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Bergbau Mosambik: Hohes Potenzial, anspruchsvolles Umfeld

Mosambik setzt im Bergbau verstärkt auf staatliche Kontrolle und lokale Wertschöpfung. Deutschland ist als Anbieter von Technologie, Maschinen und Dienstleistungen gefragt.

Von Jenny Tala | Johannesburg

Mit großen Vorkommen an Grafit und Schwermineralsanden gewinnt Mosambik für Deutschland und die EU strategische Bedeutung als Rohstoffpartner für Energiewende und Industrie. Deutschland tritt dabei weniger als Rohstoffinvestor, sondern vor allem als Anbieter von Technologie, Maschinen und Dienstleistungen auf. Großprojekte und gesetzliche Vorgaben zur Weiterverarbeitung könnten dem Absatz‑ und Projektmarkt künftig zusätzliche Dynamik verleihen.

Neues Bergbaugesetz erhöht staatlichen Einfluss

Die Regierung setzt auf eine stärkere staatliche Rahmensetzung im Bergbau. Zentrale Ziele sind höhere Umwelt‑ und Sozialstandards (ESG) sowie ein Ausbau der lokalen Wertschöpfung. Mit dem im Mai verabschiedeten Bergbau‑ und Erdölgesetz wird der staatliche Einfluss deutlich ausgeweitet. Vorgesehen ist eine staatliche Mindestbeteiligung von 15 Prozent an allen Bergbau‑ und Erdölprojekten. Darüber hinaus untersagt das Gesetz den Export unverarbeiteter mineralischer Rohstoffe. Dadurch sollen Investitionen in die Weiterverarbeitung im Land angeregt, die staatlichen Einnahmen gestärkt und die wirtschaftliche Entwicklung der Abbaugebiete gezielt gefördert werden.

Die Reform geht mit einer stärkeren Rolle staatlicher Unternehmen im Bergbau‑ und Energiesektor, erweiterten Local‑Content‑Vorgaben sowie verschärften Kontroll‑ und Rückverfolgbarkeitsmechanismen einher. Künftig sollen 10 Prozent der staatlichen Einnahmen aus der Rohstoffförderung in einen Entwicklungsfonds für Förderregionen fließen. Hintergrund sind die bislang begrenzten fiskalischen Effekte des Rohstoffbooms und die wachsende Erwartung, die Erlöse stärker für die nationale Entwicklung zu nutzen.

Für Investoren bedeuten die Reformen einerseits höhere Transparenz und klarere Rahmenbedingungen, andererseits steigen die Anforderungen an Verarbeitung, staatliche Beteiligung und lokale Einbindung. Im Austausch mit Germany Trade & Invest (GTAI) wiesen Unternehmen sowie Vertreter der "Chamber of Mines of Mozambique" darauf hin, dass der Konsultationsprozess für das neue Gesetz als unzureichend empfunden wurde und die Forderungen aus der Wirtschaft kaum Eingang in die Gesetzgebung fanden.

Potenzial für deutsche Unternehmen in vor- und nachgelagerten Bereichen

Bislang sind deutsche Unternehmen im mosambikanischen Rohstoffsektor überwiegend als Zulieferer sowie als Technologie‑, Service‑ und Beratungspartner präsent. Direktinvestitionen im Bergbau bleiben hingegen die Ausnahme. Mit der fortschreitenden Erschließung der Rohstoffvorkommen nehmen jedoch die Geschäftschancen in vor‑ und nachgelagerten Bereichen zu. Dies betrifft insbesondere die Bereitstellung von Bergbau‑ und Fördertechnik, Umwelt‑ und Sicherheitstechnik sowie Beratungs‑, Ausbildungs‑ und Servicedienstleistungen.

