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Frankreichs Landwirtschaft – Krise oder Strukturwandel
Frankreichs Bauern protestieren. Die französische Landwirtschaft muss sich an neue Rahmenbedingungen anpassen. Junge Betriebe ergreifen die Initiative und investieren.
18.02.2026
Von Frauke Schmitz-Bauerdick | Paris
Ausblick der Landwirtschaft in Frankreich
Bewertung:
- Klimawandel, Arbeitskräftemangel, Überregulierung und Preiskämpfe belasten die Landwirtschaft.
- Rückgang kleiner und mittlerer Bewirtschaftungen dämpft Konjunkturaussichten für Landmaschinenhersteller.
- Junge Landwirtschaft orientiert sich in Richtung Nachhaltigkeit und Einsatz von Technologie.
Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2026
Markttrends
Die französische Landwirtschaft steckt in der Krise: Arbeitskräftemangel, Klimawandel und geringe Einkommen belasten einen ganzen Berufsstand. Epidemien, Preisverfall, CO2-Grenzausgleichsabgaben, Mercosur, Überregulierung und internationaler Wettbewerb drängen die Landwirte an den Rand ihrer Existenz– so zumindest sehen es die großen Landwirtschaftsverbände. Die Bauern gehen auf die Straße und protestieren.
| Kennziffer | Wert |
|---|---|
| Einwohner (in Millionen; Stand 1.1.2026) | 69,1 |
| Ackerfläche (in Millionen Hektar; 2023) | 27,2 |
| Anteil der Landwirtschaft an der Entstehung des BIP (in Prozent; 2024) | 1,3 |
| Exporte Agrargüter SITC 0 (in Milliarden Euro; 2024) | 66,1 |
Wirtschaftlich durchwachsenes Jahr 2025
Zwar präsentiert sich das Jahr 2025 aus wirtschaftlicher Sicht laut dem staatlichen Statistikamt INSEE nach zwei schwierigen Jahren wieder positiv: Sowohl Produktion, als auch Preise und Wertschöpfung der Landwirtschaft sind 2025 im Plus. Gleichzeitig sinkt der landwirtschaftliche Handelsüberschuss 2025 auf historisch niedrige 0,5 Milliarden Euro. Wegbrechende Ausfuhren von Wein und Spirituosen belasten die Außenhandelsbilanz. Aufgrund anhaltender Handelsauseinandersetzungen mit den Vereinigten Staaten und chinesischer Verbraucherzurückhaltung erwarten Wein- und Spirituosenexporteure für das Jahr 2026 keine wesentlichen Verbesserungen.
| Rahmendaten | Veränderung 2024/23 | Veränderung 2025/24 |
|---|---|---|
| Produktion Preis (nominal) | -3,8 | 1,6 |
| Produktion Volumen | -5,2 | 2,1 |
| Produktion Wert | -8,8 | 3,7 |
| Produktion Viehwirtschaft Wert | -0,9 | 9,2 |
| Produktion Pflanzenbau Wert | -15,7 | 0,6 |
| Wertschöpfung (real) | -13,0 | 6,9 |
Innovation ist Realität
Die Branche steht vor tiefgreifenden strukturellen und technologischen Veränderungen. Um den erforderlichen Anpassungsprozess zu bewältigen, muss investiert werden. Eine Studie der Crédit Agricole vom Dezember 2025 ermittelt einen Investitionsbedarf von 16 Milliarden bis 29 Milliarden Euro bis 2050, um Frankreichs Landwirtschaft bis zum Jahr 2050 resilient, nachhaltig und international wettbewerbsfähig aufzustellen. Automatisierung, Präzisionslandwirtschaft und Smart Agritech gelten als Mittel der Wahl, um Kosten zu sparen, den Ertrag zu erhöhen und die Arbeitslast zu senken.
Hebel für eine resiliente Landwirtschaft:
Agronomisch:
- Änderung der Fruchtfolgen
- Regenerative Landwirtschaft
Technologisch:
- Genetische Pflanzenverbesserung
- Präzisionslandwirtschaft, Robotisierung
Ökonomisch / organisatorisch:
- Nutzung Erneuerbarer Energien
- Zwischenfrüchten für energetische Nutzung (Biomethan / Biokraftstoffe)
- Mischbewirtschaftung
Quelle: Crédit Agricole, 2025
Vor allem jüngere, zukunftsgerichtete Betriebe verbinden heute Nachhaltigkeit und Technologie, beobachtet Branchenkenner Burkhard Schaer vom auf den Agrarbereich spezialisierten Marktanalysten Ecozept: „Direktvermarktung, kleine Höfe und Nachhaltigkeit stehen längst nicht mehr im Gegensatz zu Technologieeinsatz. Auch mittlere und kleinere Betriebe nutzen moderne Technik, etwa Melkroboter oder Roboter im Gemüsebau. Gleichzeitig wächst der Trend zu größeren Betriebseinheiten und überbetrieblichem Technologieeinsatz, was die Konkurrenzfähigkeit erhöht.“
Gerade in der nachhaltigen Landwirtschaft wird Innovation großgeschrieben, so Schaer. „Bäuerinnen und Bauern sind sehr technologieaffin, besonders im Biobereich. Umweltorientierte Innovationen werden von Genossenschaften und Verbänden vorangetrieben. Viele Landwirtinnen und Landwirte entwickeln zudem eigene Lösungen, die über informelle Netzwerke verbreitet oder von der Industrie aufgegriffen werden.“
Doch Innovation ist teuer. Bauern fordern finanzielle Unterstützung. Zwar gibt es zahlreiche, oft regionale Förderprogramme für Agritech, jedoch kritisiert der französische Rechnungshof deren Komplexität und mangelnde Zielgenauigkeit.
