Kfz-Importe aus China treiben die E-Mobilität voran und drücken auf die Preise. Die Nachfrage steigt. Davon profitiert auch der große Gebrauchtwagenmarkt.
In den vergangenen Jahren erholte sich Brasiliens Kfz-Markt schrittweise von dem drastischen Einbruch in der Coronakrise. Die Neuzulassungen lagen 2025 erstmals wieder über dem Niveau von 2019. Am sechstgrößten Automarkt der Welt wurden rund 2,7 Millionen Neufahrzeuge verkauft. Das waren 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Markt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge wuchs um 2,6 Prozent. Unter den zehn größten Kfz-Märkten der Welt erzielten nur China, Indien und Japan ein höheres Wachstum.
Marktwachstum setzt sich 2026 fort
Für dieses Jahr prognostiziert der Autohändlerverband Fenabrave einen Anstieg der Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um 8,8 Prozent. Der Absatz von Lkw soll dagegen um 7,8 Prozent und der von Bussen um 9,2 Prozent fallen. Der Herstellerverband Anfavea ist noch optimistischer und erwartet für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ein Plus von 12,6 Prozent und für Schwerfahrzeuge ein Minus von 6 Prozent.
Im Wettbewerb mit chinesischen Modellen senken die etablierten Hersteller die Preise - erstmals nach sechs Jahren stetiger Verteuerung. Seit der Coronakrise waren die Preise für Kfz durchschnittlich um 20 bis 30 Prozent gestiegen. Neben den Preisminderungen kurbeln Steuererleichterungen, die zunehmende Kreditfinanzierung und zinsgünstige Kredite über die neuen Förderprogramme "Move Brasil" und "Move Brasil Táxis e Aplicativos" den Absatz 2026 an.
Geländewagen dominieren
SUV sind seit 2020 die beliebteste Fahrzeugklasse und bestimmen auch das Bild im Luxussegment. Im Jahr 2025 kamen die Geländewagen auf einen Marktanteil von 55 Prozent, gefolgt von Kombilimousinen mit Schrägheck (24 Prozent). Die meistverkauften Autos waren Fiat Strada, vor VW Polo, Fiat Argo und Volkswagen T-Cross.
In der traditionellen Luxusklasse war BMW zum siebten Jahr in Folge Marktführer – mit deutlichem Abstand vor Mercedes-Benz, Volvo, Porsche und Audi.
Die Neuzulassungen von Lkw entfielen zu 27 Prozent auf Volkswagen Caminhões e Ônibus, gefolgt von Mercedes-Benz do Brasil (27 Prozent), Volvo (18 Prozent) und Scania (12 Prozent). Bei Bussen beherrscht Mercedes-Benz mit einem Anteil von 49 Prozent den Markt.
Der Motorradmarkt boomt ungebrochen. Für 2025 registrierte Fenabrave einen Zuwachs um 17,1 Prozent auf knapp 2,2 Millionen Neuzulassungen. Honda ist klarer Marktführer mit einem Anteil von 67 Prozent, vor Yamaha mit 14 Prozent.
Volkswagen baut seinen Marktanteil in Brasilien weiter ausNeuzulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen nach Herstellern (Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent)Hersteller | Absatz 2025 | Veränderung 2025/2024 | Marktanteil 2025 |
|---|
| Fiat | 533.710 | 2,4 | 20,9 |
| Volkswagen | 436.297 | 9,0 | 17,1 |
| General Motors | 275.965 | -12,4 | 10,8 |
| Hyundai | 203.579 | -1,2 | 8,0 |
| Toyota | 170.635 | -16,3 | 6,7 |
| Renault | 131.724 | -5,4 | 5,2 |
| Jeep | 124.112 | 2,3 | 4,9 |
| BYD | 112.814 | 46,9 | 4,4 |
Quelle: Fenabrave 2026
Brasilien wird zum wichtigsten Absatzmarkt für China
Kein anderes Land importierte im 1. Halbjahr 2026 mehr Fahrzeuge aus China als Brasilien. Vor allem BYD nutzte die bis Mitte 2026 geltenden Zollvergünstigungen und führte große Stückzahlen vorzeitig ein. Im 1. Halbjahr 2026 stieg der Konzern zum viertgrößten Pkw-Anbieter nach VW, Fiat und GM auf.
Neben BYD bauen auch Great Wall Motors (GWM), Caoa Chery, Geely, Omoda & Jaecoo sowie Jetour der Chery Group, GAC, Leapmotor und MG Motor der SAIC-Gruppe ihre Präsenz aus. China etabliert sich damit vor Argentinien als wichtigstes Kfz-Lieferland.
