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Bosnien und Herzegowina: Bewährter Kfz-Zulieferstandort im Wandel

Das Westbalkanland ist wichtiger Bestandteil europäischer Kfz-Wertschöpfungsketten. Zulieferer müssen ihre Produkte an die E-Mobilität anpassen. Das eröffnet neue Geschäftschancen.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Belgrad

Bosnien und Herzegowina ist ein etablierter Fertigungsstandort für die europäische Kfz-Zulieferindustrie. Grundlage dafür bilden das Know-how der Fachkräfte und die bestehenden industriellen Traditionen und Kapazitäten aus jugoslawischen Zeiten. Hinzu kommen wettbewerbsfähige Lohnkosten und die günstige geografische Lage, die just-in-time-Lieferungen ermöglicht. Lokale Zulieferbetriebe sind stark in internationale Lieferketten eingebunden, beliefern aber meistens nicht direkt die OEMs (Original Equipment Manufacturer), also die Autobauer, sondern deren Lieferanten.

Lieferantenstruktur ist breit aufgestellt

Die Kfz‑Zulieferindustrie in Bosnien und Herzegowina besteht überwiegend aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Aktuell sind etwa 80 lokale Firmen sowie ausländische Investoren mit Produktionsstandorten vertreten.. Neben lokalen Branchengrößen wie Prevent, Aluminij Mostar oder Pobjeda sind mit Volkswagen, Mann+Hummel oder Selzer auch Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen vor Ort tätig.

Autozulieferindustrie in Bosnien und Herzegowina auf einen Blick
  • Anzahl der Firmen in der direkten Automotive-Wertschöpfungskette: bis zu 80 OEM (Tier1- / Tier2-Lieferanten)
  • Anzahl der Firmen in der indirekten Wertschöpfungskette (Metallverarbeitung, Kunststoff, Werkzeugbau, Logistik): bis zu 300
  • Beschäftigte in der Automobil-Wertschöpfungskette: bis zu 20.000
  • Produkte: Metall-, Kunststoff-, Elektronik-, Gummi- oder Textilteile
  • Exportvolumen: über 1 Milliarde Euro pro Jahr, davon mehr als 90 Prozent in die EU

Betriebe in Rajlovac produzieren Schlüsselkomponenten für DSG-Automatikgetriebe europäischer Hersteller. Polsterstoffe von Prevent in Goražde sind in jedem sechsten europäischen Pkw verbaut. Lokale Kfz-Teilehersteller legen ihre Schwerpunkte auf die Produktion von Metallwaren, Kunststoffteilen, sowie Gummiwaren und Textilien für die Kfz-Industrie. Daneben verfügt der Standort aber auch über Engineering-Knowhow.

Ausgewählte deutsche Autozulieferer in Bosnien und Herzegowina
UnternehmenProdukt und Standort
EMKAProduktion von Kunststoffteilen für die Kfz-Industrie in Goražde
GrammerProduktion von Sitzen in Zenica und Žepče
Mahle Electric Drive SystemsProduktion von Elektromotoren, Rotoren und Statoren in Laktaši
Mann+HummelProduktion von Filtersystemen für die Kfz-Industrie in Tešanj
PASSProduktion von Gummischläuchen für die Kfz-Industrie in Bijeljina
Selzer AutomotiveProduktion von Metallteilen in Sarajevo-Rajlovac
VeritasProduktion von Gummi- und Kunststoffteilen für die Kfz-Industrie in Sarajevo-Rajlovac
VolkswagenProduktion von Kfz-Bauteilen in Vogošća bei Sarajevo
Quelle: Automotive Industry Association Bosnia and Herzegovina 2026, Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Die Wirtschaftskammer der Föderation Bosnien und Herzegowina nimmt aktuell steigendes Interesse deutscher Firmen wahr, die ein lokales Engagement in den Bereichen Präzisionsbearbeitung von Metallteilen, Kunststoffen sowie Elektromotoren erwägen.

Zulieferer müssen ihr Produktportfolio an E-Mobilität anpassen

Kfz-Lieferanten aus Bosnien und Herzegowina produzieren aktuell Komponenten vor allem für Verbrennermodelle. Doch der Trend zur Dekarbonisierung in Europa, die Änderung der Kaufgewohnheiten sowie staatliche Anreizsysteme zur Ankurbelung des Absatzes von E-Autos machen eine schrittweise Transformation der Lieferketten hin zur Elektromobilität notwendig. 

„Die Elektromobilität ist auch einer der wichtigsten neuen Trends im Automobilsektor von Bosnien und Herzegowina“

erläutert Armin Hodžić, Leiter der Automotive Industry Association (AIA) bei der Wirtschaftskammer der Föderation Bosnien und Herzegowina.

