Wirtschaftsumfeld | Griechenland | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten

Löhne und Gehälter

Die griechische Regierung erhöhte 2025 den Mindestlohn und senkte die Sozialversicherungsbeiträge, wichtige Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit.

Von Michaela Balis | Athen

Bis zum Ende der Legislaturperiode 2027 plant die griechische Regierung, den monatlichen Bruttomindestlohn für einen ledigen Berufseinsteiger auf 950 Euro anzuheben. Bereits im April 2025 erhöhte sie diesen um kräftige 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, von 830 Euro auf 880 Euro.

Beschäftigte mit einer Betriebszugehörigkeit von drei Jahren erhalten eine Gehaltserhöhung von 10 Prozent auf den Mindestlohn. Bei einer Betriebszugehörigkeit von neun Jahren erhöht sich der Satz sogar um 30 Prozent. Die Steigerung wirkt sich auch anteilig auf die Sozialleistungen aus.

Im 1. Halbjahr 2024 arbeiteten rund 600.000 Menschen, etwa ein Fünftel aller Angestellten, für den Mindestlohn. Zwar sind die Nominallöhne in den vergangenen Jahren gestiegen, doch die Kaufkraft ist seit 2020 wieder gesunken: Sie lag 2024 bei nur 86 Prozent des EU-Durchschnitts, gegenüber 88,4 Prozent im Jahr 2020.

Neues Gesetz zur Festlegung des Mindestlohns

Seit 2012 legt die Regierung die Höhe des Mindestlohns per Gesetz oder Ministerialerlass fest. Griechenland beabsichtigt, die EU-Richtlinie 2022/2041 in nationales Recht umzusetzen. Demnach soll jedes Land die Höhe des Mindestlohns auf der Grundlage sozioökonomischer Bedingungen, hierunter zählen beispielsweise die Inflation, Arbeitslosigkeit, Kaufkraft, nationale Entwicklungen und das Produktivitätsniveaus, festlegen. Das neue System soll ab 2028 in Kraft treten.

Allerdings erfüllt Griechenland noch nicht alle Verpflichtungen, die aus der Richtlinie hervorgehen. So müsste die tarifvertragliche Abdeckung im Land bei über 80 Prozent liegen. In Griechenland sind nur knapp 9 Prozent der Arbeitnehmenden von Tarifverträgen abgedeckt, informiert die Europäische Zentralbank (Stand 3. Quartal 2025). Das griechische Arbeitsministerium will die Verhandlungen zwischen Branchenunternehmen und Arbeitnehmern fördern, um eine höhere Tarifbindung zu erreichen. 

Höhere Gehälter im neuen Jahr geplant

Für das Jahr 2026 prognostiziert die griechische Zentralbank einen Einkommensanstieg in der Privatwirtschaft um rund 5 Prozent. Auch deutsche Unternehmen planen wieder Gehaltserhöhungen. Bekanntlich zahlen diese zwischen 10 bis 15 Prozent mehr als andere lokale Unternehmen in Griechenland.

Laut der im Mai 2025 veröffentlichten Studie "Business Pulse“ des griechischen Industrieverbands SEV planten im Jahr 2025 mehr als die Hälfte der Unternehmen, Lohnerhöhungen zu gewähren. Besonders die Industrie zeigte sich großzügig: 80 Prozent wollten die Gehälter anheben, um Leistung zu honorieren. Weitere Gründe für Gehaltserhöhungen waren die Stärkung der Mitarbeiterbindung und die Absicherung gegenüber der Konkurrenz.

Die Gehaltshöhe ist auch branchenabhängig. So zahlen Reedereien, IKT-Unternehmen, Transportunternehmen und die Finanzbranche ihren Angestellten durchschnittlich eher mehr. Insbesondere Beschäftigte in der Softwareentwicklung profitieren von einem besseren Einkommen, wenn sie für deutsche Unternehmen arbeiten. Dies ist unter anderem auf den beginnenden Fachkräftemangel in diesem Bereich zurückzuführen. Hotspots der IKT-Branche sind die nordgriechischen Städte Ioannina und Thessaloniki. Die höchsten Gehälter werden in der Hauptstadt Athen gezahlt. 

Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In Euro, 2024
Branche

Monatslohn

Durchschnittslohn

1.977,9

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

1.209,0

Verarbeitendes Gewerbe

2.071,0

Baugewerbe

1.993,2

Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

1.760,3

Transport und Lagerhaltung

2.565,2

Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

1.776,4

Informations- und Kommunikationsleistungen

2.506,5

Finanz- und Versicherungswesen

2.737,4

Quelle: ILO 2025

Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In Euro, 2024
Position

Monatslohn

Durchschnittslohn

1.977,9

Führungskraft

4.205,6

Personal mit akademischer Ausbildung

2.357,7

Techniker:in

2.060,9

Unterstützende Bürokraft

1.873,2

Dienstleistungs- und Verkaufskraft

1.712,5

Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

1.392,0

Handwerker:in

1.945,4

Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft

1.995,7

Hilfskraft

1.523,5

Quelle: ILO 2025

Rund 54 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft verdienten 2024 mehr als 1.000 Euro brutto im Monat, berichtet die elektronische Plattform des Arbeitsministeriums Ergani. Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer. Das Gehalt von Frauen liegt rund 13 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen, wie Eurostat ausweist (Stand 2022.)

Regierung senkt Sozialversicherungsbeiträge

Alle Krankenkassen haben sich infolge der Wirtschaftskrise zum einheitlichen Sozialversicherungsträger EFKA zusammengeschlossen. Seit dem 1. Januar 2025 wurden die Sozialversicherungsbeiträge um insgesamt 1 Prozent auf 35,16 Prozent gesenkt. Das bedeutet, dass der Arbeitgeberanteil nun 21,79 Prozent und der Arbeitnehmeranteil 13,37 Prozent beträgt. Die griechische Regierung plant, die Sozialversicherungsbeiträge bis 2027 um ein weiteres Prozent zu senken. Die gesamte erwerbstätige Bevölkerung ist sozialversicherungspflichtig.

Sozialbeiträge 2025In Prozent der Bemessungsgrundlage
Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil)13,33
Krankenversicherung inkl. Mutterschaftsschutz (Arbeitgeberanteil)4,05
Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil)1,41
Sonstige Versicherungen (Arbeitgeberanteil)3,0
Quelle: Sozialversicherungsträger EFKA 2025

Arbeitnehmer bekommen 13. und 14. Monatsgehalt

Das Jahresgehalt wird in der Privatwirtschaft auf 14 Gehälter verteilt. Arbeitnehmer, die vom 1. Januar bis zum 30. April beschäftigt waren, haben Anrecht auf Ostergeld in Höhe eines halben Monatslohns. Diejenigen, die vom 1. Mai bis zum 31. Dezember tätig waren, erhalten Weihnachtsgeld in Höhe eines vollen Gehalts. Bis zum 15. Juli eines jeden Jahres muss das Urlaubsgeld in Höhe eines halben Monatslohns ausgezahlt werden.

Angestellte in Führungspositionen oder im Vertrieb erhalten auf der Grundlage der geplanten und erreichten Ziele Prämien oder sonstige Vergütungen. Leistungsprämien sind lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Dienstwagen, Diensthandy oder Mietzuschüsse gelten als geldwerter Vorteil und unterliegen ab einer bestimmten Grenze dem Lohnsteuerabzug. Darüber hinaus gewähren einige Unternehmen auf monatlicher oder jährlicher Basis Einkaufsgutscheine für Supermärkte. Gutscheine bis zu einem Wert von 1.452 Euro pro Jahr sind nicht steuerpflichtig.

Dieser Inhalt gehört zu

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.