Branche kompakt | Brasilien | Landwirtschaft
Branchenstruktur
Hochproduktive Großbetriebe dominieren den Sektor. Der Landmaschinenbau ist lokal aufgestellt. Dünge- und Pflanzenschutzmittel hängen stark von Importen ab.
31.03.2026
Der Agrarsektor leistet einen überproportionalen Beitrag zum Wirtschaftswachstum Brasiliens und gilt als besonders krisenresistent. Die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit, steigende Produktivität, zunehmende Weltnachfrage sowie der wachsende Bedarf für Bioenergie und Biokraftstoffe sprechen für ein weiterhin starkes Wachstum der brasilianischen Forst-, Land- und Viehwirtschaft.
Agribusiness als wichtiger Stützpfeiler der Wirtschaft
Die gesamte Wertschöpfungskette des Agrobusiness beschäftigt rund ein Viertel der brasilianischen Arbeitnehmer und trägt ebenso viel zum brasilianischen Bruttoinlandsprodukt bei. Agrargüter erwirtschaften fast die Hälfte des gesamten Exportwerts Brasiliens. Die umsatzstärksten Produkte sind Soja, Rindfleisch, Mais, Milch, Zucker, Geflügelfleisch, Kaffee und Baumwolle. Brasilien ist der weltweit größte Exporteur von Orangensaft, Soja, Zucker, Geflügel- und Rindfleisch, Mais, Kaffee und Baumwolle.
| Kennziffer | 2025 |
|---|---|
| Einwohner (Mio.) | 213,4 |
| Ackerfläche (ha) | 63.398.0001) |
| Landwirtschaftliche Nutzfläche (ha) | 236.758.8002) |
| Anteil der Landwirtschaft im engeren Sinne an der Entstehung des BIP (in %) | 7,5 |
| Anteil des Agribusiness3) an der Entstehung des BIP (in %) | 24,4 |
| Exporte Agrargüter in Mrd. US-Dollar (SITC 0) | 90,96 |
| Exporte Agrargüter in Mrd. US-Dollar (nach erweiterter Abgrenzung des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums) | 169,2 |
Großkonzerne dominieren die Produktion
Brasiliens Agrarproduktion konzentriert sich auf rund 300.000 Großbetriebe, die knapp 80 Prozent des Bruttowerts erzielen. Weitere 800.000 Betriebe tragen etwa 13 Prozent bei. Die restlichen 7 Prozent verteilen sich auf rund 4 Millionen kleinbäuerliche Betriebe.
Die Produktion der Großkonzerne ist hochgradig automatisiert und digitalisiert. Einige sind an der Börse gelistet. 2025 schnitten die Fleischkonzerne Minerva, MBRF (nach Fusion von Marfrig und BRF) und JBS besonders gut ab. BrasilAgro und SLC Agrícola verzeichneten leichte Verluste. Die Zucker-Ethanol-Giganten Raízen und São Martinho strichen hohe Rückschläge ein.
| Name | Geschäftsfeld | Umsatz 20241) | Veränderung zum Vorjahr2) |
|---|---|---|---|
| Raízen (JV von Shell und Cosan) | Bioethanol; 35 Zuckerrohr-Farmen mit rund 860.000 ha Fläche | 47.360 | 15,8 |
| Marfrig (Teil von MBRF) | Fleischkonzern mit etwa 25% Eigenmast; 8 eigene Rinder-Mastbetriebe (Feedlots) mit einer Kapazität von rund 143.000 Rindern | 27.618 | 12,6 |
| Grupo Amaggi | Trader mit 5% bis 10% Eigenproduktion - Anbauflächen von rund 370.000 ha, Soja, Mais und Baumwolle | 7.533 | -9,5 |
| SLC Agrícola | 22 Farmbetriebe in 7 Bundesstaaten, Agrarfläche von insgesamt 734.000 ha, hauptsächlich Sojabohnen, Mais und Baumwolle | 1.604 | -6,4 |
| BP Bioenergia (vormals BP Bunge) | Bioethanol; Zuckerrohranbau auf 355.000 ha Fläche, 11 Mühlen in fünf Bundesstaaten | 1.576 | 7,0 |
