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Staatsverschuldung der USA gerät aus dem Ruder
Lange haben die Finanzmärkte dem Schuldenmachen der US-Regierungen einfach nur zugeschaut. Doch nun kippt die Stimmung.
08.10.2026
Im Wahlkampf im Vorfeld der Midterms im November 2026 spielt die öffentliche Verschuldung kaum eine Rolle. Nach der Abstimmung dürfte das Thema die Politik jedoch stärker beschäftigen. Der Grund: Die Finanzmärkte haben im Spätsommer 2026 quasi über Nacht das Vertrauen in die Nachhaltigkeit des US-Haushaltsgebarens verloren.
Ökonomen sprechen auch von einem erreichten Kipppunkt. Nach Angaben des Finanzministeriums überschritt die öffentliche Verschuldung im August erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar (US$), was 40.000 Milliarden US$ entspricht. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag die Schuldenquote damit bei rund 124 Prozent.
Inflation und nervöse Finanzmärkte treiben Zinsen für Staatsanleihen
Hinzu kamen die Auswirkungen des Handelskonflikts und die Schließung der Straße von Hormus. Dies heizte die Inflation an. Die Preissteigerung veranlasste im September 2026 die Notenbank Fed, die Leitzinsen erstmals seit über drei Jahren anzuheben. Analysten erwarten zum Jahresende eine weitere Erhöhung. Danach soll der Leitzins 2027 stabil bleiben. Erst 2028 rechnen die Ökonomen mit Senkungsschritten.
In der Folge stiegen auch die Renditen. So hätten allein zwischen dem 5. September und dem 5. Oktober 2026 die Renditen für fünfjährige US-Staatsanleihen um rund 0,5 Prozentpunkte auf 5 Prozent zugelegt, berichtet Bloomberg. Gegenüber dem Vorjahr habe sich sogar ein Plus von 1,3 Prozentpunkten ergeben. Damit erreichten die Bonds die höchste Verzinsung seit 2002.
aller staatlichen Ausgaben der USA im Fiskaljahr 2026 waren schuldenfinanziert.
Eine Haushaltskonsolidierung wird damit immer dringlicher. Die Budgets der vergangenen und die bisherigen Ansätze für die nächsten Jahre basieren jeweils auf einer Neuverschuldung von rund 6 Prozent des BIP. Solche Werte gelten aus ökonomischer Sicht über einen längeren Zeitraum als nicht tragfähig.
Eine weitere Zahl verdeutlicht die Lage: Im Fiskaljahr 2026, also vom 1. Oktober 2025 bis 30. September 2026, mussten 29 Prozent aller Ausgaben durch neue Schulden finanziert werden.
Schuldendienst verschlingt enorme Summen
Deshalb muss ein immer größerer Teil des Haushalts für den Schuldendienst aufgewendet werden. Laut dem US-Finanzministerium beliefen sich die entsprechenden Ausgaben im Fiskaljahr 2026 auf 1.270 Milliarden US$. Das entspricht einer Quote von fast 4 Prozent zum BIP. Zum Vergleich: Deutschland soll 2026 laut Angaben des Deutschen Bundestages auf einen Wert von rund 1 Prozent kommen.
Das für die Schuldentilgung verwendete Geld fehlt dann für Investitionen, etwa in die Verkehrsinfrastruktur, oder für Konsumausgaben, etwa im Sozial- und Gesundheitsbereich. Zudem schränkt es die fiskalischen Gestaltungsmöglichkeiten künftiger Regierungen ein.
Große Konjunkturprogramme wie der Inflation Reduction Act (IRA) oder der Infrastructure Development and Jobs Act, die unter der Biden-Administration aufgelegt wurden, kann sich der Staat wohl nicht mehr leisten. Damit sinkt auch die Möglichkeit, künftige Krisen finanziell abzufedern.
| Kennziffer | Wert |
|---|---|
| Schuldenstand (in Bill. US$) 2) | 40,2 |
| Schuldenstandquote (Gesamtverschuldung in % des BIP) | 123,7 |
| Neuverschuldung (in Bill. US$) | 2,0 |
| Neuverschuldungsquote (in % des BIP) 3) | 6,1 |
| laufender Schuldendienst/Zinszahlungen (in Bill. US$) | 1,3 |
| Anteil Schuldendienst an den staatlichen Ausgaben (in %) | 18,6 |
| Schuldendienst im Vergleich zum BIP (in %) 3) | 3,9 |
| durchschnittliche Verzinsung von Staatsanleihen (in %) | 3,6 |
| Verzinsung neu emittierter Zehnjahresanleihen (in %) 2) | 5,3 |
Noch überdecken umfangreiche Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) die Schuldenproblematik. Mit einem Volumen von 1.000 Milliarden US$ jährlich würden sie zur Hälfte zum BIP-Wachstum beitragen, schätzen Ökonomen. Daher wird für 2026 und 2027 ein Wirtschaftswachstum von jeweils gut 2 Prozent erwartet. Doch wenn der Investitionszyklus endet, droht ein böses Erwachen.
Mögliche Gefahr für ausländische Firmen: Zölle zur Haushaltssanierung
Negative Auswirkungen drohen auch Anbietern aus dem Ausland. Zölle gelten als beliebtes Instrument zur Erhöhung der Staatseinnahmen. Sie lassen sich der Bevölkerung leichter mit dem Hinweis vermitteln, dass das Ausland die Kosten tragen müsse. Damit könnten Zölle auch nach einem möglichen Sieg der Demokraten bei den Midterms im November 2026 und sogar nach einem Amtswechsel im Weißen Haus Anfang 2029 Bestandteil des US-Geschäfts bleiben.
Ob es künftigen Regierungen in Washington, D.C. gelingen wird, den Haushalt zumindest annähernd auszugleichen, bleibt fraglich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die US-Staatsverschuldung bis 2031 auf mehr als 140 Prozent des BIP steigt. Das Haushaltsbüro des US-Kongresses geht sogar bis 2036 von einem ungebremsten Anstieg der Verschuldung aus.
Ob dies die Finanzmärkte aber noch ein weiteres Jahrzehnt mittragen werden, bleibt offen. Denn falls internationale Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der USA kontinuierlich herabsetzen, würde die Finanzierung neuer Schulden so teuer, dass Washington an einer Haushaltskonsolidierung kaum vorbeikäme.