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Hoffnung auf ein Ende des Abschwungs im US-Landmaschinengeschäft

Die stark geschrumpften deutschen Lieferungen in die USA dürften 2027 wieder zulegen. Dafür sprechen ein hoher Nachholbedarf und steigende Agrarpreise.

Roland Rohde

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Den amerikanischen Landwirtschaftsbetrieben geht es schlecht – und das bereits seit geraumer Zeit. Die Preise für viele landwirtschaftliche Produkte sind zurückgegangen. Im Zuge des Handelskonflikts brachen Absatzmärkte weg. Zudem sorgten die Zölle zusammen mit dem Irankrieg für erhebliche Kostensteigerungen. Diesel sowie Dünge- und Saatmittel sind deutlich teurer geworden. Auch die Kreditzinsen zogen an. Die sich seit 2024 eintrübende Investitionslaune der Landwirte erreichte im Sommer 2026 einen Tiefpunkt.

Viele landwirtschaftliche Betriebe schieben die Anschaffung von teuren Großgeräten auf die lange Bank. Sie reparieren ihre Maschinen selbst dann, wenn es aus ökonomischer Sicht keinen Sinn mehr macht. Doch eine derartige Strategie lässt sich nicht unendlich lange fortsetzen. Irgendwann ist auch die beste Maschine nicht mehr brauchbar. Darauf hoffen zumindest die Hersteller von Traktoren und Landmaschinen. So erwartet der Anbieter CNH Industrial – die Nummer zwei der Branche – für 2027 eine Trendwende. Dafür sprechen auch die seit dem Spätsommer 2026 wieder deutlich ansteigenden Preise für Agrargüter.

Zugleich droht im Jahr 2027 neues Ungemach: Die Farmen müssen mit weiteren Kostensteigerungen rechnen. Nach Einschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums werden die Preise für Dünge- und Saatmittel 2027 ein Rekordlevel erreichen. Immerhin ist mit leichten Zinssenkungen zu rechnen. Ob es 2027 zu einer Seitwärtsbewegung oder einem leichten Wiederaufschwung kommt, bleibt abzuwarten. IBIS World geht von einem Umsatzwachstum von knapp 1 Prozent aus. Unter Einrechnung der Inflation käme das immer noch einem Absatzverlust gleich. Bis 2032 gehen die Wirtschaftsberater von keinem nachhaltigen Anstieg der Wachstumsraten aus.

Automatisierung und KI als Nachfragetreiber

Derart lange Prognosezeiträume sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Außerdem dürfte langfristig betrachtet der Trend zur Automatisierung in der US-Landwirtschaft weiter voranschreiten. Dafür sorgen bereits der hohe Fachkräftemangel und die weiter wachsenden Größen der Betriebe. Ebenso ermöglichen neue Technologien und die künstliche Intelligenz einen sparsameren Umgang mit den teuren Betriebsmitteln, was die entsprechende Nachfrage langfristig treibt.

Die aktuellen Statistiken geben allerdings keinen Anlass zur Hoffnung: Der Umsatz der Landmaschinenhersteller lag im Juni 2026 um 7,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Vergleich zum Juni 2024 ergab sich sogar ein Minus von nahezu einem Drittel. Das geht aus Zahlen der Notenbank von St. Louis hervor, einer wichtigen datenerhebenden Behörde.

Ist die Talsohle 2026 erreicht?

Damit hat sich der Abwärtstrend immerhin abgeschwächt. Auch beim US-Anbieter John Deere dreht sich die Abwärtsspirale langsamer. Im 3. Quartal 2026 sank das Nordamerikageschäft (USA und Kanada) nur noch um 6 Prozent zum Vorjahresquartal. Für das gesamte Jahr soll der Umsatz aber um 15 bis 20 Prozent zurückgehen. Die Verantwortlichen bei John Deere gehen davon aus, dass damit der absolute Tiefpunkt der Branchenkonjunktur erreicht ist.