| Grupo Bom Futuro | Bewirtschaftet über 650.000 ha Fläche; Soja, Mais, Baumwolle und Rinderhaltung | 1.340 | 1,6 |
| São Martinho | Bioethanol; Zuckerrohranbau auf 350.000 ha Fläche + 4 Fabriken in São Paulo und Mato Grosso do Sul | 1.329 | 3,9 |
| Tereos Açúcar e Energia Brasil | Bioethanol; Zuckerrohranbau auf 300.000 ha Fläche | 1.257 | 0,9 |
| BrasilAgro | Eigenanbau auf 273.000 ha; Soja, Mais, Baumwolle, Zuckerrohr und Rinderhaltung; Piauí, Maranhão, Mato Grosso, Goiás, Minas Gerais und Bahia | 198 | -21,0 |
| Grupo Scheffer | 10 Farmen zwischen Mato Grosso do Sul und Maranhão mit insgesamt 215.000 ha Fläche; Soja, Mais, Baumwolle und Viehwirtschaft | 403 | 4,9 |
| Insolo | 150.000 ha Fläche; Soja, Mais und Baumwolle; Bundesstaaten Piauí, Tocantins und Maranhão | - | - |
Große Abnehmer von Agrarprodukten sind Trading-Gesellschaften aber auch Nahrungsmittelkonzerne, von denen beispielsweise Amaggi und Marfrig auch in die Eigenproduktion investieren. Im Bioethanol-Sektor bauen die Konzerne Zuckerrohr oft selbst an. Produzenten von Biodiesel und Ethanol aus Mais bauen die Agrarrohstoffe nicht an.
Viele Familienbetriebe sind zu Genossenschaften zusammengeschlossen, die oft auch die Versorgung mit Vorprodukten, industrielle Verarbeitung, Verkauf und Außenhandel übernehmen. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) fördert Genossenschaften in Brasilien und hat ein Büro vor Ort.
| Name | Geschäftsfeld | Umsatz 20241) | Veränderung 2024/20232) |
|---|---|---|---|
| Coamo | Getreide (Soja, Mais und Weizen), Betriebsmittel und Lebensmittelverarbeitung, 29.000 Mitglieder | 4.969 | -5,1 |
| Aurora | Produktion und Vermarktung von Produkten aus Schweinen, Geflügel und Milchprodukten; Zusammenschluss von 14 Genossenschaften und mehr als 150.000 Betrieben | 4.234 | 13,5 |
| Lar Cooperativa Agroindustrial | Getreide und Fleischagroindustrie (Geflügel und Schweine) sowie verarbeitete Lebensmittel; 12.000 Mitglieder in Paraná | 4.029 | -6,8 |
| C. Vale | Getreide, Schweinezucht, Fischzucht und Geflügel, 23.300 Mitglieder in Südbrasilien | 3.968 | -10,1 |
| Cooperativa Comigo | Soja, Mais und Sorghum, 8.800 Mitglieder in Goiás | 2.030 | -14,3 |
| Cooxupe | Produktion, Verarbeitung und Export von Arabica-Kaffee, über 16.000 Mitglieder | 1.984 | 66,3 |
| Copacol | Geflügel, Fisch, Schweine, Soja und Mais, ca. 6.000 Miglieder in Paraná | 1.891 | 8,1 |
| Cocamar | Kaffee, Soja, Mais, Weizen und Orangensaft; 16.000 Mitglieder in Paraná, São Paulo, Mato Grosso do Sul | 1.815 | -19,8 |
| Cooperalfa (Teil der Aurora Gruppe) | Getreide, Milch, Schweine, Geflügel und Supermärkte | 1.563 | 1,2 |
| Coopercitrus | Betriebsmittel, Landmaschinen und technische Beratung | 1.473 | 5,0 |
| Agrária | Soja, Mais, Weizen und Gerste | 1.292 | 2,1 |
Wichtiger Produktionsstandort für Landmaschinen
Professionelle Großflächenbetriebe, die Skaleneffekte gleichermaßen produktiv wie nachhaltig zu nutzen wissen, passen ideal zum Innovations- und Leistungsanspruch der europäischen Landmaschinen- und Traktorenindustrie, sagt Philip Nonnenmacher. Er ist Marktexperte des Fachverbands Landtechnik beim europäischen Maschinenbauverband VDMA.
