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So integriert China KI in die Industrierobotik
Chinas KI‑getriebene Robotik eröffnet deutschen Maschinenbauern neue Kooperationschancen.
05.06.2026
Von Robert Herzner | Hongkong
China ist der wichtigste Einzelmarkt für Industrierobotik – und treibt im neuen Fünfjahresplan die nächste Entwicklungsstufe voran: die Verknüpfung von Robotik mit Künstlicher Intelligenz (KI).
Während die USA bei „Cutting‑Edge“‑Basismodellen, Software‑Ökosystemen und Hochleistungsrechnern führend bleiben, setzt China stärker auf schnelle Kommerzialisierung und kosteneffiziente Anwendungen. Exportkontrollen und der eingeschränkte Zugang zu Spitzenhardware verstärken diesen pragmatischen Kurs. KI soll breit in Industrie und Alltag diffundieren – besonders in Robotik, autonomem Fahren und industriellen Anwendungen.
Vom Industrieroboter zu „verkörperter KI“
Viele Industrieroboter sind zwar hochpräzise, aber meist stationäre Spezialmaschinen. Die Dynamik entsteht dort, wo KI Robotern mehr Wahrnehmung, Lernfähigkeit und Autonomie verleiht. Dies wird oft als „Embodied AI“ beziehungsweise „verkörperte KI“ beschrieben. Hier sieht die chinesische Politik einen Hebel für Produktivität, Industrie‑Upgrading und die Bewältigung struktureller Herausforderungen wie Arbeitskräftemangel und steigende Lohnkosten. Besonders sichtbar ist der Boom bei humanoider Robotik. China verfügt bereits über rund 200 Hersteller, 2025 sollen etwa 90 Prozent der weltweit produzierten und exportierten humanoiden Roboter aus China gekommen sein.
Gleichzeitig bleibt humanoide Robotik ein kleines Segment im Vergleich zur Masse an Industrierobotern: In China lag die Produktion von Industrierobotern 2025 bei rund 556.000 Einheiten, während Humanoide mit 12.800 Stück deutlich darunter lagen, so Angaben von Bloomberg. Die menschenähnlichen Roboter werden überwiegend in begrenzten, standortspezifischen Tests eingesetzt – etwa in Logistik, Forschung, Trainingszentren oder Fabriken für Elektrofahrzeuge bei einfachen Inspektions‑ und Sortieraufgaben.
China treibt lokales Ökosystem voran
Der Anteil Chinas an den weltweiten Industrieroboter‑Installationen stieg von 21 Prozent (2013) auf rund 54 Prozent (2024). Parallel verschiebt sich der heimische Markt zu chinesischen Anbietern: Chinesische Hersteller lieferten 2024 erstmals über 57 Prozent der in China installierten Industrieroboter.
Regional sind vor allem drei Cluster prägend: die Metropolenräume Peking, Jangtse‑Delta (unter anderem Shanghai/Hangzhou) und Greater Bay Area (Shenzhen/Guangzhou/Foshan/Dongguan). Gerade Südchina profitiert von einer leistungsfähigen Industrieproduktion und Elektroniklieferkette, schneller Prototypisierung und ausgeprägter Open‑Source‑Kultur – Faktoren, die die Kommerzialisierung von KI‑Robotik beschleunigen.
Elektromobilität als Fundament der Supply Chain
Komponenten und Teile sind in Chinas verarbeitetem Gewerbe schnell und individuell verfügbar. Große Konzerne wie TCL und Huawei investieren gezielt in Robotik-Start-ups, insbesondere bei Humanoiden, um neue Use Cases zu platzieren. Bemerkenswert ist auch die Rolle von Open Source: Viele chinesische KI- und Robotikprojekte setzen bewusst auf offene Modelle, um Vertrauen zu schaffen und die Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern. Das unterscheidet China von den USA und beschleunigt die Technologieentwicklung.
