Wirtschaftsausblick | Australien

Krieg in Nahost bremst Australiens Wirtschaft

Energiepreisschock und geopolitische Spannungen schwächen Australiens Wirtschaft deutlich. Wachstum, Konsum und Investitionen verlieren an Dynamik. Preise und Zinsen steigen.

Von Daniel Lenkeit | Sydney

Top-Thema: US-Krieg gegen Iran trifft Australien bei Energieimporten

Der Krieg der USA gegen Iran ist das zentrale Konjunkturrisiko 2026. Seit Beginn der Blockade der Straße von Hormus sind die Preise für Erdöl, LNG, raffinierte Kraftstoffe, Düngemittel und auch Frachtkosten deutlich gestiegen. Die Geschäftsbank Westpac erwartet eine vollständige Normalisierung der Schifffahrt erst bis Mitte 2027.

Zwar schieben höhere LNG- und Kohlepreise Exporterlöse und Staatseinnahmen an. Gleichzeitig belasten jedoch höhere Ausgaben für Diesel, Benzin, Kerosin und Düngemittel Haushalte, Landwirtschaft, Bau, Transport und Industrie.

Zudem sind viele Abnehmer australischer Rohstoffe, vor allem in Asien, Nettoenergieimporteure. Wenn höhere Energiepreise dort Industrieproduktion, Konsum und Investitionen schwächen, kann dies die Nachfrage nach australischen Exporten dämpfen.

Wirtschaftsentwicklung: Ohne Schwung

Australiens Wirtschaft verliert 2026 deutlich an Schwung. Westpac erwartet, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Jahresende nur noch 1 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt. Für 2027 sind 1,6 Prozent prognostiziert.

Hauptgrund ist der Energiepreisschock infolge des Kriegs im Iran und der Störungen der Energieexporte aus dem Mittleren Osten. Die australische Zentralbank RBA bewertet die Lage als schwierig. Schon vor Beginn des Konflikts lag die Inflation über dem Zielniveau von 2 bis 3 Prozent. Der Arbeitsmarkt war angespannt. Höhere Öl-, Gas-, Fracht- und Vorleistungskosten verschärfen den Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstum.

Australien ist zugleich Gewinner und Verlierer höherer Energiepreise. Das Land exportiert viel LNG und Kohle und profitiert von höheren Rohstofferlösen, ist aber Nettoimporteur von Öl und raffinierten Kraftstoffen. Laut RBA werden fast 80 Prozent des Bedarfs an Benzin, Diesel und Kerosin importiert. Höhere Exporterlöse gleichen die Belastungen nicht aus.

Ausblick bleibt verhalten

Australien dürfte 2026 weiter wachsen, jedoch klar unter dem Potenzialwachstum von 2,25 Prozent, das Westpac errechnet hat. Rohstoffexporte, die öffentliche Nachfrage, Rechenzentren und Energieprojekte verhindern einen stärkeren Einbruch. Gleichzeitig bremsen hohe Energiepreise, steigende Zinsen, schwächere Realeinkommen und unsichere Absatzperspektiven das Wachstum. Für deutsche Unternehmen bleibt Australien ein attraktiver, aber selektiver Markt. Entscheidend ist, ob Vorhaben an langfristige Investitionstrends anknüpfen und nicht allein auf kurzfristiger Konsumdynamik beruhen.

Verbraucherstimmung angespannt

Der private Konsum bleibt Wachstumsträger, verliert aber an Kraft. Westpac erwartet für den Haushaltskonsum 2026 nur ein reales Plus von 1,2 Prozent, nach 2,4 Prozent im Jahr 2025. Erst 2027 soll sich der Konsum mit 2,1 Prozent etwas erholen. Höhere Kosten für Kraftstoffe, Transport und Lebenshaltung sowie steigende Zinsen belasten die verfügbaren Einkommen. Haushalte mit geringem Einkommen, niedrigen Ersparnissen oder hoher Abhängigkeit vom Auto müssen Ausgaben eher kürzen.

Die Verbraucherstimmung bleibt schwach. Der Westpac-Melbourne Institute Consumer Sentiment Index fiel im Juni 2026 auf 80,6 Punkte. Nach einer leichten Erholung im Vormonat zeigt der Wert weiterhin eine pessimistische Konsumentenhaltung.

Steigende Preise verhindern Lockerung der Geldpolitik

Der Inflationsausblick hat sich eingetrübt. Westpac erwartet Ende 2026 einen Verbraucherpreisanstieg von 4,9 Prozent. Die Kerninflation soll 4,0 Prozent erreichen. Auch die RBA erwartet einen kräftigen Preisschub.

Der Energiepreisschock wirkt direkt und indirekt. Laut RBA stieg die monatliche Inflation im März 2026 auf 4,6 Prozent. Höhere Kraftstoffpreise trugen 0,8 Prozentpunkte bei. Auch Transport-, Fracht- und Logistikkosten sowie Preise für ölbasierte Vorprodukte steigen.

Die RBA hat im Mai 2026 den Leitzins auf 4,35 Prozent angehoben. Westpac erwartet zwei weitere Zinsschritte auf 4,85 Prozent. Dies soll die Preissteigerung einfangen, wird aber vor allem den Konsum und die Investitionen weiter schwächen.

Investitionsklima gedämpft

Die Firmeninvestitionen wachsen langsamer. Für 2026 erwartet Westpac ein Plus von 1,8 Prozent, nach 4,4 Prozent im Jahr 2025. Für 2027 werden 2,0 Prozent prognostiziert.

Belastend wirken höhere Zinsen, Baukosten und Energiepreise sowie eine Unsicherheit bei Nachfrage und Lieferketten. Betroffen sind vor allem Transport, Bau, Landwirtschaft, Bergbau und energieintensive Firmen.

Zu den Wachstumstreibern zählen die Nachfrage nach Rechenzentren, Software und KI-Anwendungen sowie der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Strominfrastruktur. Der Einkaufsmanagerindex signalisiert jedoch nur eine leichte Stabilisierung. Der Judo Bank Manufacturing Index lag im Mai 2026 mit 50,7 Punkten knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Deutsche Perspektive: EU-Australien-Freihandelsabkommen unterzeichnet

Für deutsche Firmen ist der Abschluss der Verhandlungen über das EU-Australien-Freihandelsabkommen strategisch wichtig. Das Abkommen wird aktuell juristisch geprüft und tritt nach den finalen Unterschriften und den nationalen Ratifizierungsverfahren in Kraft. Dieser Prozess wird wahrscheinlich erst 2027 abgeschlossen.

Die EU-Kommission erwartet, dass mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Exporte nach Australien entfallen. Relevant sind Maschinenbau, Kfz und Kfz-Teile, Chemie, Pharma, Elektrotechnik, Medizintechnik, Umwelttechnik, digitale Dienstleistungen und professionelle Services. Das Abkommen soll zudem den Zugang zu kritischen Rohstoffen verbessern und den öffentlichen Beschaffungsmarkt transparenter machen. 

Mittelfristig kann das Abkommen die Markteintrittskosten senken, regulatorische Sicherheit erhöhen und deutschen Firmen helfen, gegenüber Wettbewerbern aufzuholen. Chancen bieten Infrastrukturinvestitionen, etwa in Energieversorgung, Netze, Rohstoffverarbeitung, Automatisierung, Wasser- und Umwelttechnik, Medizintechnik, digitale Gesundheit und industrielle Effizienz.

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