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Chinas Raumfahrtsektor wächst rasant – staatlich gesteuert
Der zweitgrößte Raumfahrtmarkt der Welt weist hohe Dynamik und Innovationen auf. Kooperationen bleiben aufgrund der Nähe zu militärischen Anwendungen schwierig.
22.07.2026
Für 2026 erwartet das Beratungsunternehmen CCID Consulting Group ein Wachstum des chinesischen Raumfahrtsektors von über 30 Prozent auf ein Volumen von rund 180 Milliarden US-Dollar (US$).
Parallel steigt die industrielle Aktivität. Im Jahr 2025 wurden 92 Raketenstarts durchgeführt, etwa 28 Prozent aller weltweiten Starts. Durch die USA als führende Raumfahrtnation wurden in dem Jahr doppelt so viele Raketen Richtung Orbit abgeschossen, in Europa sieben. Gleichzeitig treibt China den Ausbau großflächiger Satelliteninfrastrukturen voran. Dazu zählt das staatlich dominierte Guowang-Satellitennetzwerk, das bis 2035 insgesamt 12.992 Satelliten umfassen soll. Ergänzend entstehen kommerzielle Programme wie Qianfan mit rund 15.000 geplanten Satelliten bis 2030 sowie Honghu‑3 mit bis zu 10.000 Einheiten.
Von Komponenten bis Kleinsatelliten: Die wachsende Rolle privater Raumfahrtunternehmen in China
Trotz dieser Dynamik handelt es sich nicht um einen liberalisierten Markt. Vielmehr folgt der Sektor einem klar staatlich gesteuerten Entwicklungsmodell. Seit der Öffnung für private Investitionen im Jahr 2014 hat sich ein Ökosystem von rund 600 Unternehmen entwickelt. Dieses trägt gezielt zur Umsetzung industriepolitischer Ziele bei. Staatliche Akteure kontrollieren weiterhin Schlüsselbereiche. Dazu zählen Trägerraketen, große Satellitenprogramme und strategische Infrastrukturen. Beispiele sind die Long‑March‑Raketen oder die Raumstation Tiangong.
Weiterführende Informationen
Das GTAI-Webinar "From Orbit to Market – East Asia" vom Juni 2026 beleuchtet Marktchancen, zentrale Akteure und rechtliche Rahmenbedingungen der Raumfahrtindustrie in China, Japan und Südkorea. Die Präsentation und Aufzeichnung stehen online zur Verfügung.
Private Unternehmen übernehmen vor allem Aufgaben bei Innovation und Skalierung. Dies gilt insbesondere für wiederverwendbare Trägersysteme, kostengünstige Kleinsatelliten und die Komponentenfertigung. Die industrielle Leistungsfähigkeit zeigt sich in konkreten Produktionskapazitäten. Der staatliche Hersteller China Spacesat plant bis Ende 2026 Kapazitäten von bis zu 1.300 Satelliten jährlich. Private Anbieter wie Shanghai Gusi oder Geespace können jeweils mehrere hundert Einheiten produzieren.
Name | Sitz | Produktionskapazität gegen Ende 2026 *) | Geplante Produktion für 2026 *) | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
Beijing | 1.300 | 540 bis 720 | staatlich | |
Shanghai Gusi Aerospace Technology Co., Ltd. | Shanghai | 600 | über 300 | privat |
Zhuhai | 600 | 80 bis 100 | privat | |
Shanghai Huhang Satellite Technology Co., Ltd. | Shanghai | 500 | über 150 | privat |
Hangzhou | 500 | 100 bis 150 | privat | |
Changchun | 400 | 100 bis 150 | staatlich | |
Beijing | 300 | 100 bis 150 | privat | |
Aerospace Science and Technology Space Engineering Development Co., Ltd. | Wuhan | 240 | 100 bis 150 | staatlich |
China Aerospace Science and Technology Corporation Commercial Satellite Co., Ltd. | Xiong’an | 200 | 50 bis 100 | staatlich |
China Strategic Technology Group
| Hongkong | 200 | k.A. | privat |
Harbin | 180 | k.A. | privat |
Die Entwicklung folgt einer klar strukturierten politischen Roadmap. Mit der Regierungsentscheidung "Document 60" wurde 2014 der Einstieg privaten Kapitals ermöglicht. Der Infrastrukturplan von 2015 definierte zentrale Anwendungsfelder wie Erdbeobachtung, Navigation und Kommunikation.
Der 25‑Jahresplan von 2024 konkretisiert langfristige Ziele: Dazu zählen eine bemannte Mondmission bis 2030 sowie eine internationale Mondbasis bis etwa 2035. Ein Meilenstein auf diesem Weg war die erste Landung auf der Rückseite des Mondes durch Change-4 im Jahr 2019. Mit dabei war ein Strahlenmessexperiment der Universität Kiel.