Bis Juli 2026 importierte Brasilien 344.100 Fahrzeuge, rund 25,7 Prozent mehr als in den ersten sieben Monaten 2025. Der Verband der Fahrzeugimporteure Abeifa erwartet weiteres Wachstum. Zusätzliche Impulse versprechen die Markteintritte von BAIC und DFM (Dong Feng Motor) sowie die Einführung der Chery-Marken Lepas und iCaur.
Digital liegt im Trend
Zugutekommt den Chinesen die Affinität der Brasilianer für Digitales. Vernetzte Mobilität ist gefragt. Über die Plattform OnStar sind in Lateinamerika bereits über 1 Million Fahrzeuge vernetzt, so Marktführer Chevrolet. Volkswagen knackte in Brasilien gerade die 100.000-Marke. Die wichtigsten Trends sind Internetzugang per integriertem WLAN, Sicherheitstechnologien, Fahrzeugdiagnosefunktionen und Notfallsysteme. Der Zugang zu verlässlichen Daten kann zukünftig den Versicherungsmarkt beleben. Bislang sind nur 30 Prozent der Kfz versichert.
Im Bergbau und in der Landwirtschaft werden autonome Nutzfahrzeuge eingesetzt. Im öffentlichen Straßenverkehr sind teilautomatisierte Fahrassistenten verfügbar, sogenannte Level-2-Systeme und L2+ als Nischenmarkt. Private vollautonome Fahrzeuge, sogenannte Robotaxis, dürften Brasilien erst in einem Jahrzehnt erreichen, erwarten Branchenexperten.
Gebrauchtwagen boomen
2025 war ein Rekordjahr. Der Gebrauchtwagenmarkt wuchs um 17,3 Prozent. Rund 18,5 Millionen gebrauchte Pkw und leichte Nutzfahrzeuge wechselten den Besitzer. Hohe Neufahrzeugpreise, Kreditvergabe und der steuerlich begünstigte Direktverkauf stimulieren den Markt. Fahrzeuge verlieren in Brasilien deutlich langsamer an Wert als in entwickelten Märkten. Doch die Preisminderungen bei Neuwagen spiegeln sich bereits im Handel mit neuwertigen SUV wider.
Der gesamte Kfz-Bestand stieg 2025 um 1,5 Prozent auf 48,8 Millionen Fahrzeuge, davon waren lediglich 15 Prozent Importwagen, meldet der Verband der Kfz-Zulieferer Sindipeças. Das durchschnittliche Fahrzeugalter nimmt kontinuierlich zu und liegt nun bei elf Jahren.
Neue Mobilitätslösungen verändern den Markt
In den Metropolen leisten sich immer weniger Haushalte ein Auto. Für den Fahrdienstvermittler Uber ist Brasilien heute der weltweit größte Markt. Uber konkurriert mit der App 99 des chinesischen Anbieters Didi um die wachsende Nachfrage. Bei Langstrecken werben Buser, der deutsche Anbieter FlixBus und WeMobi um preisbewusste Reisende. Während FlixBus und Buser als Mobilitätsplattformen auftreten, positioniert sich WeMobi als digitale Low-Cost-Fernbusmarke der JCA-Gruppe.
Der Traum vom eigenen Auto lebt
Auch wenn neue Mobilitätslösungen aufkommen, entscheiden sich in Brasilien nach wie vor viele Menschen für den Kauf eines Autos, sobald es ihr Einkommen erlaubt. In der Gesellschaft gilt das Auto als Statussymbol. Zudem stellt es gerade für Familien aus einfachen Verhältnissen einen Vermögenswert dar. Bei der Kaufentscheidung wird somit der voraussichtliche Wiederverkaufswert ins Kalkül einbezogen.
Die Studie "Mobility Lens Suite" der Unternehmensberatung EY aus dem Jahr 2023 bestätigt diese Tendenz. Demnach planten in Brasilien 70 Prozent der Bevölkerung einen Autokauf, im weltweiten Durchschnitt waren es nur 44 Prozent. Auch geteilte Mobilität und Motorräder kommen in dem lateinamerikanischen Land deutlich besser an als im Durchschnitt.
Die neuen Mobilitätskonzepte stärken den Kfz-Verleih. Die Mietwagenflotte wuchs 2025 auf 1,7 Millionen Fahrzeuge an. Große Vermieter wie Localiza, Unidas und Movida gehören zu den wichtigsten Abnehmern. Sie beziehen Fahrzeuge direkt ab Werk und profitieren dabei von Mengenrabatten und steuerlichen Vorteilen. Der Direktvertrieb steht für rund die Hälfte des Fahrzeugabsatzes. Gleichzeitig etablieren sich Auto-Abonnements als zusätzliches Geschäftsmodell. Ihr Anteil an den Flotten der Vermieter liegt bei rund 10 Prozent.
Von Gloria Rose
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São Paulo