Branche kompakt | Indien | Medizintechnik
Markttrends
Der Absatz von Medizintechnik wächst. Die Anzahl der Klinikbetten in Indien nimmt zu und ist einer von mehreren Treibern für mehr Nachfrage.
09.04.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Indien investiert zwischen 2 und 4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die öffentliche Gesundheitsinfrastruktur, deutlich weniger als beispielsweise China. Dort liegt der Vergleichswert bei etwa 7 Prozent. Dennoch ist die Marktgröße riesig. Analysten schätzen sie derzeit auf Werte um 180 Milliarden US-Dollar (US$) für die gesamte Gesundheitsbranche. Bis Ende des Jahrzehnts soll der Gesundheitssektor in der Breite weiter wachsen und dann eine Marktgröße von über 300 Milliarden US$ erreichen.
Der Bedarf an Medizintechnik wächst in allen Segmenten
Die Medizintechnikbranche profitiert vom Wachstum im Gesundheitsbereich. Allerdings ist die Datenlage dazu vielfach spärlich, sodass viele Angaben zur Marktgröße Schätzungen sind und teilweise stark variieren. Experten beziffern sie für 2025 auf einen Wert zwischen 14 Milliarden und 18 Milliarden US$. Bis zum Ende des Jahrzehnts gehen verschiedene Prognosen von einer Marktgröße zwischen 30 und 50 Milliarden US$ aus. Abweichungen kommen oft durch unterschiedliche Definitionen von Medizintechnik zustande.
Getragen wird das Wachstum durch eine Breite Zunahme der Umsätze über verschiedene Bereiche der Medizintechnik hinweg.
Zukünftig höhere Nachfrage nach Gesundheitsleistungen
Experten gehen von steigender Nachfrage nach medizinischen Behandlungen und mehr Klinikaufenthalten aus. Die Gründe dafür liegen in der bisherigen Unterversorgung und dem damit einhergehenden Wachstumspotenzial vor allem in Mittel- und Kleinstädten. Zudem wächst die indische Bevölkerung weiterhin, gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung zu und die Zahl an Personen über 65 Jahren steigt. Daher wird in den kommenden Jahren auch die Nachfrage nach Behandlungen von chronischen Krankheiten steigen.
Unterstützt wird die Nachfrage zudem von einem wachsenden Versicherungsschirm. Schätzungen zufolge haben rund 40 Prozent der Bevölkerung mittlerweile eine Form der Krankenversicherung. Die indische Regierung treibt diese Entwicklung aktiv voran, etwa durch staatliche Versicherungsprogramme, aber auch eine 2025 eingeführte Befreiung der Beiträge zu privaten Krankenversicherungen von der Umsatzsteuer.
Hinzu kommt der Medizintourismus. Die Unternehmensberatung KPMG schätzt, dass etwa 2 Millionen Menschen jährlich dafür nach Indien kommen. Mehrheitlich kommen sie aus anderen asiatischen oder afrikanischen Ländern. KPMG geht davon aus, dass der Umsatz mit Medizintouristen von 18,2 Milliarden US$ 2025 auf 58,2 Milliarden US$ im Jahr 2035 klettern wird.
soll der Umsatz mit Medizintourismus in Indien 2035 betragen.
Kliniken erweitern ihre Kapazitäten
Um mehr Nachfrage bewältigen zu können, benötigen Kliniken entsprechende Geräte. Die Nachfrage nach Medizintechnik wird überwiegend von Einrichtungen zur Tertiärversorgung ausgelöst. Private Klinikketten stehen für rund 60 Prozent der mehr als 70.000 Krankenhäuser in Indien und sie beschaffen ihre Geräte über zentrale Einkaufsabteilungen. Großen staatliche Krankenhäuser schreiben den Bedarf über eine elektronische Procurement-Plattform der Zentralregierung oder der Bundesstaaten aus, kleinere lokale Einrichtungen über die jeweiligen regionalen Träger. Die Nachfrage im Hochpreissegment geht größtenteils vom Privatsektor aus, während die öffentlichen Einrichtungen im niedrigen und mittleren Preissegment sowie bei gebrauchter Medizintechnik stärker vertreten sind.