China bewegt sich schnell bei der Lokalisierung der humanoiden Hardware-Lieferkette (Aktuatoren, Motoren, Reduzierer, Sensoren, Batterien) und profitiert dabei vom starken Ökosystem für Elektromobilität. Dessen Zulieferketten enthalten bereits Komponenten, die sich für Robotik adaptieren lassen. Die Abhängigkeit von insbesondere KI-Chips und dem Software-Ökosystem für Training, Simulation und Steuerung von Nvidia und US-Plattformen bleibt bestehen – das ist ein Risiko für chinesische Anbieter, aber auch ein Treiber für verstärkte Lokalisierungsbemühungen.
So können deutsche Firmen von Chinas Robotikmarkt profitieren
Gerade bei High-End-Präzisionsteilen bestehen weiterhin Chancen für deutsche Unternehmen: Schaeffler hat 2026 eine strategische Partnerschaft mit Leju Robotics in Suzhou geschlossen, um humanoide Roboter für industrielle Anwendungen wie Fabrikinspektion und Logistik weiterzuentwickeln. Schaeffler liefert Schlüsselkomponenten wie Wälzlager, Präzisionsgetriebe und Sensorik und plant, bis 2035 mehrere Tausend humanoide Roboter in die eigene Produktion zu integrieren. Der chinesische Partner verspricht sich von der Zusammenarbeit, eigene Prototypen schneller reif für die Fabriken zu machen.
Neura Robotics aus Metzingen expandiert mit einem neuen Hub in Hangzhou und baut dort ein globales Netzwerk für physische KI auf. Die Niederlassung mit dem Trainingscenter NEURAgym dient als Plattform für datengetriebene Robotikentwicklung, Kooperationen mit chinesischen Industriepartnern und die Skalierung des humanoiden Roboters 4NE-1 – mit direktem Zugang zu Lieferketten und Fertigungskapazitäten.
Einkaufsbedarf von chinesischer Seite besteht bei präzisen mechanischen Schlüsselkomponenten, Antriebstechnik, Lager- und Getriebetechnologie sowie industrieller Qualitätssicherung. Solange chinesische Hersteller bei High-End-Komponenten noch auf Importe angewiesen sind, bleibt ein Zulieferfenster – besonders für humanoide Robotik. Gleichzeitig ist dies ein Markt, der rasch „lokalisiert“ werden dürfte; deshalb sind frühe Partnerschaften, lokale Service-Strukturen und Co-Engineering-Modelle entscheidend. Kooperationsmöglichkeiten gibt es bei innovativen Produktionsprozessen. Die Geschwindigkeit und Effizienz chinesischer Hersteller bieten deutschen Unternehmen Chancen für Kosteneinsparungen und schnellere Produktionsprozesse.
Firmenname | Sitz | Produktfokus |
|---|---|---|
UBTech Robotics | Shenzhen | Humanoide Roboter (Industrie, Service, Bildung) |
Unitree Robotics | Hangzhou | Humanoide und bewegliche Roboter (Low‑Cost, Serienproduktion) |
AgiBot | Shanghai | KI‑basierte humanoide Roboter, VLA‑Modelle |
Fourier Intelligence | Shanghai | Humanoide Robotik, Rehabilitation und Industrieanwendungen |
RobotEra | Beijing | Humanoide Roboter, industrielle Anwendungen |
EngineAI | Shenzhen | Humanoide Systeme, robotische Bewegungssteuerung |
Astribot | Shenzhen | Serviceroboter und humanoide Systeme |
LimX Dynamics | Shenzhen | Dynamische humanoide Robotik, Bewegungsplattformen |
PaXini Tech | Shenzhen | Humanoide Roboterlösungen, modulare Systeme |
Booster Robotics | Beijing | Humanoide Roboter für Industrie und Forschung |
Zunehmend drängen chinesische Unternehmen in die EU, für sie bestehen Herausforderungen allerdings bei der Erfüllung europäischer Standards wie CE-Kennzeichnung und Maschinenrichtlinien; einige chinesische Hersteller erfüllen diese bereits, andere stehen noch vor Markteintrittsbarrieren. Viele chinesische Unternehmen streben zudem Internationalisierung und Export an, was Kooperationen und Lieferbeziehungen mit deutschen Firmen erleichtert, aber auch den Wettbewerb erhöht.