Arbeitsmarkt | Hongkong

Fachkräftemangel in Nischensektoren

Bei moderatem Wirtschaftswachstum expandieren Firmen auf geringem Niveau. Es erfolgen wenige Entlassungen, aber ebenso wenige Nachbesetzungen. 

Robert Herzner

Von Robert Herzner | Hongkong

Wir haben die Reihe "Lohn- und Lohnnebenkosten" in "Arbeitsmarkt" umbenannt.

In der Wirtschaftsmetropole Hongkong im Süden Chinas mit 7,5 Millionen Einwohnern arbeiten 3,8 Millionen Menschen. Der Dienstleistungssektor spielt eine entscheidende Rolle für die Wertschöpfung. Über 93 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaften Unternehmen in diesem Bereich, davon wiederum 21 Prozent im Finanz- und Versicherungssektor. 

Dementsprechend hoch qualifiziert sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Etwa 38 Prozent verfügen über einen Hochschulabschluss. Die Arbeitslosenquote verharrt seit Anfang 2024 bei 3 Prozent. Die Industrie trägt nur 1 Prozent zum BIP bei. Der Anteil soll aber durch den Ausbau von Forschung und Entwicklung mittelfristig deutlich steigen.     

Stärken des Arbeitsmarkts 

  • Hoher Bildungsstand der Bevölkerung
  • Anwerbung aus dem Ausland
  • Wettbewerbsfähige Löhne im internationalen Vergleich

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Sehr hohe Lebenshaltungskosten
  • Lokalisierung des Personals
  • Demografischer Wandel

  • Ein Fachkräftemangel besteht in Technologiebereichen und im Gesundheitswesen. Die Regierung konzentriert sich auf die Anwerbung von Toptalenten.  

    In Hongkong ist die Erwerbsbevölkerung aufgrund von Überalterung rückläufig. Auch kommt es zu anhaltender Abwanderung. Als Reaktion hat die Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Anwerbung von Talenten eingeführt. Dazu gehören das Top Talent Pass Scheme (TTPS) und das Enhanced Supplementary Labour Scheme (ESLS). 

    Während die Erwerbsbevölkerung im letzten Quartal 2023 im Vergleich zum letzten Quartal 2019 um 4,1 Prozent zurückging, ist sie 2024 voraussichtlich wieder leicht angestiegen. Bis zum 30. Juni 2024 haben die verschiedenen Talentförderprogramme Hongkongs mehr als 150.000 Anträge bewilligt. Damit sind mehr hochqualifizierte Arbeitskräfte vom Festland nach Hongkong gekommen als in den letzten 10 Jahren zusammen.

    Hoher Bedarf an Managementstellen

    Die Industrie kritisiert jedoch, dass abgesehen von global nachgefragten Spezialisten der Fachkräftemangel in den ausgewählten Branchen dadurch nicht behoben wird. Die staatlichen Initiativen beziehen sich auf Absolventen von Eliteuniversitäten und können den Bedarf an Stellen im operativen Management nicht decken. Eine grundsätzliche Herausforderung besteht darin, dass die Erteilung von Arbeitserlaubnissen zwar die Anwerbung von Fachkräften erleichtern könnte, aber eher auf Universitätsabschlüsse als auf den Bedarf der Industrie ausgerichtet ist. 

    In vielen Branchen wie Einzelhandel, Gastgewerbe und Baugewerbe ist es für Unternehmen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in China leicht, Fachkräfte zu rekrutieren. Während früher IT- und Finanzspezialisten häufig aus Indien kamen, greifen nun Unternehmen verstärkt auf "kostengünstigere" Fachkräfte aus China zurück. Dies geht aber nur mit entsprechender Arbeitserlaubnis.  

    Personalmangel bei Einkauf und Beschaffung

    Deutsche Unternehmen sind in Hongkong vor allem in den Bereichen Einkauf, Beschaffung und Logistik aktiv. Laut der aktuellen Geschäftsklimaumfrage der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) Hongkong sehen 38,3 Prozent der Mitgliedsunternehmen einen Bedarf an Fachkräften. Ein Grund liegt darin, dass für einheimische Studenten diese Berufsfelder von nachgeordnetem Interesse sind. 

