Arbeitsmarkt | Irland

Unternehmen in Irland suchen weltweit nach Personal

Die gute Wirtschaftslage lockt regelmäßig deutsche Unternehmen nach Irland. Die größte Hürde bei der Ansiedlung ist die Personalsuche.

Marc Lehnfeld

Von Marc Lehnfeld | London

Wir haben die Reihe "Lohn- und Lohnnebenkosten" in "Arbeitsmarkt" umbenannt.

Unternehmen, die auf dem irischen Markt mit lokalem Personal Fuß fassen wollen, müssen früh mit ihren Rekrutierungsbemühungen beginnen. Denn Irlands Arbeitsmarkt ist angespannt, die Personalsuche läuft international. Auch die Fluktuation ist hoch.

Stärken des irischen Arbeitsmarkts

  • Internationaler Fachkräftepool
  • Hohes Ausbildungsniveau
  • EU-Mitgliedschaft vereinfacht Entsendung

Schwächen des irischen Arbeitsmarkts

  • Fachkräftemangel erfordert internationales Recruiting
  • Hohe Fluktuation birgt Abwanderungsrisiko
  • Umfangreiche Vergütungspakete notwendig

  • Nicht nur Irlands Wirtschaft, sondern auch der Arbeitsmarkt floriert. Wer Fachkräfte für den irischen Betrieb braucht, muss deshalb auch im Ausland suchen.

    Die irische Wirtschaft und der Arbeitsmarkt zeigen eine starke Entwicklung. Die Arbeitslosenquote ist im Verlauf des Jahres 2024 weiter gefallen und erreichte im November 2024 mit 4,1 Prozent ein niedriges Niveau. Auch für das Jahr 2025 prognostizieren die Ökonomen des Economic and Social Research Institute (ESRI) eine niedrige Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent. Diese stabile Lage ist vor allem auf die gute Wirtschaftslage und das nahezu ausgeschöpfte nationale Beschäftigungspotenzial zurückzuführen. 

    Im 3. Quartal 2024 erreichte die Zahl der Beschäftigten in Irland mit 2,8 Millionen Personen einen neuen Höchststand. Die Beschäftigtenquote ist mit 79,8 Prozent deutlich über dem EU-27-Durchschnitt von 75,8 Prozent. Angesichts des angespannten Arbeitsmarktes bleibt es jedoch weiterhin eine Herausforderung, qualifizierte Fachkräfte zu finden.

    Irland im weltweiten Vergleich

    Die folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

     

    Arbeitsnachfrage wird durch Einwanderung bedient

    Wer Personal in Irland sucht, muss entweder selbst entsenden oder auf dem europäischen Arbeitsmarkt rekrutieren. Der Fachkräftebedarf des Landes wird weitgehend durch Migration gedeckt. Deshalb führte die Nettozuwanderung zu einem Bevölkerungszuwachs von knapp 100.000 Menschen in den zwölf Monaten bis Ende April 2024. Das ist laut dem irischen Statistikamt CSO der größte Anstieg seit 2008. Migration war für 80 Prozent dieses Anstiegs verantwortlich, obwohl die Insel auch ein natürliches Bevölkerungswachstum aufweist. Ohne die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland stünde Irland vor erheblichen Herausforderungen, um den Arbeitsmarktbedarf zu decken.

    Eine Änderung ist nicht in Sicht, da die irische Konjunktur stark bleibt. Die modifizierte Binnennachfrage, eine aussagekräftigere Kennzahl als das stark verzerrte Bruttoinlandsprodukt, soll laut den Wirtschaftsforschern des ESRI im Jahr 2024 um 3,2 Prozent steigen. Für 2025 wird ein noch kräftigeres Wachstum von 4,1 Prozent prognostiziert.

    Für die hohe Arbeitsnachfrage in Irland sorgen dabei vor allem ausländische Investoren, die 2021 rund 28 Prozent aller irischen Arbeitnehmer beschäftigten und deren Rolle durch weitere Investitionsprojekte wächst. So stellt zum Beispiel das IT-Beratungsunternehmen IBM Ireland landesweit 800 zusätzliche Arbeitskräfte ein. Auch das Biopharma-Unternehmen Bristol Myers Squibb beschäftigt entlang eines 400 Millionen US-Dollar teuren Projekts weitere 350 Personen. 

    Diese Dynamik wird durch Irlands attraktive steuerliche Rahmenbedingungen begünstigt, die das Land zu einem führenden Hightech-Produktionsstandort für westliche Absatzmärkte gemacht haben.

