Branche kompakt | Frankreich | Bauwirtschaft
Markttrends
Die französische Bauwirtschaft kommt nicht aus der Krise. Zwar hellt sich der Gebäudebau etwas auf. Angesichts staatlicher Finanzprobleme aber schwächelt nun der Infrastrukturbau.
23.12.2025
Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris
Prognostizierter Rückgang staatlicher Investitionen in den Infrastrukturbau 2026 im Vergleich zum Vorjahr.
Die französische Bauwirtschaft erwartet für das Jahr 2025 das dritte Rezessionsjahr in Folge. Der Branchenverband Fédération Francaise du Bâtiment (FFB) schätzt, dass der Gebäudebau im Jahr 2025 vom Volumen her um 3,4 Prozent zurückgeht. Zwar hellt sich zumindest der Wohnungsmarkt wieder etwas auf. Der Büro-, Gewerbe- und Industriebau hingegen verharrt mit einem Minuswachstum von 8 Prozent weiterhin im roten Bereich. Und auch die Renovierung von Substanzbauten, insbesondere die energetische Renovierung, geht gegenüber einem bereits schwachen Vorjahr weiter zurück. Der Branchenverband rechnet für 2026 im Hochbau mit einem Volumenrückgang von rund 2 Prozent.
Segment | Bauvolumen 2024 | Veränderung 2023/24 |
|---|---|---|
Neubau, davon | 90 | -10 |
Wohnungen | 48 | -15,8 |
Andere Gebäude | 42 | -2,3 |
Renovierung und Instandhaltung | 118 | 2,6 |
Gesamt | 208 | -3,3 |
Auch der bislang stabil laufende Infrastruktur- und Industriebau verliert an Dynamik. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet der Verband Fédération Nationale des Travaux Publics (FNTP) einen Volumenrückgang von 1,1 Prozent gegenüber 2024. Für das Jahr 2026 geht der Verband von einem weiteren Rückgang der Aktivität von knapp 2 Prozent aus. Grund hierfür sind im Wesentlichen sinkende Investitionen der finanziell ausgelaugten Kommunen.
Aufgrund der für März 2026 anstehenden Kommunalwahlen erwartet der Verband eine Karenzzeit bei Planungen von Infrastrukturprojekten, auch forciert durch die finanzielle und politische Unsicherheit auf Staatsebene. FNTP rechnet für 2026 mit einem Rückgang der kommunalen Investitionen um 6 Prozent. Stabiler hingegen entwickeln sich die Investitionen im Bereich Transport und Energie. Großprojekte wie der geplante Ausbau der Netzinfrastruktur, Megainvestitionen in Rechenzentren, der Bau von neuen Atomkraftwerken oder große Bahninfrastrukturprojekte federn das Ausbleiben kommunaler Aufträge zumindest teilweise ab.
Wohnungsbau zeigt fragile Erholung
Der Wohnungsbau zeigt nach massiven Einbrüchen in den Jahren 2024 und 2025 Anzeichen der Erholung. Sowohl die Baugenehmigungen als auch die Bauaufnahmen im Wohnungsbau legen nach einer langen Flauteperiode stark zu. Insbesondere der Individualwohnungsbau zieht von niedrigem Niveau aus wieder an, getrieben von gesunkenen Zinsen und Förderinstrumenten wie dem "Prets a taux zero" für Ersterwerber. Aber auch der Kollektivwohnungsbau gewinnt wieder an Schwung.