    Darüber hinaus werden Experten im Bereich "Environmental, Social and Governance" (ESG) benötigt, die die Unternehmensführung in der Region in den Aspekten Nachhaltigkeit, Umwelt und soziale Verantwortung unterstützen. Groß- und Einzelhändler, die über ihre Beschaffungsbüros in Hongkong Waren aus der Region beziehen, benötigen Beschäftigte, die ihre Lieferketten im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes prüfen.

    Hauptprobleme deutscher Unternehmen in China beim Halten und Finden von Mitarbeitern in HongkongUmfrage n = 94, Anzahl an Antworten in Klammern
    Top-ErwähnungenZusammengefasste Antworten
    Branchenspezifische Herausforderungen (39)Unternehmen in bestimmten Branchen wie Logistik, Lieferkettenmanagement, Finanzen und IT haben Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen, die an diesen Bereichen interessiert sind. Besonders schwer fällt es, junge Talente zu finden, die diese Sektoren als attraktive Karriereoptionen betrachten.
    Verfügbarkeit von Fachkräften und Skills (28)Unternehmen stehen vor erheblichen Herausforderungen bei der Suche nach qualifizierten Kandidaten mit den notwendigen Fähigkeiten und Erfahrungen. Dieses Problem wird durch einen schrumpfenden Talentpool verschärft, insbesondere da qualifizierte Arbeitskräfte auswandern oder von Arbeitgebern in anderen Regionen angeworben werden.
    Kostenbezogene Herausforderungen (28)Hohe Lebenshaltungskosten, einschließlich teurer Wohnungen und Büromieten, erschweren es Unternehmen, wettbewerbsfähige Gehälter anzubieten, die den Lebenshaltungskosten in Hongkong entsprechen. Dieser finanzielle Druck wirkt sich sowohl auf die Rekrutierung neuer Mitarbeiter als auch auf die Bindung bestehender Mitarbeiter aus, da die Gehaltserwartungen steigen.
    Demografischer Wandel (13)Der demografische Wandel in Hongkong führt zu einer Talentlücke, insbesondere bei Rollen, die aktuelle technische Fähigkeiten und die oft mit jüngeren Mitarbeitern verbundene Energie erfordern. Darüber hinaus ist die ältere Belegschaft möglicherweise nicht so gut auf die sich ändernden Anforderungen bestimmter Branchen eingestellt.
    Sprachbarrieren (12)Sprachkenntnisse, insbesondere in Englisch und Mandarin, sind ein kritisches Problem für die Unternehmen der Befragten. Unzureichende Sprachkenntnisse bei lokalen Kandidaten erschweren es, Positionen zu besetzen, die internationale Kommunikation oder fortgeschrittenes technisches Wissen erfordern, das in diesen Sprachen vermittelt wird.
    Attraktivität von Hongkong (11)Die Attraktivität Hongkongs als bedeutendes Finanzzentrum und Ziel für internationale Talente wird als rückläufig wahrgenommen. Dies liegt teilweise an politischen Veränderungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und einer sich verändernden globalen Wahrnehmung der Region. Infolgedessen sind potenzielle Kandidaten weniger geneigt, nach Möglichkeiten in Hongkong zu suchen.
    Quelle: AHK Hongkong 2024

    Robert Herzner

    Von Robert Herzner | Hongkong

  • Internetplattformen spielen zur Gewinnung von Arbeitskräften eine wesentliche Rolle. Sie operieren überwiegend auf Englisch. 

    Die Personalsuche und das Personalmanagement haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Viele Unternehmen nutzen soziale Medien und spezialisierte Plattformen, um geeignete Kandidaten zu finden. Künstliche Intelligenz (KI) ergänzt digitale Rekrutierungsmethoden, um den Rekrutierungsprozess zu optimieren. Für die individualisierte Personalsuche setzen Unternehmen häufig Headhunter ein. Work-Life-Balance gewinnt auf Arbeitnehmerseite an Bedeutung. 

