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Wirtschaftsumfeld | EU | Entwicklungszusammenarbeit

EU fragt Firmen nach ihrem Interesse in der MENA-Region

Die EU will Unternehmen stärker in Nordafrika und dem Nahen Osten einbinden. Dafür fragt sie die Markteinschätzung von Firmen ab.

Von Heike Hoffmann, Henri Cartier | Brüssel

Mit einem neuen offenen Interessensaufruf sammelt die EU-Kommission, konkret die Generaldirektion Naher Osten, Nordafrika und Golfregion (MENA), Markteinschätzungen aus der Wirtschaft. Dies soll helfen, künftige EU-Instrumente im Rahmen von Global Gateway sowie des Pakts für das Mittelmeer besser auszurichten. Europäische Firmen können sich online auf Englisch an der EU-Umfrage beteiligen. In einem Factsheet hat DG MENA die wichtigsten Aspekte für Firmen auf einen Blick zusammengefasst.

Keine Förderung für Firmen, aber Dialog mit der EU

Der Interessensaufruf ist ausdrücklich kein Finanzierungsinstrument und kein wettbewerblicher Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen (Call for Proposals). Eine Teilnahme ist somit nicht mit Förderzusagen seitens der EU verbunden und begründet keine rechtliche Partnerschaft des Wirtschaftsakteurs mit der EU-Kommission. 

Vielmehr versteht GD MENA den Interessensaufruf als strategisches Sondierungsinstrument. Er soll auch eine zentrale Kommunikationsschnittstelle zwischen der EU-Kommission und dem europäischen Privatsektor darstellen.

Marktwissen aus der Wirtschaft ist gefragt

Die EU hat die Interessensabfrage Ende 2025 bisher ohne zeitliche Begrenzung öffentlich gestartet. Im Mittelpunkt steht die systematische Erhebung von Marktinformationen. 

Mit Hilfe der eingereichten Informationen will GD MENA ein besseres Bild vom Engagement und den Interessen des europäischen Privatsektors in der MENA-Region erhalten. Die Kommission will nachvollziehen, in welchen Ländern und Sektoren europäische Unternehmen aktiv sind und welche Investitionsabsichten bestehen. GD MENA interessiert sich auch für Herausforderungen, mit denen sich die Firmen in der Partnerregion konfrontiert sehen und welche regulatorischen, finanziellen oder strukturellen Hemmnisse den Markteintritt erschweren. 

Auf diese Weise will GD MENA den Unterstützungsbedarf der europäischen Wirtschaft identifizieren. Diese Erkenntnisse sollen künftig in die strategische Ausrichtung von EU-Programmen einfließen und sich in Maßnahmen wie technischer Hilfe oder institutioneller Begleitung niederschlagen.

Chance zur strategischen Positionierung auf EU-Ebene

Für deutsche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bietet der Aufruf zur Interessensbekundung eine niedrigschwellige Möglichkeit, ihre Marktinteressen auf europäischer Ebene sichtbar zu machen. Gerade KMU, die in Nordafrika oder im Nahen Osten investieren möchten oder bereits vor Ort tätig sind, können ihre Erfahrungen einbringen, ohne formale Hürden oder finanzielle Verpflichtungen. Unternehmen, die ihr Interesse bekunden, werden in einen Kommunikationsverteiler aufgenommen und können künftig an weiteren Konsultationen teilnehmen. Für deutsche KMU kann eine Teilnahme strategisch sinnvoll sein: Sie ermöglicht nicht nur eine Positionierung im EU-Dialog, sondern kann auch dazu beitragen, dass zukünftige Unterstützungsansätze der EU besser zu ihren Bedürfnissen passen. 

Breites Spektrum an Partnerländern und Zukunftssektoren

Der Interessensaufruf deckt eine Vielzahl von Ländern im Nahen Osten, Nordafrika und der Golfregion ab, die durch GD MENA verwaltet werden.

Auch die abgefragten Sektoren sind vielfältig.

  • Klima und Energie: Investitionen in Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie in saubere Energien. Besonderes Augenmerk legt die EU auf grüne Technologien, die die Energiesicherheit stärken und zur besseren Vernetzung der EU mit der MENA-Region beitragen.
  • Verkehr: Infrastrukturinvestitionen zum Aufbau nachhaltiger, intelligenter, widerstandsfähiger, inklusiver und sicherer Verkehrsnetze für alle Verkehrsmittel. Dies soll etwa durch die Integration afrikanischer und europäischer multimodaler Verkehrsnetze erfolgen sowie durch die Einrichtung von sicheren Verkehrskorridoren zwischen der EU und Nordafrika.
  • Gesundheit: Investitionen zur Stärkung der Gesundheitssysteme in der Partnerregion, insbesondere zur Sicherung pharmazeutischer Lieferketten und zum Aufbau lokaler Produktionskapazitäten. Auch eine verbesserte Infrastruktur und klare regulatorische Rahmenbedingungen für die lokale Herstellung von Arzneimitteln und Medizintechnik sind angestrebt.
  • Bildung und Forschung: Investitionen zur Förderung qualitativ hochwertiger Bildung unter besonderer Berücksichtigung vulnerabler Bevölkerungsgruppen. Eingeschlossen sind dabei digitale Bildung und Stärkung der Zusammenarbeit in Forschung und Innovation.
  • Sonstige Bereiche: weitere, nicht oben genannte Sektoren, beispielsweise Agrarwirtschaft, Logistik, Abfallwirtschaft, kritische Rohstoffe und Bauwesen.
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