    Breiter Fachkräftemangel über viele Branchen hinweg

    Der Fachkräftemangel in Irland zeigt sich in zahlreichen Branchen und wird jährlich im National Skills Bulletin der Skills and Labour Market Research Unit (SLMRU) der staatlichen Agentur SOLAS dokumentiert. Laut dem Bericht vom November 2024 arbeiten rund 45 Prozent der Beschäftigten in hochqualifizierten Berufen. Besonders groß ist der Fachkräftemangel bei Softwareentwicklern und IT-Ingenieuren: In dieser Beschäftigtengruppe wurden aktuell rund 40 Prozent aus dem Ausland rekrutiert.

    Auch in wissenschaftlichen und technischen Berufen fehlen spezialisierte Fachkräfte, darunter Ingenieure in den Bereichen Automatisierung, Elektrik, Mechanik, Qualitätskontrolle sowie Prozess- und Designingenieure. Ebenso gibt es Engpässe bei Medizinforschern.

    Im Finanzsektor wächst die Nachfrage nach Experten für Digitalisierung, insbesondere mit Know-how in Künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien. Der Gesundheitssektor kämpft ebenfalls mit erheblichen Lücken: Es fehlt sowohl an Ärzten als auch an medizinischem Fachpersonal.

    Die Arbeitsmarktlage wird sich weiter verschärfen. Laut dem Personaldienstleister HAYS Ireland planen 86 Prozent der befragten Unternehmen, im Jahr 2025 Personal einzustellen. Auch die Fluktuation bleibt hoch. Etwa 61 Prozent der befragten Beschäftigten planen einen Jobwechsel im nächsten Jahr. Einerseits werden die Arbeitgeber dafür auch höhere Gehälter zahlen, aber auch der Anspruch der Arbeitnehmer ist größer geworden. So gehört die Arbeit im Homeoffice mittlerweile fast zum Standard und wird in 62 Prozent der Betriebe angeboten. Rund drei Viertel geben an, dass dieses Angebot auch 2025 beibehalten wird. 

    Marc Lehnfeld

    Von Marc Lehnfeld | London

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  • Wer in Irland beschäftigen will, bringt Personal am besten selbst mit oder rekrutiert global. Für Arbeitnehmer ist die Wohnungssuche ein größeres Problem als das Gehalt. 

    Irlands Wirtschaft wächst zwar kräftig, Unternehmen bereitet der Fachkräftemangel jedoch extreme Hürden bei der Personalsuche. Darunter leiden nicht nur ausländische Firmen, die erstmals mit einer Niederlassung in den irischen Markt expandieren. 

    Für die irische Wirtschaft wird global gesucht

    Laut einer Umfrage der Handelskammer Dublin aus dem 3. Quartal 2024 ist der Personalmangel das drittgrößte Problem für irische Unternehmen. Die Suche nach geeigneten Fachkräften dauert oft bis zu sechs Monate, da der Prozess zeitaufwändig und komplex ist. Unter Personalern gilt das frustrierte Mantra "Wir finden keine Iren", also wird immer öfter europaweit nach Personal gesucht, branchenabhängig auch weltweit. 

    "Irland verfügt über einen sehr diversen und auch international geprägten Arbeitsmarkt", sagt Liam Ferguson, Managing Director bei B.Braun Medical in Irland. Der deutsche Pharma- und Medizinproduktehersteller B.Braun beschäftigt an seinen irischen Standorten bereits 160 Beschäftigte aus 16 verschiedenen Ländern. Das Unternehmen kann auch innerhalb des Konzerns Personal nach Irland anwerben, ist aber ebenfalls auf den externen Arbeitsmarkt angewiesen. Nach dem Brexit konnte das Unternehmen leichter medizinisches Personal aus Südafrika anwerben, weil die britische Insel zeitweise an Attraktivität im Arbeitsmarkt verlor. Im internationalen Vergleich überzeugt Irland laut Ferguson sowohl durch die EU-Mitgliedschaft mit günstigen Migrationsbedingungen innerhalb der Union als auch durch die global verbreitete Landessprache Englisch als geringe Eintrittshürde. 