    Internetplattformen zur Jobsuche in Hongkong

    Plattform

    Anmerkungen

    JobsDB

    Führende Jobplattform in Hongkong mit regionalem Fokus

    CT goodjobs

    Rekrutierungs-, Beschäftigungs- und Jobportal mit Branchenfokus auf Finanzen, Hotel- und Gaststättengewerbe, Informations- und Kommunikationstechnologie, NGOs und Einzelhandel

    CPjobs

    Fokus auf mittleres und gehobenes Management

    Recruit

    Fokus auf mittlere und untere Ebene von kleinen und mittelständischen Unternehmen

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

    Duale Berufsausbildung nach deutscher Ausbildungsordnung

    Für deutsche Unternehmen bietet die Auslandshandelskammer (AHK) verschiedene Dienstleistungen zur Rekrutierung von Fachkräften an. Die AHK Hongkong unterstützt Unternehmen im Bereich Personalvermittlung durch maßgeschneiderte Personaldienstleistungen, Stellenausschreibungen und Personalsuche. Für vor Ort ansässige Unternehmen bietet die AHK in Kooperation mit der Kaplan Business School duale Berufsausbildungen nach deutschen Ausbildungsordnungen an. 

    In den Berufen Kaufmann/-frau für Groß- und Außenhandelsmanagement, Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung und Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement können deutsche Unternehmen ihre Fachkräfte vor Ort selbst ausbilden. Das weltweit größte duale Berufsausbildungsprogramm außerhalb Deutschlands besteht seit 40 Jahren und hat in rund 100 Unternehmen mehr als 570 Fachkräfte ausgebildet. 

    Grundsatzfrage: Expatriate oder Lokalkraft?

    Unternehmen stehen bei der Besetzung von Führungspositionen immer wieder vor der Frage, ob sie diese mit einheimischen oder aus Deutschland entsandten Fachkräften besetzen sollen. Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. Zum einen haben viele Fachkräfte, Expatriates und lokale Experten Hongkong seit 2021 verlassen. Entsprechend hat sich der Pool an verfügbaren Führungskräften verkleinert. Auf der anderen Seite haben viele Unternehmen einzelne Abteilungen an andere Standorte verlagert oder Führungspositionen lokal neu besetzt. 

    Insofern gibt es eine ausreichende Anzahl von Expatriates mit langjähriger Erfahrung, die insbesondere in den Bereichen Logistik, Technologie, Finanzen und Bauwesen noch in Hongkong leben und kurzfristig zur Verfügung stehen. Unternehmen sollten sich der hohen Kosten bewusst sein, die mit der Entsendung von Expatriates verbunden sind. Dies betrifft insbesondere den Mietzuschuss aufgrund der hohen Mieten in der Metropole. Aber auch bei einheimischen Spitzenkräften sollten Arbeitgeber einen Wohnungszuschuss einplanen. Für den Standort Hongkong sprechen die äußerst niedrigen Einkommenssteuern mit einem Spitzensteuersatz von maximal 17 Prozent.

    Mitarbeiter gewichten Work-Life Balance stärker

    Laut einer Studie der Versicherungsgesellschaft Cigna gehören die Hongkonger zu den am meisten gestressten Menschen weltweit. Zwei Drittel der Hongkonger bewerten ihre Work-Life-Balance negativ, vor allem wegen unnötiger und übermäßiger Überstunden. Eine Studie von JobsDB ergab, dass 13,1 Prozent der Befragten Work-Life-Balance als wichtigsten Faktor für den Eintritt in ein Unternehmen ansehen, noch vor Karrieremöglichkeiten, dem zweitwichtigsten Faktor.

    Während die Work-Life-Balance für die Einwohner Hongkongs in jüngster Zeit zu einer "übergeordneten Überlegung“ geworden ist, haben verschiedene Generationen eigene, spezifische Erwartungen. Vergleicht man die Generation Y (24-34 Jahre) mit der Generation Z (18-23 Jahre), so ist ein höherer Anteil der Generation Z der Meinung, dass eine Fünf-Tage-Arbeitswoche und die Einhaltung von Feiertagen ein Muss sind, wenn man einen neuen Job in Erwägung zieht. Auch Schichtarbeit, die in einigen Branchen üblich ist, wird als abschreckend empfunden.  

