Afrika

Die Afrikanische Entwicklungsbank

Ziele und Historie

Die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) mit Sitz in Abidjan (Côte d’Ivoire) wurde 1964 gegründet und hat heute 81 Mitgliedsstaaten. Davon sind 54 afrikanische Staaten, die die Mehrheit der Anteile an der Bank halten.

Übergeordnete Ziele ihrer Aktivitäten sind die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit sowie die Förderung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums.

Die AfDB beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter. Neben ihrem Hauptsitz in Abidjan unterhält sie 41 Länderbüros, einschließlich zwei Regionalbüros und einem Verbindungsbüro in Tokio, Japan.

Tätigkeitsfelder

Die AfDB Gruppe stellt für ihre ausleihenden Mitgliedsstaaten eine breite Palette von Finanzierungsprodukten zur Verfügung. Im Vordergrund steht die Kreditvergabe an Regierungen bzw. staatliche Stellen. Sie bietet auch Finanzierungen für den Privatsektor an. Ergänzend zu dem klassischen Kreditvergabegeschäft bietet die Bank Finanzierungen innerhalb spezifischer Programme und Fazilitäten.

2018 sagte die AfDB Finanzierungen in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar zu. Dabei entfielen auf Senegal, Marokko und Nigeria die höchsten Kreditzusagen. Die Bank vergibt Kredite und Darlehen für entwicklungsrelevante Investitionsprojekte, Reformprogramme und Maßnahmen der technischen Entwicklungszusammenarbeit. Sektoral liegt der Schwerpunkt auf Projekten im Infrastrukturbereich, vorwiegend mit Transport- und Energieprojekten, sowie im Finanzwesen.

Die AfDB hat in ihrer Langfriststrategie für den Zeitraum von 2013 bis 2022 die Förderung inklusiven und grünen Wachstums als übergeordnetes Ziel festgelegt. Dabei konzentrieren sich die Aktivitäten der Bank auf fünf prioritäre Handlungsfelder, die „High 5 for Africa“.

Prioritäre Handlungsfelder „High 5 for Africa“

1. Energieversorgung ausbauen - Verstärkte Investitionen in konventionelle und erneuerbare Energien, mit dem Ziel bis 2025 eine flächendeckende Versorgung zu erreichen

2. Ernährungssicherung erreichen - Professionalisierung der Landwirtschaft und des Agrobusiness, um die Produktivität zu erhöhen und die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten

3. Industrialisierung vorantreiben - Stärkung der weiterverarbeitenden Industrie und Ausbau afrikanischer Wertschöpfungsketten

4. Regionale Integration verstärken - Länderübergreifende Infrastruktur (Transport, Energie, Informations- und Kommunikationstechnologie) ausbauen, um regionale Synergien zu nutzen

5. Menschliche Entwicklung fördern - Bereitstellung von sozialer Grundversorgung und Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, um wirtschaftliche Perspektiven für die Bevölkerung zu schaffen

Organisation

Neben der Muttergesellschaft Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) umfasst die Gruppe mit dem Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF) ein Finanzierungsinstrument für die ärmsten Mitgliedsstaaten und als weitere Unterorganisation den Nigerianischen Treuhandfonds (NTF).

An der Spitze der Bank steht ein Gouverneursrat. Jedes Mitgliedsland wird durch einen Gouverneur vertreten. Die operative Geschäftsleitung übernehmen 20 Exekutivdirektoren. Ein Management-Team ist für den laufenden Geschäftsbetrieb verantwortlich. Der Präsident der AfDB wird für jeweils fünf Jahre durch den Gouverneursrat gewählt. Derzeit hat der Nigerianer Akinwumi A. Adesina dieses Amt inne.

Die AfDB verwendet für die Angabe ihrer Darlehen und Zuschüsse neben Währungen wie Euro und US-Dollar eine eigene Rechnungseinheit (Unit of Account), die mit UA abgekürzt wird. Diese Rechnungseinheit entspricht einem Sonderziehungsrecht (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Teilorganisationen

Die AfDB-Muttergesellschaft finanziert sich durch die Kapitalanteile der Mitgliedsländer, Mittelaufnahme an Kapitalmärkten sowie Kreditrückzahlungen und stellt Kredite zu marktnahen Konditionen bereit.

Der 1972 gegründete AfDF speist sich aus internen Bankmitteln und aus regelmäßigen Wiederauffüllungen durch die Mitgliedsstaaten, die meist im Dreijahresrhythmus erfolgen. Der Fonds stellt Darlehen für die ärmsten afrikanischen Mitgliedsländer bereit, für die es besondere Konditionen gibt. Die Darlehen sind zinsgünstig, haben lange Laufzeiten und werden oftmals mit Zuschüssen kombiniert.

