Arbeitsmarkt | Usbekistan

Usbekistan lockt mit vielen Arbeitskräften und günstigen Löhnen

Usbekistan punktet mit einem großen Arbeitskräftepool und niedrigen Löhnen. Ehrgeizige Arbeitsmarkt- und Bildungsreformen sollen Defizite in der Ausbildung abbauen.

Von Uwe Strohbach | Taschkent

Wir haben die Reihe "Lohn- und Lohnnebenkosten" in "Arbeitsmarkt" umbenannt.

Auf dem usbekischen Arbeitsmarkt ist es nach wie vor schwer, allen an einer Beschäftigung interessierten Menschen einen regulären Arbeitsplatz anzubieten. Entsprechend hat die Beschäftigung im zumeist schlecht bezahlten informellen Sektor in den letzten Jahren weiter zugenommen. Parallel dazu ist es ausgesprochen schwierig, gut qualifiziertes Personal zu finden. Dies gilt vor allem für Manager aller Ebenen, Ingenieurinnen und Technologen.

Deutschland und Usbekistan vereinbarten im September 2024 eine Migrations- und Mobilitätspartnerschaft. Sie sieht beispielsweise vor, das Verfahren zur Vergabe von Arbeitsvisa zu vereinfachen und neue Schulungsprogramme einzuführen. Die Zahl der Entsendungen könnte in naher Zukunft auf mehrere zehntausend Personen pro Jahr ansteigen, nachdem sie 2023 noch deutlich unter 1.000 lag.

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Junge und motivierte Bevölkerung (Durchschnittsalter: 29 Jahre) 
  • Jährliches Beschäftigungswachstum von im Schnitt 2 Prozent
  • Großes Potenzial an frei verfügbaren Arbeitskräften 
  • Weitreichende Bildungsreformen gestartet 
  • Regierung fördert organisierte Arbeitsmigration     

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Großer informeller Beschäftigungssektor 
  • Fachkräftemangel in vielen Bereichen 
  • Hohes Maß an verstecker Arbeitslosigkeit
  • Erhebliche regionale Disparitäten

  • Gut ausgebildete Fachkräfte sind in Usbekistan rar. Aber in der Aus- und Weiterbildung tut sich viel. Bewegung kommt in die Entsendung von im Ausland nachgefragten Arbeitskräften.

    Usbekistans Wirtschaft boomt. Neue Industrie- und Dienstleistungsbetriebe entstehen. Die Baubranche und Agrocluster expandieren. Viele Branchen werden technologisch gänzlich neu ausgerichtet. Doch die Unternehmen stehen vor einer großen Herausforderung: Es ist ausgesprochen schwierig, gut qualifiziertes Personal zu finden. Dies gilt vor allem für Manager aller Ebenen, Ingenieure und Technologen.

    Großes Reservoir an jungen Menschen mit Bildungsabschluss

    Dabei hat das Land einige Trümpfe in der Hand. Jahr für Jahr drängen etwa 700.000 Schul- und Hochschulabsolventen auf den Arbeitsmarkt. Bis 2030 steigt deren Zahl auf 1 Million. 

    Der Hochschulsektor entwickelt sich dynamisch. Ende 2024 gab es 213 Hochschulen inklusive Filialen ausländischer Hochschuleinrichtungen mit 1,3 Millionen eingeschriebenen Studierenden. Zum Vergleich: Im Studienjahr 2017/18 gab es lediglich 72 Hochschulen mit 298.000 Studierenden. Für Bachelorstudiengänge in den MINT-Fächern waren Ende 2024 rund 270.000 junge Menschen eingeschrieben. Außerdem existierten 333 Berufsschulen, wo rund 200.000 Auszubildende lernten. Darunter durchliefen etwa 50.000 eine duale Ausbildung.

    Zu wenig sichere reguläre Arbeitsplätze

    Dem usbekischen Arbeitsmarkt gelingt es aber nach wie vor nicht, allen an einer Beschäftigung interessierten Menschen einen regulären Arbeitsplatz anzubieten noch den jährlichen Zustrom von Schulabgehenden abzufangen. Dies hat die Beschäftigung im zumeist schlecht bezahlten informellen Sektor in den letzten Jahren immer weiter anschwellen lassen.

    Von den landesweit rund 12,3 Millionen beschäftigen Personen waren Mitte 2024 nach offiziellen Angaben 45 Prozent weitestgehend ohne Zugang zu sozialer Absicherung und Beschäftigungsschutz tätig. Etwa 70 Prozent dieser Personen arbeiten in der Landwirtschaft. Die übrigen 30 Prozent führen saisonale Tätigkeiten aus, treiben Handel, arbeiten auf dem Bau oder in Transportunternehmen.

    Die Regierung will die informelle Beschäftigung bis 2026 auf 30 Prozent zurückdrängen. Erste Maßnahmen zielen unter anderem darauf ab, einigen dieser Tätigkeiten den Status als selbstständig Beschäftigte zuzuerkennen oder den privaten Nebenerwerb durch den Anbau von Obst und Gemüse zu legalisieren.

    Fachleute beurteilen die Regierungspläne als ambitioniert. Sie befürchten vielmehr, dass sich das Heer der informell Beschäftigten durch viele früher in Russland tätige Arbeitsmigranten, die nach Usbekistan zurückgekehrt sind, sogar noch ausweiten dürfte.

    Offiziellen Angaben zufolge verdienten Mitte 2024 etwa 2 Millionen Personen ihr Geld als Arbeitsmigranten im Ausland, hauptsächlich unorganisiert und in kaum anspruchsvollen Berufsfeldern. Die Regierung macht sich jedoch stark dafür, um ein organisiertes Entsenden in entwickelte Länder mit einem hohen Arbeitskräftebedarf zu ermöglichen.