    Um die Work-Life-Balance der Beschäftigten zu verbessern und ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern, reagieren die Unternehmen mit dem Angebot einer Vier-Tage-Woche. Bei gleichzeitiger Reduzierung des Arbeitsvolumens ist dies für die Unternehmen eine Option zur Budgetanpassung. Die Unternehmen sparen weiterhin an Büroflächen und bieten vermehrt Heimarbeitsplätze an, um die Zahl der festen Arbeitsplätze zu reduzieren. 

    Robert Herzner

    Von Robert Herzner | Hongkong

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  • Die Reallöhne haben das Niveau vor der Pandemie erreicht. Sie bleiben in Hongkong auch 2025 auf hohem Niveau, insbesondere in den Sektoren Finanzen und Technologie. 

    Um talentierte Mitarbeiter anzuziehen und zu halten, müssen Unternehmen wettbewerbsfähige Gehälter bieten. Das stellt sie vor Herausforderungen, denn steigende Lebenshaltungskosten und Inflation tragen dazu bei, dass die Gehaltsforderungen der Arbeitnehmer wachsen. Bei den Gehaltssteigerungen gibt es keine großen Unterschiede zwischen einzelnen Positionen im Unternehmen, sie lagen im Vorjahr 2023 durchschnittlich bei 3 Prozent. Auch im Jahr 2024 dürften sie ähnlich hoch ausfallen und sich am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und am Inflationsniveau orientieren. 

    Löhne und Jahresprämien steigen leicht

    Dies zeigt sich auch im öffentlichen Dienst. Der Salary Trend Survey Committee sieht die Gehaltsanpassungen im Jahr 2023 für leitende Beamte bei 2,9 Prozent, für Beamte der mittleren Ebene bei 4,7 Prozent und für Beamte der unteren Ebene bei 5,5 Prozent. Die meisten Gehälter für Beamte wurden entsprechend den Ergebnissen der Gehaltstrenderhebung angepasst, während die Gehälter im mittleren und unteren Dienstes deutlicher stiegen.

    Da die Mietkosten nach wie vor sehr hoch sind, reduzieren viele Unternehmen ihre Büropräsenz, verkleinern ihre Standorte und verlagern diese in Randbezirke. Der Kostendruck spiegelt sich auch in den Gehältern wider, die Jahresprämien fallen in den meisten Branchen mit etwa eineinhalb Monatsgehältern im Vergleich zu den Vorjahren niedrig aus.

    Im internationalen Vergleich sind Einkommensteuern und Sozialversicherungsbeiträge sehr gering. Daher erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Hongkong einen relativ hohen Nettoanteil ihres Gehalts. Verheiratete Alleinverdienerinnen und Alleinverdiener zahlen bei einem Bruttojahresgehalt von umgerechnet 50.000 Euro rund 950 Euro Einkommensteuer und 2.500 Euro Sozialabgaben. Damit betragen die Abzüge weniger als 7 Prozent. Für Unternehmen zahlen sich die ebenfalls geringen Arbeitgeberzuschüsse aus. Die Bruttolöhne in Hongkong liegen etwas unter dem deutschen Niveau. Dabei ist zu beachten, dass einfache Angestellte in der Regel deutlich weniger verdienen, während Führungskräfte höhere Gehälter beziehen als in Deutschland. 

    Bonuszahlungen haben hohen Stellenwert

    Neben dem Grundgehalt spielen leistungsabhängige Zusatzzahlungen eine wichtige Rolle. Hier gibt es branchen- und positionsspezifische Unterschiede, so ist der Anteil des Bonus am Gesamtgehalt bei einer Führungsposition im Vertrieb typischerweise deutlich höher. Ausländische Unternehmen zahlen in der Regel etwas höhere Monatsgehälter als inländische. Außerdem gewähren sie ihren Mitarbeitenden mehr Urlaub und bieten häufig eine private Krankenzusatzversicherung an. Dafür sind sie bei Bonuszahlungen zurückhaltender. Gerade diese haben aber bei Hongkonger Arbeitnehmern einen hohen Stellenwert – werden sie doch zum konsumstarken chinesischen Neujahrsfest im Januar/Februar ausgezahlt.

