Wirtschaftsumfeld | Portugal | Investitionsklima
Offene Volkswirtschaft schafft gutes Investitionsklima
Portugal ist ein sicheres Land mit geringen Hürden für Investitionen. Auch politische Krisen in den letzten Jahren haben daran nichts geändert.
28.01.2026
Portugal steht als EU-Mitgliedsstaat für den hohen Standard dieser Staatengemeinschaft. Das Land ist sicher, wirtschaftlich stabil und besitzt eine gut ausgebaute Infrastruktur. Die Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre war durch Pragmatismus und Berechenbarkeit geprägt. Und das, obwohl auf politischer Ebene zuletzt außerplanmäßige Parlamentswahlen und Minderheitsregierungen auf der Tagesordnung standen. Den wirtschaftlichen Aussichten hat das bisher keinen Abbruch getan. Auch im Jahr 2026 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 2,2 Prozent stärker wachsen als im gesamten EU-Durchschnitt.
Im Dezember 2025 adelte das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" Portugal als "Economy of the Year". Die Auszeichnung wird mit guten Werten bei der Inflation, dem BIP, der Beschäftigung und der Entwicklung der portugiesischen Börse begründet. Das jährliche Ranking umfasst 36 OECD-Länder weltweit.
Günstiger Wohnraum bleibt eine Herausforderung
Die hohe Verbreitung von technischen Universitätsabschlüssen und eine lebendige Forschungslandschaft an Universitäten und in Unternehmen schaffen einen günstigen Rahmen für Investitionen in Portugal. Hinzu kommen außerordentlich gute Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere des Englischen. Portugal zieht zudem viele digitale Nomaden an - Fachkräfte insbesondere aus den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie, Marketing, Design oder Beratung, die gerne ortsunabhängig an attraktiven Standorten arbeiten.
Die Anziehungskraft der großen Städte Lissabon und Porto hat aber auch eine Schattenseite. Durch touristische Vermietungen und Immobilienkäufe finanzstarker Unternehmen und Privatpersonen steigen die Preise gerade in den Zentren weiter massiv an. Ein Teil der angestammten Bevölkerung zieht deshalb weg. Rund 75 Prozent der Bevölkerung besitzen zwar eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass der Mietmarkt verhältnismäßig klein ist. Bei einer hohen Nachfrage und dem begrenzten Angebot schlagen Preissteigerungen besonders stark durch. Investoren müssen bei der Gewinnung von Arbeitskräften diese Herausforderung mit einplanen.
Spanien ist mit Abstand wichtigster Investor
Im Jahr 2024 verbuchte Portugal wachsende Nettotransfers von ausländischen Direktinvestoren. Sowohl insgesamt als auch aus Deutschland flossen mehr Investitionen ins Land. Das iberische Nachbarland Spanien ist dafür traditionell die Hauptquelle. Mehr als ein Fünftel des ausländischen Investitionsbestands geht auf spanische Unternehmen zurück.
Mit dem EU-Mercosur-Abkommen dürften Direktinvestitionen aus Brasilien an Bedeutung gewinnen. Die gemeinsame Sprache, die kulturelle Nähe und bereits etablierte Geschäftsnetzwerke bilden dafür eine gute Ausgangsbasis. Bislang stehen brasilianische Unternehmen nur für etwa 2 Prozent des ausländischen Investitionsbestands in Portugal.
Der US-Technologiekonzern Microsoft hat angekündigt, ab dem Jahr 2026 insgesamt 10 Milliarden US-Dollar im Rechenzentrum von Start Campus in Sines investieren zu wollen. Der Standort an der Südwestküste profitiert auch von Datenkabeln, die das Land mit dem amerikanischen und dem afrikanischen Kontinent verbinden. Mit der Investition steigt Portugals Bedeutung als europäischer IT-Standort.
Deutschland lag laut portugiesischer Zentralbank im Jahr 2024 mit einem Anteil von 3,5 Prozent auf dem 6. Rang der wichtigsten Herkunftsländer beim Investitionsbestand. Volkswagen kündigte 2025 an, in seinem portugiesischen Werk in Palmela ab 2027 den neuen Elektro-Kleinwagen ID.Every1 exklusiv zu produzieren. Auch die Einzelhandelsketten Aldi und Lidl bauen ihre Filialnetze in Portugal aus. Dabei spielt Lidl eine Rolle mit doppelter Bedeutung. Das Unternehmen exportiert vor allem Obst und Gemüse, aber auch Weine und Liköre von portugiesischen Lieferanten in seine Filialen in anderen Ländern. Hierbei sind Deutschland, Spanien und Frankreich die wichtigsten Zielmärkte.
Unternehmen | Branche | Umsatz in Mio. Euro | Beschäftigte |
|---|---|---|---|
| Volkswagen Autoeuropa | Automobilhersteller | 3.510,9 | 4.906 |
| Mercedes-Benz Portugal | Automobilhersteller | 846,5 | 168 |
| Alliance Healthcare | Großhandel für pharmazeutische Produkte | 639,7 | 405 |
| Makro-Cash & Carry Portugal | Großhandel | 553,4 | 8.507 |
| Aldi Retail | Einzelhandel | 539,6 | 2.938 |
| Bosch Termotecnologia | Automobilbranche | 406,2 | 1.464 |
| Siemens | Großhandel Technologie | 382,0 | 2.666 |
| Bosch Security Systems | Sicherheitstechnik | 243,2 | 1.504 |
| BASF Portuguesa | Chemikalien | 142,6 | 33 |
Portugal fördert Investitionen und F&E-Aktivitäten mit Zuschüssen und Steuergutschriften
Die Unternehmensförderung in Portugal fokussiert sich auf produktive Investitionen sowie Forschung- und Entwicklungsaktivitäten (F&E). Für Investitionen in bestimmten, vor allem wirtschaftlich benachteiligten Regionen können kleine Unternehmen bis zu 60 Prozent ihrer förderfähigen Projektkosten als Zuschuss erhalten. Auf der Inselgruppe der Azoren steigt dieser Wert auf bis zu 70 Prozent. Für mittlere Unternehmen (50 bis 249 Mitarbeitende) und große Unternehmen (mindestens 250 Mitarbeitende) fällt die Förderquote um 10 beziehungsweise 20 Prozentpunkte niedriger aus. Die von der EU genehmigte Regionalförderkarte gilt noch bis Ende 2027.
Projekte mit einem positiven Beitrag durch Innovationen, Exporte und die Schaffung von Arbeitsplätzen können zudem in den Genuss von Steuerermäßigungen kommen. Diese gelten im Grundsatz auf die Beschaffungskosten von Maschinen und Software, auf die Baukosten sowie gegebenenfalls auf die Personalkosten während eines Zeitraums von zwei Jahren. Je Projekt müssen jedoch die Förderhöchstgrenzen der Regionalförderkarte eingehalten werden.
Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten werden in Portugal über das so genannte SIFIDE-Programm (Sistema de Incentivos Fiscais à I&D Empresarial) vom Staat finanziell unterstützt. Unternehmen können hier einen Teil ihrer Ausgaben direkt mit der Körperschaftsteuer verrechnen. Die portugiesische Wirtschaftsförderungsgesellschaft AICEP informiert auf ihrer Internetseite detailliert, wie sich Unternehmen die verschiedenen Fördermaßnahmen zunutze machen können und welche Voraussetzungen sie dafür erfüllen müssen.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.