Ein weiterer Teil der AfDB-Gruppe ist der 1976 von der nigerianischen Regierung und der AfDB gegründete NTF, der Kredite und Darlehen für Projekte in den ärmsten Ländern der Region – nicht nur in Nigeria – bereitstellt. Die Ressourcen des NTF stammen aus den Erlösen der Projekte, die durch den Fonds selbst finanziert wurden.

Daneben gibt es zahlreiche weitere Sonderfonds und Initiativen unter dem Dach der AfDB, beispielsweise im Wassersektor (African Water Facility), im Finanzsektor (Making Finance Work for Africa Partnership) und zur Unterstützung fragiler Staaten (Transition Support Facility). Die Bank stellt auf ihrer Website alle Initiativen und Partnerschaften in einer Übersicht dar.

Rolle Deutschlands

Deutschland hält am Kapital der AfDB einen Anteil von 4,2 Prozent und ist damit größter europäischer Kapitaleigner. Es bildet gemeinsam mit den AfDB-Mitgliedsstaaten Schweiz, Luxemburg und Portugal eine Stimmrechtsgruppe, welche einen der 20 Exekutivdirektoren stellt. Derzeit vertritt Catherine Cudre-Mauroux als Exekutivdirektorin diese Staatengemeinschaft.

Mitgliedsstaaten

Regionale Mitgliedsstaaten

Ägypten, Algerien, Angola, Äquatorialguinea, Äthiopien, Benin, Botsuana, Burkina Faso, Burundi, Cabo Verde, Côte d’Ivoire, Dschibuti, Eritrea, Eswatini, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kenia, Komoren, Kongo (Dem.), Kongo, Lesotho, Liberia, Libyen, Madagaskar, Malawi, Mali, Marokko, Mauretanien, Mauritius, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, São Tomé & Príncipe, Senegal, Seychellen, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Sudan, Südsudan, Tansania, Togo, Tschad, Tunesien, Uganda, Zentralafrikanische Republik

Nicht-regionale Mitgliedsstaaten

Argentinien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Indien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kuwait, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Spanien, Südkorea, Türkei, USA, Vereinigte Arabische Emirate (nur Mitglied des AfDF), Vereinigtes Königreich

Projektablauf

Das Kerngeschäft der AfDB ist die Kreditvergabe an Regierungen zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten, die von öffentlichen Trägern in den Mitgliedsstaaten durchgeführt werden.

Interessierte Unternehmen sollten sich schon frühzeitig über geplante Aktivitäten informieren. Der Prozess von der Planung über die Implementierung bis zum Abschluss lässt sich in fünf Phasen einteilen, in denen Dokumente mit Hinweisen zu geplanten Projektinhalten und Beschaffungen erstellt und veröffentlicht werden.

Projektzyklus der AfDB

1. Landesstrategie und Projektidentifizierung: Schwerpunktsektoren und -regionen für zukünftige Projekte werden in Form eines Country Strategy Papers (CSP) festgelegt.

2. Projektvorbereitungsphase: Das Empfängerland und die AfDB definieren konkrete Einzelprojekte.

3. Projektprüfung und -bewilligung: Prüfung der Umsetzbarkeit des Projekts, Erstellung eines detaillierten Konzepts samt Beschaffungsplan und Festlegung von Kreditkonditionen als Entscheidungsgrundlage für die Bewilligung durch das Exekutivdirektorium.

4. Umsetzung: Der Kreditnehmer implementiert das Projekt, begleitet durch das Monitoring der AfDB.

5. Evaluierung: Analyse des Projekterfolgs nach Beendigung.

Auf ihrer Internetseite gibt die AfDB einen tieferen Einblick in ihren Projektzyklus und bietet eine Sammlung an Dokumenten und Veröffentlichungen an, die im Hinblick auf die verschiedenen Phasen des Projektzyklus wichtig sind.

Beschaffungswesen und Geschäftsmöglichkeiten

Die Afrikanische Entwicklungsbank bietet verschiedene Geschäftschancen für Consultants und Zulieferer aus Deutschland. Hierbei ist zwischen den Projekten des öffentlichen Sektors und privatwirtschaftlichen Vorhaben zu unterscheiden. Die Beschaffungen öffentlicher Stellen der Kreditnehmerländer stellen den Großteil der Ausschreibungen im Rahmen AfDB-finanzierter Projekte dar.

Seit Ende 2015 arbeitet die AfDB mit neuen Beschaffungsregularien und hat sich damit in ihrer Geschäftspraxis internationalen Gebern wie der Weltbank und anderen regionalen Entwicklungsbanken angeglichen. Nach dem Prinzip „Fit for Purpose“ ermöglichen es die Regularien der Bank und den jeweiligen Kreditnehmern nun, gemeinsam zielgerichtetere und flexiblere Verfahren der Finanzierung zu vereinbaren. Außerdem können nationale Beschaffungssysteme der Mitgliedsländer vermehrt genutzt werden, ebenso alternative Systeme anderer Geber. Die Bank wendet ebenfalls das Prinzip „Value for Money“ an, welches die Auftragsvergabe betrifft. Wurde nach dem alten System meist das preisgünstigste Angebot ausgewählt, wird nun das Preis-Leistungsverhältnis der angebotenen Leistung bewertet. Das bedeutet, dass die erwartete Qualität bei der Auftragsvergabe stärker berücksichtigt wird.