Jan-Okt. 2024 | Jan-Okt. 2025 | Veränderung in Prozent | |
|---|---|---|---|
| Baugenehmigungen | 246.241 | 319.145 | 29,6 |
| Bauaufnahme | 193.876 | 229.716 | 18,5 |
Trotz des leicht aufhellenden Geschäftsklimas bleiben Bauverband und Branchenunternehmen für das Jahr 2026 vorsichtig. Die anhaltende politische und Finanzkrise Frankreichs hemmt Privat- und institutionelle Investitionen. Vor allem der Bürobau kommt nicht aus der Krise. Die Nachfrage bleibt schwach. Telearbeit sowie stagnierende Mitarbeiterzahlen senken den Bedarf an neuer Bürofläche. Das Analyseinstitut Xerfi erwartet erst für 2027 eine Wiederbelebung des Büromarktes. Der Neubau an Gewerbeimmobilien hingegen leidet unter gesetzlichen Vorgaben zur Freiraumsicherung (Zero Artificialisation Nette (ZAN)). Dies erschwert den Bau neuer Gewerbebauten auf der grünen Wiese.
Wechselnde Fördervorgaben behindern die energetische Sanierung
Wohnungsbauunternehmen setzen zunehmend auf energetische Sanierung. Gesetzliche Vorgaben wie die 2022 in Kraft getretene Energieeffizienzrichtlinie RE 2020 oder das Décret Tertiaire verschärfen energie- und klimabezogene Vorgaben für Wohn-, Büro- und gewerbliche Immobilien.
Allerdings leidet der Sektor unter vielfältigen Änderungen staatlicher Fördersysteme wie der "MaPrimeRenov". Bauherren verlieren den Überblick über förderfähige Projekte und schieben Renovierungen auf.
Künstliche Intelligenz und Robotik gewinnen an Terrain
Im Zuge der Krise am Bau gewinnen Maßnahmen zur Kostensenkung an Gewicht. Industriell vorgefertigte Baumodule gelten als Lösung für schnelleres und damit kostengünstigeres Bauen. Allerdings fehlt es bislang laut FFB an einer hinreichenden Nachfrage. Auch die serielle Sanierung nach dem Energiesprong-System findet bislang keine Abnehmer. Unternehmen verlassen den Markt.
Digitale Lösungen wie virtuelle Zwillinge, Künstliche Intelligenz, Augmented Reality-Anwendungen oder Drohnen finden zunehmend Eingang bei Planung und Bau. Ziel ist, Prozesse zu beschleunigen, teure Baufehler zu vermeiden oder zumindest zeitnah feststellen zu können. Noch aber erfüllen KI-Anwendungen gerade am konkreten Bauprojekt nicht die in sie gesetzten Ansprüche. Experten erwarten eine vollständige KI-Integration ab 2028 oder 2029. Auch Robotik ist noch nicht am Bau angekommen. Bouygues Construction treibt das Thema voran und arbeitet seit Ende 2025 mit dem Robotikunternehmen Innodura an der Integration von Robotiklösungen am Bau.
Steigende Nachfrage nach Umwelt- und Energieeffizienzlösungen
Die drei französischen Baugrößen Vinci, Bouygues und Eiffage beherrschen den Infrastrukturbau. Großprojekte werden in aller Regel an eines dieser auch international aktiven Baukonglomerate vergeben. Für deutsche Unternehmen bestehen Beteiligungsmöglichkeiten als Subunternehmer oder im Rahmen einer Partnerschaft mit lokalen Unternehmen.
Geschäftschancen bieten sich insbesondere für Spezialtechnologien. So wurden die Tunnelbohrmaschinen für das Eisenbahntunnelprojekt Lyon-Turin von Herrenknecht hergestellt. Liebherr liefert Spezialkräne unter anderem für die Naval Group.
Aber auch Lösungen, die die Umwelt- und Klimabilanz von Bau- und Gebäudebetrieb verbessern, finden steigende Nachfrage. Die Einsparung von Treibhausgasemissionen sowie Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz sind stark gefragt, ebenso wie Technologien zur Wassereinsparung. Gerade bei Großprojekten wie dem angekündigten Bau von Datenzentren werden diese Fragen an Relevanz gewinnen.
