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Tiefbau: Marktlage und -entwicklung

Milliardeninvestitionen befeuern den Boom im Tiefbausektor der VAE. Der Fokus liegt auf Infrastruktur- und Abwasserprojekten.

Von Heena Nazir | Dubai

Der Tiefbausektor spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Infrastruktur in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes, die Erweiterung des Stromnetzes, der Ausbau des Al Maktoum Flughafens sowie bedeutende Wasser- und Abwasserprojekte gehen mit Investitionen in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar (US$) einher.

Ausbau der Metro in Dubai und Abu Dhabi steht an

Dubai investiert in den Ausbau seines öffentlichen Verkehrsnetzes. Das bedeutendste Projekt ist die Erweiterung der Dubai Metro Blue Line, die bis 2029 fertiggestellt werden soll. Geplant sind 14 neue Stationen sowie eine Netzerweiterung um 30 Kilometer – mit einem Investitionsvolumen von 5,5 Milliarden US$. Die Ausschreibung ging Ende 2024 an ein Konsortium aus Limak Holding (Türkei), Mapa Group (Türkei) und China Railway Rolling Stock (China). 

Mit der geplanten Metro Gold Line entsteht eine zusätzliche U-Bahn-Verbindung. Die Ausschreibung für die Projektleitung startete Anfang 2025. Parallel dazu prüft die Verkehrsbehörde Roads & Transport Authority (RTA) gemeinsam mit dem US-Unternehmen The Boring Company den Bau des Dubai Loop – eines innovativen unterirdischen Schnelltransportsystems, das nach dem Prinzip einer Hochgeschwindigkeitsröhre funktionieren soll.

Auch Abu Dhabi nimmt seine Metropläne wieder auf: Eine Dringlichkeitsstudie aus dem Jahr 2023 ebnete den Weg für ein Infrastrukturprojekt im Wert von 7 Milliarden US$. Erste Stationen sind in Al Raha Beach und auf Saadiyat Island vorgesehen, weitere folgen in Musaffah und der Mohammed bin Zayed City. Das Projekt befindet sich derzeit in der Planungsphase, die Ausschreibung ist für 2026 angesetzt.

Straßen- und Tunnelprojekte entlasten den Verkehr

Neben dem Ausbau des Schienennetzes investiert Dubai massiv in die Straßeninfrastruktur. Der Main Roads Development Plan 2024–2027 umfasst 22 Projekte mit einem Gesamtwert von umgerechnet 4,3 Milliarden US$. Damit soll der Verkehr entlastet und die Anbindung der Stadtteile verbessert werden. Ein prominentes Beispiel ist der Ausbau des Trade Centre Roundabouts, der für 189 Millionen US$ an die lokale Baufirma Wade Adams vergeben wurde. 

Auch Abu Dhabi setzt auf neue Straßenverbindungen. In der zweiten Phase des Mid Island Parkway Project entstehen 11 Kilometer neuer Highways sowie drei Interchanges. Die Hauptausschreibung wird bis Ende 2025 erwartet, erste Tunnelarbeiten sind bereits vergeben.

Die umfangreichen Investitionen eröffnen deutschen Unternehmen attraktive Geschäftschancen. Potenziale bestehen insbesondere im Ingenieurwesen, Schienenfahrzeugbau, Tunnel- und Straßenbau sowie bei Planungsleistungen und Smart-Mobility-Technologien. Besonders gefragt sind nachhaltige Lösungen.

Milliarden fließen in Energie- und Wasserinfrastruktur

Parallel zu den Verkehrsprojekten investieren die VAE in ihre Energieinfrastruktur. Derzeit laufen Stromübertragungsprojekte im Wert von 7,8 Milliarden US$. Das größte Einzelvorhaben ist ein 3,5 Milliarden US$ teures Unterwasserkabel, das die Offshore-Plattformen des Ölkonzerns ADNOC mit dem nationalen Stromnetz verbindet.

Auch im Wassersektor setzt Dubai auf Modernisierung. Mit dem Dubai Strategic Sewerage Tunnels (DSST)-Projekt investiert die Stadt rund 22 Milliarden US$ in ein neues Gravitationssystem, das die bisherigen Pumpenanlagen bis 2033 vollständig ersetzen soll. Seit Juli 2025 befindet sich das Projekt offiziell in der Bauphase. Erste Aufträge wurden bereits vergeben, darunter ein 136-Millionen-US$-Vertrag mit dem lokalen Unternehmen DeTech Contracting zur Sanierung und Erweiterung des West-Deira-Systems. Weitere Teilprojekte befinden sich aktuell im Ausschreibungsverfahren.

Al Maktoum Airport entwickelt sich zum globalen Drehkreuz

Der Al Maktoum International Airport (DWC) in Dubai wird für rund 35 Milliarden US$ erweitert. Ausgangspunkt ist eine aktuelle Kapazität von etwa 26 Millionen Passagieren jährlich. Diese soll auf 260 Millionen Passagiere sowie 12 bis 15 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr steigen. Das ist deutlich mehr als die 3 Millionen Tonnen Fracht, die der Airport DXB bislang abfertigen kann. Geplant sind fünf parallele Start- und Landebahnen sowie fünf Terminalgebäude. Damit will Dubai seine Rolle als globales Luftfahrtdrehkreuz festigen und neue Wachstumsimpulse für die Wirtschaft setzen.

Die staatliche Gesellschaft Dubai Aviation Engineering Projects (DAEP) veröffentlichte im Juni 2025 Ausschreibungen für die Substrukturarbeiten der ersten Bauphase. Unter den Bietern sind regionale Firmen wie Alec und Al-Naboodah (beide VAE) sowie internationale Baukonzerne wie Vinci (Frankreich), Besix (Belgien), Webuild (Italien), Limak (Türkei) und mehrere große chinesische Unternehmen.

Die erste Bauphase umfasst das West Terminal mit 800.000 Quadratmetern Fläche und einer Jahreskapazität von 45 Millionen Passagieren. Zusätzlich entsteht ein People-Mover-System (APM) mit 14 Stationen, das die Terminals miteinander verbindet. Bereits im Mai 2025 erhielt die saudische Binladin Contracting Group den Auftrag für den Bau einer zweiten Startbahn. Der Abschluss dieser Bauphase ist für 2032 vorgesehen.

Für deutsche Unternehmen eröffnen sich Chancen in den Bereichen Bau und Infrastruktur, Technologie, IT, Logistik und Transport. Die Expertise und der gute Ruf deutscher Bauunternehmen sowie innovative Lösungen deutscher Technologieanbieter sind hier von Vorteil, betonen Branchenkenner. Sie verweisen auch auf die hohe Komplexität und den Umfang des Projekts. Neben technischen Anforderungen bestehen Risiken bei der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte und spezialisierter Partner. Auch Verzögerungen und Kostensteigerungen sind möglich.

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