Wenn es darum geht, echte Zukunftspotentiale im Agribusiness zu heben, führt an Brasilien längst kein Weg mehr vorbei. (Philip Nonnenmacher, VDMA Landtechnik)
Brasiliens großer Markt zieht immer mehr deutsche Fabrikanten an. 2024 erwarben die Amazonen-Werke den brasilianischen Hersteller MP Agro. Im März 2023 eröffnete Horsch seine Fabrik in Curtiba (Paraná). Auch deutsche Hersteller von Komponenten und Werkzeugmaschinen für Landmaschinen produzieren vor Ort. Claas und Fendt beliefern den Markt, produzieren aber nicht in Brasilien.
Zu den Marktführern zählen John Deere, CNH Industrial (New Holland und Case IH), ACGO do Brasil (Fendt, Massey Ferguson und Valtra), Mahindra und Yanmar. Die multinationalen Konzerne betreiben Fabriken und meist auch eigene Entwicklungszentren in Brasilien. Große nationale Agrarmaschinenproduzenten sind Jacto, Agrale und Stara. Laut Branchenverband Anfavea stieg der Absatz 2025 um 13 Prozent auf 55.298 große Landmaschinen. Die wichtigsten Lieferländer waren Indien, China, die USA, Finnland und Deutschland.
Sparte | Produktion 2025 | Veränderung 2025/2024 | Marktanteil |
|---|---|---|---|
Landmaschinen | 55.298 | 13,9 | 54 |
Düngemittel | 7.220 | 2,5 | 14,7 |
Stickstoff | 501*) | -40,03 | 7,5 |
| Phosphat | 1.948*) | -3,42 | 29,9 |
| Kalium | 216*) | 11,8 | 2,5 |
| Pflanzenschutzmittel | 1.772 | 6,1 | 30 |
Hohe Importabhängigkeit bei Agrarchemikalien
Bei landwirtschaftlichen Vorprodukten steigt die Importabhängigkeit seit Jahren an. Drei Viertel der Makronährstoffe zur Düngung werden importiert und vor Ort vermischt. Besonders hoch ist der Importanteil bei Kalium und Stickstoff. Ebenso deutlich ist die Abhängigkeit beim Pflanzenschutz. Der Großteil der zugrundeliegenden Wirkstoffe wird importiert. Hauptlieferland ist China, weit vor Indien, den USA, Deutschland und der Schweiz. Die Endprodukte werden meist vor Ort hergestellt. Generika und fallende Preise drücken den Umsatz mit chemischen Pflanzenschutzmitteln. Außerdem kommen Direktsaat und biologische Pflanzenschutzmittel auf. Diesen Trend soll der neue Rechtsrahmen 15.070/2024 festigen. Zur Agrarchemie bietet die Branche kompakt Chemie weitere Informationen.
Agrarzulieferer konkurrieren um den Wachstumsmarkt
Nach einer fünfjährigen Pause stieg die deutsche DVA Gruppe 2021 erneut in den brasilianischen Markt ein. Im Jahr 2024 eröffnete DVA Agro ein Forschungszentrum in Indaiatuba im Bundesstaat São Paulo. Auch Claas, Stihl, Bosch/BASF und viele andere betreiben eigene Forschungs- und Kompetenzzentren vor Ort. Das SAP Labs Latin America in São Leopoldo entwickelt Technologien für das Agribusiness. Deutsche Anbieter von Landmaschinen, Agrarchemikalien, digitalen Anwendungen, Bewässerungsanlagen, Zuchtvieh und Saatgut treffen auf hohen Wettbewerb.
Brasilien ist einer der wichtigsten Wachstumsmärkte weltweit. Das tropische bis subtropische Klima erfordert einen intensiven Pflanzenschutz sowie eine aufwendige Bodenpflege und Düngung, ermöglicht dafür zwei bis drei Ernten im Jahr. Multinationale Unternehmen aus allen Bereichen sind im Land vertreten. Um sich zu behaupten, muss das Geschäftsmodell auf den Markt zugeschnitten sein. Neben sogenannten Tropikalisierung der Technologie sind auch Logistik, Vertrieb, Kundendienst, Finanzierung und weitere Aspekte auf den Markt abzustimmen.
Von der Kornkammer zum Supermarkt der Welt
Im Jahr 2022 überholte Brasilien die USA und stieg zum weltweit wichtigsten Lieferland von verarbeiteten Nahrungsmitteln auf. Derzeit sind die Hälfte der brasilianischen Exporte Agrarrohstoffe. Damit besteht noch viel Potenzial für Wachstum.