Zu einem weniger aufmunternden Ergebnis kommt die Association of Equipment Manufacturers. Dem Branchenverband zufolge lag der mengenmäßige Umsatz an Traktoren (in den Vereinigten Staaten) im Juli 2026 um 11 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Für die ersten sieben Monate lag das Minus bei 13 Prozent. Damit schwächte sich der Abwärtstrend nur gering ab.

Landmaschinenimporte sinken im 1. Halbjahr 2026 um 13 Prozent

Unter der aktuellen Umsatzflaute leidet auch das Importgeschäft. So sanken die US-Einfuhren von Landmaschinen und Traktoren zwischen 2023 und 2025 von 15 Milliarden auf 10 Milliarden US-Dollar (US$), ein Rückgang von einem Drittel. Im 1. Halbjahr 2026 ergab sich ein Minus von 13 Prozent, so die International Trade Commission.

Deutsche Lieferungen besonders betroffen

Die Qualitätsanbieter aus der Bundesrepublik leiden besonders. US-Farmen satteln in schlechten Zeiten auf preiswertere Anbieter um. Die US-Einfuhren "made in Germany" hatten sich 2025 (gegenüber 2023) mehr als halbiert. Im 1. Halbjahr 2026 gaben sie nochmals um nahezu ein Fünftel nach. Dagegen legte die japanische Konkurrenz zu. Anlagen aus Japan bieten eine hohe Qualität und sind infolge des schwachen Yens preislich wettbewerbsfähiger geworden. Die deutschen Lieferungen dürften 2027 wieder wachsen, insbesondere wenn der Aufwärtstrend bei den Agrarpreisen anhält.

Deutschland verliert – Japan legt zuUS-Einfuhren von landwirtschaftlichen Maschinen und Traktoren nach Lieferländern (in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent) 1)
Land

2025

1. Hj. 2026

Veränderung 2)

Deutschland

1.704,6

784,7

-28,3

Kanada

1.536,9

757,4

-15,5

Mexiko

917,7

585,5

-10,0

Japan

748,9

447,3

30,8

China 

823,3

320,0

-37,7

Italien

550,4

283,5

-7,7

Südkorea

598,8

260,4

-23,5

Vietnam

390,2

317,5

12,1

Thailand

239,3

143,3

21,8

1 SITC-Positionen 721 und 722; 2 Veränderung 1. Halbjahr 2026 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025.Quelle: U.S. International Trade Commission 2026

 

Anbieter aus China konnten nicht profitieren – zumindest auf den ersten Blick. Jedoch zogen zwischen dem 1. Halbjahr 2024 und dem 1. Halbjahr 2026 die US-Einfuhren aus Vietnam und Thailand um zwei Drittel an. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Volksrepublik den US-Markt zunehmend über Fabriken (im chinesischen Besitz) in Südostasien beliefert. In anderen Maschinenbausparten gibt es einen ähnlichen Trend.

US-Zölle erhöhen Bürokratie

Die deutschen Anbieter leiden zusätzlich unter den US-Zöllen. Zwar geben sie einen Großteil davon an die Endkunden weiter, doch dadurch werden ihre Anlagen noch unerschwinglicher. Zudem führen die Abgaben auf Stahl, Aluminium und Kupfer zu einer erheblichen bürokratischen Mehrbelastung. Große Maschinen bestehen aus Tausenden von Einzelteilen, für jede Schraube müssen Herkunft, Metallgehalt und Wert ermittelt werden.

Insgesamt gibt es 2026 in den USA laut IBIS World gut 900 Hersteller von Landmaschinen mit rund 60.000 Angestellten, die es auf einen Umsatz von 37 Milliarden US$ bringen. Es dominieren wenige große Anbieter, Branchenprimus ist John Deere. Auf Rang 2 folgt CNH Industrial (Zusammenschluss der amerikanischen CNH Global und der italienischen Fiat Industrial). Die beiden Firmen sollen 2026 auf einen Marktanteil von zusammengerechnet zwei Dritteln kommen.