Bericht | USA | Verteidigungswirtschaft
"Made in America" in US-Verteidigungsindustrie immer wichtiger
Ohne Produktion im Land kommen ausländische Firmen in den USA nur sehr schwer an Aufträge des Militärs. Kooperationen und Joint Ventures bieten Auswege.
05.11.2025
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Kein Land der Welt gibt annähernd so viel Geld für das Militär aus wie die Vereinigten Staaten. Laut dem US-Finanzministerium beliefen sich die entsprechenden Aufwendungen im Fiskaljahr 2025 (1. Oktober 2024 bis 30. September 2025) auf gut 920 Milliarden US-Dollar (US$). Laut Einschätzung des schwedischen Thinktanks SIPRI waren die USA 2024 für 37 Prozent aller globalen Militärausgaben verantwortlich.
Im Fiskaljahr 2025 machten die Verteidigungsausgaben insgesamt rund 13 Prozent der Staatsausgaben des Bundes aus. Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) ergibt sich ein Anteil von gut 3 Prozent, Tendenz steigend. Für das Fiskaljahr 2026 hat die Trump-Regierung eine Zunahme des laufenden Militärbudgets von rund 13 Prozent beim Kongress beantragt. Damit würde erstmalig die 1-Billion-US$-Grenze überschritten.
Marine und Luftwaffe im Fokus
Für die US-Verteidigungsindustrie, aber auch für ausländische Anbieter sind das gute Nachrichten. Jedoch gibt es für die verschiedenen Sparten unterschiedliche Aussichten. Wie ein pensionierter US-General im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI) sagte, habe es in den letzten Jahren einen Strategiewechsel gegeben. Der Fokus der US-Sicherheitspolitik liege nun auf der asiatisch-pazifischen Region. Dort solle China militärisch abgeschreckt werden. Unter Trump habe sich dieser Trend weiter verstetigt – trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Russland werde als ein Problem gesehen, mit dem hauptsächlich die europäischen Staaten fertig werden müssten.
Als Folge benötige das US-Militär weniger mechanisierte Einheiten mit Panzern und Artillerie. Stattdessen liege der Schwerpunkt bei Neuanschaffungen auf Flugzeugen, Schiffen, Raketen, Drohnen und dergleichen. Daher würden die Militärausgaben der Vereinigten Staaten für die Marine und Luftwaffe in den kommenden Jahren überdurchschnittlich steigen. Im Gegenzug müssten die Landstreitkräfte mit einem nur leicht zunehmenden oder stagnierenden Budget rechnen.
Projektstreichungen beim Heer: Problem für Mittelständler
Im Alltag bedeute dies, dass bestimmte Projekte aus Kostengründen gestrichen werden könnten. Das sorge vor allem bei Mittelständlern für ein gehöriges Maß an Unsicherheit. Während die großen Player der Verteidigungsindustrie sehr breit aufgestellt seien und so etwas gut verkraften könnten, seien insbesondere Nischenanbieter betroffen.
Im Jahr 2021 umfasste die US-Verteidigungsindustrie rund 60.000 Unternehmen mit 1,1 Millionen Angestellten. Dies geht aus dem "U.S. Defense Industrial Base"-Bericht des Kongresses von 2024 hervor. Im Fiskaljahr 2023 erhielten sie Aufträge vom Verteidigungsministerium im Umfang von 440 Milliarden US$. Die Hälfte davon entfiel auf Ausrüstungen und Verbrauchsgüter. Dienstleistungen waren für 37 Prozent verantwortlich.
Das Pentagon kommt für das Fiskaljahr 2025 auf eine Summe von 334 Milliarden US$ – verteilt auf 3 Millionen Aufträge. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Marine. Allerdings sind in diesen Zahlen auch erhebliche Ausgaben für die der Marine zugeordnete Luftwaffe enthalten. Gemessen an der Anschaffung von militärischer "Hardware" steht daher die Luftwaffe an erster Stelle. So weist die Behörde für 2025 über alle Streitkräfte gerechnet Mittel im Umfang von 73 Milliarden US$ für die Anschaffung von Fluggeräten aus.
Fünf große Unternehmen tonangebend
In der amerikanischen Verteidigungsindustrie dominieren fünf große Unternehmen: Lockheed Martin, Boeing, RTX, General Dynamics und Northrop Grumman. Laut dem Kongressbericht von 2024 konnten sie in den vergangenen Jahren rund ein Drittel aller Aufträge auf sich vereinen. Bei drei Viertel aller Anschaffungen von großen Waffensystemen war immer mindestens einer der "Big Five" Hauptauftragnehmer.
Daneben existieren noch andere große Firmen wie der Schiffsbauer Huntington Ingalls oder der Fahrzeugproduzent AM General. Zu den Unternehmen, die im Dienstleistungsbereich stark aufgestellt sind, gehören Amentum, Booz Allen Hamilton, aber auch Microsoft und IBM.
| Firma | Aufträge (2022) | Umsatz (2024) |
|---|---|---|
| Lockheed Martin | 44,5 | 71,0 |
| RTX | 25,4 | 80,7 |
| General Dynamics | 21,5 | 47,4 |
| Boeing | 14,2 | 23,9 2) |
| Northrop Grumman | 12,8 | 41,0 |
Ein Vertreter eines auch in den USA ansässigen deutschen Rüstungsunternehmens unterstrich im Gespräch mit GTAI, dass die Trump-Regierung auf der Suche nach neuen, innovativen Lieferanten sei. Man sei teils unzufrieden mit den angestammten "Platzhirschen". Doch diese Strategie ließe sich nur schwer umsetzen. Um Geschäfte mit dem Militär zu tätigen, brauche es langjährige Erfahrung. Es gebe eine "sehr spezielle Buchhaltung". Oft erfolge ein monatliches Auditing mit "sehr spezifischen Anforderungen".
Über 50 Prozent Local-Content
Für ausländische Anbieter sind die Hürden hoch: Im Verteidigungssektor gelten hohe lokale Wertschöpfungsanteile, die bereits jetzt bei mehr als 50 Prozent liegen. Die Trump-Administration lege einen nochmals stärkeren Wert auf das Siegel "made in America" und wolle die Quote weiter erhöhen. Man sei aber nicht grundsätzlich negativ gegenüber internationalen Herstellern eingestellt.
Für potenzielle Einsteiger in den Markt berge diese Praxis ein großes Problem: Ohne Produktion vor Ort könne man kaum Aufträge an Land ziehen. Doch ohne Aussicht auf Aufträge sei es riskant, lokale Fertigung aufzubauen. Ein möglicher Ausweg: ein Joint Venture mit einem US-Unternehmen gründen. Auch andere Formen der Kooperation bieten sich an. Im Prinzip sei die Branche ohnehin so angelegt, dass die meisten Mitspieler – je nach Projekt und Auftrag – zugleich Wettbewerber und Partner seien.