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So integriert China KI in die Industrierobotik

Chinas KIgetriebene Robotik eröffnet deutschen Maschinenbauern neue Kooperationschancen. 

Von Robert Herzner | Hongkong

China ist der wichtigste Einzelmarkt für Industrierobotik – und treibt im neuen Fünfjahresplan die nächste Entwicklungsstufe voran: die Verknüpfung von Robotik mit Künstlicher Intelligenz (KI)

Während die USA bei „CuttingEdgeBasismodellen, SoftwareÖkosystemen und Hochleistungsrechnern führend bleiben, setzt China stärker auf schnelle Kommerzialisierung und kosteneffiziente Anwendungen. Exportkontrollen und der eingeschränkte Zugang zu Spitzenhardware verstärken diesen pragmatischen Kurs. KI soll breit in Industrie und Alltag diffundieren – besonders in Robotik, autonomem Fahren und industriellen Anwendungen. 

 

Vom Industrieroboter zu „verkörperter KI“ 

Viele Industrieroboter sind zwar hochpräzise, aber meist stationäre Spezialmaschinen. Die Dynamik entsteht dort, wo KI Robotern mehr Wahrnehmung, Lernfähigkeit und Autonomie verleiht. Dies wird oft als „Embodied AI“ beziehungsweise „verkörperte KI“ beschrieben. Hier sieht die chinesische Politik einen Hebel für Produktivität, IndustrieUpgrading und die Bewältigung struktureller Herausforderungen wie Arbeitskräftemangel und steigende Lohnkosten. Besonders sichtbar ist der Boom bei humanoider Robotik. China verfügt bereits über rund 200 Hersteller, 2025 sollen etwa 90 Prozent der weltweit produzierten und exportierten humanoiden Roboter aus China gekommen sein. 

Gleichzeitig bleibt humanoide Robotik ein kleines Segment im Vergleich zur Masse an Industrierobotern: In China lag die Produktion von Industrierobotern 2025 bei rund 556.000 Einheiten, während Humanoide mit 12.800 Stück deutlich darunter lagen, so Angaben von Bloomberg. Die menschenähnlichen Roboter werden überwiegend in begrenzten, standortspezifischen Tests eingesetzt – etwa in Logistik, Forschung, Trainingszentren oder Fabriken für Elektrofahrzeuge bei einfachen Inspektions und Sortieraufgaben.  

China treibt lokales Ökosystem voran 

Der Anteil Chinas an den weltweiten IndustrieroboterInstallationen stieg von 21 Prozent (2013) auf rund 54 Prozent (2024). Parallel verschiebt sich der heimische Markt zu chinesischen Anbietern: Chinesische Hersteller lieferten 2024 erstmals über 57 Prozent der in China installierten Industrieroboter. 

Regional sind vor allem drei Cluster prägend: die Metropolenräume Peking, JangtseDelta (unter anderem Shanghai/Hangzhou) und Greater Bay Area (Shenzhen/Guangzhou/Foshan/Dongguan). Gerade Südchina profitiert von einer leistungsfähigen Industrieproduktion und Elektroniklieferkette, schneller Prototypisierung und ausgeprägter OpenSourceKultur – Faktoren, die die Kommerzialisierung von KIRobotik beschleunigen.

Elektromobilität als Fundament der Supply Chain 

Komponenten und Teile sind in Chinas verarbeitetem Gewerbe schnell und individuell verfügbar. Große Konzerne wie TCL und Huawei investieren gezielt in Robotik-Start-ups, insbesondere bei Humanoiden, um neue Use Cases zu platzieren. Bemerkenswert ist auch die Rolle von Open Source: Viele chinesische KI- und Robotikprojekte setzen bewusst auf offene Modelle, um Vertrauen zu schaffen und die Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern. Das unterscheidet China von den USA und beschleunigt die Technologieentwicklung. 

Der chinesische Markt ist weniger auf niedrige Preise, sondern vielmehr auf Geschwindigkeit und Skalierbarkeit fokussiert. Die schnelle Kommerzialisierung und flexible Produktion sind zentrale Wettbewerbsvorteile. Innovation entsteht durch die Kombination von KI und Robotik, unterstützt durch die Supply Chain und die Bereitschaft, neue Technologien rasch zu implementieren.