    Mitarbeiterbindung soll die Fluktuation begrenzen

    Die Fluktuation im irischen Arbeitsmarkt ist hoch. Rund zwei Jahre bleiben die Beschäftigten in der Regel auf ihrem Posten und zeigen sich dann offen für neue Aufgaben. Um Beschäftigte zu halten, setzt B.Braun auf eine hohe Loyalität der Beschäftigten: Die praktizierte Kultur der Anerkennung und des Engagements führt zu einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit. Das deutsche Unternehmen erreicht so eine niedrige Fluktuationsrate von 2 Prozent. Außerdem führt B.Braun regelmäßig Benchmarking-Studien durch, um wettbewerbsfähige Vergütungspakete sicherzustellen, denn die Arbeitgeber konkurrieren bei der Personalsuche oft mit anderen ausländischen Großkonzernen. Wer die falsche Person einstellt oder nicht das richtige Paket anbietet, verliert die mühsam gewonnene Fachkraft schnell an die Konkurrenz. 

    "Zum Standard gehören mittlerweile auch Zahnbehandlungen und Krankenzusatzversicherungen, weil das staatliche Gesundheitssystem überlastet ist", betont Jutta Jennings, Head of Human Resources bei der Deutsch-Irischen Industrie- und Handelskammer in Dublin. Sie unterstützt deutsche Unternehmen bei der Personalsuche. Die Zusatzversicherungen kosten im Schnitt rund 1.800 bis 2.000 Euro jährlich. Für den Arbeitgeber sind wegen der Besteuerung die Kosten doppelt so hoch. "Wettbewerbsvorteile können Unternehmen über die flexible Arbeitszeit und Homeoffice-Regelungen herausstellen, denn größere Firmen setzen wieder auf eine höhere Büropräsenz", erklärt Jennings. "Das ist bei den Beschäftigten vor allem in Dublin nicht sehr beliebt, weil sie wegen der hohen Wohnungskosten teilweise weiter außerhalb des Zentrums wohnen." 

    Mittlerweile haben irische Arbeitgeber sogar die Pflicht, auf Antrag ihrer Beschäftigten individuelle Homeoffice-Regelungen zu verhandeln. Zwar ist damit kein zeitlicher Mindestanspruch auf die Arbeit von zu Hause verbunden, Arbeitgeber müssen sich aber der Diskussion stellen. In der Umfrage der Dublin Chamber sehen immerhin 47 Prozent der befragten Firmen keinen Produktivitätsunterschied. Allerdings schätzen 38 Prozent die Büroarbeit produktiver ein.

    Wohnungskrise macht manche Arbeitgeber zu Vermietern

    Die größte Belastung für Arbeitnehmer liegt in der Wohnungskrise des Landes. Die durchschnittliche Monatsmiete in Dublin beträgt im 3. Quartal 2024 etwa 2.476 Euro, im Landesdurchschnitt noch 1.955 Euro, während der durchschnittliche Bruttomonatslohn im gleichen Zeitraum bei nur 4.140 Euro liegt. 

    Während das Wohnen in Wohngemeinschaften für viele Beschäftigte zur Regel gehört, beginnen Unternehmen, ihren Beschäftigten ein eigenes Wohnangebot anzubieten. Dazu gehören der Lebensmitteleinzelhändler Musgrave, Pflegedienstleister Windmill Healthcare oder der Hotelbetrieb von Killarney Hotels Collection. 

    Nicht immer sind die Projekte erfolgreich. Als Ryanair zu Jahresbeginn 2024 bestätigte, für seine Beschäftigten 25 von 28 neu gebauten Häusern in Fosterstown nahe dem Dubliner Flughafen gekauft zu haben, sorgte das für Unzufriedenheit in der lokalen Bevölkerung. Zum Jahresende sind die Wohnungen noch immer nicht bezogen, weil sich die Rekrutierungspläne des Unternehmens von Irland in das europäische Ausland verschoben haben. Dass Arbeitgeber in großem Stil zu Vermietern werden, ist hingegen noch kein Trend.

    Marc Lehnfeld

    Von Marc Lehnfeld | London

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  • Die Arbeitskosten in Irland sind etwas niedriger als in Deutschland. Internationale Großkonzerne treiben die Gehälter.

    Löhne und Gehälter 

    Die Arbeitskosten in Irland gehören im europäischen Vergleich zu den höchsten und liegen im oberen Drittel. Mit durchschnittlichen Arbeitskosten von 40,20 Euro pro Stunde rangierte das Land im Jahr 2023 auf Platz 8 der teuersten EU-Standorte. Dieser Wert liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 31,80 Euro und knapp unter dem deutschen Niveau von 41,30 Euro.

    Das gilt sowohl für die Industrie als auch den Dienstleistungssektor. Besonders hoch sind die Kosten im IKT-Sektor: Hier verzeichnete Irland für das Jahr 2022 mit 58,80 Euro pro Stunde die zweithöchsten Arbeitskosten in der EU, nur übertroffen von Schweden.

