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EU fördert Investitionen in Beitrittskandidatenländern
Die EU verbindet ihre Erweiterungspolitik in Südosteuropa zunehmend mit ihren Außenhilfen. Daneben bieten Garantien Chancen für Unternehmen, die dort investieren möchten.
18.12.2025
Von Henri Cartier, Laura Sundermann | Brüssel, Bonn
Die Europäische Union koppelt ihre geopolitischen Ziele stärker an konkrete Investitionsprogramme. Das zeigen zum einen die jüngsten politischen Debatten zur EU-Erweiterung. Zum anderen legen die Mitgliedsländer auch in den Ausschüssen der EU-Kommission zum Instrument für Heranführungshilfe (IPA III) und zum Instrument für Nachbarschaft, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit (NDICI) einen stärkeren Fokus auf eine strategischere Ausrichtung der Programme.
Dadurch ergeben sich neue Marktchancen für Unternehmen unter anderem in Südosteuropa, der Türkei und angrenzenden Regionen.
EU setzt auf wirtschaftliche Transformation im erweiterten Europa
Der EU-Erweiterungsprozess wird zunehmend als wirtschaftliches Projekt verstanden. Vertreter aus den Westbalkanländern und der Republik Moldau betonten im Rahmen des EU-Western Balkan Summits Anfang Dezember 2025, dass Investitionen in Infrastruktur, Energie, Digitalisierung und Governance entscheidend für die EU-Integration sind. Auch internationale Institutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sehen darin zentrale Hebel für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
Ein zentraler Referenzrahmen für diese Entwicklung ist der Economic and Investment Plan for the Western Balkans. Der von der Europäischen Kommission vorgestellte Plan zielt darauf ab, die Region wirtschaftlich zu entwickeln und die Konvergenz mit der Europäischen Union zu fördern.
Was ist der Economic and Investment Plan for the Western Balkans?
Der Plan ist eine Initiative der Europäischen Union zur Förderung von Wachstum und wirtschaftlicher Annäherung in den Beitrittskandidatenländern. Er verbindet Reformen mit Investitionen in Infrastruktur, Energie, Digitalisierung und private Wirtschaft.
Finanziert wird der Plan über Zuschüsse aus dem Instrument für Heranführungshilfe (IPA III) sowie über Investitionsgarantien des Europäischen Fonds für nachhaltige Entwicklung Plus (EFSD Plus). Ziel ist es, private Investitionen zu mobilisieren und die Region schrittweise an den EU-Binnenmarkt heranzuführen.
EU-Finanzierungsinstrumente schaffen Planungssicherheit
Die im Rahmen von IPA III und NDICI eingesetzten Finanzierungsinstrumente erhöhen die Planungssicherheit für Investoren in mehrfacher Hinsicht.
Zentrales Element ist der Europäische Fonds für nachhaltige Entwicklung Plus EFSD Plus (European Fund for Sustainable Development Plus), der Investitionen durch EU-Garantien absichert. Diese Garantien reduzieren zentrale Risiken, die Investitionen in Beitrittskandidatenländern häufig erschweren. Dazu zählen politische Risiken, Zahlungsrisiken sowie Unsicherheiten bei der Projektumsetzung. Durch die Risikoübernahme der Europäischen Union können Projekte auch in einem komplexen Marktumfeld finanziert werden, das für private Investoren allein nur schwer zugänglich wäre.
Hinzu kommt ein mehrjähriger Finanzierungsrahmen. Die im IPA-III- und NDICI-Ausschuss beschlossenen Maßnahmen sind in der Regel auf mehrere Jahre angelegt. Dies ermöglicht Unternehmen eine langfristige Projektplanung, etwa in den Bereichen Infrastruktur, Energie oder industrielle Produktion, und verringert das Risiko kurzfristiger Förderunterbrechungen.
Ein weiterer Stabilitätsfaktor ist die technische Unterstützung (Technical Assistance), die parallel zu den Finanzierungsinstrumenten bereitgestellt wird. Sie unterstützt lokale Behörden, Banken und Projektträger bei der Vorbereitung, Umsetzung und Überwachung von Investitionsprojekten. Dadurch sinken administrative Risiken, und die Qualität sowie Umsetzungsfähigkeit der Projekte steigen.