Analysten gehen davon aus, dass die privaten Kliniken ihre Kapazitäten in den kommenden Jahren deutlich ausbauen werden. Die Ratingagentur ICRA schätzt, dass die 18 größten privaten Betreiber zwischen 2026 und 2030 rund 34.000 neue Klinikbetten schaffen werden. Das entspricht nahezu einer Verdopplung der Anfang 2025 vorhandenen Bettenzahl. Marktbeobachter gehen in der Mehrzahl davon aus, dass die Erweiterungen und Neubauten von Krankenhäusern vermehrt abseits der großen Metropolen stattfinden werden und stattdessen in den in Indien als Tier-II und Tier-III bezeichneten Städten.
Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Schaffung von 4.300 neuen Krankenhausbetten durch Apollo | 881,7 | Angekündigt | Das Geld soll in den Aufbau von Krankenhäusern fließen und über einen Zeitraum von vier Jahren investiert werden. Angedachte Städte für den Ausbau sind Pune, Kolkata, Hyderabad, Gurugram, Chennai, Varanasi, Mumbai und Lucknow. |
| Schaffung von etwa 2.800 neuen Krankenhausbetten durch Max Healthcare | 551,1 | Angekündigt | Das Geld soll in den Aufbau von Krankenhäusern im ganzen Land fließen und über einen Zeitraum von drei Jahren investiert werden. Vor allem Ost- und Westindien sind für das Unternehmen interessant für Investitionen. |
| Schaffung von 2.368 neue Krankenhausbetten durch Aster DM Healthcare | 253,4 | Angekündigt | Das Geld soll in Greenfield Investitionen aber auch Käufe kleinerer Krankenhäuser fließen. Projekte sind beispielsweise der Neubau zweier Krankenhäuser in Bengaluru mit 430 und 500 Betten, der Bau eines Krankenhauses mit 454 Betten in Thiruvananthapuram und die Erweiterung der Aster Medcity in Kochi um 100 Betten. |
| Bau von drei Krankenhäusern mit 1.300 bis 1.400 Betten durch Jupiter Life Line | 148,8 | Teilweise in Umsetzung | Die Krankenhäuser sollen in der Metropolregion Mumbai, Thane und Pune entstehen. |
| Schaffung von 1.000 bis 1.200 neue Krankenhausbetten durch Artemis Medicare | k.A. | Angekündigt | Die Investitionen sollen über zwei bis drei Jahren laufen und hauptsächlich in der Hauptstadtregion um New-Delhi und anderen Städten in Nordindien eingesetzt werden. Geplant ist beispielsweise in Krankenhaus mit 300 Betten in Raipur |
Ringen um Regulierung
Mit der New Drugs, Cosmetics and Medical Devices Bill befindet sich die zentrale Gesetzgebung weiterhin in der Diskussionsphase. Bereits 2022 erarbeitet, wurde zuletzt Ende 2025 ein neuer Entwurf erstellt und Stakeholdern zur Diskussion überlassen. Branchenkenner weisen regelmäßig darauf hin, dass neue gesetzliche Regelungen notwendig sind, um die teils Jahrzehnte alte Gesetzgebung zu ersetzen. Die Vorlage eines neuen Entwurfes lässt jedoch darauf schließen, dass die Regierung das Vorhaben in der laufenden Legislaturperiode abschließen möchte. Branchenvertreter weisen jedoch wiederholt darauf hin, dass ein Vermischen der Themen Pharmaka, Kosmetik und Medizintechnik nicht zielführend ist und dringen auf eine eigenständige Gesetzgebung und Regulierung ausschließlich für Medizintechnik.
Lokale Produktion wird gestärkt
Indien ist zunehmend daran interessiert, eigene Normen zu etablieren. Die sogenannten Quality Control Orders (QCOs) werden durch das Bureau of Indian Standards (BIS) erarbeitet. Auch ausländische Unternehmen müssen sie befolgen, wollen sie auf dem lokalen Markt tätig sein. Ende 2025 und Anfang 2026 hat Indien jedoch einige QCOs aufgehoben, darunter beispielsweise für Polypropylen und Lötdraht. Lokale Medizintechnikhersteller begrüßen den Schritt, weil damit der Zugang zu Inputgütern vereinfacht wird.