    Ein wesentlicher Treiber der Arbeitskosten in der gewerblichen Wirtschaft sind die Lohnnebenkosten. Ihr Anteil an den Gesamtkosten stieg von 10,7 Prozent im Jahr 2020 auf 18,8 Prozent im Jahr 2023 und hat damit erheblich zugenommen.

    Fachkräftemangel sorgt für hohe Lohndynamik

    Die Lohndynamik bleibt auch im Jahr 2024 hoch. Im 3. Quartal 2024 lagen die Gehälter nominal 5,4 Prozent über dem Vorjahresquartal. Besonders stark war der Anstieg im sonstigen Dienstleistungssektor mit 13,8 Prozent, aber auch im Sektor Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) mit 8,9 Prozent. Die Inflation fällt als Lohntreiber aus. Die harmonisierten Verbraucherpreise lagen im November 2024 nur noch 0,5 Prozent über dem Vorjahresmonat. 

    Grund für das hohe Lohnwachstum ist der anhaltende Fachkräftemangel gepaart mit der guten Konjunktur. Weil sich dieser Trend auch im nächsten Jahr fortsetzt, wollen laut dem Pay Trends Report des führenden irischen Wirtschaftsverbands Ibec 84 Prozent der Arbeitgeber die Gehälter erhöhen. Dabei flacht die Dynamik allerdings etwas ab: Die Befragten gaben an, im Jahr 2024 die Gehälter im Schnitt um 4,1 Prozent erhöht zu haben und für 2025 mit einem Plus von 3,4 Prozent zu planen.

    Internationale Konzerne verzerren das Bild

    Innerhalb der irischen Wirtschaft gibt es große Lohnunterschiede. Vor allem internationale Großkonzerne verzerren das Bild, weil sie etwa 40 bis 60 Prozent höhere Gehälter als sonst üblich zahlen. Damit werben sie auch Beschäftigte von anderen Unternehmen ab. Der heiß umkämpfte Arbeitsmarkt wird von großen multinationalen US-Konzernen wie Google, Facebook und LinkedIn getrieben, die auf Basis einer niedrigen Unternehmensbesteuerung von Irland aus ihr weltweites Geschäft bedienen. Diese Firmen dürften für deutschsprachige Talente besonders interessant sein, die wegen ihrer Sprachkenntnisse in Dublin oder Cork händeringend gesucht werden.

    Durchschnittliche Bruttomonatslöhne für ausgewählte Branchen In Euro
    Branche 1)

    3. Quartal 2024 2, 3) 

    Durchschnittslohn

    4.140

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    k. A.

    Verarbeitendes Gewerbe

    4.654

    Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung

    k. A.

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    k. A.

    Baugewerbe

    4.276

    Groß und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    3.041

    Transport und Lagerhaltung

    3.948

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    1.923

    Informations- und Kommunikationsleistungen

    7.178

    Finanz- und Versicherungswesen. Immobilien

    5.581

    1 vorläufig; 2 Branchen gemäß NACE 2; 3 die auf Woche lautenden Originaldaten wurden zur Ermittlung des Monatsentgeltes mit 52 multipliziert, durch zwölf dividiert und gerundet.Quelle: Central Statistics Office 2024

    Auch regional sind die Gehälter sehr unterschiedlich. In der Hauptstadt Dublin liegen die Löhne etwa 14 Prozent über dem Landesschnitt. Höher sind sie auch in den Counties Kildare (+9,6 Prozent), Meath (+6,3 Prozent), Wicklow (+4,5 Prozent) und Cork (+3,9 Prozent). Die niedrigsten Löhne wiederum werden in Donegal (-18,9 Prozent), Kerry (-13,5 Prozent), Monaghan (-13 Prozent) gezahlt. Der landesweite Gender Pay Gap ist mit 23,6 Prozent groß.

    Tätigkeitsspezifische Gehaltsinformationen stellen unter anderem der Salary & Recruiting Trends 2025 von HAYS, der 2024 Ireland Salary Guide von Morgan McKinley oder der 2025 Salary Guide von Robert Half zur Verfügung, die auch Personaldienstleistungen anbieten. Personaldienstleister berechnen üblicherweise ein Honorar von rund 20 bis 25 Prozent eines Bruttojahresgehalts. Auch die Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer bietet Personaldienstleistungen an. 