Beschaffung durch staatliche Kreditnehmer

Aus den Krediten und Darlehen, die sie zur Finanzierung ihrer nationalen Entwicklungsprojekte erhalten, erteilen die Durchführungsorganisationen (Executive Agencies) in den Zielländern jährlich Aufträge von ca. 2 Milliarden Euro an Unternehmen. Diese Aufträge umfassen eine Spannbreite von relativ kleinen Summen bis hin zu höheren Millionenbeträgen.

Für AfDB-finanzierte Projekte gelten spezifische Ausschreibungsrichtlinien. Es gibt eigene Beschaffungsrichtlinien für Sachgüter und Bauleistungen (goods and works) sowie für Dienstleistungen und Beratung (consultants). Abhängig von den Charakteristika der Beschaffung und des Auftragswerts kommen unterschiedliche Ausschreibungsverfahren zum Einsatz.

Details zur Beschaffung von Sachgütern und Bauleistungen

Details zur Beschaffung von Dienstleistungen und Beratung

Bei Projekten, die von der AfDB oder dem NTF finanziert werden, können nur Unternehmen berücksichtigt werden, die einem Mitgliedsstaat angehören. Bei AfDF-Projekten gibt es diese Beschränkung nicht.

Institutionelle Beschaffung der AfDB

Ein weiteres Geschäftsfeld ist das Corporate Procurement der Bank. Im Rahmen ihrer institutionellen Beschaffung kauft die AfDB jährlich Dienstleistungen und Sachgüter für ca. 40 Millionen Euro für den Eigenbedarf ein. Informationen zur institutionellen Beschaffung finden sich auf der Internetseite der Bank.

In der Datenbank von Germany Trade & Invest finden sich aktuelle Hinweise zu Ausschreibungen im Rahmen AfDB-finanzierter Projekte.

Praktische Tipps für die Geschäftsanbahnung

Der Einstieg für Unternehmen, die sich erstmals bei AfDB-finanzierten Projekten engagieren wollen, bedarf einer gezielten Vorbereitung. Interessenten sollten sich mit den geltenden Verfahrensrichtlinien sowie AfDB-Länderstrategien (Country Strategy Papers, CSP) und Beschaffungsplänen vertraut machen. Geschäftserfahrungen in dem betreffenden Land oder zumindest in der Region sind von großem Vorteil. Für Neueinsteiger ins Auslandsgeschäft sind die Erfolgschancen auch aufgrund fehlender Referenzen eher gering.

Die wichtigsten Schritte sind die Informationsgewinnung über vorhandene Geschäftsmöglichkeiten sowie der Aufbau und Einsatz von Netzwerken und Kontaktpersonen vor Ort. Die Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Länderbüro der AfDB sowie die Kontaktpflege mit zuständigen Entscheidungsträgern in den Durchführungsorganisationen der Kreditnehmerländer sind wichtig für die Geschäftsanbahnung.

Hierfür sind gute Fremdsprachenkenntnisse nötig. Neben Englisch sollten Interessenten Französisch beherrschen, da zum einen viele Dokumente der AfDB nur auf Französisch veröffentlicht werden und zum anderen in den Durchführungsinstitutionen vieler afrikanischer Länder Französisch die Verwaltungs- und Geschäftssprache ist.

Als Einstieg empfiehlt sich eine strategische Partnerschaft als Unterauftragnehmer oder als Konsortialpartner mit anderen Bietern. Deutsche Anbieter sollten ihre Geschäfte mit Hilfe lokaler Partner anbahnen. Consulting- und Studienexperten sowie Einzelberater können sich bereits bei der Projektvorbereitung und Erstellung von Vorstudien für Entwicklungsprojekte engagieren.

Das Außenwirtschaftsportal iXPOS bietet weitere Tipps und Hinweise zu Geschäftschancen bei öffentlichen Aufträgen.

Internetadressen

Die folgende Linkliste dient als Wegweiser für die Internetseite der AfDB. Die meisten Informationen werden sowohl auf Englisch als auch auf Französisch bereitgestellt. Einige Dokumente werden nur in einer der beiden Sprachen veröffentlicht. 

Kontakte

African Development Bank Group
Avenue Joseph Anoma
01 BP 1387 Abidjan 01
Côte d'Ivoire
Telefon: +225 2026 3900


Germany Trade & Invest (Bonn)
Bereich Entwicklungszusammenarbeit & Öffentliche Aufträge
Villemombler Straße 76
53123 Bonn

Bereichsleiterin
Kirsten Hungermann
Telefon: +49 (0)228 24993-252

Artikel zur AfDB

nach oben

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.