    Trendwende zu mehr Qualität in der Bildung eingeleitet 

    Die starke Zunahme bei weiterführenden Bildungseinrichtungen hat Fachleuten zufolge in den letzten Jahren mehr Masse als Klasse erzeugt. Auch der deutliche Trend zur Kommerzialisierung des Sektors ging stark zu Lasten der Bildungsqualität. Usbekische Abschlüsse sind in der Regel nicht mit denen in Deutschland vergleichbar. Fachliche und praxisnahe Lerninhalte kommen in den Studien- und Lehrprogrammen oft zu kurz.

    Führende lokale Personalagenturen schätzen ein, dass viele neu eingestellte Hochschulabsolventen häufig nur unzureichend auf das reale Arbeitsleben vorbereitet sind. Sie mindestens ein Jahr im Unternehmen weiterzubilden und an ihre Aufgabengebiete heranzuführen, ist daher üblich.

    Diesem negativen Trend will die Regierung entgegenwirken, beispielsweise mit bedarfsgerechten Lehrpläne. Auch sollen neue Bildungsstandards nach westeuropäischem Vorbild an usbekischen Hochschulen eingeführt werden. Zu den neuen Instrumenten zählen zudem praxisorientierte Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen sowie ein neuer Ansatz, um Weiterbildungsprogramme für das Lehrpersonal gezielter als bisher zu gestalten. 

    Die Hochschulen wollen bis 2030 ausländische Partner für bis zu 50 binationale Doppeldiplom-Studienprogramme gewinnen. An Mittelschulen ist die Einführung von Berufsausbildungskursen geplant. Die duale Berufsausbildung soll ausgebaut werden.   

    Deutschland engagiert sich bei der Verbreitung der dualen Ausbildung

    Die Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien unterstützt deutsche Firmen beim Aufbau der dualen Berufsausbildung in Usbekistan. Das öffentlich geförderte Programm Skills Experts ermöglicht den Unternehmen, eigene qualifizierte Fachkräfte vor Ort nach deutschen Standards auszubilden. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH fördert den Reformprozesse in der beruflichen Bildung, darunter auch die duale Ausbildung in der Textil- und Lederindustrie.

    Usbekistan treibt geordnete Entsendung von Fachkräften voran

    Die Regierung hat eine Kehrtwende in der Arbeitsmigration eingeleitet. Sie setzt auf eine geordnete und sozial abgefederte Entsendung von Fachkräften. Offiziell entsandte Arbeitskräfte werden bereits vorab im In- und/oder Ausland weitergebildet. Das Programm berücksichtigt den Bedarf der ausländischen Arbeitgeber. Vor der Entsendung sind zudem Sprachkurse mit einer Abschlussprüfung vorgesehen. Allein zwischen Januar und August 2024 bereiteten sich so rund 42.000 Personen für Auslandsjobs vor.

    Usbekistan im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Von Uwe Strohbach | Taschkent

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  • Usbekistan treibt eine geordnete Entsendung von Fachkräften voran und unterstützt Bewerbende bei Sprach- und Bildungskursen. Deutschland ist einer der Wunschpartner der Initiative.

    Die usbekische Regierung hat eine Kehrtwende in der Arbeitsmigration eingeleitet. Sie setzt mittlerweile auf eine geordnete und sozial abgefederte Entsendung von Fachkräften. Somit sollen die Arbeitsaufnahme im Ausland und die Gewinnung neuer Mitarbeiter für ausländische Arbeitgeber attraktiver gestaltet werden. Die unorganisierte Arbeitsmigration soll eingedämmt werden.

    Neue Agentur für Migration steuert Entsendungen

    Die Agentur für Migration ist regierungsseitig zuständig für Fragen der Entsendung von Fachkräften ins Ausland. Sie ist im Herbst 2024 aus einer Vorläuferorganisation, der Agentur für externe Arbeitsmigration, hervorgegangen und organisatorisch unmittelbar beim Ministerkabinett Usbekistans angesiedelt. Geografisch im Fokus stehen EU-Länder, Industriestaaten in Asien und Russland.

    Kernaufgaben der Agentur für Migration

    1. Regulierung der Arbeitsmigration;
    2. statistische Erhebungen;
    3. Lizenzvergabe an privater Vermittleragenturen;
    4. Abstimmung mit ausländischen Partnern;
    5. Vorbereitung von Sprach- und Berufsbildungskursen;
    6. Kostenlose Beratung für die Arbeitsaufnahme im Ausland.

    Vermittlung von Fachkräften nimmt deutlich zu

    Nach Angaben der Agentur wurde die Beschäftigung usbekischer Arbeitskräfte mittlerweile mit rund 370 ausländischen Partnern in mehr als 30 Ländern vereinbart. Das damit verbundene Stellenaufkommen beläuft sich auf etwa 160.000 mit monatlichen Bruttolöhnen von bis zu 2.500 US-Dollar (US$).

    Offiziell entsandte Arbeitskräfte werden vorab im In- und/oder Ausland weitergebildet. Fachlich wird dabei der Bedarf der ausländischen Arbeitgeber berücksichtigt. Vor der Entsendung sind zudem Sprachkurse mit einer Abschlussprüfung vorgesehen.

    Die Zahl der offiziell ins Ausland vermittelten Arbeitskräfte steigt – sind es 2022 noch etwa 22.000 gewesen, könnten es 2025 bereits 200.000 sein. Die Bereitschaft in der usbekischen Bevölkerung ist hoch, bei einem attraktiven Arbeitsangebot ins Ausland zu gehen. Laut der Jobvermittleragentur HeadHunter konnten sich im Herbst 2024 etwa 31 Prozent aller Arbeitssuchenden einen solchen Schritt vorstellen - noch ein Jahr zuvor waren es nur 13 Prozent.

