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Argentinien investiert wieder in seine Streitkräfte

Argentinien modernisiert seinen Verteidigungssektor. Es laufen Gespräche zu einem U-Boot-Kauf in Deutschland. Entscheidend ist die Finanzierung.

Von Stefanie Schmitt | Santiago de Chile

"Der Zustand der argentinischen Armee ist in großen Teilen desaströs", urteilt der chilenische Militärexperte Fernando Wilson von der Universidad Ibáñez. Grund sei die starke Vernachlässigung des Sektors in den letzten 20 Jahren unter den peronistischen Regierungen. Doch Argentinien sei dabei, sich aus dem Tal der Tränen herauszuarbeiten, beobachtet Peter C. Semrau, Militärattaché an der Deutschen Botschaft in Buenos Aires, und verweist auch auf den wichtigen Beitrag des Landes zu vielen UN-Einsätzen.

Der hohe Modernisierungsbedarf bietet Chancen für ausländische Anbieter: "Argentinien braucht alles – und deutsche Firmen haben auf allen Ebenen Geschäftschancen: von U-Booten über Panzer bis hin zu Kleingerät“, sagt Juan Battaleme, Professor an der Universidad del Centro de Investigación y Docencia (UCEMA) in Buenos Aires. Bis in die 1980er-Jahre war das Land ein guter Kunde für deutsche Waffentechnik. An diese Tradition ließe sich anknüpfen, so Battaleme.

Priorität für Rüstungsgüter aus dem Westen

In der Tat ist der seit Ende 2023 amtierende Präsident Javier Milei auch angetreten, das Militär des Landes zu modernisieren – und dies ausdrücklich nicht mit russischem oder chinesischem Material. Stattdessen sucht Milei den Schulterschluss mit dem Westen, allen voran mit den USA und Israel.

Schwerpunkte sind:

  1. Luftwaffe (Fuerza Aérea Argentina, FAA): dringende Erneuerung der veralteten Flotte
  2. Marine (Armada Argentina): Modernisierung der Über- und Unterwasserflotte
  3. Heer (Ejército Argentino): Ersatz veralteter Panzer und Radfahrzeuge
  4. Cyberverteidigung und Drohnen: Aufbau neuer Kapazitäten gemeinsam mit den USA und Israel

Mit Deutschland laufen Gespräche über den Kauf von drei U-Booten von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). Dabei geht es um ein Auftragsvolumen von über 2 Milliarden Euro (einschließlich Training, Logistik und Wartung). Argentinien verfügte bereits in der Vergangenheit über deutsche U-Boote, diese stammten aus den 1970/1980er-Jahren. Auch viele argentinische Kriegsschiffe wurden in Deutschland gebaut.

Das attraktivere Finanzierungsangebot entscheidet

In den U-Boot-Verkaufsgesprächen konkurriert Deutschland mit Frankreich. Die französische Naval Group bietet Argentinien drei U-Boote der Scorpène-Klasse im ähnlichen Preissegment. Aus technischer Sicht erfüllen beide Optionen die Anforderungen Argentiniens.

Argentinien auf internationaler Bühne

Argentinien gibt vergleichsweise wenig für sein Militär aus. Gleichwohl beteiligt sich das Land seit Jahrzehnten an UN‑Friedensmissionen und ist nach Uruguay der zweitgrößte Truppensteller der Region. Aktuell engagiert sich Argentinien unter anderem in Zypern, im Südsudan, in Kolumbien sowie im Nahen Osten (Israel/Syrien).

Argentinien gehört nicht der NATO an, hat aber 2024 einen Antrag auf den Status als "Global Partner" gestellt und war in der Vergangenheit an NATO‑Missionen auf dem Balkan (SFOR, KFOR) beteiligt. Präsident Milei hat die Beziehungen im Zuge seiner klaren Westorientierung intensiviert; perspektivisch könnte Argentinien den Status eines wichtigen "Non‑NATO Ally" erreichen.

Als entscheidend für den Zuschlag an Deutschland könnte sich die Absicherung von 85 Prozent des Kaufvolumens über Exportkreditgarantien (Hermes-Bürgschaften) erweisen; 15 Prozent zahlt Argentinien an, der Rest soll über langfristige Kredite abgewickelt werden. Die Bundesregierung hat die Exportgenehmigung bereits erteilt, auch aus geostrategischen Erwägungen: Ein erfolgreicher Abschluss würde nicht nur die deutsch-argentinische Partnerschaft, sondern auch die Marktposition von TKMS in ganz Südamerika stärken.

Für künftige Geschäfte dürfte die Finanzierungsfrage ebenfalls zentral sein. Mileis Motto "No hay plata" (Es ist kein Geld da) gilt auch für die Verteidigung. Für 2026 sah der Budgetentwurf von 2025 für das Verteidigungsministerium zum damaligen Umrechnungskurs rund 2,9 Milliarden US$ vor. Der Großteil entfiel auf Personalkosten. Für Betriebskosten und Anschaffungen von Gerät blieben nur rund 620 Millionen US$.

