Ghana stellt die Weichen zum Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Veraltete Praktiken und geringe Recyclingquoten erfordern massive Investitionen. Dabei soll der Privatsektor helfen.
Zunehmende Urbanisierung, wandelnde Konsummuster und begrenzte Entsorgungsinfrastruktur setzen das Land unter Druck, die Abfallwirtschaft zu modernisieren und eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen.
In den letzten Jahren hat Ghana klare rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen für den Abfallsektor geschaffen. Dabei ist das Konzept einer Kreislaufwirtschaft schon länger systemisch verankert, die wirtschaftliche Realität ist jedoch noch vielerorts linear, weil Infrastruktur, Finanzierung, Marktmechanismus und Durchsetzung der gesetzlichen Regelungen noch im Aufbau sind.
Geordnete Abfallwirtschaft steht noch am Anfang
Ghanas Abfallwirtschaft verfügt über eine formale Organisationsarchitektur, die praktische Abfallwirtschaft ist jedoch noch stark von unvollständiger Erfassung, Infrastruktur- und Governancelücken sowie einem starken informellen Sektor geprägt.
Es existieren eine Reihe von Strategien und ein konsolidierter Rechtsrahmen. Die tatsächliche Umsetzung ist vielerorts jedoch noch lückenhaft, stark ortsabhängig und wird häufig von informellen Strukturen mitgetragen.
Die im Jahr 2020 verabschiedete National Solid Waste Management Strategy (NSWM) bildet den Rahmen, der Ziele, Prioritäten und Handlungsfelder definiert. Zudem verankert die revidierte Environmental Policy 2024 Abfallmanagement als durchgängige Leistungskette und betont Kreislaufwirtschaft als Leitprinzip.
Für die Kreislaufwirtschaft sind zudem Sektorpolitiken relevant, wie die National Plastics Management Policy und die Ghana National Plastic Action Partnership (NPAP) mit Roadmap-Ansatz im Kunststoffbereich.
Abfallentsorgung ist nur teilweise organisiert
Im Jahr 2021 hat Ghana mit einer Bevölkerung von 30,8 Millionen Menschen 7,1 Millionen Tonnen Abfall produziert. Das entspricht einer Abfallmenge von 0,6 kg pro Person täglich. Das bedeutet bei einer aktuellen Bevölkerungszahl von rund 36 Millionen Menschen (Stand 2026) ein Abfallaufkommen von ungefähr 7,9 Millionen Tonnen pro Jahr. Aktuellere Referenzzahlen liegen noch nicht vor.
6,3
Millionen Tonnen
beträgt die jährliche Abfallmenge.
Die Kommunen sind für die Sammlung und Entsorgung von Siedlungsabfällen zuständig und beauftragen dafür meist private Unternehmen. Ergänzend sammelt und sortiert der informelle Sektor Abfälle, um Wertstoffe zu gewinnen. Etwa 70 Prozent der Abfälle werden gesammelt, wobei die Abfallabholungsquote landesweit 33 Prozent beträgt. In urbanen Gegenden ist die Quote deutlich höher.
Entsorgt wird über wenige geordnete Deponien und viele ungeregelte Halden; zusätzlich kommen wilde Müllkippen, Ablagerungen am Straßenrand oder in Abwasserkanälen sowie offene Verbrennung – teils auch toxischer Abfälle – vor.
Der Müll wird bisher kaum verwertet
Mülltrennung und Recycling finden zwar statt, jedoch in einem weitgehend unkoordinierten und fragmentierten Rahmen. Von den rund 1,58 Millionen Tonnen jährlich produzierten Plastikmüll werden weniger als 10 Prozent recycelt, insbesondere wegen Sammlungslücken, geringer Sortierung, Qualitätsproblemen bei Inputströmen sowie Finanzierungs- und Datenlücken. Organische Abfälle stellen mit rund 50 Prozent den größten Anteil an der Gesamtabfallmenge dar, wiederverwertet bzw. kompostiert werden Branchenkennern zufolge nur 5 bis 10 Prozent.
Im Vergleich sind die Regulierung, Wiederverwertung und Behandlung von Elektroschrott am weitesten. So existiert seit Jahren ein eigenes Regime (inklusive einer Öko-Abgabe) und konkrete Kettenmodelle, wie Sammlung und Recycling organisiert werden sollen: über Sammler, Sammel- und Rückkaufzentren und formale Recycling-Unternehmen. In der Praxis dominiert jedoch weiterhin der informelle Sektor und damit u.a. die riskante Materialgewinnung, während formale Anlagen häufig um ausreichende Mengen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen konkurrieren.
Neues EPR-Gesetz wird viele Änderungen bringen
Das Ministerium für Umwelt, Wissenschaft und Technologie (MEST) hat einen Gesetzentwurf zur erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility - EPR Act) ausgearbeitet. Derzeit finden Konsultationen mit Stakeholdern statt, danach soll der Entwurf ins Parlament eingebracht werden.
Das geplante Gesetz wird den Abfallsektor spürbar verändern. Ziel ist die Verlagerung der Verantwortung für Plastikabfälle vom Staat auf Produzenten und Importeure. Dies soll zunächst für Kunststoffverpackungen und Einweg-Kunststoffprodukte gelten. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere Abfallströme (Textilien, Glas und Metalle) integriert werden.
Auf Produzenten und Importeure kommen eine Reihe von Pflichten zu. Ein Großteil der Kosten für Sammlung und ordnungsgemäße Bewirtschaftung und Recycling wird von den Kommunen nun zu den Produzenten und Importeuren verlagert. Dazu ist die Erhebung von Gebühren bei den Herstellern vorgesehen, womit Sammlung, Sortierung und Recycling finanziert werden sollen. Die Bemessung der Höhe der EPR-Beiträge soll nach Menge, Material und Recyclingfähigkeit abhängig gemacht werden, zu deren Meldung die Produzenten verpflichtet werden.
Zur Umsetzung der neuen Vorgaben ist die Einrichtung von Producer-Responsibility-Organisations (PRO) vorgesehen, die im Auftrag der Hersteller und Importeure die Mittel bündelt und entsprechende Sammel- und Recyclingleistungen beauftragt. Damit entsteht im Abfallsektor ein zusätzlicher Akteur bzw. Auftraggeber: Nicht nur die Städte und Kommunen, sondern auch die PROs, die Leistungen einkaufen wie Sammlung, Aggregation, Sortierung, Transport und Recycling.
Wichtige Neuerung ist zudem die Einführung verbindlicher Sammel- und Recyclingquoten, die produktspezifisch festgelegt werden. Einzelheiten sind dazu noch nicht bekannt.
Ausgewählte Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in Ghanain Millionen US-Dollar | Projekt | Investitionssumme | Stand | Projektträger |
|---|
| Waste-to-energy Anlage; Sortieranlange und Bioreaktor | 300 | In Planung | Armech Accra Waste Projekt |
| Bottle-to-bottle Recycling Anlage | 37 | In Planung | Mohinani Group |
| IRECOP Programm, Recycling- und Kompostieranlagen | n.a. | In Umsetzung | Jospong Group |
Quelle: Recherchen Germany Trade & Invest 2026
Von Corinna Päffgen
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Accra