Ergänzend formuliert der Aktionsplan von 2025 kurzfristige Ziele. Dazu gehört die Schaffung eines koordinierten industriellen Ökosystems bis 2027. Diese politische Steuerung wird durch erhebliche finanzielle Mittel flankiert. Im Jahr 2024 flossen rund 2,6 Milliarden US$ in kommerzielle Raumfahrtprojekte.
Staatliche Dominanz und Rolle privater Unternehmen
Ein zentrales Merkmal des chinesischen Raumfahrtsektors ist die enge Verzahnung ziviler und militärischer Anwendungen. Besonders deutlich wird dies beim Aufbau globaler Satelliteninternet‑Konstellationen. Diese können neben kommerziellen Anwendungen auch strategische Funktionen erfüllen. Große Programme wie Guowang stehen unter staatlicher Kontrolle. Kommerzielle Projekte unterliegen häufig staatlicher Aufsicht und Beteiligung.
Der Ausbau von Startkapazitäten und orbitaler Infrastruktur erfolgt mit hoher Geschwindigkeit. Zwischen 2021 und 2025 stieg die Zahl der jährlichen Raketenstarts von 55 auf 92. Gleichzeitig vervierfachte sich die Zahl kommerzieller Starts nahezu. China verfügt über sieben Startplätze mit 25 Rampen, inklusive drei neue kommerzielle Standorte wie der Offshore‑Spaceport Haiyang und in Hainan.
Internationale Skalierung durch Raumfahrttechnologie: Von Tiangong bis LEO-Breitbandlösungen
Neben der Industrialisierung des erdnahen Orbits bleibt die Raumstation Tiangong ein zentrales Symbol technologischer Ambitionen. Sie dient zugleich als Plattform für Forschung und internationale Kooperation.
Raumfahrt wird zudem gezielt als außenwirtschaftliches Instrument eingesetzt. China bietet internationalen Partnern integrierte Lösungen an. So plant das Staatsunternehmen Shanghai Spacecom Satellite Technology die Zusammenarbeit für Low Earth Orbit (LEO) Breitband mit etwa 30 Ländern des globalen Südens. Plattformen wie SpaceMapper erleichtern den Zugang zu Satellitendaten und binden internationale Kunden ein.
Raumfahrt als Instrument der Außenwirtschaft
Regulatorisch bleibt der Sektor stark kontrolliert. Die China National Space Administration CNSA fungiert als zentrale Steuerungsinstanz. Große Staatskonzerne wie CASC sowie neue Akteure wie China SatNet setzen zentrale Programme um.
Exportkontrollen, Lizenzanforderungen und strenge Endverwendungsauflagen prägen das regulatorische Umfeld, geopolitische Konflikte erstrecken sich bis in den Weltraum. Dies beeinträchtigt internationale Kooperationen. Über die Internationale Fernmeldeunion ITU sichert sich China frühzeitig Frequenzen und Orbitalpositionen, bis Mitte 2026 hatte China bei der ITU über 200.000 Satellitenplätze reserviert.
Chancen für deutsche Unternehmen
Für deutsche Unternehmen ergeben sich trotz regulatorischer Herausforderungen punktuelle Chancen entlang der Wertschöpfungskette für nicht sensible Produkte, wie der Vergleich zu KI-Anwendungen in der Robotik zeigt.
Auch bei Komponenten für Trägersysteme und Satelliten ergeben sich Beschaffungspotenziale. Angesichts absehbarer Überkapazitäten, insbesondere in der Satellitenproduktion, können Unternehmen von wettbewerbsfähigen Preisen und neuen Zuliefermöglichkeiten profitieren. Dabei sind Exportkontroll- und Compliance-Vorgaben, insbesondere bei Dual-Use-Technologien, strikt zu beachten.
| Artikel (HS-Code) | 2023 | 2024 | 2025 | Veränderung in Prozent | |
|---|---|---|---|---|---|
| Raumfahrzeuge (880260 ) | Importe | 0 | 0 | 16,8 | - |
| Exporte | 4,9 | 260,1 | 41,8 | -83,9 | |
| Startausrüstungen, Deck-Arrester etc, (8805) | Importe | 128,9 | 116,9 | 203,2 | 73,8 |
| Exporte | 16 | 9,5 | 35,3 | 271,6 | |
| Radarausrüstungen (8526) | Importe | 2236,9 | 2376,3 | 2277,2 | -4,2 |
| Exporte | 2904,8 | 2947,4 | 2901,1 | -1,6 | |
| Richtungsfindungskompasse und Navigationssysteme (9014) | Importe | 334,3 | 334,8 | 464,8 | 38,8 |
| Exporte | 140,8 | 113,2 | 121,5 | 7,3 | |
| Summe | Importe | 2700,1 | 2828,0 | 2962,0 | 4,7 |
| Exporte | 3666,5 | 3330,2 | 3099,7 | -6,9 |