Schließlich stärkt die Kombination aus Zuschüssen und Garantien die Rolle lokaler Finanzinstitute. Banken erhalten die Möglichkeit, Kredite an Unternehmen zu vergeben, ohne das volle Risiko zu tragen. Für Investoren verbessert dies den Zugang zu Finanzierung vor Ort und sorgt für verlässliche Rahmenbedingungen.
Für Unternehmen bedeutet das insgesamt: EU-Förderinstrumente schaffen ein stabileres Investitionsumfeld, indem sie Risiken begrenzen, langfristige Perspektiven eröffnen und die Umsetzungsfähigkeit von Projekten steigern.
Wie EU-Förderinstrumente in der Praxis Investitionen absichern
Wie diese Instrumente konkret eingesetzt werden, zeigen aktuelle Maßnahmen in Südosteuropa und der Türkei.
In den Westbalkanstaaten bilden IPA III, EFSD Plus und der Economic and Investment Plan den zentralen Rahmen, um Infrastrukturprojekte, Energievorhaben, Digitalisierung sowie die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen zu fördern. EU-Garantien erleichtern hier insbesondere die Kreditvergabe durch lokale Banken und unterstützen Projekte entlang wichtiger Verkehrs- und Logistikkorridore.
Auch in der Türkei kommen diese Instrumente gezielt zum Einsatz. Im Rahmen mehrjähriger IPA-III- und NDICI-Maßnahmen werden unter anderem wirtschaftliche Reformprogramme, Investitionen in nachhaltige Infrastruktur sowie technische Hilfe für Finanzinstitutionen unterstützt. EFSD-Plus-Garantien sollen dabei private Investitionen mobilisieren und die Finanzierung von Projekten in Bereichen wie Energie, Industrie und Transport erleichtern.
In beiden Fällen verfolgt die EU einen ähnlichen Ansatz: Öffentliche Mittel werden genutzt, um private Investitionen abzusichern, Reformprozesse zu begleiten und langfristige wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen. Für Unternehmen entstehen dadurch konkrete Einstiegsmöglichkeiten in Märkte, die politisch priorisiert und finanziell unterstützt werden.
Informationen über Projekte und Ausschreibungen
Bei der Umsetzung von geberfinanzierten Vorhaben schreiben die Staaten die benötigten Bau-, Liefer- und Beratungsleistungen oft international aus.
GTAI informiert tagesaktuell mit Projektfrühinformationen und Hinweisen auf Ausschreibungen über die vielfältigen Geschäftschancen in der internationalen Zusammenarbeit. Die kostenfreie Datenbank ist nach Land, Branche und Geber filterbar.
GTAI veröffentlicht die Sitzungspläne und Projektbewilligungen der EU-Kommission sowohl zum Instrument für Nachbarschaft, Entwicklungszusammenarbeit und internationale Zusammenarbeit (NDICI) als auch zum Instrument für Heranführungshilfe (IPA III).
Unser E-Mail-Service Tenders & Projects Daily liefert Ihnen täglich die neuesten öffentlichen Ausschreibungen und Projekte aus der ganzen Welt - direkt in Ihr Postfach.
Fazit: Investitionsfenster steht weit offen
Die Kombination politischer Signale zur EU-Erweiterung und die finanziellen Entscheidungen im Rahmen von IPA III und NDICI schaffen ein günstiges Umfeld für Investitionen. Unternehmen finden in der Region zunehmend Unterstützung durch EU-Garantien, technische Hilfe und transparente Förderinstrumente. Gleichzeitig stärkt die Europäische Union mit Global Gateway ihre Rolle als langfristiger Finanzierungspartner für nachhaltige Infrastruktur.
Für Investoren ergeben sich konkrete Möglichkeiten in den Bereichen Infrastruktur, Logistik, Energie, Landwirtschaft, Digitalisierung und institutionelle Modernisierung.