    Bruttogehaltsspannen für ausgewählte Positionen und Standorte 2024*In Euro, pro Jahr
    Position

    Dublin

    Cork

    Limerick

    Galway

    Waterford

    Führungskraft (kaufmännischer Leiter:in)

    150.000 - 300.000

    k.A.

    k.A.

    k.A.

    k.A.

    Personal mit akademischer Ausbildung (Wirtschaftsanalytiker:in)

    50.000 - 70.000

    45.000 - 55.000

    45.000 - 55.000

    45.000 - 55.000

    45.000 - 55.000

    Techniker:in (F&E Ingenieur:in)

    50.000 - 60.000

    50.000 - 60.000

    50.000 - 60.000

    50.000 - 60.000

    50.000 - 60.000

    Unterstützende Bürokraft (Verwaltungsassistent:in)

    30.000 - 35.000

    28.000 - 32.000

    28.000 - 32.000

    28.000 - 32.000

    25.000 - 28.000

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft (Außendienstmitarbeiter:in)

    35.000 - 38.000

    32.000 - 36.000

    26.000 - 30.000

    26.000 - 30.000

    26.000 - 30.000

    Handwerker:in (Bauingeniur:in)

    50.000 - 65.000

    50.000 - 65.000

    50.000 - 65.000

    50.000 - 65.000

    50.000 - 65.000

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft (Automatisierungsingenier:in im Life-Science-Bereich )

    55.000 - 75.000

    55.000 - 75.000

    55.000 - 75.000

    55.000 - 75.000

    55.000 - 75.000

    Buchhalter:in

    70.000 - 85.000

    60.000 - 68.000

    55.000 - 65.000

    55.000 - 65.000

    55.000 - 60.000

    * Gehaltsspannen beziehen sich auf 3- bis 5-jährige Berufserfahrungen.Quelle: McKinley Salary Guide Report 2024

    Weitere Lohnbestandteile

    Allein ein gutes Gehalt reicht aber nicht aus, um das Personal im Unternehmen zu halten. Neben Boni gehören auch je nach Betriebszugehörigkeit gestaffelte Urlaubstage von mehr als 25 Tagen im Jahr, eine private Krankenversicherung durch den Arbeitgeber und eine betriebliche Rentenversicherung dazu. Hinzu kommen branchenabhängige Erfolgsprämien, Aktienanteile, Mitgliedschaften in Fitnessstudios oder Betriebsfeiern. Unternehmen nutzen diese Zusatzleistungen auch, um die Bindung an das Unternehmen zu erhöhen und so Abwerbungen zu verhindern.

    Die irische Regierung führt außerdem zum 30. September 2025 eine verpflichtende Altersvorsorge ein. Beschäftigte, die nicht über einen anderweitigen Altersvorsorgeplan verfügen und unter anderem ein Bruttojahresgehalt von mehr als 20.000 Euro verdienen, werden im Automatic Enrolment System (AE system) angemeldet. Darin zahlen der Arbeitnehmer, der Arbeitgeber und der Staat ein. Die Beitragssätze erhöhen sich je nach Betriebszugehörigkeit und beginnen in den ersten drei Jahren mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmersätzen von jeweils 1,5 Prozent und einem staatlichen Beitrag von 0,5 Prozent.

    Sozialversicherungsbeiträge 

    Im Vergleich zu Deutschland sind die Lohnnebenkosten in Irland geringer. Der Arbeitgeber führt die Lohnabzüge seiner Arbeitnehmer ab. Das sind vor allem die Beiträge zur Pay Related Social Insurance (PRSI), also zur Sozialversicherung. Die Beiträge fallen als Prozentsatz des Wochenlohns an und machen für Arbeitgeber je nach Bruttogehalt bis zu 11,15 Prozent aus (siehe Tabelle). 

    PRSI-Beitragssätze 2022 (Anteile in Prozent)*

    Wochenentgelt

    Arbeitnehmer

    Arbeitgeber

    Insgesamt

    38 bis 352 Euro

    0

    8,8

    8,8

    352,01 bis 410 Euro

    4

    8,8

    12,8

    410,01 bis 424 Euro

    4

    11,05

    15,05

    über 424 Euro

    4

    11,05

    15,05

    *) in Klasse „A“ für Beschäftigte in Industrie und Dienstleistungen sowie seit 1995 eingestellte Beschäftigte im öffentlichen DienstQuelle: Department of Social Protection 2021

    Irische Arbeitgeber müssen auch die Abgaben des Arbeitnehmers zur Universal Social Charge (USC) abführen. Die USC ist eine Abgabe für soziale Leistungen wie die Gesundheitsfürsorge und fällt ab einem Bruttojahreseinkommen von 13.000 Euro an. Im Jahr 2025 fällt der Beitragssatz von 4 auf 3 Prozent.

