Wirtschaftsumfeld | Philippinen | Arbeitskräfte
Fachkräfte
Das Arbeitskräfteangebot in den Philippinen ist groß, doch der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter wächst. Meist müssen die Unternehmen ihr Personal intern schulen.
11.05.2026
Von Boris Alex | Kuala Lumpur
Die Lage auf dem philippinischen Arbeitsmarkt hat sich im Verlauf des Jahres 2025 gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Nach vorläufigen Angaben des Statistikamtes Philippine Statistics Authority lag die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2025 mit 4,2 Prozent und fast einen halben Prozentpunkt über dem Vorjahreswert.
Im Dezember 2025 waren 49,4 Millionen Menschen beschäftigt. Dies entsprach einer Erwerbsquote von 64,4 Prozent. Mit knapp 31 Millionen Beschäftigten ist der Dienstleistungssektor der bedeutendste Arbeitgeber. Davon sind allein ein Drittel im Handel tätig. In der Landwirtschaft arbeiteten Ende 2025 rund 10 Millionen Menschen.
Weniger Beschäftigte im Industriesektor
Die Zahl der Beschäftigten im Industriesektor ist 2025 zurückgegangen und lag im Dezember des Jahres mit 8,4 Millionen um 8 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Knapp 60 Prozent davon arbeiteten in der Baubranche und weitere 3,2 Millionen in der verarbeitenden Industrie.
Die philippinische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Arbeitsplätze im Industriesektor zu schaffen, vor allem in Schlüssel- und Wachstumsbranchen wie der Elektronikindustrie, sowie im Energie- und Bergbausektor. Das soll die Beschäftigungssituation für junge Menschen verbessern. Die Arbeitslosenquote in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre war Ende 2025 mit 12,2 Prozent fast dreimal so hoch wie der Gesamtdurchschnitt.
Das Arbeitskräftepotenzial der Philippinen ist hoch. Mit einem Medianalter von rund 26 Jahren verfügt der Archipel im globalen und regionalen Vergleich über eine sehr junge Bevölkerung. So lag der Wert 2025 in Indonesien bei 31, in Vietnam bei 33 und in Thailand sogar bei 41 Jahren.
Bei den Englischkenntnissen belegt das Land weltweit Rang 22 und erreicht in Asien sogar Platz 2 hinter Singapur. Im akademischen Jahr 2023/2024 waren 5,1 Millionen Studierende an den 2.410 höheren Bildungseinrichtungen des Landes immatrikuliert und damit 6 Prozent mehr als in der Vorperiode. Fast ein Drittel der rund 830.000 Absolventinnen und Absolventen machten ihren Studienabschluss in Wirtschaftswissenschaften, weitere 22 Prozent in Ingenieur- und IT-Studiengängen.
Künstliche Intelligenz bedroht IT-Jobs
Die Regierung hat eine Reihe von Zukunftsbranchen identifiziert, in denen sie die globale Wettbewerbsfähigkeit der Philippinen stärken will. Dazu zählen die Elektromobilität, die Elektronik- und Halbleiterindustrie sowie die erneuerbaren Energien und Stromspeichertechnik. Der Bedarf an Absolventen von Ingenieurstudiengängen sowie an Fachkräften aus technischen Berufen dürfte in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Gleiches gilt für IT-Spezialisten sowie für die Business Process Management-Industrie.
Allerdings bedroht künstliche Intelligenz (KI) die Outsourcing-Branche. Einer Studie der Weltbankgruppe zufolge sind 40 Prozent der Beschäftigten im philippinischen IT-Sektor mit Tätigkeiten befasst, die durch Automatisierung und generative KI-Anwendungen ersetzt werden könnten. Umso wichtiger ist die Anpassung der Ausbildung an die Anforderungen der Unternehmen hinsichtlich der KI-Kenntnisse der Absolventen.
Nachfrage nach beruflichen Ausbildungszertifikaten wächst
Um den steigenden Fachkräftebedarf zu decken, will die philippinische Regierung das Berufsausbildungs- und -zertifizierungssystem (Technical and Vocational Education and Training) modernisieren und stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen ausrichten. Im Jahr 2024 erwarben 1,2 Millionen Filipinos ein Ausbildungs- oder Fortbildungszertifikat und damit ein Viertel mehr als im Vorjahr, so die Daten der Technical Education and Skills Development Authority (TESDA). Die Behörde ist für die Zertifizierung und Kontrolle der beruflichen Aus- und Fortbildung zuständig.
Mit einem Anteil von 30 Prozent wurden die meisten Abschlüsse im Tourismus und Gastgewerbe erworben. Im Industriesektor lagen Elektrotechnik und Elektronik mit 12 Prozent, Kfz mit 10 Prozent sowie Metallverarbeitung und Maschinenbau mit 8 Prozent vorne. Laut TESDA wurden 2024 knapp 400.000 Zertifikate für Industrieberufe verliehen.
Von den landesweit 4.548 Ausbildungseinrichtungen werden 90 Prozent von privaten Trägern betrieben. Im Jahr 2024 gab es rund 18.000 zertifizierte berufliche Aus- und Fortbildungslehrgänge. Davon waren jeweils rund 1.700 in den Bereichen Elektrik und Elektronik sowie Metallverarbeitung und Maschinenbau und 1.300 in der Kfz-Branche.
Berufsausbildung vermittelt meist nur Basisqualifikationen
Eine abgeschlossene Berufsausbildung bedeutet aber in der Regel nur, dass die Absolventen die – häufig nur theoretischen – Grundlagen des jeweiligen Berufsbilds erworben haben. Eine intensive betriebsinterne Nachschulung und -qualifizierung ist in den meisten Fällen notwendig. Gleiches gilt auch für Hochschulabsolventen, beispielsweise von Ingenieurstudiengängen. Um die Ausbildung praxisorientierter aufzustellen, kooperieren philippinische Unternehmen mit beruflichen Bildungseinrichtungen. Allerdings durchlief 2024 nur jeder neunte Auszubildende sein Training in einem Unternehmen.
Eine Reihe von deutschen Unternehmen arbeitet mit TESDA bei der beruflichen Bildung zusammen. Im "Porsche Training and Recruitment Center Philippines" bildet der Autobauer gemeinsam mit dem Bildungsträger Don Bosco Technical Institute of Makati und der Deutsch-Philippinischen Auslandshandelskammer (AHK) Kfz-Mechatroniker aus.
Daneben gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen TESDA und der AHK zur Aus- und Fortbildung in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Kreislauf- und Wasserwirtschaft sowie nachhaltiges Bauen.
Philippinen im weltweiten VergleichFolgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können. |