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Politische Ziele

Bis 2035 sollen die Erneuerbaren in Algerien Kapazitäten von 15 Gigawatt erreichen. Dies scheint zwar schwer zu schaffen, aber erste Großprojekte gehen ans Netz.

Verena Matschoß

Von Verena Matschoß | Tunis

Fossile Energieträger stehen für über 90 Prozent der algerischen Exporteinnahmen und etwa die Hälfte der Staatseinnahmen. Das Land profitiert derzeit stark von den gestiegenen Energiepreisen infolge des Irankriegs. Langfristig steht der Sektor jedoch unter Druck durch alternde Förderfelder und einen wachsenden Inlandsverbrauch. 

Um ein wichtiger Rohstofflieferant zu bleiben, muss Algerien weiter in die Öl- und Gasförderung investieren. Der Minister für Kohlenwasserstoffe und Bergbau, Mohamed Arkab, kündigte an, dass der Öl- und Gasriese Sonatrach von 2025 bis 2030 rund 60 Milliarden US-Dollar für den Kohlenwasserstoffsektor ausgeben werde. Ein Großteil soll in den Upstream-Sektor fließen. 

Zahlreiche Abkommen zwischen Sonatrach und internationalen Energiefirmen zu Erkundung und Förderung von Rohstoffvorkommen untermauern die Ambitionen. Im April 2026 startete unter dem Namen "Algeria Bid Round 2026" die zweite internationale Ausschreibungsrunde seit 2024 für Explorations‑ und Produktionslizenzen im Öl‑ und Gassektor.

Gas bleibt auch der mit Abstand wichtigste Energieträger bei der Stromerzeugung. Rund 99 Prozent des Stroms werden durch den Einsatz von Gas produziert und rund 40 Prozent des gesamten Gasverbrauchs im Land entfallen auf die Gaskraftwerke. Der Ausbau der Erneuerbaren soll ermöglichen, die Gasexporte bei steigendem Stromverbrauch konstant zu halten. 

Dabei hat sich Algerien ambitionierte Ziele gesetzt: Bis 2035 sollen Anlagen mit insgesamt 15 Gigawatt installierter Leistung aus erneuerbaren Energieträgern errichtet werden. Branchenexperten halten die Ziele für zu hoch gegriffen. Durch die Inbetriebnahme zweier großer Solarparks im Frühjahr 2026 dürfte die installierte Leistung aus erneuerbaren Energien bald die Marke von 1 Gigawatt erreichen. Insgesamt wurden im Jahr 2023 Projekte mit einer Gesamtleistung von 3 Gigawatt ausgeschrieben. Später kam noch das Projekt eines 200‑MW‑Solarparks bei Gara Djebilet zur Versorgung des gleichnamigen Eisenerzprojekts hinzu. Die installierte Stromerzeugungskapazität auf Basis von Erdgas liegt bei rund 27 Gigawatt.

Im Rahmen einer Regierungsumbildung im September 2025 wurde ein neues Ressort für Energie und erneuerbare Energien (MEER) geschaffen. Die Zuständigkeit für den Öl- und Gassektor fällt nun in das Ministerium für Kohlenwasserstoffe und Bergbau. Diese Neuaufstellung soll die Regierung stärker auf die Energiepolitik fokussieren. Präsident Tebboune hat zudem im April 2026 angeordnet, zu prüfen, ob die Position eines Staatssekretariats für erneuerbare Energien geschaffen werden könnte. Im März 2026 wurde die Roadmap für den Erneuerbaren-Ausbau in einer Regierungssitzung vorgestellt. 

 

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