    Einen Lohnbuchhaltungsservice bieten zahlreiche kommerzielle Anbieter an, darunter auch die Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer. Einen ersten Überblick über Lohnabschläge verschafft zum Beispiel der Salary Calculator Ireland.

    Marc Lehnfeld

    Von Marc Lehnfeld | London

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  • Irlands Arbeitsrecht zeigt teilweise deutliche Unterschiede zu den Regelungen in Deutschland.

    Die folgenden Angaben stellen eine Erstinformation zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rechtspraxis dar. Germany Trade & Invest bietet keine weiterführende Rechtsberatung hinsichtlich der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen oder arbeitsrechtlicher Einzelfälle an.

    Patrick Bamming ist Chartered Tax Advisor (Irischer Steuerberater) bei der Deutsch-Irischen Industrie- und Handelskammer (AHK Irland).

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    BezugBemerkung
    VergütungGrundlage ist der Individualvertrag und etwaige Tarifvereinbarungen
    Mindestlohn12,70 Euro je Stunde (mit Differenzierung nach Alter und Berufserfahrung). Andere Sätze im Bausektor, nach Berufserfahrung und Art der Tätigkeit gestaffelt (seit dem 05.08.2024 wie folgt):
     - 16,19 Euro je Stunde für Mitarbeiter mit bis zu 2 Jahren Berufserfahrung im Sektor
     - 20,03 Euro je Stunde für Mitarbeiter mit mehr als 2 Jahren Berufserfahrung im Sektor
     - 21,59 Euro je Stunde Gerüstbauer mit „Advanced Scaffolding Card“ und mindestens 4 Jahren Berufserfahrung; Schlosser; Führer von Kränen und schweren Maschinen
     - 22,24 Euro je Stunde für Mauerer/Pflasterer; Schreiner/Tischler; Bodenleger; Glaser; Maler; Stuckateure; Steinmetze; Holzbearbeiter; Schieferdecker und Fliesenleger
    Arbeitsstunden pro WocheMaximal 48 Stunden (in der Regel 37 bis 40 Stunden); Flexibilität bei kurzfristigem Ausgleich
    Bezahlte Feiertage10 gesetzliche Feiertage seit 2024 (davor 9 gesetzliche Feiertage)
    Bezahlte UrlaubstageMinimum 20 Tage / 4 Wochen
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt)Jahressonderzahlungen in variabler Höhe üblich, jedoch nicht gesetzlich fixiert
    Sozialversicherung (PRSI)Der Arbeitgeberanteil des Sozialversicherungsbeitrages beträgt 11,15 Prozent des Bruttogehaltes des Arbeitnehmers, der Arbeitnehmeranteil beträgt 4,1 Prozent (im Jahr 2025 4,2 Prozent) seines Bruttogehaltes im Jahr 2024 (Anteile steigen jedes Jahr)
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit5 Tage im Jahr i.H.v. 70 Prozent des normalen wöchentlichen Gehalts gedeckelt auf 110 Euro pro Tag (Einführung eines gesetzlichen Anspruchs seit 2023 durch den Sick Leave Act 2022)
    ProbezeitÜblicherweise 6 Monate (maximal 12 Monate)
    Quelle: Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer 2024

    Rechtsgrundlagen

    Im individuellen Vertrag leiten sich eine Vielzahl der arbeitsrechtlichen Beziehungen aus Tarifverträgen ab. Die Gesetzgebung legt Minimumstandards fest. Wichtige arbeitsrechtliche Institutionen beziehungsweise Institutionalisierungen sind die Labour Relations Commission (LRC), die Rights Commissioners (ernannt durch LRC), das Employment Appeals Tribunal (EAT), der Labour Court, die Equality Authority, die Joint Labour Committees, die Registered Employment Agreements und die Joint Industrial Councils. Die Rechtsberatung wird in Irland von einem Solicitor durchgeführt und die Vertretung vor Gericht von einem Barrister übernommen. Beide haben ein Äquivalent zum Staatsexamen absolviert.

