Wirtschaftsumfeld | Indien | Arbeitsmarkt, Lohn- und Lohnnebenkosten
Löhne und Gehälter
Auch 2026 werden die Bruttogehälter wieder deutlich steigen. Die Gehaltsspannen sind groß. Faktoren wie Branche und Position haben starken Einfluss.
04.03.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Indien ist ein riesiges, vielschichtiges Land mit verschiedenen regionalen Arbeitsmärkten. Zwischen 80 und 90 Prozent der Erwerbsbevölkerung sind zudem im informellen Sektor beschäftigt, was die Aussagekraft von offiziellen Angaben über durchschnittliche Bruttolöhne einschränkt.
Das Lohnwachstum ist höher als in anderen Ländern der Region
2026 erwartete durchschnittliche Lohnsteigerung im verarbeitenden Gewerbe.
Personalberatungen erstellen für Arbeitskräfte in regulären Arbeitsverhältnissen detaillierte Gehaltstabellen. Diese dienen als Orientierung und Vergleiche für die Lohnkostenentwicklung in einzelnen Branchen, in Regionen und nach Positionen. Die Personalberatung AON prognostiziert, dass die Löhne 2026 landesweit im Schnitt um 9,0 Prozent gegenüber 2025 zulegen. Die japanische Außenhandelsorganisation JETRO geht 2026 von einem durchschnittlichen Lohnwachstum von 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.
JETRO sieht in Indien ein deutlich stärkeres Wachstum der Gehälter als in anderen Ländern. Für Vietnam gehen die Experten beispielsweise nur von einer Zunahme von 5,5 Prozent aus. Bereits in den Vorjahren lag Indien bei den durchschnittlichen Gehaltssteigerungen in Asien regelmäßig in der Spitzengruppe.
Gehälter variieren
Die Löhne im verarbeitenden Gewerbe sollen 2026 laut JETRO um 9,4 Prozent zulegen. Für Branchen wie Finanzdienstleistungen oder Life Science werden überdurchschnittliche Gehaltsteigerungen erwartet.
| Branche | Gehaltsanstieg |
|---|---|
| Immobilien und Infrastruktur | 10,9 |
| Finanzdienstleistungen | 10,0 |
| Konstruktionsdienstleistungen | 9,7 |
| Life Sciences | 9,6 |
| Einzelhandel | 9,6 |
| Kfz-Produktion | 9,6 |
| Global Capability Center | 9,5 |
| Chemische Industrie | 8,8 |
| Banken | 8,6 |
| Technologieberatung und dazugehörige Dienstleistungen | 6,8 |
Trotzdem sind die Löhne in Indien wettbewerbsfähig und in der Region auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Laut der International Labour Organisation betrug der durchschnittliche Monatslohn 2024 lediglich 249 US-Dollar (US$). In Vietnam lag der Vergleichswert bei 355 US$ und in Thailand bei 468 US$.
| Branche | Monatslohn |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 249 |
| Informations- und Kommunikationsleistungen | 548 |
| Wissenschaft und Technik | 375 |
| Finanz- und Versicherungswesen | 365 |
| Strom-, Gas-, Wärme- und Kälteversorgung | 327 |
| Transport und Lagerhaltung | 243 |
| Wasserversorgung, Abfallwirtschaft | 206 |
| Verarbeitendes Gewerbe | 209 |
| Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie | 176 |
| Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz | 167 |
| Baugewerbe | 161 |
| Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei | 115 |
| Position | Monatslohn |
|---|---|
| Durchschnittslohn | 249 |
| Führungskraft | 534 |
| Personal mit akademischer Ausbildung | 432 |
| Techniker:in | 311 |
| Unterstützende Bürokraft | 291 |
| Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft | 196 |
| Handwerker:in | 190 |
| Dienstleistungs- und Verkaufskraft | 177 |
| Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft | 143 |
| Hilfskraft | 122 |
Hinzu kommen Unterschiede zwischen den Landesteilen. In größeren Städte und in wirtschaftlich entwickelten Regionen sind die Löhne höher als in ländlichen Räumen beziehungsweise in ärmeren Gegenden. Die bei deutschen Unternehmen beliebten, eher weiterentwickelten Standorte Pune, Bengaluru und Chennai verzeichnen überdurchschnittliche Gehältern.
Vom mittleren Management aufwärts werden die Gehälter individuell verhandelt. Entscheidend für deren Höhe sind neben dem Unternehmensstandort, die Berufserfahrung und die besuchte Hochschule. Die Gehälter, die Betriebe tatsächlich zahlen, variieren daher innerhalb der Branche und zwischen vergleichbaren Positionen und Funktionen.
