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Branchenstruktur

Brasiliens Nahrungsmittelindustrie expandiert. Im Fokus der Investitionen stehen eine höhere Produktivität, das Premiumsegment und die Produktion für den Export.

Gloria Rose

Von Gloria Rose | São Paulo

Brasiliens Nahrungsmittelindustrie profitiert von dem starken Agrarsektor. Rund 27 Prozent des Umsatzes erwirtschaftete die Branche 2025 im Ausland. Gemessen an der Produktionsmenge ist Brasilien schon seit 2023 der weltgrößte Exporteur von verarbeiteten Nahrungsmitteln. Gemessen an der Wertschöpfung lagen die USA, Niederlande und Deutschland 2025 noch vor dem Land.

Größte Branche der verarbeitenden Industrie in Brasilien

Als einer der wenigen Sektoren des verarbeitenden Gewerbes steigert Brasiliens Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie die Produktion von Jahr zu Jahr. Der Gesamtumsatz legte 2025 nominal um 8 Prozent und real um 2,2 Prozent zu, während die Produktionsmenge um 1,9 Prozent stieg. Dies zeigen Zahlen des Nahrungsmittelverbands ABIA. Für 2026 erwartet ABIA ein Umsatzwachstum um real 2 bis 2,5 Prozent.

Die Branche trägt über 25 Prozent zur Bruttowertschöpfung der verarbeitenden Industrie und fast 11 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Brasiliens bei. Mit über 2 Millionen Arbeitsplätzen ist der Sektor der bedeutendste Arbeitgeber der verarbeitenden Industrie. 8,5 Millionen Menschen sind indirekt beschäftigt. Insgesamt zählt der Branchenverband ABIA 42.000 Unternehmen, zu 93 Prozent kleine Hersteller mit weniger als 50 Mitarbeitern.

Umsatz mit verarbeiteten Nahrungsmitteln in BrasilienIn Milliarden US-Dollar

Sparte

Umsatz 2026 *)

Nominale Umsatzveränderung 2026/2025 *)

Insgesamt, darunter

207,8

7,1

  Fleisch

41,6

6,0

  Milchprodukte und Eier

35,5

9,8

  Brot und Getreideprodukte

31,1

7,3

  Gemüse

24,3

7,9

  Süßwaren und Snacks

19,9

5,3

  Obst und Nüsse 

14,4

7,1

  Fisch und Meeresfrüchte

11,8

5,9

  Öle und Fette

10,5

8,3

  Convenience Food

8,4

4,2

* Prognosen.Quelle: Statista Market Insights, Februar 2026

Von der Kornkammer zum Supermarkt der Welt

Brasilien beliefert heute 190 Länder mit verarbeiteten Nahrungsmitteln und Getränken. Der Exportwert stieg 2025 um 0,6 Prozent auf 66,7 Milliarden US$. Bezüglich der Exportmenge hat Brasilien die USA hinter sich gelassen und war 2025 zum vierten Jahr in Folge der weltweit größte Exporteur von verarbeiteten Nahrungsmitteln. In Bezug auf den Ausfuhrwert liegt Brasilien auf Rang 2. Rund 41 Prozent der brasilianischen Exporte gehen nach Asien. Bedeutende Absatzmärkte sind auch der Nahe Osten und die Europäische Union. 

Als Weltmarktführer für zahlreiche Agrarrohstoffe ist Brasilien darauf bedacht, die Wertschöpfung im Land zu steigern und hochwertigere Nahrungsmittel zu exportieren. Beispielsweise investieren die Hersteller von löslichem Kaffee und steigern den Export von Jahr zu Jahr. 

Im Jahr 2025 verarbeitete Brasiliens Nahrungsmittelindustrie 62 Prozent der gesamten Agrarproduktion. Bei den Exporten ist dieser Anteil jedoch niedriger. Unverarbeitete Agrargüter standen im Jahr 2025 für etwa die Hälfte der Ausfuhr. Es besteht also noch viel Raum für Wachstum. Zum Vergleich: Die USA und die EU exportieren zu über 60 Prozent verarbeitete Produkte.

Investitionen trotz hoher Zinsen

Hohe Zinsen belasten die Investitionen in Brasilien derzeit. Dennoch erwartet der Branchenverband ABIA für 2026 Aufwendungen von bis zu 7,5 Milliarden US$. Von 2024 bis 2026 hatte der Sektor Projekte im Umfang von 22,3 Milliarden US$ angekündigt. Laut ABIA flossen die Ausgaben 2025 zu zwei Dritteln in Modernisierung und Innovation und zu einem Drittel in den Aus- und Neubau von Fabriken.

Im Fokus steht oft die Produktion für Export- und Premiummärkte. Impulse setzt zudem der Trend zu Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette. Neben Energieeffizienz und Verpackungen rücken Wasserverbrauch und die Behandlung von Reststoffen ins Augenmerk des Sektors. Aufgrund hoher Produktionskosten und Fachkräftemangels lohnt sich die Automatisierung für immer mehr Betriebe. Branchenexperten beobachten derzeit eine große Nachfrage nach Maschinen für den Bäckereibetrieb. 

