Wirtschaftsumfeld | Rumänien | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten

Löhne und Gehälter

Trotz zuletzt kräftiger Lohnanstiege hatte Rumänien 2025 weiterhin die zweitniedrigsten Arbeitskosten in der EU. Die Verdienste unterscheiden sich je nach Region und Branche stark.

Torsten Pauly

Von Torsten Pauly | Berlin

Rumänien verzeichnet seit Jahren hohe Lohnsteigerungen. Im Juli 2026 lag der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst bei 9.709 Lei, das waren 77,6 Prozent mehr als im Juli 2020. Für das Gesamtjahr 2026 prognostizierte die Europäische Kommission einen Nominallohnanstieg von 4,9 Prozent. Für 2027 erwartet sie einen Anstieg von 6,2 Prozent.

Hinter den Lohnsteigerungen stehen Produktivitätsfortschritte, der Fachkräftemangel in den wirtschaftsstarken Zentren sowie mehrere deutliche Erhöhungen des Mindestlohns. Dieser beträgt seit Juli 2026 monatlich 4.325 Lei oder umgerechnet rund 825 Euro. Seit Anfang 2021 ist der reguläre Mindestlohn auf Eurobasis damit um 80 Prozent gestiegen. In der Baubranche gilt bis zum 31. Dezember 2028 ein höherer Mindestlohn von 4.582 Lei oder rund 875 Euro.

Trotz der jüngsten Erhöhungen bietet Rumänien im internationalen Vergleich weiterhin wettbewerbsfähige Löhne. Die durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde beliefen sich 2025 auf 13,6 Euro. Laut Eurostat war dies das zweitniedrigste Niveau in der EU nach Bulgarien. Die Arbeitskosten lagen zudem deutlich unter denen der anderen südosteuropäischen EU-Märkte.

Weitere Produktivitätssteigerungen sind nötig

Die Bruttowertschöpfung je geleisteter Arbeitsstunde betrug in Rumänien 2023 laut den neuesten Zahlen von Eurostat 18,2 Euro. Dies war der niedrigste Wert in der EU. Dauerhafte Lohnsteigerungen werden sich langfristig nur durch entsprechende Produktivitätsfortschritte tragen lassen. Dazu könnten etwa starke Technologiecluster und die gezielte Anwerbung ausländischer Investoren beitragen.

Auch die Mitglieder der AHK Rumänien sehen die Lohnsteigerungen mit Sorge. In einer Umfrage im Frühjahr 2026 betrachteten 50 Prozent der Unternehmen die Arbeitskosten als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung.

Große regionale Unterschiede bei den Löhnen

Die Verdienste der Arbeitnehmenden unterscheiden sich je nach Standort erheblich. In Regionen mit besonders vielen Arbeitsuchenden sind die Lohnkosten in der Regel niedriger. Im Jahr 2024 lag das Lohnniveau in der Hauptstadtregion Bukarest-Ilfov im Durchschnitt um 55,3 Prozent über dem Niveau im Südosten des Landes.

Industrielöhne liegen unter dem Landesschnitt

Auch zwischen den wichtigsten Wirtschaftszweigen bestehen deutliche Lohnunterschiede. Die höchsten Gehälter zahlt der Informations- und Kommunikationstechnologiesektor (IKT), gefolgt vom Finanz- und Versicherungswesen. Im verarbeitenden Gewerbe, auf dem Bau, im Handel, in der Logistik und im Gastgewerbe lagen die Löhne im Mai 2026 dagegen unter dem landesweiten Durchschnitt.

Hochproduktive Dienstleistungsbranchen haben auch höchste GehälterDurchschnittliche Bruttomonatslöhne im Mai 2026 für ausgewählte Branchen in Euro *)
Branche

Monatslohn

Durchschnittslohn

1.812

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

1.407

Verarbeitendes Gewerbe

1.661

Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

2.893

Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

1.518

Baugewerbe

1.652

Groß und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

1.651

Transport und Lagerhaltung

1.760

Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

1.111

Informations- und Kommunikationsleistungen

3.631

Finanz- und Versicherungswesen

3.275

* 1 Euro = 5,2337 Lei (durchschnittlicher Wechselkurs im Mai 2026).Quelle: Nationales Statistikinstitut INS 2026

Ausländische Arbeitgeber zahlen höhere Löhne

Unternehmen in ausländischem Besitz sind häufig überdurchschnittlich produktiv und werben insbesondere beim Markteintritt Beschäftigte von bereits ansässigen Unternehmen ab. Laut den neuesten Zahlen des Statistikinstituts INS zahlten sie im Oktober 2024 im Durchschnitt 71,4 Prozent höhere Löhne und Gehälter als der rumänische Privatsektor insgesamt.

Mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung steigen die Nettogehälter in Rumänien im Durchschnitt um 20 Prozent. Dies geht aus einer im Frühjahr 2026 veröffentlichten Gehaltsübersicht von eJobs Carieră hervor. Bei Gehaltsverhandlungen erwarten Bewerbende demnach zunächst ein um 30 Prozent höheres Nettoeinkommen als für die jeweilige Position üblicherweise gezahlt wird.

Auch hier bestehen erhebliche Unterschiede je nach Standort und Branche. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Nettogehälter ausgewählter Positionen im Landesdurchschnitt.

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Verdienst ist stark von der Qualifikation abhängigDurchschnittliche rumänische Nettomonatslöhne für ausgewählte Positionen 2026 *)
Position

Lei

Euro
Geschäftsführung Einkauf, Verwaltung, Backoffice

20.000

3.920

Finanzvorstand Finanzsektor, Buchhaltung

15.000

2.940
Marketingleitung

10.000

1.960

Produktionsleitung

9.000

1.765

IT-Administration

10.000

1.960
Softwareentwicklung

9.000

1.765

IT-Technik

7.000

1.375

Rechtsanwältin/Rechtsanwalt

7.000

1.375

Lkw-Fahrerin/Lkw-Fahrer

5.500

1.080

Fachkraft Bau, Handwerk

4.250

835

Ungelernte Fachkraft Bau und Handwerk

3.500

685

* Wechselkurs am 31. März 2026: 1 Euro = 5,0988 Lei, gerundete Beträge.Quelle: eJobs Carieră 2026

Alle Arbeitnehmenden in Rumänien zahlen unabhängig von der Höhe ihres Verdienstes einen Einkommenssteuersatz von 10 Prozent. Hinzu kommen weitere hohe Lohnnebenkosten.

Hohe Aufwendungen für die RentenversicherungSozialbeiträge 2026; in Prozent der Bemessungsgrundlage 1)
Rentenversicherung (Arbeitnehmeranteil) 2)

25

Krankenversicherung (Arbeitnehmeranteil) 2)

10

Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil)

2,25

Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil)

4 für besondere Arbeitsbedingungen

8 für spezielle Arbeitsbedingungen

1 Regel seit 1. August 2022: Der Mindestbeitrag der Bemessungsgrundlage entspricht dem Mindestlohn (4.365 Lei), auch bei Teilzeitverträgen; 2 Arbeitnehmeranteile werden auf den Arbeitgeber übertragen. Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

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