    Durchschnittliche Bruttomonatslöhne nach Branchen und ausgewählten Positionen 2023
    Position

    in HK-Dollar

    in US-Dollar *)

    Vertriebsleitung/Direktor:in Marketing (bei einer größeren Niederlassung)

    55.000 bis 150.000

    7.025 bis 19.160

    Ingenieur:in

    18.000 bis 45.000

    2.299 bis 5.748

    IT-Manager:in

    45.000 bis 110.000

    5.748 bis 14.050

    Manager:in Logistik

    30.000 bis 60.000

    3.832 bis 7.664

    Einkäufer:in

    20.000 bis 35.000

    2.555 bis 4.471

    Assistenzkraft mit Fremdsprachenkenntnissen

    25.000 bis 35.000

    3.193 bis 4.471

    Buchhaltung

    16.000 bis 55.000

    2.044 bis 7.025

    Verkäufer:in (Einzelhandel)

    15.000 bis 25.000

    1.916 bis 3.193

    * Umrechnung zum Wechselkurs 1 US$ = 7,829 HK$ (Jahresdurchschnittskurs 2023, Deutsche Bundesbank).Quelle: Adecco 2024

    Einkommensteuer mit progressivem Steuersatz

    Einkünfte von natürlichen Personen werden mit einem progressiven Steuersatz besteuert. Dieser beträgt bis zu einem Jahreseinkommen von 50.000 Hongkong-Dollar (HK$, umgerechnet 5.900 Euro) 2 Prozent und erhöht sich für jede weitere 50.000 HK$ um 4 Prozentpunkte, ab 200.000 HK$ (etwa 23.600 Euro) beträgt der Standardsteuersatz 17 Prozent. Vom Bruttoeinkommen wird ein pauschaler Freibetrag von 132.000 HK$ (circa 15.600 Euro) abgezogen. Dieser verdoppelt sich bei Eheleuten. 

    Ergänzend bestehen verschiedene Steuernachlässe, die insbesondere von der familiären Situation abhängig sind. So ist der Standardsteuersatz bei einem verheirateten Familienvater mit zwei Kindern erst ab einem Jahreseinkommen von 5.184.000 HK$ (612.400 Euro) einschlägig. 

    Sozialversicherungsbeiträge fallen niedrig aus

    Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen jeweils 5 Prozent des Bruttogehalts an die staatliche Pensionskasse (Mandatory Provident Fund) zahlen, allerdings nur bis zu einer Grenze von 30.000 HK$ (umgerechnet 3.540 Euro). Boni und Prämienzahlungen sind davon nicht betroffen. Somit müssen Arbeitgeber höchstens 1.500 HK$ (rund 177 Euro) für die Rentenversicherung pro Monat einkalkulieren. Freiwillig darf aber mehr eingezahlt werden. 

    Dazu muss der Arbeitgeber die Employees Compensation Insurance abschließen, eine Art Unfallversicherung. Diese deckt Schäden und Verletzungen im Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit ab und zahlt die Entschädigungen. Eine Liste mit Versicherungsgesellschaften kann auf der Webseite des Labour Department eingesehen werden. Ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind von der Beitragspflicht in den ersten 13 Monaten freigestellt. Sofern sie in ihrem Heimatland sozialversichert sind, greift die Versicherungspflicht in Hongkong anschließend nicht. 

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  • Das unternehmensfreundliche Arbeitsrecht bleibt weitgehend unabhängig von China. 

    Die folgenden Angaben stellen eine Erstinformation zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rechtspraxis dar. Germany Trade & Invest bietet keine weiterführende Rechtsberatung hinsichtlich der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen oder arbeitsrechtlicher Einzelfälle an.

    Hongkong ist als sogenannte Sonderverwaltungsregion (SVR) Teil der Volksrepublik China, jedoch in bestimmten Bereichen aufgrund des Handover-Vertrages zwischen dem Vereinigten Königreich und China rechtlich unabhängig. So gilt das koloniale Common Law bis 2047 beinahe unverändert fort. Das Arbeitsrecht ist weitgehend liberal. Einen Arbeitnehmerschutz, insbesondere Kündigungsschutz, wie er in Deutschland existiert, kennt Hongkong nicht. 

