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Special | Tschechische Republik | EU-Förderung

EU-Förderung in der Tschechischen Republik

Tschechien kann auf fast 29 Milliarden Euro an europäischen Kohäsions- und Aufbaumitteln zugreifen, um nachhaltiger, wettbewerbsfähiger, digitaler und krisenfester zu werden.

Von Miriam Neubert | Prag

Mittelzuweisungen für die Tschechische Republik (Zuschüsse, in Milliarden Euro)

Förderprogramm

Betrag

Aufbau- und Resilienzfazilität

7,1

Kohäsionspolitische Mittelzuweisung, darunter 

21,8

  ESF+

2,7

  EFRE

10,4

  Kohäsionsfonds

8,3

Quelle: Europäische Kommission 2021


  • Förderung im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität

    Tschechien nutzt die Fördermittel unter anderem für Projekte zur Nutzung grüner Energie, den Ausbau nachhaltiger Mobilität und die weitere Digitalisierung. 

    Die Europäische Kommission hat den tschechischen Aufbau- und Resilienzplan (Národní plán obnovy, abgekürzt NPO) im Juli 2021 genehmigt. Damit ist der Weg frei für rund 7 Milliarden Euro an Zuschüssen aus der Aufbau- und Resilienzfazilität im Rahmen des Wiederaufbauprogramms NextGenerationEU. Hinzu kommen mögliche Darlehen in mehr als doppelter Höhe. Das Land hat zunächst die als Vorfinanzierung möglichen 13 Prozent der Zuschüsse beantragt. Bevor erste Tranchen fließen, müssen verschiedene im Plan definierte Etappenziele erreicht sein.

    Wettbewerbsfähigere und nachhaltigere Wirtschaft

    Der Plan ist weitgehend branchenunabhängig aufgestellt und betrifft Aspekte, die für die Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft maßgeblich sind. Dazu gehören Reformen, um Bürokratie zu verringern und Prozesse zu beschleunigen, was durch Investitionen in die Digitalisierung der Behörden potenziert wird. So soll das frisch novellierte Baugesetz ab 2022 zusammen mit der Digitalisierung der Verfahren die Genehmigungsfristen verkürzen. Bessere Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien sollen zusammen mit Subventionen der Fotovoltaik neuen Schwung verleihen.

    Zu den Maßnahmen gehören auch solche, die einen Interessenkonflikt ausschließen sollen. Das gilt für Subventionen der Europäischen Union (EU) generell. Im Fall Tschechiens hat es einen besonderen Hintergrund: Premierminister Andrej Babiš, der seine Agrar-, Chemie- und Lebensmittelholding Agrofert 2017 in die Hände von zwei Treuhandfonds gelegt hatte, wird durch seinen Einfluss auf die Fonds laut einem Auditbericht der EU-Kommission in einem Interessenkonflikt gesehen.

    Tschechiens Aufbauplan fußt auf sechs Säulen: digitale Transformation; Infrastruktur und grüner Wandel; Bildung und Arbeitsmarkt; öffentliche Verwaltung; Forschung, Entwicklung und Innovation; Gesundheit und Resilienz der Bevölkerung. Diese Schwerpunkte sind in 26 Komponenten unterteilt. Zu den europäischen Geldern kommen nationale Mittel in Höhe von umgerechnet 450 Millionen Euro.

    Digitalisierung als Muss

    Rund 1,1 Milliarden Euro sollen den digitalen Wandel vorantreiben. Von Investitionen in die Digitalisierung der Verwaltung (auch Justiz und Gesundheitswesen), in Cybersicherheit, das Hochgeschwindigkeitsinternet und die 5G-Infrastruktur profitiert auch das unternehmerische Umfeld. Gezielt an Firmen richten sich die Komponenten 4 und 5. Sie fördern Demonstrationsprojekte in der Industrie (etwa 5G), innovative Firmen nach Covid-19, Fonds für Start-ups in der Vorgründungsphase und für strategische Technologien, die Internationalisierung von Start-ups oder den Aufbau einer Quantenkommunikations-Infrastruktur. Fast 200 Millionen Euro fließen in die digitale Transformation von Unternehmen. 