Ein wesentlicher Treiber ist die hohe Importabhängigkeit Mosambiks im Maschinenbereich. Die wichtigsten Importkategorien umfassen Bau‑, Bergbau‑ und Fördertechnik, darunter Bulldozer und Bagger, Aufbereitungs‑ und Zerkleinerungsanlagen, Pumpen sowie Maschinenteile. Deutschland ist auf diesem Markt zwar präsent, bleibt mit einem Marktanteil von 2,4 Prozent an den gesamten Maschinenimporten (HS 84, 2024) jedoch ein vergleichsweise kleiner Anbieter. Wettbewerbsfähig sind deutsche Unternehmen dabei vor allem in qualitäts‑, technologie‑ und serviceintensiven Nischen.

Konkrete Beispiele unterstreichen diese Positionierung: So ist das deutsche Unternehmen HYDAC an Bergbauwertschöpfungsketten in Mosambik beteiligt und liefert Hydraulik‑ und Pumpensysteme für Förder‑ und Verarbeitungsprozesse. Im Kenmare‑Projekt kommen zudem hochspezialisierte europäische Dredging‑ (Nassbaggern) und Fördertechnologien zum Einsatz; die Anlagen zählen zu den technisch anspruchsvollsten ihrer Art weltweit.

Deutsche Zusammenarbeit stärkt nachhaltige Bergbaupraktiken

Langfristige Perspektiven bestehen auch im Kontext kritischer Rohstoffe und steigender ESG‑Anforderungen entlang internationaler Lieferketten. Konkrete Anknüpfungspunkte bestehen bereits: Im Rahmen des Projekts "Responsible commodity supply chains and sustainable production in Mozambique’s mining sector" der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit das mosambikanische Bergbauministerium (MIREME) bei Aufklärungsmaßnahmen im Kleinbergbau. Im Rahmen der Kammerpartnerschaft zwischen der Chamber of Mines of Mozambique (CMM) und der IHK Chemnitz werden Qualifizierungsmaßnahmen für den Kleinbergbau umgesetzt.

Auch die Nachbergbau‑Phase gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt im Rahmen des BGR‑Projekts die Entwicklung geeigneter Regelungen zur Minenschließung. Zusätzlich werden Konzepte für den sicheren Umgang mit stillgelegten Bergbaustätten erprobt und Möglichkeiten für deren Nachnutzung geprüft.

Informationen über Projekte und Ausschreibungen

Bei der Planung und Umsetzung von Projekten schreiben Geberorganisationen Bau-, Liefer- und Beratungsleistungen oft international aus. Deutsche Unternehmen können sich an den Ausschreibungen beteiligen, Aufträge gewinnen und mit ihrem Know-how zur Verbesserung der Lebensqualität in Entwicklungs- und Schwellenländern beitragen.

Germany Trade & Invest informiert tagesaktuell über Ausschreibungen.

Internationale Investoren realisieren Großprojekte

Der Bergbau hat in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, insbesondere im Zuge großer Förderprojekte in den Bereichen Grafit, Schwermineralsande, Rubine und Kohle. Mosambik zählt heute zu den weltweit führenden Produzenten von Grafit und Titanrohstoffen. Der Bergbau leistet einen zentralen Beitrag zu Exporten und ausländischen Direktinvestitionen und gilt als wichtiger Wachstumstreiber für die kommenden Jahre. Gleichzeitig bleibt das Investitionsumfeld von makroökonomischen Unsicherheiten, infrastrukturellen Defiziten und sicherheitspolitischen Risiken geprägt.

20,2 %

der weltweiten Vorkommen titanmineralischer Konzentrate (Anatas, Ilmenit und Rutil) befinden sich in Mosambik (2025).

Die meisten industriellen Bergbauprojekte werden von internationalen Unternehmen aus Australien (Grafit, Rubine), Irland (Schwermineralsande), Südafrika (Kohle) und Indien (Kohle) betrieben. Parallel dazu spielt der informelle Kleinbergbau eine wichtige Rolle für Beschäftigung und Einkommen, ist jedoch häufig mit Risiken verbunden. Die EU ist ein wichtiger Kapitalgeber - nicht nur im Rohstoffsektor, sondern auch bei großen Infrastruktur‑ und Energievorhaben, die für die Erschließung der Vorkommen entscheidend sind.