    Rechtsgrundlagen

    Rechtsgrundlage des Hongkonger Arbeitsrechts ist die Employment Ordinance, welche die vertraglichen Rahmenbedingungen festlegt. Sie sind zwingend und nur zugunsten des Arbeitnehmers abdingbar. Innerhalb des ausgesprochen liberalen Rahmens der Employment Ordinance besteht Vertragsfreiheit der Parteien. Der Staat verzichtet weitgehend auf eine konkretere Regelung der Arbeitsverhältnisse.

    Vertragsabschluss

    Ein Arbeitsvertrag kann sowohl schriftlich als auch mündlich abgeschlossen werden. Der unbefristete Vertrag gilt, soweit nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart ist, als ein Vertrag für einen Monat, der sich von Monat zu Monat verlängert. Die Parteien können eine Probezeit vereinbaren, die regelmäßig drei Monate beträgt.

    Sämtliche Rechte und Pflichten der Vertragsparteien werden im Arbeitsvertrag festgelegt. Die Lohnhöhe obliegt vorbehaltlich der Vorgaben der Minimum Wage Ordinance grundsätzlich der Parteivereinbarung. Bei Gehältern (inklusive Boni und Zulagen) von unter 14.100 Hongkong-Dollar (HK$, rund 1.650 Euro) pro Monat müssen die geleisteten Arbeitsstunden erfasst werden, um zu prüfen, ob die Zahlung des Mindestlohns eingehalten wurde.

    Gesetzliche Vorschriften hinsichtlich der Arbeitszeit existieren nicht, von einigen Industriezweigen abgesehen. Ausnahmen gelten für Jugendliche und Auszubildende. Diese dürfen täglich nicht mehr als acht Stunden arbeiten. Ihre wöchentliche Arbeitszeit darf 48 Stunden nicht überschreiten.

    Vertragsbeendigung

    Eine Kündigung wird unabhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit einen Monat nach Ausspruch wirksam, außer wenn vertraglich andere Kündigungsfristen vereinbart wurden. Die Resturlaubszeit darf auf diese Frist angerechnet werden. Die Vertragsparteien haben auch die Möglichkeit, bei Leistung einer Abfindung den Arbeitsvertrag ohne Kündigungsfrist zu beenden.

    Bei fristloser Kündigung durch den Arbeitgeber muss dieser einen Monatslohn zahlen. Lag aber ein schwerwiegendes Fehlverhalten des Arbeitnehmers vor, wie zum Beispiel Diebstahl oder Unterschlagung, entfällt diese Verpflichtung. Aufgrund des nur sehr geringen Kündigungsschutzes kommt es kaum zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. In der Regel einigen sich beide Parteien außergerichtlich.

    Bestand ein unbefristeter Arbeitsvertrag und war der Arbeitnehmer mehr als 24 Monate beschäftigt, so hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine Abfindung zu zahlen, wenn dem Arbeitnehmer wegen eines "reason of redundancy" oder wegen eines "layoff" gekündigt wurde. Ein "reason of redundancy" liegt vor, wenn der Arbeitgeber entweder seinen Betriebsteil, in dem der Arbeitnehmer beschäftigt war, schließen muss oder zu schließen beabsichtigt.