    Komponenten des Schwerpunkts Digitale Transformation

    Nummer

    Bezeichnung der Komponenten

    Vorgesehene Gelder (Mio. Euro)

    Digitale Transformation, davon

    1.093

    1

    Digitale Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen

    112

    2

    Digitale Systeme der staatlichen Verwaltung

    277

    3

    Digitale Hochgeschwindigkeitsnetzwerke

    227

    4

    Digitale Wirtschaft/Gesellschaft, innovative Start-ups, neue Technologien

    224

    5

    Digitale Unternehmenstransformation

    196

    6

    Beschleunigung und Digitalisierung von Bauverfahren

    57

    Quelle: Analysis of the recovery and resilience plan of Czechia, Europäische Kommission 2021; Aufbau- und Resilienzplan, Ministerium für Industrie und Handel 2021

    Unterstützung der Klimaschutzziele

    Am besten ausgestattet ist mit 3,2 Milliarden Euro der Schwerpunkt zum grünen Wandel. Über 940 Millionen Euro sind für den nachhaltigen und sichereren Verkehr vorgesehen. Dabei geht es vorrangig um die Digitalisierung des Eisenbahnverkehrs, die Elektrifizierung von Schienentrassen und die Erhöhung der Sicherheit durch Eisenbahnübergänge, Brücken, Tunnel und Radwege. Diese Projekte, von denen einige 2020 begonnen wurden, fallen meist in die Zuständigkeit der Eisenbahnverwaltung.

    Den Übergang zu neuen Energiequellen unterstützen Investitionshilfen für circa 270 Megawatt an neuen Fotovoltaikanlagen durch private Subjekte. Firmen können sich mit Modernisierungsprojekten zu Fernwärmenetzen bewerben. Die Senkung des Energieverbrauchs betrifft auf der einen Seite öffentliche Stellen (Gebäuderenovierung, öffentliche Beleuchtung). Wegen der hohen Emissionen aus Kohleheizungen werden aber auch Hausbesitzer gefördert, die auf erneuerbare Energie setzen (Fotovoltaik, Solarthermie, Ersatz durch Biomassekessel oder Wärmepumpen). Umsetzungsinstrument ist das Energieeffizienzprogramm Zelená úsporám 2021+, welches im Herbst startet. Der noch kaum bekannte Bereich der Bürgerenergie könnte durch Förderung kleiner Stromspeicher im Wohnungssektor angestoßen werden.

    Tschechien braucht mehr Recyclingkapazitäten. Unterstützt werden aus den Aufbaumitteln etwa Kompostieranlagen, die energetische Nutzung nicht recyclebarer infektiöser Abfälle aus dem Gesundheitswesen und die Verarbeitung von organischen Abfällen zu Biogas. Auch Unternehmen, die durch innovative Technologien Sekundärrohstoffe besser nutzen oder ihren Wasserverbrauch optimieren möchten, können auf Subventionen hoffen. Gleiches gilt für Firmen, die auf saubere Mobilität umstellen und Ladeinfrastrukturen (Strom, Wasserstoff) oder Fahrzeugkäufe planen.  

