Wirtschaftsumfeld | Land | Investitionsklima
Subventionen und Protektionismus prägen die USA
Die unter Donald Trump begonnene Abwendung vom Freihandel setzt Joe Biden im Prinzip fort. Das führt – zunächst zumindest – zu mehr ausländischen Direktinvestitionen.
23.02.2024
Viele deutsche Firmen wollen ihr Engagement in den USA verstärken. Doch die Umsetzung ist nicht immer einfach. Die USA sind ein Land, in dem die bürokratischen Hürden teils noch wesentlich höher liegen als in Deutschland. Besonders verwirrend sind die uneinheitlichen Rechtsnormen. Jeder Bundesstaat verfügt über sein eigenes Gesetzeswerk. Auch beim Lohn- und Preisniveau gibt es enorme Unterschiede, die sich zudem ständig ändern können.
Viele deutsche Autobauer haben sich im traditionell billigeren Süden angesiedelt. Doch die Löhne und Grundstückspreise zogen rasch an. Landesweit deutlich niedriger als in Deutschland sind die Energiekosten. Zugleich fallen die Ansprüche an Gebäude in Sachen Energieeffizienz wesentlich lockerer aus. Trotzdem ist industrielles Bauen kein Sonderangebot, vor allem wegen des Fachkräftemangels. Dieser wird von vielen Unternehmen als der größte Standortnachteil genannt.
Steigendes Marktvolumen
Den Nachteilen steht ein gewaltiges Absatzpotenzial gegenüber. Die USA sind zusammen mit China der größte Einzelhandelsmarkt der Welt. Zudem generieren die Vereinigten Staaten eine enorme Nachfrage an Investitionsgütern. Vieles kann nicht im Land selber gefertigt werden – und muss importiert werden. Die großen Konjunkturprogramme haben deutschen Firmen 2023 Umsatzrekorde in den USA beschert.
Für ausländische Kapitalgeber bleiben die USA ein hochattraktiver Markt. Insbesondere bei den Greenfield-Investitionen – neue Fabriken auf der "grünen Wiese" – gibt es ein starkes Wachstum.
Die USA waren 2022 mit insgesamt 285 Milliarden US-Dollar (US$) der größte Empfänger ausländischer Direktinvestitionen weltweit. Das geht aus dem World Investment Report 2023 von UNCTAD hervor. Allerdings gibt das U.S. Bureau of Economic Analysis den entsprechenden Wert für 2022 mit rund 178 Milliarden US$ etwas niedriger an. Davon entfielen knapp 8 Milliarden US$ auf die Gründung oder Erweiterung von Unternehmen. Den Rest machten Übernahmen aus. Die Greenfield-Investitionen dürften 2023/24 deutlich höher ausfallen, denn ausländische Firmen investieren kräftig in den Neu- und Ausbau von Fabriken auf der grünen Wiese.
Deutsche Autobauer zurückhaltend bei Detailfragen
Von deutscher Seite gibt es mit Stand Anfang 2024 keine weiteren konkreten Investitionsprojekte. Volkswagen plant mit Investitionen in die E-Mobilität in Höhe von rund 7 Milliarden US$ im nordamerikanischen Raum, ohne Einzelheiten zu veröffentlichen. Auch BMW und Mercedes Benz sprechen allgemein nur von Expansionsplänen.
Gemessen am Bestand ausländischer Direktinvestitionen in den USA landete Deutschland 2022 mit gut 430 Milliarden US$ auf dem 5. Platz, so das Bureau of Economic Analysis. Auf den vorderen vier Rängen lagen Japan, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Kanada. Bei den Zuflüssen erreichte Deutschland hingegen hinter Kanada und Japan Rang 3.
Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, insbesondere was die angekündigten Investitionen betrifft: Bei den Kapitalströmen aus dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Kanada dürfte es sich vor allem um Finanzinvestitionen handeln. Japanische und deutsche Firmen engagieren sich hingegen stark in der verarbeitenden Industrie, insbesondere in der Kraftfahrzeugbranche.
Unternehmen | Branche | Volumen (in Mio. US$) |
|---|---|---|
| Volkswagen | E-Mobility | 7.000 (Nordamerika) |
| Linde | Wasserstoff | 1.800 |
| BMW | E-Mobility | 1.700 |
| BASF | Chemie | 780 |
| Merck | Spezialgas | 330 |
| Miele | Elektrogeräte | 280 |
| Bayer | Pharma | 250 |
Investitionsförderung über hohe Steuergutschriften
Der Inflation Reduction Act (IRA) fördert vor allem Umwelttechnologien und erneuerbare Energien. Er funktioniert jedoch nicht wie ein klassisches Ausgabenprogramm, sondern entfaltet seine Wirkung über Steuererleichterungen. Die Unternehmen können diese gleich zu Beginn der Investitionen geltend machen und müssen sie nicht über die Gesamtdauer der Projekte abschreiben. Darin liegt einer der Hauptvorteile der Bundesinitiative.
Sie will zugleich den Fachkräftemangel beheben: Wer in die Ausbildung seiner Mitarbeiter investiert, was in der Regel keine allzu großen Summen erfordert, kann zusätzliche Steuervorteile in Anspruch nehmen. Dadurch liegt die Förderquote bei 10 bis 50 Prozent der Investitionssumme. Im Durchschnitt gehen Landeskenner von 30 bis 40 Prozent aus. Der IRA läuft bis 2032 und ist nicht gedeckelt.
GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen bereit.