Ein eigenständiges Agieren am Markt ist für deutsche Bauunternehmen aufgrund regulatorischer und gesetzlicher Vorgaben schwierig. Das französische Bau- und Gewährleistungsrecht legt an Bautätigkeiten teils deutlich strengere Maßstäbe an, als diese aus dem deutschen Recht bekannt sind. Dazu gehört unter anderem eine zehnjährige Haftung für Baumängel. Bauherren sollten auf einen hinreichenden Versicherungsschutz achten.
| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| RTE, Ausbau Hochspannungsnetz 2025 bis 2040 | 100 | Ankündigung Februar 2025 | Anpassung der Hochspannungsnetzinfrastruktur an Zukunftsbedarfe aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung von Wirtschaft und Gesellschaft |
| TELT (Tunnel Euralpin Lyon Turin), Lyon-Turin Eisenbahn- und Tunnelprojekt | 8,6 | Arbeiten und Ausschreibungen laufen, Inbetriebnahme des französisch-italienischen Tunnelteilstücks geplant 2032 | Juli 2021 Vergabe eines Teilstücks des Tunnelbaus an einen Zusammenschluss aus Vinci, Eiffage und Impenia (Schweiz) Oktober 2023 Vergabe der Verwertung von Aushubmaterial an einen Zusammenschluss unter Führung von Vinci (Auftragswert 800 Mio. Euro) |
| Canal Seine-Nord Europe | 5,2 | Ausschreibungen laufen, Baubeginn 2022, Inbetriebnahme geplant 2032 | Ausschreibungen der Hauptarbeiten für Terrassierung, Ingenieurbauwerke und Wiederherstellung von Verkehrsverbindungen (TOARC) in den Sektoren 2, 3 und 4 voraussichtlich 2026 |
| ProLogium (Taiwan); Batterieproduktion; Dunkerque | 5,2 | Abstimmungsverfahren läuft, Baubeginn geplant 2026, Produktionsbeginn geplant 2028 | Veranschlagte Baukosten 1 Milliarde Euro |
| EPR2-Nuklearkraftwerk Penly; Auftraggeber Électricité de France (EDF) | 4,0 | Baubeginn Mitte 2024, Inbetriebnahme geplant 2035/2036 | November 2023 Vergabe der Tiefbauarbeiten für zwei EPR2-Reaktoren an Eiffage |
| Datencenter, Montereau-Vallée-de-la-Sein | 4,0 | Ankündigung November 2025, Verhandlungen mit EDF laufen, Inbetriebnahme geplant 2027 | Ansiedlung auf dem Gelände eines stillgelegten EDF-Kohlekraftwerks, Bauherr: Iliad-Gruppe und InfraVia Capital Partners |
| Grand Paris Express, Metro 15 Ouest (Teilstück Ponts de Sèvres - La Défense); Auftraggeber Société du Grand Paris | 2,7 | Baubeginn 2024, Inbetriebnahme geplant 2031 | Juli 2023 Vergabe an Intensité15 (Zusammenschluss unter Führung von Vinci) |
| Grand Paris Express, Metro 15 Est (Teilstück Bobigny-Champigny-sur-Marne); Auftraggeber Société du Grand Paris | 2,5 | Baubeginn geplant Anfang 2026, Inbetriebnahme geplant 2030 | Dezember 2023 Vergabe an einen Zusammenschluss unter Führung von Eiffage |
Elektrizitätsstationen für Windparks (Bretagne-Süd, Narbonnaise Sud-Herault und Golfe de Fos) | 1,4 | Vertragsunterzeichnung September 2025 | Auftraggeber RTE, Vertragsunterzeichnung mit Eiffage-Tochter Smulders (belgisches Tochterunternehmen von Eiffage Metal France) |
| Windkraftpark Dunkerque, Auftraggeber Eoliennes en Mer de Dunkerque (EMD) (Tiefbau), RTE (Netzanbindung) | 1,4 | Abstimmungsphase läuft, Genehmigung Ende 2024, Baubeginn geplant Anfang 2025, Offshore-Installation 2026, Inbetriebnahme Ende 2027 | EMD: Zusammenschluss aus EDF und Enbridge Éolien France |