    Deutschland ist einer der Wunschpartner

    Mit deutschen Arbeitgebern bestanden Ende 2024 bereits 25 Vereinbarungen über die Beschäftigung oder duale Ausbildung von rund 60.000 usbekischen Bürgern. Der monatliche Durchschnittslohn betrug dabei umgerechnet 2.100 US$. Die offerierten Stellen betrafen vor allem das Gesundheitswesen und die Altentenpflege, das Speditionsgewerbe und das Hotel- und Gaststättenwesen. Bei der Entsendung nach Deutschland handelt es sich um ein langfristig angelegtes Win-Win-Projekt für beide Seiten, so der Leiter der Agentur für Migration, Bekhzod Musaev, im Gespräch mit Germany Trade & Invest.

    Die Agentur offerierte Ende 2024 nahezu 53.000 Stellen im Ausland auf ihrer Internetseite und über ihren Telegram-Kanal. Diese betrafen hauptsächlich Angebote aus Deutschland (31.800), Russland (18.400) und der Schweiz (2.000).

    Neuer Ansatz für einen schnellen Kontakt zu ausländischen Arbeitgebern

    Für 2025 stellte der Agenturchef zudem organisatorische Änderungen für die Vermittlung in Aussicht. So wird sich die Agentur schrittweise aus der Auswahl und der Entsendung der Arbeitskräfte ins Ausland zurückziehen. Diese Aufgaben werden private Anbieter im Bereich Arbeitsvermittlung übernehmen, die künftig zudem auch die vorgeschalteten Berufsbildungs- und Sprachkurse organisieren sollen.

    Auch will die Agentur schon bald Informationen zu an sie gemeldete offene Stellen im Ausland zeitnah über ihre elektronischen Verbreitungswege zugänglich machen. Interessierte Personen sollen dort auch ihre Unterlagen hochladen und sich direkt auf veröffentlichte Stellen im Ausland bewerben können.

    Migrationsabkommen erleichtert Fachkräftezuwanderung nach Deutschland

    Deutschland und Usbekistan vereinbarten im September 2024 eine Migrations- und Mobilitätspartnerschaft. Sie sieht beispielsweise vor, das Verfahren zur Vergabe von Arbeitsvisa zu vereinfachen und neue Schulungsprogramme einzuführen. Die Entsendungen könnten schon in naher Zukunft mehrere Zehntausend Personen pro Jahr erreichen, nach noch deutlich unter 1.000 im Jahr 2023.

    Aktuell sind bereits mehrere Initiativen auf deutscher Seite im Gange, um usbekische Fachkräfte anzuwerben. Dazu zählt etwa die ie DB E.C.O. Group, die Busfahrer in Usbekistan sucht und das Land bei der Entwicklung seines Berufsbildungssystems unterstützen will.

    Ein weiteres Beispiel ist die deutsch-schweizerische Globogate Concept AG, die zunächst mit 800 Pflegekräften aus Usbekistan plant. Für die vorbereitende Weiterbildung hat das Unternehmen eine Akademie an einer medizinischen Fachschule in Taschkent gegründet.

    Fachlich wird sie von der Universitätsklinik Aachen unterstützt, womit die Diplome der Akademie eine direkte Arbeitsaufnahme in Deutschland ermöglichen. Eine der größten praktischen Hürden für die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte in Deutschland – die Anerkennung usbekischer Bildungsabschlüsse – fällt somit weg.

    Deutsche Firmen bilden bereits Lehrlinge aus Usbekistan aus

    Erste Erfolge bei der Ausbildung dürften weitere Unternehmen in Deutschland ermutigen, bei der Suche nach Auszubildenden auch Usbekistan in ihre Überlegungen einzubeziehen. So schlossen drei usbekische Lehrlinge im Rahmen des Projektes "Usbekische Azubis für Thüringen" ihre Ausbildung als Fachkraft für Metalltechnik im Sommer 2024 in der TKF Thüringer Kugellagerfabrik Zella-Mehlis ab. Sie verstärken mittlerweile dort die Belegschaft.

    Projekte für die Gewinnung von Auszubildenden aus Usbekistan
    ProjektZeitraum Beteiligte/Partner 
    "Usbekische Azubis für Thüringen" (mindestens 60 Auszubildende für die Metall-, Elektro- und Kunststoffindustrie)2023 bis 2025 Ostthüringer Ausbildungsverbund e.V., Simson Private Akademie (SPA) gGmbH 
    "Auszubildende aus Usbekistan für Hamburg" (Verarbeitendes Gewerbe und Logistik)2024 bis 2026 (Ausbildung im Schuljahr 2025/2026) Handelskammer Hamburg, Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien 
    Dreijährige Berufsausbildung für den Bedarf des Baugewerbes (in Kooperation mit dem Institute of Engineering in Andischan)   langfristig angelegt; seit 2020 im GangGP Günter Papenburg AG
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Von Uwe Strohbach | Taschkent

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  • Personalbeschaffer kommen an Social-Media-Plattformen nicht vorbei. Headhunter, die gezielt nach Spitzen- und Fachkräften suchen, verbuchen hohe Umsatzzuwächse.

    Für die Suche nach qualifizierten Vertriebsexperten, Ingenieuren, Technikern, Facharbeitern und Mitarbeitern mit Auslandserfahrung sind in Usbekistan zahlreiche Optionen verfügbar. Marktkenner empfehlen gleichzeitig auf mehrere Kanäle zu setzen.

    Social Media und Jobbörsen im Internet dominieren

    Für das Recruiting werden Stellenanzeigen und -gesuche in sozialen Netzwerken und bei Messenger-Diensten am häufigsten genutzt. Nur knapp dahinter folgen Jobportale im Internet.

    Der Messengerdienst Telegram liegt gemessen an der Verbreitung in Usbekistan im Ranking der populärsten Optionen vorne. Etwa drei Viertel aller usbekischen Social Media-Nutzer sind bei Telegram aktiv. Instagram und YouTube, die im Nutzerranking dahinter platziert sind, erreichen 40 und 23 Prozent der Nutzenden (Mehrfachnennungen möglich).

    Die im Land führenden Jobportale sind hh.uz, olx.uz, ish.uz, jobo.uz, ishkop.uz, it-markt.uz/job/.