Brasiliens Fleischwirtschaft baut die Produktionskapazitäten kontinuierlich aus. Im Laufe des Jahres 2025 zertifizierten Behörden aus China, Indonesien, Vietnam und Mexiko zusätzliche Schlachthöfe, um zukünftig mehr Fleisch aus Brasilien zu beziehen. Für 2026 prognostiziert die brasilianische Versorgungsbehörde Conab eine Fleischproduktion von 33,4 Millionen Tonnen. Während Schweine- und Geflügelfleisch zunimmt, geht die Rindfleischproduktion um 5,3 Prozent zurück.

Brasiliens Biermarkt ist der drittgrößte weltweit, doch der rückläufige Alkoholkonsum bereitet den Herstellern Sorgen. Für Heineken ist das Land der wichtigste Markt überhaupt, bezogen auf das Absatzvolumen. Die niederländische Gruppe will ihren Marktanteil von 24 auf 28 Prozent ausbauen und investiert in die Wachstumsmärkte Premiumbier und Alkoholfreies. Marktführer ist Ambev mit einem Anteil von rund 60 Prozent. Die lokale Gruppe Petrópolis liegt mit 11,4 Prozent auf dem dritten Platz. Auf die drei Hersteller entfallen 95 Prozent des Marktes. Den Rest teilen sich etwa 1.950 kleine und mittelständische Brauereien.

Auswahl großer Lebensmittelkonzerne in BrasilienUmsatz in Milliarden US-Dollar; Veränderung in Prozent
Name Geschäftsfeld

Umsatz 2024 1)

Veränderung 2024/23 2)

JBSRindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel und Leder (Marken: Swift und Seara); Inlandsmarkt und Export

77,3

14,6

Marfrig 3)Rindfleisch; Inlandsmarkt und Export

27,6

12,6

Ambev (Tochter von AB InBev, Belgien)Bier und Erfrischungsgetränke

16,6

12,2

BRF (Brasilien/USA) 3)Rind- und Schweinefleisch sowie Geflügel (Marken: Sadia und Perdigão); Inlandsmarkt und Export

11,4

14,5

Minerva FoodsRindfleisch; Inlandsmarkt und Export

6,3

26,7

Nestlé (Schweiz)Cerealien, Kaffee, Speiseeis, Süßwaren

4,6

7,8

AuroraFleisch- und Molkereiprodukte, Tiefkühlkost

4,2

13,5

Coca-Cola Femsa Brasil (Mexiko)Erfrischungsgetränke

4,2

15,5

CamilReis und Bohnen

2,3

9

Solar BebidasNudeln und Kekse

2,1

19,2

1 Umrechnung zum Jahresdurchschnittskurs 2024: 1 US$ = 5,39 R$; 2 bezogen auf den Umsatz in brasilianischen Reais (R$); 3 Marfig und BRF fusionierten im September 2025 zu MBRF.Quelle: Ranking "Valor 1000" 2026



Für den brasilianischen Markt produzieren internationale Konzerne wie PepsiCo, Kellanova (vormals: Kellogg's), Kraft Heinz, Mondelēz, Nestlé und Unilever überwiegend vor Ort. Der Wettbewerb bleibt in Bewegung: General Mills verkaufte im März 2026 seine Brasilienaktivitäten an 3corações.

3corações gehört zu den wichtigsten brasilianischen Herstellern - ebenso wie Aurora, Camil, M. Dias Branco, Piracanjuba, Copacol, Prima Foods, Frimesa, Alvoar, GTF und Arroz Brejeiro. Neben 3corações expandiert auch Prima Foods durch Übernahmen. Parallel investieren viele Unternehmen in neue Verarbeitungs- und Logistikkapazitäten.

Konsolidierung in der Milchwirtschaft schreitet weiter voran

Die Zahl der Lieferanten sinkt, während Produktivität und Betriebsgrößen wachsen. Nach steigenden Erzeugerpreisen im Vorjahr geriet die Rentabilität 2025 erneut unter Druck. Die Zahl der Milchbauern sank auf 43.200 Betriebe. Dennoch nahm die Milchproduktion 2025 um 8,5 Prozent auf 27,5 Milliarden Liter zu. Im internationalen Vergleich liegt Brasilien auf Rang 5 hinter Indien, USA, China und Russland.

Lactalis hat sich seit dem Markteintritt 2013 zum größten Molkereikonzern Brasiliens entwickelt. Der französische Konzern bleibt mit 2,7 Milliarden Litern Milch Marktführer. Gleichzeitig investieren auch Piracanjuba, Frimesa, Alvoar und Aurora in neue Kapazitäten und hochwertigere Produkte. Aurora übernahm Gran Mestri und stärkt damit gezielt das Premium- und Käsegeschäft.

Auswahl großer Molkereien in Brasilien 2025 *)In Millionen Litern, Veränderung in Prozent

Molkerei (Marken)

Verarbeitete Milch 2025

Veränderung 2025/2024

Lactalis Brasil

2.907

7,6

Laticínios Bela Vista (Grupo Piracanjuba)

2.078

6,9

Unium (Frisia, Castrolanda und Capal)

1.462

1

Nestlé

1.035

-1,6

CCPR - Cooperativa Central dos Produtores Rurais

793

-7,1

CCGL

565

15,7

Aurora

518

8,3

Laticínios Porto Alegre

460

13,1

Jussara

356

-3,2

Centroleite

334

23,8

* Die Unternehmen Italac, Alvoar Lácteos, Vigor (Lala), Laticínios Damare, Santa Clara und Tirol haben für das Ranking 2026 keine Daten eingereicht.Quelle: Verband Abraleite 2026; Berechnungen von Germany Trade & Invest

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