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Frankreichs Verteidigungssektor greift nach den Sternen

Frankreichs Verteidigungsbranche investiert. Drohnen, Robotik und Weltraum stehen im Fokus. Auch deutsche Unternehmen engagieren sich.

Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Frankreich

Frankreich rüstet auf. Die französische Regierung investiert trotz massiver Verschuldung und Sparzwang. Gut 57 Milliarden Euro, 9 Prozent mehr als noch im Vorjahr, fließen 2026 in das Verteidigungsbudget. „Ohne leistungsfähige Verteidigungsindustrie sind wir zu militärischer Abhängigkeit verurteilt“, warnte Präsident Macron im März 2026.

Verantwortung für Europas Sicherheit

Und auch für die kommenden Jahre sind Großausgaben geplant. Bis 2030 sieht die französische Regierung bislang ein Budget in Höhe von 413 Milliarden Euro für Rüstungsprojekte vor. Das Parlament verhandelt derzeit über eine weitere Anhebung des Finanzrahmens um 36 Milliarden Euro.

Trotz der angespannten Haushaltslage und 2027 anstehender Präsidentschaftswahlen erwarten französische Branchenexperten für die kommenden Jahre keine Budgetkürzungen. „Investitionen sind gekommen, um zu bleiben. Die geopolitische Situation wird sich über Jahrzehnte nicht entspannen. Keine neue Regierung wird die tatsächliche Bedrohungslage ignorieren können. Frankreich und Europa sind für ihre eigene Sicherheit verantwortlich“, so ein Vertreter eines in Frankreich produzierenden Rüstungsunternehmens. 

Um die geplanten Investitionen stemmen zu können, greift Frankreich unter anderem auf europäische Finanzierungsinstrumente zurück. Im März 2026 bewilligte die EU-Kommission eine Darlehenszusage in Höhe von 15 Milliarden Euro im Rahmen des SAFE-Programms.

Frankreich setzt auf Masse und Skalierung

Die französische Armee treibt Investitionen in Munition, Drohnen- und Drohnenabwehrsysteme und Abfangtechnologien sowie in Künstliche Intelligenz und den Cyberschutz voran. Dabei herrscht in Frankreich Pragmatismus: „Die Zeit für teure 120 Prozent-Technologie ist vorbei. Wir brauchen jetzt 80-Prozent-Technologie, die günstig und in Massen zu produzieren ist", so die einhellige Einschätzung deutscher und französischer Sicherheitsstrategen.

Frankreichs Verteidigungsinvestitionen 2026

  • 2.500 Mio. Euro für Munition
  • 600 Mio. Euro für Drohnen
  • 750 Mio. Euro in verteidigungsbezogene Weltraumprojekte
  • 900 Mio. Euro für Boden-Luft-Verteidigungssysteme, Abfangtechnologien
  • 500 Mio. Euro Cyberverteidigung
  • 400 Mio. Euro für KI-Anwendungen
  • 1.300 Mio. Euro für Innovationsförderung

Quelle: Verteidigungsministerium 2025

 

Und Frankreichs Unternehmen liefern. Delair, Produzent von Aufklärungs- und Kamikazedrohnen, sowie der erst 2024 gegründete Hersteller autonomer, KI-gesteuerter Drohnen Harmattan AI zeichnen sich durch extrem kurze Produktions- und Lieferzeiten aus. So lieferte Harmattan AI Anfang 2026 die ersten 1.000 Drohnen an die französische Direction générale de l’armement (DGA) - lediglich sechs Monate nach Auftragserteilung.

Robotik und Weltraumverteidigung im Fokus

Mittelfristig stellen sich Frankreichs Armee und Verteidigungsbranche auf eine neue Art der Kriegsführung ein. Laut dem Institut National des Affaires Stratégiques sollen Frankreichs Armeefähigkeiten bis 2040 zu einem wesentlichen Teil robotisiert sein. „Die Front wird nicht mehr mit Menschen, sondern mit intelligenten Robotern besetzt werden, die auch in der Lage sind, autonom zu agieren.", sind Vertreter der Rüstungsindustrie überzeugt. Dabei sind nicht nur technologische Fragen noch offen. Auch ethische Aspekte müssen noch grundlegend geklärt werden. 

Ebenfalls im Fokus steht die militärische Absicherung des Weltraums. Dafür stellt die französische Regierung 10,2 Milliarden Euro zwischen 2026 und 2030 zur Verfügung. Damit sollen der autonome Zugang zum Weltraum sowie die Entwicklung europäischer Satelliten- und Weltraumfrühwarnsysteme unterstützt werden. Mit Deutschland hat Frankreich im Oktober 2025 eine Absichtserklärung zur Entwicklung des weltraumgestützten Frühwarnsystems "Jewel" unterzeichnet. 

Die umfangreichen Investitionen Frankreichs in neue Felder der Verteidigungstechnik schaffen Kooperationsmöglichkeiten auch für branchenfremde Unternehmen. Gerade im Bereich Dual Use sieht die europäische Verteidigungsagentur (EDA) European Defence Agency Potential. So könnten beispielsweise zivile Anwendungen etwa der Landwirtschaft oder Logistik für Verteidigungsrobotik angepasst werden. 

Industriekooperationen haben Zukunftspotential

Auch für deutsch-französische Kooperationen bleibt Raum. Zwar laufen zur Zeit binationale oder europäische Großinitiativen wie das hochumstrittene FCAS-Projekt oder das ebenfalls notleidende Panzerprogramm MGCS (Main Ground Combat Systems) nur schleppend.

Wesentlich besser aber funktionieren gemeinsame Verteidigungsprojekte, wenn sie industriepolitisch sinnvoll und durch die Industriepartner auch gewollt sind, bewerten Branchenvertreter. 

So haben das französisch-belgische Unternehmen Arquus und Daimler Benz im Januar 2026 einen Gemeinschaftsauftrag über 7.000 Militär-Lkw für die französische Armee erhalten. Das deutsche Defensetech-Unternehmen Helsing und der französische KI-Anbieter Mistral AI arbeiten seit Februar 2025 im Rahmen einer strategischen Partnerschaft an der Entwicklung von KI-Verteidigungs-Systemen der nächsten Generation.

Renk Frankreich ist Zulieferer von Antriebssystemen unter anderem für den Leclerc-Panzer. Hensoldt France liefert unter anderem technologische Lösungen für den französischen Kampfflieger Rafale von Dassault. Und Safran Electronic & Defense kooperiert seit 2025 mit Rheinmetall Electronics im Bereich Verteidigungstechnologien.

Frankreichs Verteidigungsbranche expandiert

Angesichts der Größe und Stärke der französischen Verteidigungsbranche bleibt viel Raum für Zusammenarbeit. Denn Frankreichs Verteidigungsbranche ist gut aufgestellt. Mit Unternehmen wie Airbus Defence & Space, Safran, Dassault oder MBDA finden sich insgesamt sieben französische oder paneuropäische Unternehmen im SIPRI-Top-100-Ranking der wichtigsten Rüstungsunternehmen der Welt. 

Und die Branche expandiert weiter. So hat MBDA im März 2026 angekündigt, bis 2030 rund 5 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten zu investieren.