    Empfehlungen aus dem Kollegium und Bekanntenkreis weniger bedeutsam

    Noch bis vor wenigen Jahren sind auch Vermittlungen aus dem Bekannten- und/oder Verwandtenkreis durchaus gängige Praxis gewesen. Davon wird insbesondere in größeren Unternehmen aber immer seltener Gebrauch gemacht, so Oksana Tkatschenko, Direktorin für Recruiting der Personalberatung Ancor, im Gespräch mit Germany Trade & Invest. 

    Stehen für eine neu zu besetzende Stelle auch Personen auf Empfehlung zur Wahl, ist generell Vorsicht geboten: Die vorgeschlagenen Bewerbenden erfüllen oft nicht die fachlichen Voraussetzungen. Dies gilt nicht selten auch für Vermittlungen durch Arbeitsämter und kleine Personalagenturen. Zu beachten ist zudem, dass Hochschulabschlüsse nicht unbedingt Ausdruck des tatsächlichen Wissensstandes sind.

    Bei hochqualifiziertem Personal für ausländische Arbeitgeber ergibt sich eine andere Rangfolge bei der Nutzung der verschiedenen Recruiting-Kanäle: An erste Stelle steht die Direktsuche über Headhunter. Jobportale im Internet folgen vor der Vermittlung über private und berufliche Kontakte.

    Dienste der Personalberater häufiger gefragt

    Es wird in Usbekistan immer schwerer, erfahrene Führungskräfte und technisches Fachpersonal mit guter Ausbildung zu finden. Bei Besetzungsverfahren für solche Stellen, die mit Ausschreibungen und Auswahlrunden einhergehen, beteiligen Unternehmen in aller Regel erfahrene Personalagenturen. Diese verfügen über einen großen und oft international ausgerichteten Pool an potenziellen Kandidaten.

    Allerdings beklagt auch die Beraterzunft einen großen und wachsenden Mangel an geeigneten Bewerbenden. Julia Jakowlewa, die Direktorin von Person Hunters, beispielsweise berichtete im Gespräch mit Germany Trade & Invest, dass sie früher zwischen zehn und mehr geeigneten Bewerbenden die Qual der Wahl gehabt hätte. Demgegenüber kämen heutzutage allenfalls zwei bis drei geeignete Personen in die engere Wahl.

    Personalberater entdecken Outstaffing als Geschäftsfeld

    Unter ausländischen Firmen auf der Suche in Usbekistan nach dringend benötigten und bezahlbaren Mitarbeitern wird das Outstaffing populärer. Das Geschäftsmodell umfasst das Einholen aller Genehmigungen, die Suche nach geeigneten Bewerbenden und eine Rundumbetreuung für das komplette Team einschließlich arbeitsrechtlicher und steuerlicher Sachverhalte. Interessant ist Outstaffing hauptsächlich im IT-Sektor. Zu den Personaldienstleistenden, die in Usbekistan ein entsprechendes Leistungspaket offerieren gehört das Unternehmen HR Capital Consulting.

    Usbekische Personalagenturen berechnen als Vergütung für ihre Leistungen durchschnittlich 10 bis 20 Prozent des Nettojahresgehalts für jede von ihnen vermittelte Fachkraft. Für Topmanager verlangen sie oft mehr. Die Gebühr wird in der Regel schon bei Vertragsabschluss fest vereinbart. Die Vorauszahlung eines Teils der Vergütung ist nicht unüblich. Die Agenturen garantieren für ihre Kandidaten in der Regel drei bis 12 Monate lang. Sie kümmern sich um Ersatz, sollte sich während dieser Frist herausstellen, dass die vermittelte Person doch nicht geeignet ist.

    Wichtige Personalberatungsunternehmen in Usbekistan sind: HeadHunter, Ancor, Person Hunters, HR Capital Consulting (HRC), Antal InternationalHRBG, Resurs Recruitment Personnel und Business Status.

    Job- und Karrieremessen boomen

    Daneben entwickeln sich auch Job- und Karrieremessen zu einer gefragten Option für erfolgreiches Recruiting. Zahlreiche usbekische Universitäten und Hochschulen führen alljährlich Stellenbörsen durch. Durchschnittlich 50 bis 100 Unternehmen nehmen daran jeweils teil. Schwerpunkt der Veranstaltungen ist die Hauptstadt Taschkent. Einen guten Ruf genießen beispielsweise die Karrieremessen folgender Bildungseinrichtungen: Institute Westminster, Universität Inha, Universität für Informationstechnologien Muhammad al-Choresmi und Amiti (Amity Education Group).

    Lohnhöhe und Arbeitsklima sind Hauptmotive für eine neue Stelle

    Bei der Auswahl eines neuen Arbeitgebers haben Bewerbende zwei Kriterien besonders im Blick – die Höhe des künftigen Gehalts und ein angenehmes Arbeitsumfeld. Großen Wert legen sie zudem auch auf eine interessante Tätigkeit und Möglichkeiten für berufliche Weiterentwicklung.

     

    Was macht Unternehmen für Jobsuchende besonders attraktiv?Ranking der am häufigsten angeführten Kriterien; Anteil in Prozent
    Kriterium 

    Anteil *)

    Gutes Gehalt 

    48

    Angenehmes Arbeitsklima

    43

    Interessante Tätigkeit 

    42

    Hochwertige Produkte und  Dienstleistungen (Unternehmen)

    42

    Gute Lage des Arbeitsplatzes 

    41

    Vielfältige Möglichkeiten für die berufliche Entwicklung

    40

    Starkes Unternehmensmanagement und finanzielle Stabilität des Unternehmens

    39

    Möglichkeiten für die Wieterbildung 

    38

    Nutzung moderner Technologien 

    36

    Flexible Arbeitsbedingungen und langfristige Beschäftigungsgarantie 

    35

    * Mehrfachnennungen möglich; befragt wurden insgesamt 3.500 Personen.Quelle: The Talentist/Personalagentur Ancor 2025

    Die Personalberatung Ancor hat in einer Analyse für Usbekistan 2023 eine Fluktuationsrate in Unternehmen von eher geringen 15 Prozent ermittelt. Dabei zählten zu den Hauptgründen, weshalb Beschäftigte einen Jobwechsel anstrebten: zu geringe Löhne, Unzufriedenheit mit der ausgeübten Tätigkeit und mangelndes unternehmerisches Management.