    Eine Kündigung wegen eines "layoff" liegt vor, wenn der Arbeitnehmer keine Arbeit zu verrichten hatte und für mehr als die Hälfte der Arbeitstage in vier aufeinanderfolgenden Wochen keinen Arbeitslohn erhalten hat beziehungsweise der Arbeitnehmer zwar Arbeiten zu verrichten hatte, aber für mehr als ein Drittel der Arbeitstage in 26 aufeinanderfolgenden Wochen keinen Lohn erhalten hat. Die Höhe des Abfindungsanspruches richtet sich nach Section 31 G Employment Ordinance.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: Durch Arbeitsvertrag geregelt
    Mindestlohn: Minimum Wage Ordinance; 40,0 HK$ pro Stunde (seit 01.05.23)
    Arbeitsstunden pro Woche: Durch Arbeitsvertrag geregelt
    Regelarbeitstage pro Woche: 5, teils auch fünfeinhalb oder 6
    Zulässige Überstunden: Durch Arbeitsvertrag geregelt
    Bezahlte Feiertage: 13 (einschließlich Zusatztagen 17)
    Bezahlte Urlaubstage: Mindestens 7 Tage; bei längerer Zugehörigkeit steigt Anspruch
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): Durch Arbeitsvertrag geregelt
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: Durch Arbeitsvertrag geregelt
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: Ab 4. Krankheitstag werden vier Fünftel des durchschnittlichen Tageslohns der vorhergehenden 12 Monate gezahlt; Krankheitsfehltage müssen über Beschäftigungszeit angesammelt werden
    Probezeit: Durch Arbeitsvertrag geregelt; regelmäßig 3 Monate
    Quelle: Labour Department 2024

    Krankheit, Urlaub und Elternschaft

    Es besteht Anrecht auf Mutterschaftsurlaub von zehn Wochen, der frei eingeteilt vor und nach der Geburt genommen werden kann. Dabei müssen vier Fünftel des durchschnittlichen Tagesgehalts der vorhergehenden 12 Monate gezahlt werden, vorausgesetzt die Mutter ist mindestens 40 Wochen vor Beginn des Mutterschaftsurlaubs beschäftigt gewesen. Für Väter gilt ein entsprechender Anspruch von drei Tagen.

    Im Krankheitsfall muss das Gehalt erst ab vier aufeinanderfolgenden Krankheitstagen in Höhe von 80 Prozent des durchschnittlichen Tageslohns der letzten 12 Monate weiterbezahlt werden und auch nur dann, wenn der Arbeitnehmer genügend Krankheitsfehltage ansparen konnte. Insbesondere ausländische Gesellschaften zeigen sich aber in der Regel kulant und zahlen bei kurzfristigen Ausfällen weiter.

    Streng sind hingegen die gesetzlichen Regelungen zu Kompensationszahlungen im Falle eines Unfalls am Arbeitsplatz. Kommt es zu einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit des Verunglückten, muss der Arbeitgeber in Abhängigkeit vom Lebensalter 48 bis 96 Monatsgehälter, mindestens aber 45.000 US$ Entschädigung entrichten. Im Todesfall belaufen sich die jeweiligen Zahlungen auf 36 bis 84 Monatsgehälter, mindestens aber auf 40.000 US$.

    Gewerkschaften

    Nach Artikel 27 des Basic Law steht Einwohnern in Hongkong das Recht zu, einem Verband zur Interessenvertretung von Arbeitnehmern beizutreten. Insgesamt sind in Hongkong sind etwa 1.500 Interessenvertretungen von Arbeitnehmern eingetragen. Gewerkschaften sind üblich, insbesondere für größere öffentliche Organisationen wie im Personennahverkehr.

    Gewerkschaften stehen besondere Rechte zu. Seit der Verabschiedung des Nationalen Sicherheitsgesetzes (NSL) 2020 wurden zwei Gewerkschaften von den Behörden aus dem Register gestrichen. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ging von 2019 bis 2022 um 7,6 Prozent zurück. Angesichts der verschärften Kontrolle zivilgesellschaftlicher Aktivitäten durch die Polizei sind kollektive Aktionen von Arbeitnehmern in der Öffentlichkeit fast verschwunden. Die Aktivitäten der Gewerkschaften beschränken sich weitgehend auf enge berufliche Interessen.

    Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

    Mit dem Inkrafttreten des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) gewinnen die Arbeitsschutzbedingungen vor Ort auch für Unternehmen aus Deutschland an Bedeutung, die nicht über eine Niederlassung in Hongkong verfügen, aber von dort Ware beziehen. Es bestehen gesetzliche Regelungen zum Schutz Minderjähriger und zur Sicherheit am Arbeitsplatz. 

    Robert Herzner

    Von Robert Herzner | Hongkong