    Komponenten der Schwerpunkte Physische Infrastruktur und Grüner Übergang

    Nummer

    Bezeichnung der Komponenten

    Vorgesehene Summe (Mio. Euro)

    Physische Infrastruktur und Grüner Übergang, davon

    3.285

    7

    Nachhaltiger und sicherer Verkehr

    943

    8

    Senkung des Energieverbrauchs

    325

    9

    Übergang zu sauberen Energiequellen

    262

    10

    Entwicklung einer sauberen Mobilität

    192

    11

    Gebäuderenovierung und Luftreinhaltung

    632

    12

    Naturschutz und Anpassung an Klimawandel

    542

    13

    Kreislaufwirtschaft, Recycling, Industriewasser

    141

    14

    Revitalisierung der Altlastengebiete

    131

    15

    Förderung der Biodiversität und Dürrebekämpfung

    117

    Quelle: Analysis of the recovery and resilience plan of Czechia, Europäische Kommission 2021; Aufbau- und Resilienzplan, Ministerium für Industrie und Handel 2021

    Ausbildung, Innovationen, Gesundheit

    Bei Ausbildungsinvestitionen zielt der Aufbauplan vorrangig auf digitale Kompetenzen ab. Unterstützt werden in dieser Hinsicht auch Weiterbildung und Umschulung in kleinen und mittleren Unternehmen. Bei Forschung und Innovationen liegt die Priorität auf den pharmazeutischen Wissenschaften und auf Unternehmensprojekten, die intelligente Spezialisierung anstreben, auf Forschungszusammenarbeit oder auf der Anwendung von Innovationen. Den Schwerpunkt Gesundheit dominieren Krebsvorsorge und -behandlung, zum Beispiel durch den Bau eines Tschechischen Onkologischen Instituts, die Verbesserung von Screeningprogrammen oder ein Zentrum für Prävention und innovative Pflege am Masaryk Onkologie-Institut in Brno.     

    Komponenten der Schwerpunkte Bildung, Institutionen, Innovationen, Gesundheit

    Nummer

    Bezeichnung der Komponenten

    Vorgesehene Summe (Mio. Euro)

    Bildung und Arbeitsmarkt, davon

                                       1.594

    16

    Innovation in der Bildung im Kontext der Digitalisierung

    191

    17

    Anpassung der Kapazität und Fachrichtung der Schulprogramme

    517

    18

    Modernisierung der Arbeitsvermittlung und Entwicklung des Arbeitsmarktes

    886

    Institutionen, Regulierung und Unternehmenshilfen als Reaktion auf Covid-19, davon

    254

    19

    Neue Quasi-Kapital-Maßnahmen zur Unternehmensförderung und Umwandlung der Tschechisch-Mährischen Garantie- und Entwicklungsbank zur nationalen Entwicklungsbank 

    39

    20

    Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung

    -

    21

    Erhöhung der Effizienz der öffentlichen Verwaltung

    1

    22

    Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft

    214

    Forschung, Entwicklung, Innovationen, davon

    322

    23

    Exzellente F&E in vorrangigen Bereichen im Gesundheitswesen

    196

    24

    Förderung von F&E in Unternehmen und Einführung von Innovationen in die Unternehmenspraxis

    126

    Gesundheit und Resilienz der Bevölkerung, davon

    488

    25

    Erhöhung der Resistenz des Gesundheitssystems

    153

    26

    Nationalplan zur Verstärkung der onkologischen Prävention und Pflege

    335

    Quelle: Analysis of the recovery and resilience plan of Czechia, Europäische Kommission 2021; Aufbau- und Resilienzplan, Ministerium für Industrie und Handel 2021

    Der Aufbauplan wurde unter der Federführung des Ministeriums für Industrie und Handel erarbeitet, das auch koordinierende, lenkende Instanz ist und die Einhaltung der Ziele überwacht. Zuständig für einzelne Komponenten sind je nach Fach die Ministerien. Diese bestimmen ihre Umsetzungsstellen, etwa nachgeordnete Behörden oder staatliche Agenturen. Geht es um Unternehmen, ist meist das Industrieministerium zuständig. Um Mittel können sich mit geeigneten Projekten auch tschechische Niederlassungen deutscher Unternehmen bewerben. Im Unterschied zu den Fördermitteln aus den EU-Struktur- oder Investitionsfonds ist beim NPO ganz Tschechien förderfähig.