    Von Uwe Strohbach | Taschkent

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  • Günstige Löhne zählen zu den Trümpfen des Standorts Usbekistan. Gut qualifizierte und erfahrene Fachkräfte müssen jedoch mangels Angebot weit überdurchschnittlich bezahlt werden.

    In usbekischen Unternehmen verfügen rund 3,1 Millionen Personen über einen Arbeitsvertrag, die somit offiziell als abhängig Beschäftigte gelten. Ihr durchschnittlicher Monatslohn, bemessen in US-Dollar, betrug 2023 rund 387 US$ vor Steuern. Der Agrarsektor und Kleinbetriebe werden dabei nicht berücksichtigt.

    Einkünfte von mehr als 400 US$ pro Monat erzielten mit ihrer Arbeit rund 1 Million Beschäftigte im privaten Wirtschaftssektor. Von diesen wiederum ging gut ein Drittel (370.000) jeden Monat mit mehr als 800 US$ nach Hause.

    Für 2024 legen vorläufige Erhebungen einen merklichen Zuwachs nahe. Im Zeitraum Januar bis September 2024 lag der Durchschnittslohn bei 410 US$ pro Monat.

    Wichtige Fakten zu den Löhnen in Usbekistan:

    • Lohnniveau: Fällt ausgesprochen niedrig aus innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) – in Armenien, Aserbaidschan und Belarus ist es um die Hälfte höher, in Russland und Kasachstan sogar um das Doppelte.
    • Durchschnittslohn: Liegt, bemessen in US-Dollar, immer noch unter dem Niveau von 435 US$ im Jahr 2016; Grund ist die 2017 erfolgte Abwertung der usbekischen Währung zum US-Dollar um circa die Hälfte.
    • Nominallöhne: Stiegen zwischen 2021 und 2024 im Schnitt jährlich um 18,7 Prozent; Prognose für 2025 und 2026: +15 Prozent pro Jahr.
    • Reallöhne in Usbekistan-Sum (U.S.): Legten zwischen 2021 und 2024 im Schnitt jährlich um 8,3 Prozent zu; Prognose für 2025 und 2026: + 7 Prozent pro Jahr.
    • Reallöhne in US$: Erhöhten sich zwischen 2021 und 2024 im Schnitt um 3 Prozent pro Jahr, Prognose für 2025 und 2026: +4 bis +5 Prozent pro Jahr.
    • Abgaben- und steuerfreies (inoffizielles) Entgelt: Wird neben dem offiziellen Lohn häufig vor allem an besserverdienende Beschäftigte gezahlt. 
    • monatlicher Mindestlohn: Beträgt seit 1. Oktober circa 90 US$; Lohn in dieser Höhe – und ungesetzlich auch noch weniger – erhalten nur recht wenige Beschäftigte; Verbraucherschützer beziffern das Existenzminimum für eine erwachsene Person auf mindestens 200 bis 250 US$.

    Details zum Indikator Mindestlohn

    Der Mindestlohn wird in Usbekistan als Mindestentlohnungsbetrag definiert. Er wird ein- bis zweimal im Jahr angepasst. Der Indikator entspricht dem monatlichen Lohn in der ersten Stufe des einheitlichen öffentlichen Tariflohns mit einem Tarifkoeffizienten von 1,0 (einfache anspruchslose Tätigkeiten).

    In der Praxis kommt der Mindestlohn als Berechnungsgröße zum Tragen, um den konkret zu zahlenden Tariflohn nach Branche und Arbeitsfunktion zu ermitteln. Außerdem dient er als Berechnungsgrundlage für bestimmte soziale Transfers oder das Arbeitslosengeld sowie für Entlastungen im Rahmen der Einkommensteuer. Zugleich ist er gleichzusetzen mit dem absoluten Minimallohn im Privatsektor.

    Besserverdienende ziehen durchschnittliches Lohnniveau nach oben 

    Abhängig Beschäftigte erhalten in fast allen Gebietskörperschaften eine Vergütung, die nur selten an das landesweite Durchschnittssalär heranreicht. Entsprechend lassen sich die Lebenshaltungskosten dort mit dem regulären Verdienst kaum decken. Ausnahmen sind die Hauptstadt Taschkent und die Provinz Nawoi, wo teilweise beträchtlich höhere Einkünfte erzielt werden.

    Durchschnittliche Monatslöhne nach RegionenIn US-Dollar, 2024 1)
    Gebietskörperschaft 2)

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    410

    Hauptstadt Taschkent

    690

    Nawoi 

    526

    Taschkent

    394

    Andischan

    354

    Buchara 

    334

    1) Angaben für Januar bis September; Umrechnung von U.S. in US$ zum offiziellen Durchschnittskurs der usbekischen Zentralbank; 2) alle anderen Gebietskörperschaften zwischen 290 und 330 US$.Quelle: Agentur für Statistik 2025

    Ein Startgehalt für neu eingestellte, qualifizierte Mitarbeitende ohne Leitungsfunktion erreicht im Großraum Taschkent brutto durchaus 550 bis 600 US$ pro Monat. Je nach Branche kann dieses auch noch höher liegen. Für Führungskräfte in ausländischen Unternehmen ist mit einer Vergütung zu kalkulieren, die das sonst übliche Niveau zum Teil um ein Mehrfaches übersteigt.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In US-Dollar, 2023 *)
    Branche

