Start-Ups in den Niederlanden

Die Niederlande sind attraktiv für Start-ups

Mit vielen Acceleratoren und Inkubatoren bieten die Niederlande ein gutes Umfeld für Start-ups. Die Regierung hilft Unternehmen mit Geld und Trainings. Amsterdam ist Start-up-Hochburg.

28.01.2019

Niederländischer Handelsgeest beflügelt die Start-up-Szene

In den Niederlanden leben sehr gut ausgebildete und technikaffine Menschen. Der kleine Staat mit seiner offenen Geschäftskultur steht auf Platz vier des European Innovation Scoreboard (2017) und laut European Digital City Index 2016 ist Amsterdam Nummer drei (Berlin: 6) auf der Liste der besten Start-up Städte. Stärken des Landes sind gute Infrastruktur, Nähe zu europäischen Märkten sowie eine vorteilhafte Unternehmensbesteuerung. Zudem ist die englische Sprache weit verbreitet. In den letzten Jahren haben sich deshalb viele Unternehmen wie Uber, Google, Netflix und Tesla angesiedelt.

Bereits in der Vergangenheit waren die Niederländer für ihren Handelgeest berühmt. Dies hat sich heute zu einem Gespür für gute Geschäfte entwickelt. Bei neuen Technologien ist das Land ein früher Anwender (early adopter). Mit diesen Voraussetzungen wundert es nicht, dass sich eine lebendige Start-up-Szene entwickelte, insbesondere in den Universitätsstädten des Landes.

Starthilfen durch Inkubatoren und Acceleratoren

Obwohl die Niederlande nur etwas größer sind als Nordrhein-Westfalen verfügen sie über verhältnismäßig viele Inkubatoren und Acceleratoren und eignen sich gut als Testmarkt. Die Start-up Hubs sind dabei im gesamten Land verteilt und nicht nur auf die Hauptstadt konzentriert:

Auswahl an Inkubatoren und Acceleratoren in den Niederlanden

Amsterdam Science Park mit ACE Inkubator

www.amsterdamsciencepark.nl/, https://ace-incubator.nl

Eindhoven, High Tech Campus

www.hightechcampus.com/

Accelerator VentureLab North

http://venturelabinternational.com/north/

Inkubator YES!Delft

www.yesdelft.com/

UterchtInc Garage

https://utrechtinc.nl/

Hague Security Delta Campus

www.thehaguesecuritydelta.com/

ESA Business incubation centre

www.sbicnoordwijk.nl/esa-bic/

CIC Rotterdam

https://cic.com/rotterdam/

Rotterdam, den Haag, 15KM

http://15km.nl/english

Rotterdam, PortXL

https://portxl.org/

Amsterdam, Startup in Residence

https://startupinresidence.com/amsterdam/

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Förderprogramme und Bildungsstätten erleichtern den Start

Die Initiativen StartupAmsterdam und StartupDelta unterstützen junge Unternehmen mit Trainings und beim Networking. Beide sowie auch Acceleratoren und Inkubatoren bieten Trainings zur Unternehmensgründung und -führung für Mitarbeiter junger Unternehmen an. Die Niederlande verfügen zudem über sehr gute Universitäten, an denen gleichfalls Trainings angeboten werden.

StartupDelta hilft Start-ups bei Gründung und Wachstum. Weiter will die Organisation die Niederlande zu einem einzigen miteinander verbundenen Hub entwickeln und das Netzwerk national und international stärken. StartupDelta ist ein Public-private-Partnership, das eng mit verschiedenen Ministerien, der Start-up Gemeinde und anderen Partnern zusammenarbeitet.

Ein wichtiges Anliegen von StartupAmsterdam ist es, junge Unternehmen - auch ausländische - mit der Stadtverwaltung zusammenzubringen. Um das zu fördern, hat Amsterdam einen eigenen Accelerator gegründet: Startup in Residence. Hier sollen kreative Lösungen im städtischen und sozialen Bereich Amsterdams gefunden werden. Der Accelerator bietet intensive Trainings, Zugang zum Netzwerk der Gemeinde, Gemeinschaftsbüros (Coworking Space) und professionelle Mentoren.

StartupAmsterdam kooperiert mit Technikclustern weltweit. Die Initiative organisiert Start-up Bootcamps in den Niederlanden und im Ausland, um junge Unternehmen fit für eine internationale Expansion zu machen. Die Stadt arbeitet auch mit Netzwerken in New York, Paris und Lissabon zusammen.

Verschiedene Recruitment-Büros sind darauf spezialisiert, qualifizierte Talente zu finden:

Vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten

Viele erfolgreiche Gründer sind auch Investoren im Bereich early stage Start-ups. Diese jungen Angelinvestoren verfügen über die notwendige Gründungserfahrung.

Venturecapital oder Bankdarlehen sowie Crowdfunding sind Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung.