    Von Miriam Neubert | Prag

  • Förderung im Rahmen der Kohäsionspolitik

    Der tschechische Entwurf des Partnerschaftsabkommens zum Einsatz von über 21 Milliarden Euro an Kohäsionsfondsmitteln bis 2027 sieht acht Programme vor.

    Das Partnerschaftsabkommen ist für die Schöpfung von Mitteln der Europäischen Union (EU) innerhalb des neuen Mehrjährigen Finanzrahmens entscheidend. Die Abstimmungen über dieses Schlüsseldokument gestalteten sich nicht immer einfach. "Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, die Programme so aufzustellen, dass die Unterstützung auf die prioritären Bereiche nicht nur aus Sicht der Europäischen Union, sondern auch der Tschechischen Republik abhebt", betonte Daniela Grabmüllerová, stellvertretende Leiterin der Abteilung Europäische Fonds und internationale Beziehungen im Ministerium für regionale Entwicklung. Obwohl es in einzelnen Fragen zu den grünen Zielen schwieriger gewesen sei sich zu einigen, würden die letzten strittigen Punkte so bald wie möglich gelöst, um 2022 die ersten Förderrunden ausrufen zu können, teilte sie im Oktober mit. 

    Wettbewerbsfähigeres und sozialeres Tschechien

    Nationales Koordinierungsorgan in dieser vierten Förderperiode 2021 bis 2027 ist das Ministerium für regionale Entwicklung. Die fünf Kohäsionsziele sind durch die Investitionspolitik der EU vorgegeben und lauten analog: Intelligenteres Tschechien (3,4 Milliarden Euro); Grüneres und kohlenstofffreies Tschechien (6,3 Milliarden Euro); Verbundeneres Tschechien (4,3 Milliarden Euro); Sozialeres Tschechien (4,5 Milliarden Euro); Bürgernahes Tschechien (0,3 Milliarden Euro). 

    Umgesetzt werden diese Ziele über acht operationelle Programme (OP). Hinzu kommen das Programm technische Hilfe sowie fünf Programme der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (Interreg VI-A). Diese betreffen Polen, den Freistaat Sachsen, den Freistaat Bayern, Österreich und die Slowakei.

    Operationelle Programme und Mittelausstattung 1)

    Operationelles Programm (OP)

    Mittel in Mrd. Euro

    Zuständige Instanz

    Verkehr

    4,9

    Verkehrsministerium

    Integriertes regionales OP

    4,8

    Ministerium für Regionalentwicklung

    Technologie und Anwendung für Wettbewerbsfähigkeit

    3,1

    Ministerium für Industrie und Handel

    Jan Amos Komenský (Bildung, Forschung und Entwicklung)

    2,5

    Ministerium für Bildung, Jugend, Sport

    Umwelt

    2,4

    Umweltministerium

    Gerechte Transformation (Hilfen für vom Strukturwandel betroffene Kohleregionen)

    1,6

    Beschäftigung+

    1,5

    Arbeitsministerium

    Technische Hilfe

    0,24

    Ministerium für regionale Entwicklung

    Fischerei

    0,03

    Landwirtschaftsministerium

    1) letztverfügbarer Entwurf, Stand Juli 2021 Quelle: Staatliche Seite zu den EU-Fördermitteln https://www.dotaceeu.cz/

    Das OP TAK als zentrales Programm für Unternehmen

    Wie bereits in früheren Förderperioden ist das vom Ministerium für Industrie und Handel verantwortete OP Technologie und Anwendung für Wettbewerbsfähigkeit (OP TAK) der zentrale Fördertopf für Unternehmensprojekte. Es knüpft an das auslaufende OP Unternehmen und Innovation für Wettbewerbsfähigkeit (OP PIK) an. Anfang Oktober 2021 hat es die Regierung verabschiedet.

