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Personalsuche und Personalmanagement
Es bieten sich viele Wege für eine erfolgreiche Personalsuche an. Die Wechselbereitschaft von Fachkräften ist hoch.
04.03.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Unternehmen in Indien suchen ihr Personal je nach Berufsgruppe über unterschiedliche Kanäle. Betriebe finden Arbeiterinnen und Arbeiter über Werbeanzeigen an ihrem Standort oder über Mund-zu-Mund-Propaganda. Es kommt auch vor, dass Vertreter aus der Region an Firmen herantreten und diese bitten, mehr Menschen aus der Region zu beschäftigen.
Für die Suche nach Angestellten nutzen Unternehmen eher Onlineportale wie Naukri oder das Berufsnetzwerk LinkedIn. Dort veröffentlichen die Betriebe Stellenangebote oder sprechen Kandidaten direkt an.
Die Kandidatinnen und Kandidaten durchlaufen dann mehrere Auswahlrunden, denn der Unterschied zwischen den aufgeführten Qualifikationen und tatsächlichen Kenntnissen kann hoch sein. Unternehmen sollten die Fähigkeiten von potenziellen Mitarbeitenden genau prüfen. Das kann durch praktische Tests oder schriftliche Aufgaben im Rahmen des Bewerbungsprozesses geschehen.
Unternehmen rekrutieren auf dem Campus
Viele Akademiker werden direkt an Hochschulen angeworben. Unternehmen präsentieren sich bei sogenannten "Campus Placements" und nehmen mit Kandidatinnen und Kandidaten, die sich kurz vor dem Abschluss befinden, Kontakt auf. Unternehmen wählen dafür Bildungseinrichtungen, die ihren Anforderungen an Abschlüsse und Bildungsniveaus entsprechen.
Begehrt sind die Indian Institutes of Technology und die Indian Institutes of Management. Bei deren Veranstaltungen ist der Wettbewerb um Kandidaten intensiv. Internationale Konzerne wetteifern hier mit Start-ups und den Größen der indischen Wirtschaft um die klügsten Köpfe des Landes.
Ein anderer Weg sind weniger prestigeträchtige Universitäten und Colleges, wo die Konkurrenz bei der Rekrutierung nicht so stark ist. Kleinere, eher unbekanntere Bildungseinrichtungen bieten zudem den Vorteil, dass Unternehmen langfristige Beziehungen zu der Einrichtung aufbauen können. Die Gehaltsansprüche von Absolventen sind dort außerdem niedriger als die Vorstellungen der Alumni von Spitzeneinrichtungen.
Jobangebote beim Recruiting auf einem Campus unterliegen strengen Vorschriften. Diese betreffen die Form und Details der Jobangebote. Auch die offerierten Gehälter müssen transparent sein. Die Hochschulen verfügen über Schnittstellen (sogenannte Placement Cells), die relevante Informationen bereitstellen und als Verbindungsbüros zur Wirtschaft agieren.
Personalberatungen für höhere Positionen
Um Führungs- und Fachkräftestellen zu besetzen, greifen immer mehr Unternehmen auf Personalberatungen zurück. Sie suchen passende Kandidatinnen und Kandidaten und unterstützen bei der Vorauswahl. Unternehmen sollten klar formulieren, was sie von Bewerbern erwarten und welche diese Qualifikationen benötigen. Die Kosten für die Personalvermittlung belaufen sich üblicherweise auf ein Monatsgehalt der zu besetzenden Stelle.
Personalmanagement erfolgt meist im Unternehmen
Die Personalverwaltung erfolgt in der Regel intern. Eigene Abteilungen übernehmen das Personalmanagement und Backoffice-Tätigkeiten. Gehälter werden aber auch von externen Buchhaltungsunternehmen abgerechnet. Aufgrund des gut entwickelten Dienstleistungssektors geht der Trend zu spezialisierten Dienstleistern, die weitere Personalaufgaben oder das Marketing übernehmen.
Arbeitskräfte sind derzeit weniger wechselwillig
Die Unternehmensberatung Ernst & Young bezifferte die Fluktuationsrate unter Arbeitnehmenden 2024 auf 17,5 Prozent. Die Personalagentur Wisemonk geht für 2025 von 17,1 Prozent und für 2026 nur noch von 13,6 Prozent aus. Die Schwankungsbreite ist jedoch hoch. So schätzen die Experten die Fluktuationsrate im Bereich Onlinehandel auf fast 29 Prozent und für den Bereich Bergbau und Metallbearbeitung auf lediglich 9 Prozent.
Viele Arbeitskräfte sind derzeit unsicher, wie sich ihre Berufe verändern werden, und setzen daher auf die Sicherheit einer einmal erlangten festen Stelle. Die Auswirkungen künstlicher Intelligenz sind beispielsweise noch nicht klar. Die Regierung will das Land zu einem globalen Zentrum für KI machen. Auch Unternehmen investieren hier große Summen.
Oft gibt das Gehalt für einen Wechsel den Ausschlag. Beim neuen Arbeitgeber können meist Gehaltssprünge durchgesetzt werden. Zuwächse von 20 bis 50 Prozent sind keine Seltenheit.
Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre Arbeitskräfte an sich binden. Zu den Hebeln gehören jährliche Evaluierungen (Appraisals), die meist mit Gehaltsanpassungen einhergehen. Auch variable Gehaltsbestandteile wie Aktienoptionen sowie Unternehmensbeteiligungen gewinnen an Bedeutung, insbesondere bei Start-ups.
Für Bürojobs bleiben hybride Arbeitsmodelle wichtig. Viele Mitarbeitende schätzen auch jährliche Unternehmensausflüge, die mit Schulungen verbunden werden, sogenannte Offsites. Solche Events und Tagungen abseits des Arbeitsortes dauern ein bis drei Tage.