Viele Mindestlöhne
Es gibt keinen landesweit gültigen gesetzlichen Mindestlohn, sondern nach Qualifikation, Industrie und Region gestaffelte Tarife. Diese sind auf der Homepage des Chief Labour Commissioner abrufbar. Im Zuge von Arbeitsmarktreformen gibt es inzwischen eine landesweit gültige Lohnuntergrenze, die sich an den Lebenshaltungskosten orientiert.
Die Bundesstaaten können zudem frei entscheiden, ob sie einen separaten Mindestlohn festlegen, der dem zentralstaatlichen entspricht oder darüber hinaus geht. Die gesetzlichen Regelungen werden von den Bundesstaaten voraussichtlich noch 2026 veröffentlicht.
Zusätzliche Lohnbestandteile sind elementar
Zu den wichtigsten Zusatzleistungen gehört das 13. Monatsgehalt, üblicherweise ausgezahlt anlässlich der Diwali-Feiertage im Oktober oder November. Die Zulage beträgt mindestens 8,33 Prozent und höchstens 20 Prozent des Jahresgehalts. Gültig ist diese Regelung für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern und sie ist vom erzielten Gewinn abhängig. Viele Unternehmen zahlen darüber hinausgehend Boni, oft in Abhängigkeit vom Betriebsergebnis. Der Bonus wird im April ausgezahlt, nach dem Ende des indischen Finanzjahres am 31. März.
Angestellte haben nach Beendigung des Arbeitsvertrages Anspruch auf eine Abfindung (genannt Gratuity). So sieht es der in Umsetzung befindliche "Code on Social Security 2020" vor. Bereits jetzt sind solche Zahlungen im formellen Sektor üblich. Oft sind sie an eine Mindestzugehörigkeit zum Unternehmen geknüpft und dienen als Anreiz für Arbeitnehmer, mehrere Jahre im Unternehmen zu bleiben.
Auch Zulagen (genannt Allowances) machen einen erheblichen Teil des Arbeitsentgelts aus und können ausschlaggebend für die Wahl des Arbeitgebers sein. Die Zulagen können zum Beispiel für Fahrtkosten oder Unterkunft vereinbart werden. Sie dürfen – abgesehen von der Teuerungszulage (Dearness Allowance) und dem Bleibeanreiz (Retaining Allowance) – nicht mehr als 50 Prozent des Gehalts ausmachen.
Sozialbeiträge sind an Bedingungen geknüpft
Die staatliche Altersvorsorge erfolgt durch den Vorsorgefonds Employees' Provident Fund (EPF), in den Arbeitgeber für Beschäftigte einzahlen müssen, die ein Monatseinkommen bis zu 15.000 indische Rupien (rund 165 US$) erhalten. Darüber hinaus sind sie für Firmen freiwillig, die 20 oder mehr Beschäftigte haben. Der Satz für Arbeitgeber und -nehmer beträgt 12 Prozent, jedoch nur 10 Prozent bei Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten. Arbeitgeber, die in den EPF einzahlen, sind darüber hinaus auch Teil der Versicherung "Employees' Deposit Linked Insurance Scheme". Diese wird im Todesfall von Arbeitnehmern an deren Familie ausgezahlt wird.
Für ausländische Beschäftigte die mit dem Status "International Worker" in lokalen Unternehmen arbeiten ist der Beitrag zum EPF verpflichtend und wird auf Grundlage des vollen Gehalts berechnet.
Die Versicherung Employees' State Insurance soll Geringverdiener bei Krankheit und bei Arbeitsunfällen unterstützen. Sie ist für Arbeitnehmer mit einem Monatseinkommen von weniger als 21.000 iR. verpflichtend und wenn ein Betrieb zehn oder mehr Beschäftigte hat. Die Beiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer betragen 3,25 beziehungsweise 0,75 Prozent.
| Versicherung | Arbeitgeberanteil |
|---|---|
| Rentenversicherung1) | 12 |
| Krankenversicherung2) | 3,25 |
| Abgabe für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Mutterschutz3) | 100 |
| Arbeitslosenversicherung | - |
| Sonstige Versicherungen | - |
In den Bundesstaaten kann es zusätzliche oder abweichende Regeln geben. Auch auf Bundesebene sind Ausnahmen und Sonderregelungen möglich.