    Insgesamt soll das OP TAK die Wettbewerbsfähigkeit vor allem der kleineren und mittelständischen Unternehmen (KMU) unterstützen, neue innovative Firmen hervorbringen und ihre digitale Transformation vorantreiben. Gefördert werden zum Beispiel die Entwicklung innovativer Produkte, die Einführung progressiver Ausrüstungen und Technologien, die Anschaffung von Produktionsmaschinen, die zu Digitalisierung und Automatisierung überleiten, die Inanspruchnahme von Beratungsdienstleistungen in allen Wachstumsphasen eines Start-ups oder der Aufbau von Datenzentren.

    Eine weitere Priorität ist der Übergang zu einer kohlenstoffarmen und ressourceneffizienten Wirtschaft. In diesem Rahmen wird eine breite Palette von Maßnahmen gefördert, die die Energieeffizienz der Firmengebäude verbessert. Als eigene Priorität laufen Projekte zu erneuerbaren Energien. Dabei wird praktisch die gesamte Palette gefördert (etwa Solarthermie, Fotovoltaik, kleine Wasserkraftwerke, Wind, Wärmepumpen), aber auch der Übergang von der Biosgasverstromung zur Biogasmethanisierung, der Bau neuer Anlagen für fortgeschrittene Biobrennstoffe zum Einsatz im Verkehr, die Energiespeicherung oder die Energietransformation zwischen Energieträgern. 

    Von Miriam Neubert | Prag

  • Modernisierungsfonds schiebt Tschechiens Dekarbonisierung an

    Mit mindestens 6 Milliarden Euro aus diesem europäischen Förderinstrument rechnet das Land bis 2030. Erste Programme sind angelaufen. Fotovoltaik ist ein Schwerpunkt. 

    Noch bevor Mittel im Rahmen des Aufbauplans zur Verfügung standen, konnte die Tschechische Republik 2021 mit der Ausschreibung erster Mittel aus dem Modernisierungsfonds beginnen. Dieses Förderinstrument der Europäischen Union (EU) ist komplementär zu denen des Mehrjährigen Finanzrahmens angelegt. Es basiert auf CO2-Emissionszertifikaten und unterstützt in zehn EU-Mitgliedsländern Mittel- und Osteuropas bis 2030 den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft.

    Der Modernisierungsfonds profitiert von den steigenden Preisen auf CO2-Zertifikate und der erwarteten positiven Entwicklung des europäischen Emissionshandels (EU-ETS) in der vierten Handelsperiode 2021 bis 2030. In dem Zeitraum werden für ihn 2 Prozent der Zertifikatsmenge zur Verfügung gestellt. Mindestens 70 Prozent der Mittel müssen Projekten in fünf prioritären Bereichen zufließen: erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Energiespeicher, Energienetze, gerechter Übergang der Kohleregionen. Bis zu 30 Prozent können nicht-prioritäre Projekte unterstützen. Diese müssen zu einer modernen Energiewirtschaft, mehr Energieeffizienz und weniger Treibhausgasemissionen beitragen.  

    Tschechien bezieht mit 15,6 Prozent den zweitgrößten Anteil an Emissionszertifikaten. Das entspricht einem geschätzten Mittelvolumen von mindestens 6 Milliarden Euro. Diese werden im nationalen Modernisierungsfonds Tschechiens auf neun Programme verteilt. Das Land hat zudem die Chance zur Aufstockung genutzt und massiv zusätzliche Zertifikate in seinen Modernisierungsfonds transferiert, um damit weitere Investitionen zu unterstützen.