Auf der Internationalen Konferenz zur Elektromobilität „The Beginning or end of the ICE age“ vom 6. bis 7. November 2025 in Sarajevo, erhielten die Vertreter lokaler Zulieferbetriebe einen Einblick in die wachsende Notwendigkeit, ihr Produktportfolio anzupassen. Der Übergang zur E-Mobilität bedeutet für lokale Zulieferbetriebe vor allem eine Weiterentwicklung bestehender Kompetenzfelder. Der Wandel zur E-Mobilität muss sich an diesen bestehenden Stärken orientieren und diese in Richtung Hochvolt, Elektronik und Leichtbau weiterentwickeln, anstatt völlig neue Sektoren aus dem Nichts zu schaffen. So lautet die zentrale Erkenntnis für die Wirtschaftskammer der Föderation Bosnien und Herzegowina, den Organisator dieser Fachkonferenz.

Bestimmte Karosseriebaugruppen, Licht- und Sicherheitssysteme sowie Interieurteile und Sitze werden auch in Elektroautos benötigt und haben somit eine Zukunft. Doch Motorkomponenten, Filtersysteme oder Schaltgetriebe dürften zum Auslaufmodell werden. Stattdessen wird die Nachfrage nach Batteriegehäusen und -halterungen, Kabeln und Steckverbindern sowie elektromechanischen Baugruppen steigen.

Vorreiter der Transformation sind internationale Firmen. Das deutsche Unternehmen Mahle Electric Drives Bosnia erweiterte 2024 für 20 Millionen Euro sein Werk zur Produktion von elektrischen Antriebssystemen in Laktaši. Die slowenische Firma Kolektor erweitert am gleichen Standort die Fertigung von Komponenten für elektrische Antriebe.

Recycling von Batterien für E-Mobile bietet Chancen

Der Wandel zur E-Mobilität wird stark von Autobauern aus Mitteleuropa getrieben. Deutschland ist 2025 nach China der zweit größte Produzent von Elektromobilen der Welt. Lokale Zulieferer müssen auf die sich verändernden Anforderungen ihrer Kunden reagieren, auch beim Thema Recycling.

Aktuell gibt es in Bosnien und Herzegowina keine Produktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen. Die Integration in die Wertschöpfungsketten bei Batteriezellen könnte in erster Linie über mechanische Komponenten wie das Gehäuse erfolgen.

Zudem bergen die Demontage von Batteriemodulen, das Recycling der Batteriezellen, sowie die Rückgewinnung von Lithium zur Herstellung neuer Batterien mit einem Volumen von bis zu 200.000 Tonnen pro Jahr Potenzial.

Klimaplan und Förderprogramme treiben Transformation an

Doch auch in Bosnien und Herzegowina selbst geht die Entwicklung hin zu nachhaltiger Mobilität voran. Der Integrierte Energie- und Klimaplan (NEKP) stellt einen strategischen Rahmen für die Dekarbonisierung aller Sektoren, einschließlich des Verkehrssektors, dar. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor 8 Prozent betragen. Die E-Mobilität ist aktuell noch nicht Teil des Plans. Zu den größten Herausforderungen gehört die mit rund 400 Stationen unzureichend entwickelte Ladeinfrastruktur. Der NEKP sieht daher Investitionen in den Ausbau des Ladenetzes, die Einführung einer CO-basierten Umweltgebühr sowie Anreize für den Kauf von Elektrofahrzeugen vor, erklärt Viktorija Musa vom Wirtschaftsministerium Bosnien und Herzegowinas.

Auf gesamtstaatlicher Ebene werden Fördermaßnahmen initiiert, wie die Befreiung von Zöllen für die Einfuhr von Elektrofahrzeugen. Die Föderation Bosnien und Herzegowina stellt jährlich rund 500.000 Euro für den Kauf von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen bereit. Die Republika Srpska gewährt Zuschüsse für neue E-Fahrzeuge, abhängig von der Fahrzeugklasse. Im Januar 2026 waren 1.200 reine E-Mobile sowie rund 6.500 Hybridmodelle im Land gemeldet.

Kontaktadressen
BezeichnungAnmerkungen
Germany Trade & InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
Delegation der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina (AHK)Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Foreign Investment Promotion Agency (FIPA)Investitionsagentur Bosnien und Herzegowinas
Automotive Industry Association (AIA)Automobilverband
Außenhandelskammer VTKgesamtstaatliche Handelskammer
Föderale Wirtschaftskammerzuständig für die Föderation Bosnien und Herzegowina
Wirtschaftskammer der Republika Srpskazuständig für die Republika Srpska
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2023

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