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Griechischer Maschinenbau profitiert von EU-Fördermitteln
Investitionen der griechischen Industrie kommen heimischen Maschinenherstellern zugute. Das Angebot ist begrenzt. Der Produktionswert wächst stetig.
13.06.2026
Von Michaela Balis | Athen
Ausblick des Maschinenbaus in Griechenland
Bewertung:
- Bis Ende 2026 kommen positive Impulse dank der Fördermittel aus dem EU-Aufbaufonds.
- Die Bruttoanlageinvestitionen dürften 2027 nur noch leicht wachsen.
- Zahlreiche Bau- und Investitionsprojekte in der griechischen Industrie kurbeln die Nachfrage nach Maschinen an.
- Branchenunternehmen sind stark exportorientiert und stark spezialisiert.
Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juni 2026
Markttrends
Anhaltende Unsicherheit aufgrund des Nahostkonflikts sowie hoher Energie- und Rohstoffpreise prägen die griechische Wirtschaft. Im Mai stieg die Inflation auf 5 Prozent. Dies führt zu zurückhaltenden Erwartungen in der Wirtschaft. Der Geschäftsklimaindex der Industrie fiel im April 2026 auf 105,7 Punkte nach 106,8 Punkten im Vormonat, teilte das griechische Institut für Wirtschafts- und Industrieforschung IOBE mit.
EU-Fördermittel begünstigen neue Anschaffungen
Die Bruttoanlageinvestitionen sollen dank des EU-Aufbaufonds auch 2026 um 7,5 Prozent zulegen, schätzt die EU‑Kommission. Bereits 2025 entfiel rund ein Drittel der Investitionen auf Maschinen und metallische Erzeugnisse. Der Trend setzt sich voraussichtlich bis zum Auslaufen des EU‑Aufbaufonds im Dezember 2026 fort. Laut Experten stärkt das die inländische Maschinenbauindustrie. Bis Ende 2026 soll Griechenland weitere rund 9 Milliarden Euro an Zuschüssen und Krediten aus dem EU-Topf erhalten. Zusätzliche Impulse kommen aus dem EU-Partnerschaftsprogramm, das bis 2027 läuft.
Ab 2027 erwartet die EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose eine deutliche Abschwächung der Investitionsdynamik. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen dann um nur 1,3 Prozent steigen.
Investitionsprojekte kommen dem Maschinenbau zugute
Griechische Maschinenbauer konzentrieren sich auf die Sparten des verarbeitenden Gewerbes im Land, die traditionell stark und investitionsfreudig sind: die Milch- sowie die Back- und Mehlindustrie. Auch die Landwirtschaft nutzt griechische Maschinen. Zudem ergeben sich bei der Ausrüstung neuer Gebäude Absatzchancen für Maschinenhersteller.
In der Lebensmittelindustrie stehen zahlreiche Modernisierungs- und Ausbauprojekte an. Dank der Konsolidierung des Marktes haben kapitalstarke Fonds und Großunternehmen den finanziellen Spielraum. Sie erweitern und erneuern ihre Produktionslinien. Das bedeutet auch neue Aufträge für die griechische Maschinenbauindustrie.
Der Modernisierungsbedarf ist auch in der Landwirtschaft intensiv. Trotz struktureller Schwächen, wie kleinteiliger Betriebsstruktur, wollen größere Agrarbetriebe energieeffizienter oder produktiver werden. Dies führt zwangsläufig zu neuen Investitionen.
Nicht zuletzt finanziert der EU-Aufbaufonds umfangreiche Infrastrukturprojekte. Parallel kurbeln zahlreiche Tourismusprojekte die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstung an.
Geringer Anteil des Maschinenbaus an der Wirtschaftsstruktur
Die griechische Wirtschaft ist stark dienstleistungsorientiert: Knapp 80 Prozent der Bruttowertschöpfung entfallen auf die Sektoren Grundstücks- und Wohnungswesen, Tourismus und Handel. Laut griechischem Statistikamt Elstat trägt die griechische Industrie rund 15 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei. Die Maschinenbauindustrie hat daran gerade einmal einen Anteil von rund 2,5 Prozent. Die Branche beschäftigt etwa 3,5 Prozent der Arbeitnehmer im verarbeitenden Gewerbe.
Aus Deutschland sind Maschinen für die Metallindustrie sehr gefragt
Traditionell konkurriert Deutschland eng mit Italien – und in den vergangenen Jahren zunehmend mit China – um die führende Lieferantenposition von Ausrüstung. Im Jahr 2025 war Italien wichtigster Lieferant von Maschinen und Ausrüstung (SITC 71-74), gefolgt von China. Deutschland rutschte auf Platz 3. Die deutschen Lieferungen nach Griechenland gingen um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Noch 2019 nahm Deutschland eindeutig die Spitzenposition ein.
In der Sparte "Maschinen für die Metallverarbeitung" konnte Deutschland auch 2025 seine führende Stellung behaupten. Die deutschen Ausfuhren legten um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr zu.
Zu den wichtigsten Exportmärkten der griechischen Maschinenbauer im Jahr 2025 gehörten – je nach Maschinensparte – Deutschland, Zypern, die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate. Deutschland ist der bedeutendste Abnehmer griechischer Maschinen für die Metallverarbeitung. Umgekehrt spielt Griechenland für Deutschland jedoch nur eine geringe Rolle: Es liegt auf Platz 32 unter den Lieferländern solcher Maschinen.
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
Griechenland ist kein bedeutender Maschinenhersteller. Die Unternehmen sind auf bestimmte Sparten konzentriert. Dazu zählen zum Beispiel die Herstellung von Personen- und Lastenaufzügen oder Rolltreppen, Kühl- und Lüftungsgeräten, milchwirtschaftlichen Maschinen, Pumpen und Kompressoren sowie Maschinen und Apparaten für die Nahrungsmittelindustrie. Darunter fallen unter anderem Maschinen zum Filtrieren oder Reinigen von Flüssigkeiten, aber auch Maschinen zum Reinigen und Sortieren von Eiern und Obst.
Einige Unternehmen sind auch im Ausland sehr erfolgreich. Beispiele sind Kleeman Hellas und Doppler, die Güter- und Personenaufzüge herstellen. Kleeman exportiert 90 Prozent seiner Produktion in über 100 Länder.
Die Landmaschinen haben sich im griechischen Verband für Landmaschinenhersteller EKAGEM zusammengeschlossen.
Produktionswert steigt stetig
Der Produktionswert der Maschinenbau‑Sparte NACE 28 erreichte im Jahr 2024 laut Elstat 757 Millionen Euro und lag damit rund 7 Prozent über dem Wert des Vorjahres.
Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der EU sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa Deutsches Institut für Normung e.V. oder die griechische Organisation für Standardisierung (ELOT).