Die niederländische Regierung unterstützt junge, innovative Unternehmen. Hier bietet auch die Start-up Box gute Hinweise. Seit 2018 stellt die Regierung jährlich 5 Millionen Euro im Bereich Nahrungsmittel und Landwirtschaft im Future Food Fond zur Verfügung.

Die international ausgerichtete Amsterdam Capital Week bringt in fünf Tagen Start-ups, Scale-ups und Investoren zusammen. Es finden Veranstaltungen statt für die verschiedenen Phasen junger Unternehmen.


Text: Inge Kozel

28.01.2019

Enge Kooperation zwischen Unternehmen und Universitäten in den Niederlanden

Rund ein Drittel der Start-ups wurde 2017 in Amsterdam (46 Unternehmen) gegründet, danach folgten Eindhoven (13), Delft (10), Enschede (7), Leiden (7), und Utrecht (7). Die Topkategorien waren Software, E-Commerce, Reisen, Biotechnologie, Informationstechnologie und Logistik.

Im Jahr 2017 zählten die Start-up Analysten von Golden Egg Check 122 Deals zwischen Start-ups und Investoren mit einen Volumen von 646 Millionen Euro. Dabei waren die aktivsten niederländischen Venturecapital Investoren inkev capital (6 Deals in 2017), BioGenerationVentures (5), henQ (5), Innovation Industries (5), Mainport Innovation (5), Value Creation Capital (4) und Volta Ventures (3).

Top Start-ups in den Niederlanden 2017 *)

Start-up

Kapitalbeschaffung in Mio. Euro

Bereich

Picnic

100

Lieferservice, Lebensmittel, Shopping

Messagebird

52

Cloud Computing, Unternehmenssoftware

Xeltis

45

Gesundheit, Medizintechnik, Therapie

Protix

45

Landwirtschaft, nachhaltige Nahrungsmittel

NorthSea Therapeutics

25

Gesundheit, Therapie

Bloomon

21,4

E-Commerce, Dekoration

Solynta

16

Nahrungsmittel

Ohpen

15

Bank- und Finanzdienstleistungen

*) nach Höhe der Kapitalbeschaffungssumme
Quelle: Golden Egg Check

Start-up Hubs oft bei Forschungseinrichtungen

In den Niederlanden befinden sich viele Universitäten und Forschungsinstitute. Häufig sind in den Universitätsstädten auch Accelleratoren und Inkubatoren anzutreffen. Die Kooperation zwischen Forschung und Start-ups ist eng. Universitäten, Accelleratoren und Inkubatoren bieten Kurse, um Start-ups auch betriebswirtschaftlich fit zu machen.

Aus der Technischen Universität (TU) Delft gingen die meisten Spin-offs (8) hervor, es folgten die Universität Twente (5), das Medizinische Zentrum der Universität Leiden (3), die TU Eindhoven (3) und die Niederländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (2).

Auf den folgenden Seiten befinden sich die Spezialisierungen der Inkubatoren, die in der Regel abhängig sind von den denen der benachbarten Forschungsinstitute:

Niederländische Förderung schafft Erfolgsstories

Das Engagement der Niederlande in Sachen Start-ups zahlt sich aus. Aus dem Yes!Delft Inkubator ging beispielsweise das Start-up Somnox hervor. Alumni des Inkubators gründeten Somnox und entwickelten einen intelligenten Schlafroboter. Das Produkt ist ein erdnussförmiges Kissen, das den Atemrhythmus misst und anschließend eine eigene kontinuierliche Bewegung erzeugt. Dadurch entsteht beim Schläfer eine Empfindung, die unterbewusst den Atemrhytmus beeinflusst. Das Start-up erhielt 2017 den Robotdalen Innovation Preis sowie den Philips Innovation Preis. Die Markteinführung erfolgte Mitte 2018.

Eurekite ging 2012 als Spin-off aus der Universität Twente hervor. Das Unternehmen entwickelte Flexiramics, eine flexible, rein keramische Nanofiber-Matte. Das papierähnliche Material ist feuerfest und nicht leitend. Das Start-up gewann 2017 den Start-up-Preis für die beste industrielle Innovation im Bereich Nanotechnologie und neue Materialien. Eurekite durchlief bereits zwei Finanzierungsrunden durch den Cottonwood Technology Fund und durch das Programm der Europäischen Union Horizon2020.

Nicht nur neuen Technologien widmen sich Start-ups, sie sind auch im Bereich Unterhaltung unterwegs. Plugify ist ein Onlinemarktplatz zum Sehen, Hören und Buchen von Livemusik, der 2015 in Amsterdam gegründet wurde. Die Vision war, Livemusik einfach buchen zu können - für jede Gelegenheit und für jeden Geldbeutel. Bis jetzt haben mehr als 3.000 Nutzer den Service in Anspruch genommen und Musik für Hochzeiten, Geburtstage, Wohnzimmerkonzerte oder Betriebsfeiern gebucht. Inzwischen floss Venturecapital in Höhe von 750.000 Euro in das Unternehmen.