    Vertragsabschluss 

    Der Beschäftigungsvertrag kann ausdrücklich oder stillschweigend, mündlich oder schriftlich geschlossen werden und bedarf nicht der Schriftform (Industrial Relations Act, 1990). Jedoch ist der Arbeitgeber zu einer schriftlichen Angabe bestimmter Beschäftigungskonditionen verpflichtet. Die betreffenden Anforderungen definiert der Terms of Employment (Information) Act von 1994 und 2001. Zeitlich muss dies innerhalb von zwei Monaten nach Aufnahme der Beschäftigung erfolgt sein. Hierzu gehören unter anderem: Name und Adresse des Arbeitgebers und -nehmers, Arbeitsplatz, Tätigkeitsbezeichnung und Art der Arbeit, Beschäftigungsbeginn, Vertragsart, Zahlungsweise, Arbeitsstunden inklusive Überstunden, bezahlter Urlaub, Pension Schemes, Kündigungsfristen, wirksame kollektive Vereinbarungen, Regelungen im Krankheitsfall.

    Auch wenn es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, ergänzen viele Arbeitgeber die Minimumangaben um solche zu Sicherheit und Geheimhaltung, Beschwerdeverfahren, Probezeit oder Regelungen zur Schichtarbeit. Spezielle Regelungen gelten für befristete Arbeitsverhältnisse, die mit dem Fixed-Term Work Act, 2003 begeben wurden, ferner für Teilzeitarbeit nach dem Protection of Employees Part-Time Work Act, 2001. Die Sonderregelungen für Kinder und Jugendliche sind im sogenannten Protection of Young Persons Employment Act, 1996 festgehalten. Das Recht auf unbezahlte Abwesenheit zwecks (Vollzeit-)Pflege Dritter ist im Carer's Leave Act, 2001 geregelt. Lohn- und Gehaltsthemen finden ihren Niederschlag im Payment of Wages Act, 1991 sowie im National Minimum Wage Act, 2000.

    Zudem nutzen viele Arbeitgeber ein sogenanntes Employment Handbook, um zusätzliche Regelungen zum Arbeitsvertrag festzuhalten, wie zum Beispiel zur Arbeitserfassung, IT-Sicherheit, Health & Safety, Datenschutz etc.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    Das irische Arbeitsrecht setzt oft lediglich Untergrenzen voraus, die von Arbeitgebern individualvertraglich oft großzügiger geregelt werden, zum Beispiel für Urlaubsregelungen und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Der Minimum Notice and Terms of Employment Acts, 1973 regelt die folgenden Kündigungsfristen für Arbeitgeber: 

    Ein Arbeitnehmer, der länger als 13 Wochen von einem Arbeitgeber beschäftigt wird, hat eine Kündigungsfrist von 1 Woche. Diese Frist kann durch den Arbeitsvertrag verlängert werden.

    Sofern keine tarifrechtlichen und mindestentgeltlichen Bestimmungen entgegenstehen, ist die Vergütung eine Frage der Gestaltung des Arbeitsvertrags. Grundlage ist der Individualvertrag.

    Regelungen zur Wochenarbeitszeit und zu den zulässigen Überstunden erfolgen gemäß dem Organisation of Working Time Act, 1997 und entsprechenden EU-Richtlinien. Auch die gesetzlichen zehn Feiertage folgen dem Organisation of Working Time Act von 1997.

    Die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber im Krankheitsfall (Sick Pay and Sick Leave) fällt als Thema vom Grundsatz her nicht unter die Arbeitsrechtsgesetzgebung. Seit dem 1. Januar 2023 ist der Sick Leave Act 2022 in Kraft getreten, durch welchen Arbeitgeber im Jahr 2023 zunächst zur Fortzahlung von 70 Prozent des Lohns, maximal 110 Euro je Tag, im Krankheitsfall für drei Tage verpflichtet wurden. Ab dem 1. Januar 2024 stieg die Anzahl bezahlter Krankheitstage auf fünf und soll im Jahr 2025 auf sieben steigen. Diese Erhöhung wurde bisher (Stand: 07. Januar 2025) noch nicht offiziell beschlossen und verabschiedet. Im Jahr 2026 ist eine weitere Erhöhung auf zehn bezahlte Krankheitstage vorgesehen. Darüber hinausgehende Vereinbarungen lassen sich auch weiterhin individual- oder kollektivvertraglich schließen.

    Die maximale Probezeit beträgt grundsätzlich 6 Monate. In Ausnahmefällen kann sie bis auf 12 Monate verlängert werden.

    Die Zahlungsreferenzperiode kann eine Woche, zwei Wochen oder einen Monat betragen, jedoch darf sie nie länger als ein Monat sein. Der Payment of Wages Act, 1991 gibt den Beschäftigten grundlegende Rechte hinsichtlich der schriftlichen Aufbereitung der Lohn- und Gehaltsabrechnungen.