    Monatslohn

    Durchschnittslohn

    387

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    190

    Verarbeitendes Gewerbe

    342

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    553

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    239

    Baugewerbe

    260

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    204

    Transport und Lagerhaltung

    590

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    166

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    821

    Finanz- und Versicherungswesen

    1.080

    *) Umrechnung U.S. in US$ zum offiziellen Durchschnittskurs der usbekischen Zentralbank.Quelle: Agentur für Statistik 2025

    Sehr hohe Lohnunterschiede je nach Fachwissen und Erfahrung

    Eine Besonderheit im usbekischen Lohngefüge betrifft die markanten Unterschiede bei der Vergütung von Fachkräften der gleichen Branche. Wer erste Berufserfahrung (bis zu drei Jahre) einbringt, kann ein Gehalt erwarten, das im Schnitt um bis zu zwei Drittel über dem Salär von Hochschulabsolventen liegt. Noch erfahrenere Fachkräfte können mit etwa dem Dreifachen rechnen, das heißt mit circa 1.000 US$ pro Monat.

    Ein aktuelles Bild zum Lohngefüge für Fachkräfte nach Branchen und Positionen liefert das Jobportal HeadHunter. Dafür werden regelmäßig die Lohn- und Gehaltsofferten von Arbeitgebenden für neu zu besetzende Stellen analysiert. Die Ergebnisse der Analyse fallen Beobachtenden zufolge realistischer aus als Veröffentlichungen der ILO und der Statistikagentur zum Lohngefüge im Land. Die HeadHunter-Experten greifen als Indikator auf den Medianlohn zurück. Er ist der Lohn, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen 1)In US-Dollar, 2024 2)
    PositionMonatslohn
    Durchschnittslohn

    507

    Führungskraft (höheres/mittleres Management)

    1.161

    Personal für IT

    919

    Personal für Marketing, Werbung, PR

    787

    Personal für Einkauf, Beschaffung

    750

    Personal für Verkauf, Kundenbetreuung

    645

    Personal für Finanzen, Buchhaltung

    631

    Personal für Maschinen, Anlagen (u.a. Fräsen, Schweißen)

    630

    Personal für Verwaltung

    446

    1 Monatlicher Medianlohn; 2 Angaben für das 3. Quartal 2024.Quelle: HeadHunter 2025

    Erfolgreiche Personalgewinnung führt fast nur noch über Zusatzleistungen

    Zusatzleistungen werden immer wichtiger. Das gilt insbesondere für das Topmanagement und gut qualifizierte Fachkräfte, die in Firmen mit ausländischer Beteiligung oder in renommierten usbekischen Privatunternehmen tätig sind. Allgemein gilt, dass Zusatzleistungen in Usbekistan noch deutlich weniger verbreitet sind als etwa im Nachbarland Kasachstan.

    Die Notwendigkeit für Unternehmen, sich stärker dem Thema Zusatzleistungen zu widmen, hat zwei Ursachen: Einerseits sind qualifizierte Beschäftigte angesichts der gestiegenen Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach ihren Fähigkeiten in der komfortablen Lage, mehr solcher Leistungen einzufordern. Andererseits sehen sich Arbeitgebende regelrecht gezwungen, auf Gratifikationen zu setzen, um Fluktuationen zu vermeiden.

    Befragungen von Recruitern bei Unternehmen haben ergeben, dass besonders gefragte Fach- und Führungskräfte aktuell folgende Leistungen erhalten:

    • Laptop und Mobiltelefon sowie Übernahme der Telefonkosten (35 bis 45 Prozent);
    • betriebliche Aus- oder Weiterbildung (30 bis 40 Prozent);
    • freiwillige Krankenversicherung, auch für Familien (15 bis 20 Prozent);
    • Verpflegung/Mittagessen (15 bis 20 Prozent);
    • zusätzliche bezahlte Urlaubstage (15 bis 20 Prozent);
    • Dienstwagen mit der Möglichkeit einer privaten Nutzung, wobei laufende Kosten häufig über die Firmenkonten abgerechnet werden können (15 bis 20 Prozent).
    Sozialbeiträge 2025In Prozent der Bemessungsgrundlage 1)
    Sozialversicherung (Arbeitgeberanteil) 2)12 3)
    Sonstige Versicherungen (Arbeitgeberanteil) 4)2,5 5)
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    1) Bemessungsgrundlage ist der gesamte Lohnfonds; 2) vereinigt die Abführungen an die Träger der Renten- und Krankenversicherung, der Arbeitslosenversicherung (Beschäftigungsförderung) sowie an einen Gewerkschaftsfonds; 3) es bestehen Sonderregelungen unter anderem für junge Beschäftigte; für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen in spezialisierten Werkstätten, Abteilungen und Unternehmen: 4,7%; Ansässige in IT-Parks sind zunächst noch bis Ende 2027 von der Sozialsteuer befreit; 4) Pflichtversicherung für beruflich bedingte gesundheitliche Schäden und Berufskrankheiten; 5) Maximalbetrag, die Beitragshöhe variiert je nach Branche.

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  • Das neue, seit 2023 geltende Arbeitsgesetzbuch führte das usbekische Arbeitsrecht weiter an internationale Normen heran. Befristete Arbeitsverträge bis zu drei Jahren sind möglich.