Bedeutende jährliche Förder-Events

Veranstaltung

Ort

CES Unveiled

Amsterdam

DEPT Festival

Amsterdam

LOEY Awards

Amsterdam

Eyes wide open

Eindhoven

Talent Portal

Rotterdam

Designing your initiative for successAmsterdam
Angel Island

Amsterdam

StartupFest Health

Utrecht

Impact StartupFest

Den Haag

The Breda Start up award

Breda

Brave new world

Leiden

Onbrand

Halfweg

Tech Job Fair

Amsterdam

Startup funding event

Rotterdam

The next Web

Amsterdam

Quelle: StartupDelta


Text: Inge Kozel

28.01.2019

Jahresvisum erleichtert in den Niederlanden Gründung

Erfolg lokaler Start-ups im Ausland

Die Niederlande unterstützen in- und ausländische Start-ups mit finanziellen Mitteln sowie Trainings. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Start-up ist das Unternehmen bloomon, das sich erst mal eine Basis zu Hause schaffte, bevor es daran ging, Europa zu erobern. Die Lifestylefirma wurde von drei jungen Männern im November 2014 gegründet. Sie wollten die Welt mit kreativen, frischen Blumengebinden verschönern. Nachdem sie damit in den Niederlanden Erfolg hatten, begannen die Gründer in die Nachbarländer zu expandieren. Es folgten Belgien, Deutschland, das Vereinigte Königreich und Dänemark. Das letzte Projekt war die Markteinführung in Frankreich. Nach einer Pilotphase in mehreren dortigen Städten, startete bloomon den Vertrieb in Frankreich, wo die Onlinebestellung von Blumen neu ist. Die Finanzierung erfolgte durch Partech Ventures. Jetzt ist das Unternehmen auf sechs Märkten vertreten und plant weitere Expansionen.

Erfolg ausländischer Start-ups vor Ort

Ehrgeizige junge Unternehmer, die nicht aus der Europäischen Union kommen, erhalten ein Visum für ein Jahr. In dieser Zeit können sie mit ihrem Unternehmen beginnen. Eine Bedingung ist, dass das Start-up von einem erfahrenen Mentor (Facilitator) aus den Niederlanden unterstützt wird. Zudem muss das Produkt innovativ sein. Ein Business Plan für die Entwicklung des Unternehmens ist notwendig und das Start-up muss bei der niederländischen Handelskammer (Kamer van Koophandel) registriert sein. Das Visum kann verlängert werden. Mentoren finden Sie unter www.startupdelta.org/expanding-to-the-netherlands/i-am-a-founder/

Ein Start-up, das aus Israel stammt und weiter in Nachbarländer der Niederlande expandiert, ist Quicargo. Der Gründer, Avishai Trabelsi, arbeitete rund zehn Jahre im israelischen Transportunternehmen seiner Familie, RT Fresh, als Dispatcher. Es frustrierte ihn, dass Lkw häufig leer oder kaum beladen fuhren. Um die Verschwendung von Arbeitskraft und Treibstoff sowie die Luftverschmutzung und Staubildung auf den Straßen zu reduzieren, entwickelte er eine App für PC und Smartphone, die Versender und Transporteure verbindet.

Im Jahr 2015 gründete er mit dieser Idee die Firma Quicargo. Versender können eine Transportanfrage stellen und Transporteure erhalten sie in Echtzeit. Die Versender haben mit der App die Möglichkeit, das günstigste Gebot, abhängig von Preis und Zuladeort, zu wählen. Nachdem das Pilotprojekt 2016 in Israel Erfolg hatte, beschlossen Trabelsi und sein Team, nach Europa zu expandieren.

Im März 2016 konnte Quicargo am Start-up Bootcamp Smart City and Living teilnehmen. Das Bootcamp wurde 2010 gegründet und ist ein globaler Start-up Accelerator mit zwölf Programmen in verschiedenen internationalen Städten. Es verfügt über ein Mentoren- und Alumninetzwerk in über 50 Ländern. Während des dreimonatigen Programms erhalten die Teilnehmer Zugang zu den wichtigsten Branchenunternehmen. Am Ende des Programms präsentiert das Team seinen Fortschritt 300 Investoren, Partnern und Mentoren.

Als Sitz seines europäischen Start-ups wählte Trabelsi Amsterdam und plant bereits die weitere Expansion nach Belgien (Gebiet um Antwerpen und Gent) und Deutschland (Ruhrgebiet). Logistik ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in allen drei Ländern. Rund 83 Prozent des niederländischen Frachtverkehrs gehen in die beiden Nachbarländer. Trabelsi erhielt Seed Capital von deutschen und niederländischen Logistikexperten, internationalen Venturecapital Gesellschaften sowie Angels in Höhe von 900.000 Euro.


Text: Inge Kozel

Suche verfeinern

Trends

Funktionen