    Förderprogramme des tschechischen Modernisierungsfonds (Anteile in Prozent)

    Modernisierungsfonds, davon

    100

      Modernisierung der Wärmeversorgungssysteme (HEAT)

    26

      Neue erneuerbare Energiequellen in der Energetik (RES+)

    38,7

      Verbesserung der Energieeffizienz und Senkung der Treibhausgase in der am EU-ETS teilnehmenden Industrie (ENERG ETS)

    13,3

      Verbesserung der Energieeffizienz in Unternehmen (ENERG)

    6

      Modernisierung des Verkehrs im Unternehmenssektor (TRANSCom)

    3,5

      Modernisierung des öffentlichen Verkehrs (TRANSGov)

    5

      Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden und Infrastruktur (ENERGov)

    4

      Kommunale Energiewirtschaft (KOMMUNERG)

    1,5

      Modernisierung der öffentlichen Beleuchtung (LIGHTPUB)

    2

    Quelle: Tschechisches Umweltministerium 2021

    Erste Förderrunden ausgerufen

    Der Modernisierungsfonds fällt in Tschechien in die Verantwortung des Umweltministeriums. Vermittelnde Instanz ist der Staatliche Umweltfonds (SFŽP). Nach Abschluss einer Voranmeldungsphase für die Programme HEAT, RES+ und ENERG ETS sind für diese erste Förderrunden eröffnet worden. Bis Ende 2021 will das Umweltministerium weitere Programme vorstellen und bei einigen die Voranmeldungsphase starten. Alle Aufrufe finden sich im Detail beim Staatlichen Umweltfonds.

    Für deutsche Technologienanbieter ergeben sich hier Geschäftschancen in einem weiten Spektrum, das von Blockheizkraftwerken und in komplexere Projekte eingebundenen Energiespeichern über Mess- und Regeltechnik bis zu Elektrolyseuren für grünen Wasserstoff reicht. Tschechische Unternehmen deutscher Investoren wiederum können prüfen, ob sich diese Förderquelle für ihre Energie-, Effizienz- oder Emissionssenkungsprojekte eignet.    

    Übergang des Heizkraftsektors auf saubere Quellen

    Die Hälfte der Wärmeproduktion beruht in Tschechien noch auf Kohle, wobei sich die Umstellung auf saubere Quellen mithilfe des Modernisierungsfonds beschleunigen soll. Im Rahmen der ersten Aufrufe aus dem Programm HEAT können Unternehmen Projektanträge bis Mitte Januar 2022 abgeben.

    Es geht dabei um Umbau oder Ersatz der Wärmequelle von Heizkraftsystemen mit Umstellung der Brennstoffbasis oder des Energietyps auf eine breite Palette von Alternativen: 1. erneuerbare Energiequellen in Kombination mit hocheffizienter Kraftwärmekopplung (KWK); 2. energetische Nutzung von Abfall (Siedlungs- oder Industrieabfall, feste alternative Brennstoffe aus Siedlungs- und anderen Abfällen, Klärschlamm); 3. elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen; 4. Abwärmeenergie in Verbindung mit hocheffizienter KWK.

    Ein Aufruf ist mit umgerechnet 200 Millionen Euro dotiert und betrifft große Projekte, bei denen die Subvention über 15 Millionen Euro ausmacht. Der andere mit gut 55 Millionen Euro erfasst kleinere Projekte mit einer Förderung unter 15 Millionen Euro.

    Zentrales Programm für erneuerbare Energien

    Im August hat die Europäische Investitionsbank (EIB) Tschechien die ersten 202 Millionen Euro aus dem Modernisierungsfonds ausbezahlt. Diese fließen in das Programm RES+, das die wichtigste Förderquelle für erneuerbare Energien sein wird. Nachdem in diesem Sektor wegen averser Bedingungen jahrelang kaum etwas passiert ist, stieß die Voranmeldungsrunde auf großes Echo. Mehr als 8.200 Projektvorschläge gingen ein, davon mehr als 90 Prozent zu Fotovoltaik. Die Hälfte sieht auch eine Speicherung der produzierten Energie vor.

    Bis in den Herbst 2021 können sich die Firmen mit Plänen zu Solaranlagen um die ersten Fördermittel bewerben. Es geht zum einen um Projekte mit einer installierten Leistung von weniger als 1 Megawatt (gerechnet wird in dieser Runde mit etwa 230 Projekten), zum anderen um Projekte mit mehr als 1 Megawatt (45 Projekte).