    Die folgenden Angaben stellen eine Erstinformation zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rechtspraxis dar. Germany Trade & Invest bietet keine weiterführende Rechtsberatung hinsichtlich der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen oder arbeitsrechtlicher Einzelfälle an.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: individuelle Vereinbarung im Privatsektor; nach oben hin unbegrenzt
    Mindestlohn*): 1.155.000 U.S. (etwa 90 US$; seit 1. Oktober 2024)
    Arbeitsstunden pro Woche: maximal 40 Stunden (acht Stunden/Tag) bei einer Fünf-Tage-Woche); maximal 42 Stunden (sieben Stunden/Tag) bei einer Sechs-Tage-Woche
    Regelarbeitstage pro Woche: Sonntag ist arbeitsfreier Tag; Kollektivvertrag, innerbetriebliche Vereinbarung oder Arbeitsvertrag regeln den zweiten wöchentlichen arbeitsfreien Tag bei einer Fünf-Tage-Woche 
    Zulässige Überstunden: vier Stunden innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Tagen; maximal 120 Stunden/Jahr
    Bezahlte Feiertage: neun
    Bezahlte Urlaubstage: mindestens 21 Kalendertage (zuzüglich zwei bis acht weitere Tage je nach Dauer der ununterbrochenen Beschäftigung beim Arbeitgeber oder im Wirtschaftszweig)
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): Jahresendprämie üblich als 13. Gehalt nur in großen und/oder leistungsstarken Privatunternehmen; Modalitäten regeln Kollektivvertrag, innerbetriebliche Vereinbarung oder Arbeitsvertrag
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: keine
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: bis zu zwölf Monate; Arbeitgeber kann nach vier Monaten die Erwerbsunfähigkeit prüfen lassen; je nach Anzahl der versicherungspflichtigen Beschäftigungsjahre und des Status des Beschäftigten macht das Entgelt zwischen 60 und 100 Prozent des Durchschnittslohns der letzten zwölf Monate aus
    Probezeit: bis zu drei Monaten; Ausnahmen für Topmanager und Hauptbuchhaltende: bis zu sechs Monate
    * Erläuterungen zum Mindestlohn im Kapitel "Löhne und Gehälter".Quelle: Arbeitsgesetzbuch der Republik Usbekistan 2025; Recherchen von Germany Trade & Invest 2025

    Die arbeitsrechtlichen Beziehungen sind im Arbeitsgesetzbuch der Republik Usbekistan (ArbGB; O´zbekiston Respublikasining Mehnat kodeksi) geregelt.  

    Seit dem 30. April 2023 gilt das neue Arbeitsgesetzbuch. Es enthält rund 400 Änderungen zur bisherigen Gesetzgebung. Diese beinhalten zahlreiche Anpassungen an international übliche Standards sowie detaillierte Regelungen zur Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Gewerkschaften bei der gemeinsamen Regelung von Arbeits- und Lohnbedingungen. Usbekistan hat bisher 25 Übereinkommen zu Arbeits- und Sozialstandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ratifiziert.

    Die nationalen Gesetze "Über die Beschäftigung der Bevölkerung" und "Über Gewerkschaften, Rechte und Garantien ihrer Tätigkeit" sowie das Arbeitsschutzgesetz ergänzen die arbeitsrechtlichen Vorschriften. Von staatlicher Seite verwaltet das Ministerium für Beschäftigung und Armutsbekämpfung den Bereich, die staatliche Arbeitsinspektion überwacht die Einhaltung der Vorschriften.

    Für eine genehmigungspflichtige Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte ohne ständigen Wohnsitz in Usbekistan gilt ein vereinfachtes Verfahren. Ein Antrag kann online über das Informationssystem Lizenzen oder über das Portal für interaktive staatliche Dienstleistungen gestellt werden.

    Vertragsabschluss

    Im Kapitel 12 (Art. 103ff) des ArbGB sind die Modalitäten für die Ausgestaltung eines Arbeitsvertrages geregelt. Der Vertrag ist schriftlich in mindestens zwei Exemplaren abzuschließen und sofern vorhanden mit einem Firmenstempel zu versehen.

    Checkliste für Unternehmen zum Vertragsinhalt

    In den Vertrag sind folgende (Mindest-)Inhalte aufzunehmen:

    1. Angaben zu den Vertragsparteien (Vor- und Nachnamen, Wohnanschrift etc.);
    2. Arbeitsfunktion;
    3. Ort und Dauer der Tätigkeit;
    4. Arbeits- und Ruhezeiten;
    5. Details zu Entlohnung  und Zusatzleistungen;
    6. Details zu Änderung und Beendigung des Arbeitsvertrags;
    7. Datum des Vertragsabschlusses und Registriernummer;
    8. Unterschriften der Vertragsparteien.

    Darüber hinaus können zusätzliche Vereinbarungen aufgenommen werden. Sie dürfen Arbeitnehmende nicht schlechter stellen.

    Das Arbeitsverhältnis kann laut Art. 110 unbefristet oder befristet für maximal drei Jahre mit einer späteren Verlängerungsoption um weitere zwei Jahre abgeschlossen werden. Fehlt im Arbeitsvertrag eine Angabe zur Gültigkeitsdauer, gilt dieser als unbefristet.

    Im Arbeitsvertrag kann eine Probezeit von bis zu drei Monaten und für Geschäftsführende von sechs Monaten vereinbart werden. In einigen Fällen ist eine Probezeit nicht möglich. Dies gilt insbesondere für Arbeitsverträge mit bestimmten Personengruppen wie zum Beispiel für Schwangere.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Die Rechte und Pflichten der Vertragsparteien sind in den Art. 21 bis 25 des ArbGB und weiteren Vorschriften, die den europäischen Normen ähneln, festgelegt.

    Arbeitgebende haben das Recht, gewissenhafte Erfüllung der Arbeit und die Einhaltung interner Vorschriften zu verlangen.

    Zu den wichtigsten Pflichten von Arbeitgebenden zählt die Einhaltung der geltenden Gesetzgebung und der Arbeitsschutzvorschriften. Darüber hinaus müssen sie Arbeitsmittel zur Verfügung stellen, die zur ordnungsgemäßen Erbringung der Arbeitsleistung benötigt werden. Es ist verpflichtend, alle relevanten Informationen über das Arbeitsverhältnis fristgerecht zu gewähren.

    Arbeitnehmende haben Anspruch auf berufliche Weiterbildung und Mitgliedschaften in Gewerkschaften. Ferner haben sie das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz und die Einhaltung des Arbeitsschutzes. Dazu zählt die Einhaltung von Erholungspausen und Gewährung von Urlaub.