    Auto-Enrolment ist ein neues Rentensparsystem für bestimmte Arbeitnehmer, die nicht in eine Rente einzahlen. Sie werden automatisch in das System aufgenommen, können sich aber nach sechs Monaten wieder abmelden. Die Einführung des Auto-Enrolment Retirement Savings Scheme, genannt „My Future Fund“, beginnt am 30. September 2025. Im Rahmen dieses Systems zahlen sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber und die Regierung einen bestimmten Betrag in den Rentenfonds des Arbeitnehmers ein. Die gesetzlichen Vorgaben für Auto-Enrolment sind im Automatic Enrolment Retirement Savings System Act 2024 geregelt.

    Der Finance Act 2022 hat durch Section 897C die sogenannten „Enhanced Reporting Requirements (ERR)“ eingeführt, wodurch Arbeitgeber dazu verpflichtet werden, Einzelheiten zu bestimmten Ausgaben oder Leistungen an Arbeitnehmer und Geschäftsführer zu melden. Die Berichterstattung über die Einzelheiten dieser Aufwendungen oder Leistungen begann am 1. Januar 2024. Zu den darunter fallenden zu berichtenden Aufwendungen gehören Tagegeld für Fernarbeit sowie Reisekosten und Unterhalt. Dies soll die Transparenz und Sicherheit für Arbeitnehmer in Bezug auf nicht steuerpflichtige Zahlungen erhöhen.

    Vertragsbeendigung 

    Es gibt gesetzlich festgelegte Mindestfristen, die mit der Beschäftigungsdauer korrelieren (Minimum Notice and Terms of Employment Acts, 1973 to 2001):

    Gesetzliche Kündigungsfristen

    Dauer des Arbeitsverhältnisses

    Mindestkündigungsfrist

    13 Wochen bis 2 Jahre

    1 Woche

    2 bis 5 Jahre

    2 Wochen

    5 bis 10 Jahre

    4 Wochen

    10 bis 15 Jahre

    6 Wochen

    Mehr als 15 Jahre

    8 Wochen

    Quelle: Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer 2024

    Der Unfair Dismissals Acts 1977 to 2015 definiert Kriterien, nach denen Kündigungen als gerechtfertigt oder ungerechtfertigt eingestuft werden. Fehlende Fähigkeiten und Qualifikationen, ungebührliches Verhalten sowie betriebsbedingte Gründe können danach eine Entlassung rechtfertigen. Stuft das Gericht eine Kündigung als rechtswidrig ein, so steht es in seinem Ermessen, den Arbeitgeber zur Zahlung von Schadensersatz, Weiterbeschäftigung oder Wiedereinstellung zu verurteilen. In der Regel wird auf Ersteres erkannt, sodass anders als im deutschen Recht der Bestandschutz des Arbeitsverhältnisses nicht so ausgeprägt ist.

    Im Falle der Freisetzung von Arbeitskräften aufgrund von Betriebsschließung oder Verringerung des Personalbestands hat der Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf Ausgleichszahlungen, geregelt im sogenannten Redundancy Payments Act 1967 to 2014. Themen kollektiver Freisetzungen behandelt der Protection of Employment Act 1977 to 2007 (Collective Redundancies) in Verbindung mit und modifiziert durch entsprechende EU-Regelungen aus dem Jahr 2000. Sofern es um die Insolvenz des Arbeitgebers geht, enthalten die Protection of Employees (Employers' Insolvency) Acts 1984 to 2004 Schutzvorschriften für die Arbeitnehmer.

    Von Patrick Bamming | Dublin

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  • Bezeichnung

    Anmerkung

    Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer (AHK)

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen, Ansprechpartner: Patrick Bamming

    Department of Enterprise, Trade and Employment

    Ministerium für Wirtschaft, Handel und Beschäftigung

    Department of Social Protection

    Ministerium für soziale Sicherheit

    Pensions Authority

    Rentenbehörde

    Workplace Relations Commission

    Kommission für Arbeitsplatzbedingungen

    National Recruitment  Federation

    Nationaler Verband der Unternehmen zur Personalbeschaffung

    JobsIrelandStaatliche Arbeitsagentur
    Approach People RecruitmentBespoke RecruitmentAgenturen, die auf Fachkräfte mit Fremdsprachenkenntnissen spezialisiert sind
    Firstaff Personnel Consultants,  Irish Recruitment Consultants, RecruitersOnline-Jobagenturen

    Salary Calculator

    Gehaltsrechner Irland