ASEAN-Gruppe und Indien decken den Massenmarkt ab. Im Gegensatz dazu konzentrieren sich deutsche Hersteller auf das Premiumsegment sowie auf Nischen. Die deutschen Ausfuhren von Möbeln in die USA sind zwischen 2021 und 2025 mit jeweils rund 700 Millionen US$ relativ stabil geblieben. Auch im 1. Quartal 2026 setzte sich dieser Trend fort.

Qualitätsanbieter Deutschland und Italien bleiben stabilUS-Möbeleinfuhren (in Milliarden US-Dollar, Veränderung in Prozent) 1)
 20252025/24 Veränderung 
Vietnam

12,8

2,5

Mexiko

10,4

-4,5

China

10,3

-31,3

Restliches ASEAN 2)

5,1

13,5

Kanada

3,9

-11,0

Italien

1,7

-2,1

Indien

1,0

-5,3

Vereinigtes Königreich

0,9

9,8

Deutschland

0,7

-3,8

1) SITC-Position 82,8724 (einschließlich Matratzen und Bettausstattungen sowie Medizinmöbel); 2) Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand.Quelle: U.S. International Trade Commission 2026

Für deutsche Firmen bieten sich Absatzchancen in folgenden Sparten:

  • Der Büromarkt ist die am schnellsten wachsende Sparte des gewerblichen Hochbaus. Büros setzen zunehmend auf Systemmöbel "made in Germany". Hier spielen Design und modulare Ausbaufähigkeit eine große Rolle.
  • Medizinmöbel: Die Gesundheitsausgaben sollen bis 2033 um 50 Prozent steigen. Rund 600 Krankenhausprojekte mit einem Investitionsvolumen von 174 Milliarden US$ befinden sich in der Pipeline. Deutsche Produkte sind wegen ihrer hohen Funktionalität gefragt.
  • Hotels: Laut Lodging Econometrics befanden sich zum Ende des 1. Quartals 2026 gut 6.000 Häuser mit rund 700.000 Zimmern in der Pipeline. Insbesondere im Fünfsternesegment ergeben sich Zulieferchancen für Innenausstattungen und Großküchen.
  • Wohnbereich: Hier sind deutsche Anbieter im Premiumsegment gut aufgestellt. Besonders gefragt sind deutsche Küchen wegen ihrer hohen Qualitätsanmutung und des Designs.
  • Sitztechnik: Während die Nachfrage von Seiten des Kfz-Sektors schwächelt, steigende Zulieferchancen in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Kooperation mit Designern und Innenarchitekten wichtig

Je nach Absatzsparte sind die Vertriebschancen unterschiedlicher Natur: In der Bürosparte ist die Zusammenarbeit mit Innenarchitekten und Designern unabdingbar. Auch die lokale Marktpräsenz ist entscheidend für den Erfolg in den USA, berichtet Jan-Felix Kederer von der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer (AHK) in Chicago.

Bei Medizinmöbeln und Hotelausstattungen dominiert das Projektgeschäft. Hier sind enge Kontakte zu den großen Klinik- beziehungsweise Hotelbetreibern notwendig. Bei hochwertigen Küchen bietet es sich an, Flagshipstores in Metropolregionen wie New York und Los Angeles zu betreiben. Das hilft auch, den Bekanntheitsgrad der Marke zu erhöhen.

Qualität von Produkt und Service ist entscheidend

Grundsätzlich gilt für alle Bereiche: Der Wettbewerb findet für deutsche Unternehmen nicht über den Preis, sondern über Qualität, Funktionalität, Design und Service statt. Ein zentraler, oft aber von deutscher Seite vernachlässigter Erfolgsfaktor ist die klare Anpassung an US-spezifische Service- und Kommunikationsstandards. 

Im Vergleich zum deutschen Markt spielt Geschwindigkeit eine deutlich größere Rolle: Architekten und Handelspartner erwarten in der Regel Rückmeldungen innerhalb von 24 Stunden. Hersteller, die kurze Reaktionszeiten, verbindliche Aussagen und professionellen Aftersalesservice bieten, erhöhen ihre Chancen erheblich, bei Projektausschreibungen berücksichtigt zu werden.

Stufenweiser Markteintritt

Nach Einschätzung von Anna Fesun, Director of Business Operations North America bei WALTER K., bietet sich für Mittelständler ein stufenweiser Markteintritt an: Zunächst ermöglichen lokale Händler oder Importeure einen Zugang. Mittelfristig können dann hybride oder direkt gesteuerte Vertriebsstrukturen aufgebaut werden.

Relativ viel einheimische Produktion - Gesamtimporte gingen 2025 zurück

Einen Teil des Bedarfs an Ausstattungsgegenständen kann das Land selber decken. Laut IBIS World gab es 2025 mehr als 7.000 einheimische Hersteller von Möbeln für den Haushalts-, Büro-, und Gartenbedarf, die es auf einen Umsatz von insgesamt rund 70 Milliarden US$ brachten. Angesichts des Gesamtbedarfs bleiben die USA aber im hohen Maß auf Einfuhren angewiesen - auch wenn diese 2025 sanken.

Es gibt noch relativ viel einheimische ProduktionMöbelhersteller in den USA (2026)
 UmsatzAnzahl UnternehmenMitarbeiter (in 1.000)
Büromöbel

30,2

3.656

113,0

Wohnmöbel

27,1

3.465

101,0

Gartenmöbel

1,9

175

6,3

Insgesamt

59,2

7.296

220,3

Prognose.Quelle: IBIS World 2026

Im Jahr 2025 beliefen sich die Einfuhren von Möbeln und Einrichtungsgegenständen laut der International Trade Commission auf rund 52 Milliarden US$. In dieser Summe waren Möbel für medizinische Zwecke, Matratzen und Bettausstattungen sowie Sitze für Flugzeuge und Kraftfahrzeuge enthalten. Die Importe schrumpften gegenüber dem Vorjahr um knapp 9 Prozent.

Die teils vorübergehende Einführung von Zöllen, insbesondere auf Produkte chinesischen Ursprungs, war ausschlaggebend für den Rückgang. Die Volksrepublik ist traditionell der größte Möbellieferant. Doch 2025 gingen die entsprechenden Einfuhren "made in China" um nahezu ein Drittel zurück.

Auch Zölle für Kanada machten sich in der Handelsstatistik bemerkbar. Im Gegenzug konnten Anbieter aus der ASEAN-Staatenregion ihre Lieferungen in die USA auf insgesamt knapp 18 Milliarden steigern. Vietnam stieg 2025 zum bedeutendsten Zulieferland auf.