    Modernisierung energieintensiver Produktionsbetriebe

    Dem Europäischen Emissionshandel sind in Tschechien laut der Aufstellung des Umweltministeriums 239 Unternehmen unterworfen, darunter viele des verarbeitenden Gewerbes. Im Juli starteten für diese die ersten Aufrufe aus dem Programm ENERG ETS zur Modernisierung von Energieanlagen und Technologien. Bis Ende Januar 2022 können sich Unternehmen mit Projekten um ein Fördervolumen von insgesamt 300 Millionen Euro bewerben. Am besten ausgestattet ist mit zwei Dritteln des Volumens der Aufruf für große Vorhaben (Förderung über 15 Millionen Euro). Zwei weitere richten sich an kleinere Projekte.

    Bei prioritären Projekten wie Umbau oder Ersatz von Energiequellen entsprechen die geförderten Maßnahmen den oben genannten des Heizkraftsektors. Unterstützt werden darüber hinaus unter anderem Energie- und Emissionseinsparungen im Produktionsprozess (Modernisierung der Anlagen oder neue Konfiguration). Dazu zählen Investitionen in Wasserstoffapplikationen (Elektrolyseure und andere Technologien zur Herstellung von grünem Wasserstoff, Technologien zu Verarbeitung, Transport und Nutzung von Wasserstoff in Energie, Verkehr, Industrieproduktion), aber auch in die Energiesteuerung und die Energieeffizienz der Werksgebäude. Bei nicht-prioritären Projekten ist Förderung auch bei einem Übergang zu erneuerbaren Quellen ohne KWK möglich, ebenso ein Übergang auf Erdgas oder Energie aus Abwärme.

    Von Miriam Neubert | Prag

  • Kontaktadressen

    Institution

    Anmerkungen

    Vertretung der Europäischen Kommission in der Tschechischen Republik

    Informationsstelle der Europäischen Kommission

    Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer

    AHK Tschechien, Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Webportal zu EU-Fördermitteln

    Übersicht über alle Programme und offenen Runden, auch Förderperiode 2021-2027

    Webportal für den Aufbau- und Resilienzplan

    Informationen zum aktuellen Stand, übersichtliche Darstellung der Verzahnung von Investitionen und Reformen, kompletter Plan mit Umsetzungssystematik

    Ministerium für Industrie und Handel

    Federführend bei der Erstellung des Aufbau- und Resilienzplans; durchführende Behörde bei Digitalisierung, Energieeffizienz, erneuerbaren Energiequellen, Kreislaufwirtschaft und Innovationen

    Ministerium für regionale Entwicklung

    Zentrales Koordinierungsorgan der EU-Förderprogramme, durchführende Behörde bei Digitalisierung des Bauprozesses, Altlastenrevitalisierung und öffentlichen Investitionen

    Innenministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Digitalisierung und effektive Verwaltung

    Verkehrsministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Nachhaltigkeit und Sicherheit im Verkehr

    Umweltministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen saubere Mobilität, Gebäuderenovierung, Luftschutz, Biodiversität, Dürre, Kreislaufwirtschaft und Industrieabwasser

    Landwirtschaftsministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Naturschutz und Klimawandel

    Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

    Durchführende Behörde zu den Themen Kapazitäts- und Fachänderungen, Innovationen der Ausbildung im Zusammenhang mit Digitalisierung, Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen

    Ministerium für Arbeit und Soziales

    Durchführende Behörde zu den Themen Entwicklung und Modernisierung des Arbeitsmarktes

    Justizministerium

    Durchführende Behörde zu dem Thema Korruption 

    Kulturministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft

    Gesundheitsministerium

    Durchführende Behörde zu den Themen Resistenz des Gesundheitssystems und Nationalplan für onkologische Prävention und Pflege

    Liste regionaler Informations- und Beratungszentren

    Beratung bei der Beantragung von EU-Fördermitteln


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