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Nachhaltiges Bauen und Energieeffizienz

Vom Wohnungsbau gehen wenig Impulse aus. Doch steigende Strompreise und strengere Auflagen der Bundesstaaten und Kommunen treiben die gewerbliche Nachfrage.

Roland Rohde

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Gemessen an den Bauleistungen macht der Wohnungsbau die mit weitem Abstand größte Sparte des Bausektors aus. Dominierend sind Einfamilienhäuser, sowohl im Neubau als auch bei Renovierungen. Technisch gesehen handelt es sich um relativ einfache Konstruktionen. Die Baumaterialien bestehen überwiegend aus gepressten Holzplatten. Stein dient lediglich als Fassadenmaterial. Entsprechend fällt die Wärmedämmung häufig gering aus.

Diese Bauweise bleibt auch in Regionen mit extremen Temperaturen oder hoher Naturkatastrophengefahr weit verbreitet. Die meisten Häuser verfügen über eine integrierte Klima- und Heizungsanlage. Verbreitet sind Luft-Wärmepumpen. Im Winter sorgt Gas für Wärme und im Sommer Strom für Kälte. Erdwärmepumpen spielen dagegen in den Vereinigten Staaten bisher nur eine untergeordnete Rolle. Ein grundlegender Wandel bei den Bau- und Heizstandards zeichnet sich derzeit nicht ab.

Stromintensive Datencenter müssen effizienter werden

Allerdings bekommt das Thema Energieeffizienz durch einen Megatrend Rückenwind: Die großen Technologieunternehmen investieren Milliardenbeträge in den Bau von Datencentern. Diese Anlagen verursachen einen hohen Stromverbrauch und erzeugen erhebliche Abwärme. Nur durch zusätzliche Energiesparmaßnahmen lässt sich der immer größer werdende Stromengpass bewältigen. Davon können deutsche Unternehmen profitieren, die im Bereich Energieeffizienz über umfangreiches Know-how verfügen. 

Auf der gesetzgeberischen Seite gibt es nur wenige Vorgaben für private Bauherren. Die existierenden Standards wurden unter der Trump-Administration weitgehend zurückgenommen. So wurde der 2021 erlassene International Energy Conservation Code für mit staatlichen Mitteln oder Krediten geförderte Neubauten 2026 außer Kraft gesetzt. Damit kehren die Vereinigten Staaten auf Bundesebene zu Standards zurück, wie sie seit 2006 beziehungsweise 2009 galten. 

Washington setzt auf Deregulierung und kürzt Förderungen 

Ebenso wurden entsprechende Auflagen für Elektrohaushaltsgeräte abgeschafft. Davon sind auch Klima- und Heizungsanlagen betroffen. Darüber hinaus wurden Vorgaben für öffentliche Gebäude außer Kraft gesetzt. Entsprechende Neubauten sollten ursprünglich bis 2030 klimaneutral sein. Schließlich beendete der One Big Beautiful Bill Act (OBBBA) Subventionen aus dem Inflation Reduction Act (IRA) für Investitionen in Energieeffizienz.

Allerdings sind die Vereinigten Staaten stark föderal organisiert. Die Bundesstaaten verfügen in diesem Bereich über weitreichende Kompetenzen. Daher können auf dieser Ebene deutlich strengere Vorschriften und Standards für Klimaschutz und Nachhaltigkeit gelten. 

Bundesstaaten und Städte verschärfen Standards 

Vorreiter ist Kalifornien. Dort traten Anfang 2026 verschärfte Baustandards bezüglich Energieeffizienz in Kraft. Die Vorgaben sind verbindlich und sollen weiter verschärft werden. Für Anfang 2029 sind bereits neue Standards vorgesehen und veröffentlicht. Das erhöht die Planbarkeit für die Marktteilnehmer.

Weitere Bundesstaaten mit strengen Vorgaben sind unter anderem Massachusetts, New York, Washington und Oregon. Darüber hinaus können auch einzelne Städte und Gemeinden Vorgaben für Energieeffizienz und Klimaneutralität verfolgen. Beispiele hierfür sind Austin, Boston, Chicago, Denver oder Philadelphia. Häufig gelten diese Vorgaben für gewerbliche Gebäude oder für Gebäude ab einer bestimmten Größe.

Daraus ergibt sich ein Flickenteppich unterschiedlicher Standards, der Auswirkungen auf den gesamten Markt hat. Für Anbieter von Dämmstoffen, Bauteilen oder Klimatechnik lohnt es sich oft nicht, eine breite Produktpalette für unterschiedliche Anforderungen vorzuhalten. Stattdessen etablieren sich am Markt schrittweise höhere Mindeststandards. Die lokalen Vorgaben tragen somit dazu bei, dass sich das allgemeine Standardniveau erhöht.

Stromkostenanstieg erhöht Investitionsbereitschaft

Das größte Absatzpotenzial bietet das Großgewerbe, nicht nur weil dort oft strengere Vorgaben gelten als im privaten Wohnungsbau. Dort trifft man auch auf eine größere Investitionskraft und -bereitschaft. Ausgaben für Energieeffizienz können erhebliche Kostenvorteile bringen, zumal die Strompreise infolge des Datencenterbooms deutlich steigen. 

Das zeigt sich auch im größten Stromnetz des Landes: PJM Interconnection versorgt 13 Bundesstaaten und rund 67 Millionen Menschen mit Elektrizität vom Mittleren Westen bis zur Atlantikküste. Nach Angaben des Netzbetreibers lagen die Großmarktpreise für Strom im 1. Quartal 2026 um rund drei Viertel über dem Vorjahresniveau. Viele produzierende Unternehmen kritisieren diese Entwicklung. Der Stahlhersteller Metallus aus Ohio berichtete im Juli 2026 auf X, dass seine aktuelle Stromrechnung um 70 Prozent gegenüber 2024 gestiegen sei.

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