Deutscher Forscher Greater Bay Area 

China bewegt sich schnell bei der Lokalisierung der humanoiden Hardware-Lieferkette (Aktuatoren, Motoren, Reduzierer, Sensoren, Batterien) und profitiert dabei vom starken Ökosystem für Elektromobilität. Dessen Zulieferketten enthalten bereits Komponenten, die sich für Robotik adaptieren lassen. Die Abhängigkeit von insbesondere KI-Chips und dem Software-Ökosystem für Training, Simulation und Steuerung von Nvidia und US-Plattformen bleibt bestehen – das ist ein Risiko für chinesische Anbieter, aber auch ein Treiber für verstärkte Lokalisierungsbemühungen.

So können deutsche Firmen von Chinas Robotikmarkt profitieren

Gerade bei High-End-Präzisionsteilen bestehen weiterhin Chancen für deutsche Unternehmen: Schaeffler hat 2026 eine strategische Partnerschaft mit Leju Robotics in Suzhou geschlossen, um humanoide Roboter für industrielle Anwendungen wie Fabrikinspektion und Logistik weiterzuentwickeln. Schaeffler liefert Schlüsselkomponenten wie Wälzlager, Präzisionsgetriebe und Sensorik und plant, bis 2035 mehrere Tausend humanoide Roboter in die eigene Produktion zu integrieren. Der chinesische Partner verspricht sich von der Zusammenarbeit, eigene Prototypen schneller reif für die Fabriken zu machen. 

Neura Robotics aus Metzingen expandiert mit einem neuen Hub in Hangzhou und baut dort ein globales Netzwerk für physische KI auf. Die Niederlassung mit dem Trainingscenter NEURAgym dient als Plattform für datengetriebene Robotikentwicklung, Kooperationen mit chinesischen Industriepartnern und die Skalierung des humanoiden Roboters 4NE-1 – mit direktem Zugang zu Lieferketten und Fertigungskapazitäten.

Was Neura in Hangzhou macht, sehen wir bei vielen deutschen Robotik-Firmen: Sie kommen nicht wegen niedriger Kosten nach China, sondern wegen Tempo. Was in Stuttgart oder Augsburg sechs Monate dauert, vom Prototyp zur Pilotlinie, schafft die chinesische Lieferkette in zwei bis drei Wochen. Diese Geschwindigkeit ist heute das eigentliche Asset, nicht der Preis.

Thomas Derksen Asiabits

Einkaufsbedarf von chinesischer Seite besteht bei präzisen mechanischen Schlüsselkomponenten, Antriebstechnik, Lager- und Getriebetechnologie sowie industrieller Qualitätssicherung. Solange chinesische Hersteller bei High-End-Komponenten noch auf Importe angewiesen sind, bleibt ein Zulieferfenster – besonders für humanoide Robotik. Gleichzeitig ist dies ein Markt, der rasch „lokalisiert“ werden dürfte; deshalb sind frühe Partnerschaften, lokale Service-Strukturen und Co-Engineering-Modelle entscheidend. Kooperationsmöglichkeiten gibt es bei innovativen Produktionsprozessen. Die Geschwindigkeit und Effizienz chinesischer Hersteller bieten deutschen Unternehmen Chancen für Kosteneinsparungen und schnellere Produktionsprozesse.  

Top-Robotikfirmen in China (Auswahl)

Firmenname 

Sitz 

Produktfokus 

UBTech Robotics 

Shenzhen 

Humanoide Roboter (Industrie, Service, Bildung) 

Unitree Robotics 

Hangzhou 

Humanoide und bewegliche Roboter (LowCost, Serienproduktion) 

AgiBot 

Shanghai 

KIbasierte humanoide Roboter, VLAModelle 

Fourier Intelligence 

Shanghai 

Humanoide Robotik, Rehabilitation und Industrieanwendungen 

RobotEra 

Beijing 

Humanoide Roboter, industrielle Anwendungen 

EngineAI 

Shenzhen 

Humanoide Systeme, robotische Bewegungssteuerung 

Astribot 

Shenzhen 

Serviceroboter und humanoide Systeme 

LimX Dynamics 

Shenzhen 

Dynamische humanoide Robotik, Bewegungsplattformen 

PaXini Tech 

Shenzhen 

Humanoide Roboterlösungen, modulare Systeme 

Booster Robotics 

Beijing 

Humanoide Roboter für Industrie und Forschung 

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Zunehmend drängen chinesische Unternehmen in die EU, für sie bestehen Herausforderungen allerdings bei der Erfüllung europäischer Standards wie CE-Kennzeichnung und Maschinenrichtlinien; einige chinesische Hersteller erfüllen diese bereits, andere stehen noch vor Markteintrittsbarrieren. Viele chinesische Unternehmen streben zudem Internationalisierung und Export an, was Kooperationen und Lieferbeziehungen mit deutschen Firmen erleichtert, aber auch den Wettbewerb erhöht.