Das ist nicht viel. Allerdings stammen viele Mittel in der Praxis nicht ausschließlich aus dem Verteidigungshaushalt. Zudem werden sie über verschiedene Finanzierungsmechanismen über mehrere Jahre hinweg gestreckt. Dies ermöglicht dann doch die Umsetzung politisch gewollter Projekte – und von diesen gibt es einige.

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Kreditfinanzierte Kampfjets

Das derzeit wichtigste Projekt ist die Modernisierung der Luftwaffe. Das Vorhaben umfasst die Beschaffung von 24 aus dänischen Beständen stammenden F‑16‑Kampfjets für rund 300 Millionen US$. Die Finanzierung erfolgt mit Hilfe von Kreditmitteln aus den USA und Dänemark. Die ersten sechs Maschinen wurden bereits 2025 geliefert. Die letzte Auslieferung ist bis 2028 vorgesehen.

Doch der Kauf allein reicht nicht aus. Die große Herausforderung besteht darin, die Jets in die vorhandenen Waffensysteme zu integrieren. Derzeit gibt es keine Piloten, die sie fliegen können. Zudem fehlt es an Infrastruktur wie Hangars sowie geeigneten Start- und Landebahnen.

Allerdings besteht Hoffnung: Wie die Zeitung La Nación berichtete, will das Pentagon zusätzlich ein 33 Millionen US$ schweres Ausbildungsprogramm finanzieren. Außerdem soll es einen Fünf-Jahres-Vertrag zur technischen Unterstützung mit Lockheed Martin geben, so Infodefensa.

Grundlage ist das Rahmenabkommen "Acuerdo de Cooperación en Defensa" von 2024. Für Argentinien ist insbesondere das Ziel interessant, Fábrica Argentina de Aviones (FAdeA) als lokalen Wartungspartner für US-Militärflugzeuge wie die F-16 zu qualifizieren. FAdeA ist eine der staatlichen und halbstaatlichen Rüstungsfirmen Argentiniens.

Modernisierung schafft Potenzial für PPP‑Modelle

Doch außer dem Satelliten- und Nuklearkonzern INVAP gelten die meisten dieser Unternehmen als ineffizient, unterfinanziert und wenig innovativ. Die wichtigsten sind:

  • Flugzeugbau & Wartung: FAdeA
  • High‑Tech, Radar, Satelliten: INVAP
  • Marine & Schiffsbau: TANDANOR
  • Waffen & Militärfahrzeuge: Fabricaciones Militares
  • Technologie & Cyberabwehr: SpaceSUR, Antares, BASE4 Security

Die daraus folgende geringe Wettbewerbsfähigkeit ist dabei derzeit das kleinere Problem. Deutlich schwerer wiegt die fehlende Infrastruktur, um moderne Waffensysteme ohne Verzögerungen zu integrieren.

Teilweise Abhilfe schaffen könnten öffentlich-private Projekte (PPP), so Battaleme. Ein strategischer Vorteil für ausländische Rüstungsfirmen könnte dabei die große Entfernung Argentiniens zu globalen Krisenherden sein. Darüber hinaus böte das Investitionsförderprogramm RIGI Anreize für Großinvestitionen. Zwar griffen diese erst ab Investitionen von 200 Millionen US$ – doch bei politisch präferierten Vorhaben gäbe es sicher Spielraum.

Erste private Fluggesellschaft zur Antarktis – mehr private Investitionen erwünscht

Einen ersten Ansatz für mehr Privatwirtschaft gibt es in Ushuaia. Die Kleinstadt in Patagonien ist wichtigster Ausgangshafen für Antarktis-Kreuzfahrten und Sitz des Südlichen Marinekommandos (ANAU), das auch Such- und Rettungseinsätze bis in die Antarktis durchführt. Gemeinsam mit Chile versorgt die Marine Forschungsstationen und patrouilliert südlich der Drake-Passage, um auf Notfälle schneller reagieren zu können. Vor allem medizinische Evakuierungen nehmen mit dem wachsenden Antarktis‑Tourismus und dem hohen Alter vieler Passagiere zu.

Die Hafenanlagen in Ushuaia reichen bereits heute nicht mehr aus. Daher plant die Marine einen integrierten neuen Stützpunkt mit zusätzlichem Pier und Logistikzentrum nahe dem internationalen Flughafen. Künftig könnten dort das argentinische Antarktisprogramm und die seiner Verbündeten geschützt in einer großen natürlichen Bucht operieren.

Zwischen militärischen und zivilen Akteuren wächst erstmals Einigkeit, den Privatsektor stärker einzubinden. So absolvieren derzeit private Anbieter Trainingsflüge zur Antarktisbasis Petrel. Auch der geplante Stützpunkt dürfte weitere Investitionsmöglichkeiten eröffnen, so der Kommandant vor Ort.