Landmaschinenhersteller müssen sich anpassen
Nicht nur die Landwirte, auch Landmaschinenhersteller müssen sich laut Landmaschinenverband Axema in den kommenden Jahrzehnten anpassen. Gerade der Bereich Traktoren leidet unter den Krisen und Veränderungen in der Landwirtschaft. So brachen die Zulassungen neuer Traktoren im Jahr 2025 um 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Und auch für die Zukunft geht der Landmaschinenverband von sinkenden Verkaufszahlen bei landwirtschaftlichem Gerät aus.
Etablierte Landmaschinenhersteller arbeiten daran, digitale und KI-Anwendungen sowie Robotik in die Produktpalette zu integrieren. Auch versuchen Hersteller, ihr Angebot an Motorisierungen auf CO2-arme Kraftstoffe auszuweiten, um den Maschinenpark zu dekarbonisieren. Dabei sind Unternehmen gezwungen, die Balance zwischen Investition und Bezahlbarkeit innovativer Produkte zu halten. Der Branchenverband Axema kritisiert, dass regulative Vorgaben dringend erforderliche Lösungen wie Robotik verlangsamen und Forschung und Entwicklung übermäßig verteuern.
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
Branchenexperten bewerten die Lage der französischen Landwirtschaft abseits der aufgeheizten Stimmung differenziert. Zwar kämpfen gerade kleinere Höfe nicht selten ums Überleben. Geschätzt 25 Prozent der Betriebe aber sind wirtschaftlich sehr stark aufgestellt. Die Landwirtschaft ist keine sterbende Branche, sondern eine Branche im strukturellen und technologischen Wandel.
Landwirtschaft im Strukturwandel
So verändert sich die Struktur der Bewirtschaftungen, auch geschuldet dem laufenden Generationenwechsel. Bis 2030 werden rund 50 Prozent der noch 2020 aktiven Landwirte in Rente gehen, oft ohne Nachfolger. Bei im Wesentlichen gleichbleibender Agrarfläche nimmt die Anzahl kleinerer Höfe ab, dafür steigt die Zahl größerer landwirtschaftlicher Betriebe.
| Anzahl Höfe nach bewirtschafteter Fläche | 2010 | 2020 | 2023 | Veränderung 2023/2010 |
|---|---|---|---|---|
| Klein (0 - < 25 ha) | 89,2 | 70,2 | 66,9 | -25,0 |
| Mittel (25 - < 125 ha) | 188,5 | 144,2 | 130,9 | -30,5 |
| Groß (125 ha oder größer) | 63,2 | 73,0 | 75,6 | 19,6 |
| Gesamt | 340,9 | 287,4 | 273,4 | -19,8 |
Auch die Art der Bewirtschaftung steht im Umbruch. Die Landwirtschaft muss sich an den Klimawandel anpassen. Striktere Regulierungen drücken den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Gleichzeitig müssen die Höfe des Landes angesichts eines steigenden internationalen Wettbewerbs ihre Effizienz und Produktivität erhöhen. Zudem steht die Landwirtschaft vor der Aufgabe, ihren CO2-Ausstoß zu verringern. Allein der landwirtschaftliche Maschinenpark stößt laut Branchenverband Axema jährlich CO2 in Höhe von 8,3 Millionen MtCO2eq aus, 2,5 Prozent der französischen CO2-Emissionen.
Deutsche Landmaschinen weit verbreitet
Im Landmaschinenbereich sind alle Unternehmen von Rang und Namen mit eigenen Produktionsstätten im Land aktiv. Bei Traktoren führen nichtfranzösische Anbieter wie Fendt und John Deere traditionell die Verkaufscharts an. Außerhalb des Traktorensegments sind auch französische Anbieter wie Kuhn, Manitou, Rolland oder Grégoire-Besson stark vertreten. Claas zählt ebenfalls zu den führenden Anbietern von Traktoren und Landmaschinen und ist mit zwei Produktionen bei Clermont-Ferrand und Le Mans sowie landesweiten Verkaufs- und Serviceniederlassungen in Frankreich vertreten.
Zudem sind deutsche Anbieter führend bei französischen Importen von Traktoren und Landmaschinen. Deutsche Einfuhren von Landmaschinen deckten 2024 rund 45 Prozent aller Branchenimporte ab.