    Gesetzlich festgeschrieben ist außerdem der Anspruch der Arbeitnehmenden auf pünktliche und vollständige Zahlung ihres Arbeitsentgelts.

    Wichtiger Hinweis

    Eine Indexierung des Arbeitsentgelts in Fremdwährung ist zwar üblich. Seine Auszahlung muss jedoch zwingend in nationaler Währung erfolgen.

    Zu den Pflichten der Arbeitnehmenden gehört unter anderem die Erbringung der vertraglich vereinbarten Arbeitsleistung sowie die Einhaltung innerbetrieblicher Regeln.

    Vertragsbeendigung

    Ein Arbeitsvertrag kann auf Initiative des Arbeitgebenden oder des Arbeitnehmenden sowie einvernehmlich beendet werden. Eine Kündigung des Arbeitsvertrages auf Initiative des Arbeitgebenden muss in jedem Fall begründet sein. Die Gründe werden in Art. 161 ArbGB aufgezählt. Dazu zählen unter anderem folgende:

    • Firmenliquidierung;
    • Abbau überschüssiger Arbeitsplätze (bedingt durch Einsatz neuer Technologien, Änderungen des Produktionsablaufs oder Auftragsrückgang);
    • Nichterfüllung der Funktion oder mangelnde Qualifikation des Arbeitnehmenden;
    • eine systematische (wiederholt disziplinarisch geahndete) oder eine einmalige grobe Verletzung der Arbeitsverpflichtungen durch den Arbeitnehmenden.

    Darüber hinaus kann der Vertrag beendet werden, wenn der Arbeitnehmende beispielsweise die Fortsetzung des Arbeitsvertrags im Zusammenhang mit einem Eigentümerwechsel, einer Umstrukturierung des Unternehmens oder einer Standortverlagerung ablehnt.

    Die Kündigungsfrist beträgt im Falle der Kündigung durch den Arbeitgebenden je nach Grund:

    • mindestens zwei Monate (Firmenliquidierung, Arbeitsplatzabbau);
    • mindestens zwei Wochen (mangelnde Qualifikation);
    • mindestens drei Tage (bei systematischen Verletzungen oder einer groben Verletzung der Arbeitspflichten).

    Erfolgt die Kündigung auf Initiative des Arbeitnehmers, so beträgt die Kündigungsfrist im Regelfall 14 Tage.

    Informationen zur Abfindung

    Bei einer Kündigung durch den Arbeitgebenden hat der Arbeitnehmende unter Umständen Anspruch auf eine Abfindung. Sie beträgt, abhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit, zwischen 50 und 200 Prozent des durchschnittlichen Monatslohns der letzten zwölf Monate. Eine Abfindung erhalten Arbeitnehmende nicht, die die Kündigung selbst verschuldet haben.

    Rechtspraxis

    Entlassungsverfahren bei Betriebsschließungen sind in Usbekistan sehr arbeitsintensiv und komplex. Lokale Rechtsexperten empfehlen in solchen Fällen eine einvernehmliche Beendigung der Arbeitsverhältnisse, die in schriftlicher Form festgehalten wird.

    Bei einem Stellenabbau haben qualifizierte Beschäftigte bessere Chancen zur Weiterbeschäftigung

    Im Falle einer betriebsbedingten Kündigung, beispielsweise aufgrund des Abbaus überflüssiger Arbeitsplätze, ist zu berücksichtigen, dass Beschäftigte mit hoher Qualifikation und Arbeitsproduktivität Vorrang bei der Weiterbeschäftigung haben.

    Überstunden sind schriftlich zu vereinbaren

    In der Praxis kommt es nicht selten vor, dass der Arbeitgebende zu einer Besprechung (wichtigen Produktionsberatung) nach der regulären Arbeitszeit einlädt. Die usbekische Rechtsprechung hat klargestellt, dass die Teilnahme der Arbeitnehmenden an solchen Treffen als geleistete Überstunden gilt. Diese sind zu vergüten.

    Arbeitnehmende sind grundsätzlich nicht zu Überstunden verpflichtet. Die Ableistung dieser Form von Mehrarbeit ist nur einvernehmlich möglich. Arbeitnehmende haben Überstunden in schriftlicher Form zuzustimmen.

    Eine Anordnung von Überstunden ohne Zustimmung des Arbeitnehmenden ist nur in drei Ausnahmefälle zulässig: 

    1. Fortsetzung der Arbeit, wenn Ersatzmitarbeitende nicht verfügbar sind und die Arbeit keine Unterbrechung zulässt;
    2. Vermeidung oder Bewältigung von Katastrophen und Produktionshavarien;
    3. Behebung unvorhersehbarer Störungen in der Versorgungswirtschaft.

    Enger Rahmen für Haftungsvereinbarungen

    Beim Abschluss von Haftungsvereinbarungen, die Arbeitgebende mit Arbeitnehmenden abschließen, sind einige Besonderheiten zu beachten. Die Übertragung einer vollen materiellen Verantwortung auf den Arbeitnehmenden ist beispielsweise nur aus Gründen möglich, wie sie in den Absätzen 1 bis 8 des Artikels 342 und im Artikel 341 des ArbGB aufgeführt sind.

    Zudem können Arbeitgebende nur in bestimmten Fällen Schadenersatz im Rahmen einer vollen finanziellen Haftung verlangen. Das betrifft beispielsweise Arbeitnehmende, die stellenbezogen die Verwaltung von Geld- und Warenwerten verantworten. Dazu muss jedoch vorab die volle finanzielle Haftung schriftlich vereinbart worden sein.

    Von Uwe Strohbach, Yevgeniya Rozhyna

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  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Delegation der Deutschen Wirtschaft für ZentralasienAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Ministerium für Beschäftigung und Armutsbegrenzungzentrale Anlaufstelle für Arbeitsmarktfragen
    Agentur für MigrationKoordinierung der Beschäftigung/Einstellung usbekischer Fachkräfte im Ausland